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08. Juni 2016 - Freiheitskämpfer Prof. Dr. Dr. Denis Goldberg zu Gast

Am 08.06.2016 hatten wir die Ehre Denis Goldberg an unserer Universität begrüßen zu dürfen. Denis Goldberg ist ein Weggefährte Nelson Mandelas, mit dem er gegen das Apartheidregime in Südafrika kämpfte. Er war ein großer Teil der Befreiungsbewegung. Als Weißer hatte er das Privileg zur Schule gehen zu können und später eine Universität zu besuchen.

Als Bauingenieur konnte er den ANC (African National Congress) gut unterstützen. 1963 wurde Denis Goldberg festgenommen und wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt. 22 Jahre verbrachte der Bürgerrechtler im Gefängnis wegen seines Einsatzes im Krieg für Gerechtigkeit von Minderheiten wie Schwarzen und Indern. Dies tat Denis Goldberg wohlgemerkt als Weißer. Im Gefängnis erlangte er verschiedene akademische Abschlüsse.

Seine Kindheit war geprägt von einer toleranten Familie, die mit Menschen aller Kulturen und Hautfarben zu tun hatte. Denis Goldberg erzählte, dass er dadurch schnell lernte, dass jeder Mensch mit Respekt zu behandeln ist – egal welcher Herkunft oder Hautfarbe. Dies ist ihm bis heute sehr wichtig. Genau diese Einstellung war eine seiner stärksten Motivationen, so lang und erbittert für Gerechtigkeit und Freiheit der schwarzen Bevölkerung zu kämpfen.

Denis Goldberg war eine elementare Kraft bei der Etablierung freier und unabhängiger Wahlen in Südafrika.

 

Wir freuten uns sehr über die große Zahl an Interessierten, die zu diesem Vortrag gekommen sind.

  

19. Januar 2016 - Korruption in der Entwicklungszusammenarbeit 

Das Seminar zum Thema Korruption in der Entwicklungszusammenarbeit von Stefan Calvi, einem ehrenamtlichen Mitarbeiters des Vereins Transparency International Deutschland, wurde mit einer Besgriffsdefinition eröffnet. So wurde das Phänomen der Korruption zunächst als „Missbrauch anvertrauter Macht zum institutionellen Nutzen, zu Lasten der Gesellschaft“. Hierbei gebe es verschiedene Formen und Praktiken der Korruption, wie beispielsweise die Günstlingswirtschaft oder die Anfütterung. Die Problematik bestehe hier, dass diese Formen von Korruption durchaus legal sein können.

Zur besseren Unterscheidung lässt sich das Phänomen der Korruption in die Grand (große) Corruption von der Petit (kleine) Corruption unterscheiden. Während zu diesen wohl jeder ein Beispiel im Kopf hat, sind die strukturelle und systemische Korruption in vielen Gesellschaften in der Rechtsstruktur verankerte Regelwerke. Der Entstehungsprozess sei hoch korrupt und mache Korruption im eigentlichen Sinne damit unnötig, so Calvi.

Transparency International versucht unter anderem mit Hilfe eines Corruption Perception Index (CPI) den Grad der Korruption in verschiedenen Ländern abzubilden. Die Zeitschrift Resist soll international agierende Politiker und Geschäftsmänner darin coachen, Korruption zu vermeiden und im Falle eines Angebots damit umzugehen.

 

Fragt man Calvi, ob es bereits in der Vergangenheit erfolgreiche Strategien zur Bekämpfung von Korruption gab, so nennt er das Beispiel Singapur. Dort erreichte man durch die verhältnismäßig hohe Bezahlung von Verwaltungsangestellten und unter Androhung des Verlustes aller Privilegien und Pensionen, wenn sie sich nicht korrekt verhielten, einen rasanten Aufstieg im Ranking des CPI. Auch wenn weltweit bereits einige Erfolge erzielt wurden, ist es noch ein langer Weg bis die Menschen weltweit in die gerechte Wirkung von Staat und Gesetz vertrauen können. Reiche Länder wie Deutschland können sich hiervon nicht freisprechen. Sie profitieren in hohen Maße von internationaler Korruption und der Einflussnahme auf Gesetzte anderer Länder.  

