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Katalog der UB Siegen

Anlage der Begleitforschung

In der Begleitforschung sollen durch Erhebungen die Erwartungen, Erfahrungen und Möglichkeiten der Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen in den Mittelpunkt gestellt werden. Die stellt erhebliche Anforderungen an die Erarbeitung der Erhebungsinstrumente. Im Bereich der empirischen Sozialforschung besteht kein Zweifel mehr daran, dass Menschen mit Behinderung selbst und nicht mittels Stellvertretung in die empirische Forschung einbezogen werden können und sollen (Hagen 2007; Buchner 2008; Janz 2009).

Dies stellt jedoch erhebliche Anforderungen an die Forschungspraxis.Bestimmte Erhebungsmethoden wie schriftliche Befragungen oder stark narrativ orientierte mündlich Befragung sind eher ungeeignet. Als besser geeignet erweisen sich Instrumente, die einerseits eine starke Strukturierung zulassen und anderseits individuelle Hilfestellung durch den Interviewer oder durch Visualisierung zulassen, beispielsweise das problemzentrierte Interview (Witzel 2000). Als geeignet erweisen sich auch Gruppendiskussionen (Lamnek 2005) und Erkundungen. Bei allen Erhebungsmethoden spielt der Zugang zu den Befragungspersonen eine wichtige Rolle. Vor der Durchführung von Erhebungen muss ein Vertrauensverhältnis hergestellt werden, die Teilnehmer/innen müssen intensiv über die Zielsetzung der Forschung und den Schutz ihrer Daten informiert werden. Im Falle des Bestehens einer rechtlichen Betreuung muss auch bei erwachsenen Personen, die Frage der Zustimmung geklärt werden.

Insbesondere qualitative Forschungsmethoden zielen darauf ab, die subjektive Perspektive der in den Forschungsgegenstand involvierten Personen zu erfassen. Dabei besteht das Risiko, dass Vorannahmen, Unverständnis hinsichtlich der subjektiven Wahrnehmung der Wirklichkeit und Kommunikationsprobleme bereits in der Phase der Operationalisierung zu Verzerrung und falschen Fragestellungen führen. Es ist beispielsweise nicht davon auszugehen dass im Falle der angestrebten Untersuchung die Forscher und die Beforschten ein vergleichbares Konzept von ‚Teilhabe‘ und ‚Selbstbestimmung‘ haben. Vor diesem Hintergrund wurde Ansätzen einer inklusiven Forschungspraxis entwickelt, die es in kommunikativen Aushandlungsprozessen ermöglichen, die Adressaten in die Präzisierung der Fragestellung einzubeziehen (vgl. Walmsley, Johnson 2003).