 

Danke für eure Spenden!

Im Dezember 2014 organisierte der Arbeitskreis einen Waffel- und Keksverkauf vor der Mensa für die Kinderhilfsorganisation »Hand in Hand for Africa e.V.« Dank eures großen Hungers, der tatkräftigen Mithilfe von freiwilligen Helfern/-innen und vielen zusätzlichen Spenden, konnte ein Gewinn von 1098 Euro erzielt werden.

Die beiden Volontärinnen, die von Februar bis August 2014 in Namibia für die NGO vor Ort waren möchten euch nun nicht vorenthalten, wofür eure Spendengelder eingesetzt wurden:


Wir hatten in Namibia mit viel gerechnet, doch am wenigsten mit der unbeschreiblichen Kälte, mit der die teilweise auf dem Boden schlafenden Kinder in den Wintermonaten (Mai bis Juli) zu kämpfen hatten. Im abgelegenen Bushmanland lebt die Volksgruppe der San verglichen mit weiten Teilen des reichen Namibias, sehr rückständig und verarmt. In den beiden Internaten, die unsere primären Einsatzorte darstellten, schliefen viele Kinder auf dem Boden, teilweise nur durch dünne Decken vom kalten Steinboden getrennt. Andere auf bloßen Bettgerüsten. Fehlende Wärmedämmung und teilweise eingeschlagene Fenster machten die Gebäude nicht nur ungemütlich, sondern auch bitterkalt. Etwa die Hälfte der Kinder hatte nicht einmal eine Jacke oder lange Hosen, bei Minusgraden in der Nacht und am Morgen.

Umstände, an denen wir zusammen mit Hand in Hand for Africa und dem namibischen Ministry of Education während unserer gesamten Zeit mit unterschiedlichen Mitteln und Methoden arbeiteten.

Die an der Universität Siegen erzielten 1098 Euro reichten, um den ca. 350 Internatsbewohnern/-innen zwischen 6 und 15 Jahren jeweils eine Decke zu kaufen. Die Aktion wurde uns mit vielen glücklichen Kindergesichtern honoriert.

Unser Dank gilt neben den Mitarbeitern eines Einrichtungsgeschäftes, die teilweise mit dem Taxi zu anderen Filialen gefahren sind um diese doch sehr ungewöhnlich hohe Anzahl von Decken zu beschaffen, vor allem euch! Vielen Dank für jede gekaufte Waffel und an jeden, der mit uns stundenlang Kekse gebacken und am Stand mitgeholfen hat.


Liebe Grüße

Dorina und Svenja 

 

30. Juni 2015 - Entwicklungspolitik in der GIZ

Der Vortrag „Entwicklungspolitik und die GIZ“ am 30.6.2015 von Lars Wissenbach beschäftigte sich mit der Frage was die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) als staatlicher Akteur kann und soll. Lars Wissenbach studierte in Siegen Soziale Arbeit und ist seitdem in der GIZ beschäftigt. Herr Wissenbach stellte die Organisationsstrukturen und Leitsätze der GIZ dar, und klärte die verschiedenen Fragen aus dem Plenum. Fragestellungen wie man an einen Praktikumsplatz oder ein Beschäftigungsverhältnis kommt, ob ein Regierungswechsel die Schwerpunkte der EZ ändert oder auch welche Herausforderungen einem im Berufsalltag begegnen. Wer sich für eine Karriere in der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit vorstellen kann, oder sich vielleicht für ein Praktikum interessiert und nähere Informationen über die GIZ wünscht, kann sich gerne an das Team des Arbeitskreises wenden.

 

16. Juni 2015 - Flüchtlinge in Siegen

Der Vortrag „Flüchtlinge in Siegen“ am 16.6.2015 erfreute sich großer Beliebtheit. Bettina Klein, die die Beratungsstelle der Diakonie in der Flüchtlingsunterkunft Burbach übernahm, stellte sich den Fragen von rund 25 interessierten Studierenden und Dozierenden. Als jemand, der die anstrengende und herausfordernde Arbeit mit Geflüchteten und vor allem dem Behördenapparat kennt, konnte sie viele Aspekte näher beleuchten. Frau Klein hielt einen offenen Vortrag, ohne eine Präsentation, die ein starres Korsett bilden kann, ging sie direkt auf die Fragen des Publikums ein und orientierte ihren Vortrag dahingehend. Wer sich für die Arbeit mit Geflüchteten (auch lokal hier im Siegerland) interessiert, oder gar mit dem Gedanken spielt in der Beratungsstelle zu hospitieren, kann sich sehr gerne für weitere Informationen bei dem Team des Arbeitskreises melden.

 

03. Februar 2015 – Social Work in Ghana

 

Am 03.02.15 referierte Dr. Efua Esaaba Mantey von der University of Ghana zum Thema SOCIAL WORK IN GHANA - SOCIAL PROBLEMS, PROFESSIONAL APPROACHES AND CHALLENGES IN A DEVELOPING COUNTRY.

 

Historisch betrachtet ist die Soziale Arbeit als professionelles System in Ghana noch relativ jung. Zunächst unterstützten sich die Menschen in kleinen Gemeinschaften und traditionellem Hilfsnetzwerk gegenseitig. Erst als Ghana zur britischen Kolonie erklärt wurde, wurden formelle Institutionen etabliert. Als das Land 1957 die Unabhängigkeit zurück erlangte, versuchte man jene zu übernehmen. Jedoch hat sich die Soziale Arbeit bis heute nicht so gut entwickelt wie erwartet.

Während durch die stetig wachsende Urbanisierung und Industrialisierung traditionelle Hilfsnetzwerke zunehmend zerstört werden, lässt sich dem Entwicklungsland, mit eigenen Traditionen, Werten und Normen jedoch auch kein System aufdrücken, das einer anderen Gesellschaft entstammt.

Es gelang bisher nicht, eine Balance zwischen den immer noch existenten und teilweise sehr gut funktionierenden traditionellen Hilfeformen und der importierten, „modernen“ Sozialen Arbeit herzustellen.

Um dies zu erreichen müsse die Regierung, so Dr. Mantey, die Ressourcen nicht nur national, sondern auch direkt in den traditionellen Gemeinschaften unterstützend einsetzen. Außerdem müssten Sozialarbeiter und andere Dienstleister im Bereich der humanitären Hilfe besser zusammen arbeiten, um die Probleme strategisch lösen zu können. Dies gelänge jedoch nur, wenn die Soziale Arbeit als relevantes Hilfssystem anerkannt würde und eine Akzeptanz dafür entstünde, dass viele der sozialen Probleme Ghanas nicht ohne das gezielte und kreative Eingreifen von Sozialarbeitern gelöst werden könnten. 

 

Dezember 2014 – Keks- und Waffelverkauf für „Hand in Hand for Africa

 

An insgesamt sechs Tagen im Dezember 2014 verkauften Teilnehmer/-innen des Arbeitskreises Waffeln und Kekse in Namibia-Form an einem Stand im Mensafoyer. Die Bereitschaft von vielen freiwilligen Helfern erlaubte es, den Stand vor den ersten Lehrveranstaltungen zu öffnen und erst am frühen Abend wieder abzubauen.

Die Mühe hat sich sehr gelohnt! Der Erlös von 1098 Euro geht nun vollständig an die NGO Hand in Hand for Africa e.V., die Kinderhilfsprojekte in Namibia unterstützt. Zwei Studentinnen der Universität Siegen sind ab März 2015 für die Organisation vor Ort im Einsatz und werden berichten, wie genau die Spendengelder eingesetzt werden. 

 

03. Dezember 2014 – Hilfe für Straßenkinder und Suchtgefährdete in Kenia und Uganda

 

Am Mittwoch, den 03.12.14 war Dr. Klaus Richter als Referent zu einem Treffen des Arbeitskreises eingeladen. Der ehrenamtliche Koordinator des Kenia-Projektes hielt einen Vortrag zum Thema: Hilfe für Straßenkinder und Suchtgefährdete in Kenia und Uganda.

Anhand von Bildern gewährte uns Herr Richter zunächst einen Einblick in die Lebenswelt der Betroffenen. Die Bilder zeigten unter anderem verwitwete Frauen, deren Arbeit es war 90%igen Schnapps zu brennen. Der erfahrene Suchtmediziner und Psychiater erklärte, dass in solchen Schnappsbrennerdörfern schon am Mittag die Hälfte der Bewohner sichtlich betrunken sei. Kenia hat eine 5 mal so hohe Geburtenrate wie Deutschland. Alleine dadurch lässt sich schon ein Eindruck gewinnen, warum heutzutage 600.000 Kinder auf den Straßen Kenias leben müssen. Aus Angst vor Kriminalität werden sie meist nirgendwo aufgenommen. Gegen den Hunger hilft das Inhalieren von Klebstoff oder Benzin. Dieser erste Eindruck konnte bereits gut darlegen, warum und wie die verschiedenen Problematiken in so einem engen Kausalzusammenhang stehen.

Das Kenia-Projekt versucht in genau diesen Bereichen zu intervenieren. Aus einem einfachen Urlaubsbesuch entwickelte sich für Herrn Richter der Wunsch wenigstens einem Menschen dort zu helfen. Daraus entwuchsen nach und nach 10 Zentren der Organisation, 170 Patenschaften, 100 Ehrenamtliche Mitarbeiter und 2 Partnerschaften mit Schulen. Vor allem in der Suchtgefährdetenhilfe ist es hierbei Ziel der Organisation den Selbsthilfe-Gedanken zu implantieren.

Für die Arbeit mit den Kindern von der Straße geht es für Herrn Richter und sein Team vor allem darum, den Kindern Respekt entgegen zu bringen, sie zu ermutigen, sich für sie Zeit zu nehmen und ihnen zuzuhören. All jene Zuwendungen, die sie bisher selten erfahren durften.

Zur Entwicklungszusammenarbeit allgemein hatte Herr Richter eine zwigespaltene Meinung. Man müsse sich über den Bedarf und die Relevanz in den verschiedenen Ländern bewusst sein. Wenn man internationale Hilfe anbietet, so sollte diese nachhaltig sein und vorrangig das Ziel verfolgen, dass sich die Menschen nach getaner Arbeit selber helfen können. So hat Herr Richter schon viele Berichte über NGO´s gehört, die genau so schnell wieder weg waren, wie sie kamen. Auch müsse Entwicklungshilfe immer die indigene Kultur berücksichtigen und nicht übergehen. Und zuletzt sei jede größere Nation Bürokratie-gefährdet. Eine Bürokratie, die in vielen Ländern zusätzlich auch noch von Korruption behaftet ist.

Zusammenfassend sei es wichtig, dass die Erwartungshaltung seitens der Helfer und der Hilfeempfänger realistisch ist und bleibt. Und man müsse sich immer darüber im Klaren sein, dass sich mit jeder Lösung auch immer wieder neue Herausforderungen kreieren können.

 

 15. und 16. November 2014 - Internationale Tagung: Landgrabbing in Afrika, Gesellschaftliche und politische Hintergründe, Interessen und Auswirkungen

 

Vom 15. bis 16. November 2014 fand in der Volkshochschule Siegen zum 8. Mal eine Afrikatagung statt, organisiert von Prof. Dr. Wolfgang Popp vom Forschungs- und Lehrgebiet Friedenserziehung und MA Renate Helm, Lehrbeauftragte im Fach Soziologie unserer Universität. Thema: „Landgrapping in Afrika. Gesellschaftliche und politische Hintergründe, Interessen und Auswirkungen.“ Mit länderkundlichen Expertinnen und Experten von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Welthungerhilfe, dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) und der Umweltorganisation FIAN diskutierten die Teilnehmenden, darunter viele Studierende der Uni, Fragen wie: Was ist landgrapping oder wem gehört eigentlich Afrika? Wie beeinträchtigt der Landraub durch westliche Industriestaaten und Konzerne den Wasserhaushalt in Afrika? Was bedeutet die Konkurrenz um Land für die afrikanischen Kleinbauern angesichts der Tatsache, dass 80% der Ernährung in Afrika durch sie gesichert werden? Welche Auswirkungen hat der großflächige Anbau von Agrosprit-Pflanzen für die nachhaltige Landwirtschaft Afrikas? Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen Ackerland und „ungenutztem“ Land für die Ernährung der Landbevölkerung? Schließlich: Welche Lösungen sind denkbar? Wie realistisch sind Absichten und Ansätze von „Win-Win-Lösungen“? Die stellvertretende Bürgermeisterin Angelika Floren betonte in ihrem Grußwort, dass die jährlichen Afrika-Tagungen ein markante Zeichen für das enger werdende Zusammenwirken von Universität und Stadt in einem wichtigen Themenfeld sei: die Studierenden erhalten unmittelbaren Einblick in ein migrationspolitisches Arbeitsfeld der Stadt, das ihnen neue Zukunftsperspektiven eröffne. Das unterstreicht nicht zuletzt die Zusammensetzung der hinter der Organisierung der Tagung stehenden Einrichtungen: neben dem Forschungsgebiet Friedenserziehung das Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPS), die Volkshochschule Siegen, die Koordinations- und Servicestelle entwicklungspolitischer Bildungsarbeit (VAKS) und die Gesellschaft für Friedenserziehung.

 

21. Oktober 2014 – Auftakt der Veranstaltungsreihe „Soziale Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit“

 

Am Dienstag, den 21.10.2014 war Karin Herting von der Brasilieninitiative AVICRES e.V. als Referentin zu einer Sitzung des Arbeitskreises eingeladen. AVICRES ist die portugiesische Abkürzung für „Gemeinschaft für das Leben, damit es wachse in Solidarität.“ Dieser Leitgedanke beeinflusst alle Einrichtungen und Mitarbeiter/-innen der kirchlich getragenen NGO.

Ziel ihres Vortrages war es, den Teilnehmern/-innen das Leben von Straßenkindern in Brasilien und der damit zusammenhängenden Arbeit der Initiative näherzubringen.

Die brasilianische AVICRES wurde 1991 von dem Paderborner Religionspädagogen Johannes Niggemeier, der Psychologin Tania Maria de Lima und dem Pfarrer Valdir de Oliveira gegründet. Die Organisation kann sich seitdem noch nicht selbst tragen, sondern ist von Geldern aus Deutschland abhängig. Die Einrichtungen in der Stadt Nova Iguaçu umfassen vor allem zwei Kindertagesstätten, eine Suppenküche, ein Heim für Mädchen ab 11 Jahren sowie eine Gesundheitsstation. Für die ausschließlich brasilianischen Mitarbeiter/-innen im Heim gilt dabei folgender Grundsatz: „Ein exzellenter Erzieher ist der, der die Menschen umarmt, die sonst von jedem abgelehnt werden.“

In den Einrichtungen können die Kinder sich auf das Arbeitsleben vorbereiten, indem sie Zertifikate in den Feldern Bäcker, Frisör u.a. erlangen. Zudem ist stets eine psychologische Betreuung möglich, da die Kinder nicht selten traumatisiert in die Einrichtungen kommen. Die WM 2014 ging auch an der AVICRES nicht spurlos vorbei: Ein Gesetz, dass kurz vor dem Event verabschiedet wurde besagt, dass ein Kind maximal zwei Jahre in einem Heim untergebracht werden darf. Anschließend muss es wieder zurück in die Familie integriert werden, was sich laut Frau Herting aufgrund der sozialen Probleme oft unmöglich gestalte.

Frau Herting demonstrierte anschaulich anhand von Fotos aus den Favelas und den Einrichtungen von AVICRES, wie notwendig ihre Arbeit vor Ort ist: Brasilien bietet genügend Platz und Ressourcen, um als reiches Land zu gelten. Allerdings ist dieser Reichtum nicht gleichmäßig verteilt, weshalb auch viele Kinder in den Favelas zu Prostitution und Drogenhandel gezwungen werden.

Die AVICRES nimmt jedes Jahr bis zu vier Praktikanten/-innen auf. Ein Praktikum dauert mindestens ein Jahr und muss vollständig selbst finanziert werden. Bei Interesse an dieser einmaligen Erfahrung, finden sich auf den Seiten der AVICRES e.V. weitere Informationen: www.avicres.de/wir-praktika.htm


Besuch von Marcus Sting, Pressesprecher des DRK Siegen-Wittgenstein

 

Am 13. Mai 2014 durften wir Marcus Sting vom Deutschen Roten Kreuz zu einem unserer Treffen begrüßen. Der erfahrene Katastrophenhelfer erklärte sich dazu bereit, Fragen über das DRK im Allgemeinen und vor allem über seinen Einsatz in Haiti nach dem schweren Erdbeben 2010 zu beantworten.
Das Rote Kreuz ist weltweit miteinander vernetzt und kommt nur auf Einladung der Partnerorganisation des jeweiligen Landes zur Hilfe. Im Fall Haiti wurden insgesamt 33 Millionen Euro an Spenden eingesetzt. Nach der Soforthilfe, die normalerweise 3 Monate andauert, versucht das Rote Kreuz, möglichst viel vor Ort einzukaufen und nicht importieren zu lassen. Der Kauf von Wasser, Lebensmitteln oder Baumaterial bei regionalen Händlern soll die Wirtschaft des Landes unterstützen.
Als Marcus Sting und seine Kollegen am Einsatzort Haiti ankommen, finden sie in dem politisch instabilen Land zunächst keinen Ansprechpartner und müssen ihr mitgebrachtes Krankenhaus improvisatorisch in einem Stadion aufbauen (Siehe hierzu: "Das Krankenhaus aus der Kiste" http://www.youtube.com/watch?v=1yBUlU8ZAbk). Für die Helfer keinesfalls ein ungewohnter Zustand.
Die akute Hilfe, so Sting, sei oftmals unorganisiert. Strukturen würden sich in der Regel erst im Laufe der Zeit herausbilden. So komme es gelegentlich vor, dass zwei NGOs unwissentlich Krankenhäuser im gleichen Raum aufbauen, während andere Gegenden unversorgt bleiben.
Rivalitäten gebe es zwischen den Helfern vor Ort jedoch nicht. Während sich dort auch organisationsübergreifend gegenseitig geholfen werde, gehe es den oberen Hierarchien aus Prestigegründen außerdem darum, schnellstmöglich sichtbare Erfolge zu erzielen. Diesen Umstand halte er für bedenklich.
Während seiner Zeit in Haiti kann Marcus Sting wenig Eigeninitiative von den Haitianern und wenig Organisation seitens der Regierung beobachten. Dies schreibt er teilweise dem geschichtlichen Hintergrund zu. Die Haitianer seien es gewohnt, dass alles von "Oben" herab geregelt werde.
Katastrophen können potenziell jede Nation zu jeder Zeit treffen und liegen außerhalb der menschlichen Kontrolle. Was der Mensch jedoch unter Kontrolle hat, ist die Art und Weise, wie mit diesen umgegangen wird. Katastrophenhilfe ist aufwändig, kostenintensiv und mühselig. Oft werden den helfenden Händen Steine in den Weg gelegt. Sollte die Hilfe von Außen selbst nur ein weiterer Stein sein, so jedoch einer, der es wert ist, ins Rollen gebracht zu werden. Ähnlich sieht es auch Herr Sting. Unabhängig vom Einsatzort nimmt er seinen ganz eigenen Lohn wieder mit nach Hause: Dankbarkeit. Diese sehe er allein schon in den Augen der Betroffenen.

 

Protokoll und Informationen zur Sitzung am 17.12.2014

 

Um das Jahr 2013 voller Tatendrang zu beenden und mit Ideen und Projekten ins neue Jahr zu starten, traf sich am Dienstag, 17.12.2014, ein kleiner Kreis von Studenten aus unterschiedlichen Fakultäten, um dem Arbeitskreis EZ unter dem Motto „Wo hört Katastrophenhilfe auf und wo fängt Entwicklungshilfe an?“ neues Leben einzuhauchen. Begleitet wurde das Ganze von Herrn Dr. phil. Schädler, doch das Projekt selber, der Ablauf der Stunde sowie deren Vorbereitung beruhten auf der Initiative zweier Studenten des Studiengangs Soziale Arbeit.
In der ersten Sitzung, die gemütlich und völlig zwanglos bei Kaffee und Plätzchen stattfand, ging es zunächst darum, sich einen ersten Überblick über das Projekt zu verschaffen und seinen weiteren Verlauf zu planen. Da kein Vorwissen über die Thematik vorausgesetzt wurde, und um genauere Vorstellungen von Entwicklungsarbeit sowie Katastrophenhilfe zu bekommen, wählten die Anleiter des Arbeitskreises zwei konkrete Beispiele:
zum einen das schwere Erdbeben 2010 in Haiti, dessen unfassbare Schäden uns allen noch bildhaft im Kopf sein werden, zum anderen die diesjährige Katastrophe des zerstörerischen Taifuns auf den Philippinen.
Hintergrund hierzu war insbesondere die Idee, Möglichkeiten und Vorschläge zu sammeln, wie die weitere Arbeit der Hilfe auf den Philippinen aussehen könnte, um zu verhindern, dass sie ein weiteres Mal den Verlauf der als gescheitert geltenden Katastrophen- und Entwicklungshilfe in Haiti nimmt.

Um die nötigen Informationen zu stellen, wurde ein Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm gezeigt:

http://www.youtube.com/watch?v=n_sdl27yYtY

Anschließend wurden Meinungen über das Gesehene ausgetauscht und jeder hatte die Möglichkeit, seine Ansichten und Fragen kundzutun.
Da schnell sicher war, dass auch weiterhin Interesse an einem solchen Arbeitskreis bestünde, wurde gemeinsam überlegt, wie das weitere Vorgehen aussehen könnte. Da in dem gezeigten Film vor allem die Seite der Regierung Haitis zu Wort kam, entschied sich die Studentengruppe dazu, einen Experten einer Hilfsorganisation einzuladen, der tatsächlich vor Ort gewesen war und Katastrophenhilfe geleistet hatte.

Bei Interesse freut sich der Arbeitskreis immer über neuen Zuwachs. Da das Team vollkommen freiwillig arbeitet, ist es kein Problem, wenn nicht jeder Termin eingehalten werden kann.

Erfreulicherweise ist es uns gelungen, Herrn Marcus Sting vom DRK Siegen-Wittgenstein am 13. Mai 2014 für eine offene Diskussionsveranstaltung zu gewinnen.