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statmath GmbH

„Mut und Durchhaltevermögen sind die zwei wichtigsten Tipps, die ich einem jungen Gründer mitgeben würde.“
statmath GmbH
Gründer: Christian Friedrich und Dr. Alexander Hoffmann
Studium an der Uni Siegen: Mathematik

Das 2011 von Christian Friedrich und Dr. Alexander Hoffmann gegründete Unternehmen statmath GmbH optimiert industrielle Produktionsprozesse und Produktionsplanungen mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI).

Alexander und Christian sind studierte Mathematiker. Für ihre Prüfungsvorbereitungen an der Uni Siegen bildeten sie eine gemeinsame Lerngruppe. Im Laufe der Zeit stellten sich die beiden Studierenden die Frage, wie sie aus ihren privaten Nachhilfe-Aktivitäten etwas Professionelleres machen könnten. Daraufhin entwickelten sie Repetitorien für die Studienbereiche Bauingenieurwesen und Maschinenbau zur Vorbereitung auf schwierige mathematische Prüfungen, die oft große Hürden im Lehrplan darstellten. „So haben wir angefangen zusammen wirtschaftlich tätig zu sein“, erzählt Christian.

Die wichtigste Komponente ihrer Zusammenarbeit stellt hundertprozentiges Vertrauen dar. „Wir haben die Fähigkeit, gemeinsam Entscheidungen zu fällen und teilen ein gemeinsames Lösungsverständnis. Man kann sagen, wir sind eine Einheit“, erklärt Christian weiter.

Die statmath GmbH unterhält zwei Firmensitze in Siegen, an denen mittlerweile insgesamt 30 Mitarbeiter beschäftigt sind. Man findet sie zum einen im Summit, dem neuen IT-Standort der Stadt Siegen und zum anderen in einem alten Villengebäude in der Siegener Innenstadt. Dieser Standort bietet kreativen Raum und stellt somit einen Gegensatz zu dem modernen Hightech Standort im Summit dar.

Die statmath GmbH schafft Mehrwerte aus den Datenquellen ihrer Kunden. Das Angebot der statmath umfasst dabei eine Sammlung von mathematischen Funktionen (Algorithmen) zur Lösung von industriellen Problemen aus den Bereichen vorhersagender Instandhaltung und Prognose von Fertigungsqualitäten. Dadurch können ihre Kunden die Effizienz ihrer Anlagen Prozesse steigern und Mitarbeiter entlasten.

Wie seid ihr auf die Idee zu statmath und damit verbunden auf die Idee der Data Science Solutions gekommen?

Mit den Themen der Datenanalyse und dem machine-learning haben wir uns das erste Mal 2007/2008 in einer unserer Vorlesungen an der Uni Siegen beschäftigt. Das Thema wurde nur theoretisch behandelt und war noch wenig greifbar. Den Begriff „Big Data“ gab es damals noch nicht. Wir haben an dieser Stelle aber schon früh einen riesigen Bedarf an Data Science gesehen. Die Idee, große Datenmengen zu analysieren, hat uns zunächst vermehrt auf den Bankensektor als Geschäftsfeld gestoßen. Damals war die Industrie noch gar nicht so weit. Erst als der industrielle Bereich zunehmend vernetzt und digitalisiert wurde, haben wir uns 2014 ganz intensiv mit Daten aus Produktionsprozessen beschäftigt.

Was hat euch daran gereizt ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Das hatte eher pragmatische Gründe. Als Mathematiker ist man in den 2000er Jahren eher für den Banken- und Versicherungssektor ausgebildet worden. In meiner Bachelorarbeit habe ich über Kreditportfolios geschrieben und ausgerechnet, dass diese wie ein Kartenhaus zusammenfallen werden. Das hat mich so schockiert, dass für mich klar wurde, dass ich nicht in diese Branche möchte. Ich konnte diese Risiko-Pakete nicht mit meinen persönlichen Werten vereinbaren, damit wollte ich nichts zu tun haben. Alexander hatte ähnliche Erfahrungen bei seinem Praktikum, das er in einer Bank absolvierte, gemacht. Dazu kam 2008/2009 die große Finanzkrise. Mathematiker wurden nicht mehr eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir, dass wir haben wenig zu verlieren haben. Wir hatten keine großen finanziellen Ansprüche, so haben wir versucht unsere eigenen Ideen voranzutreiben wie es eben ging.

Wann habt ihr den Entschluss gefasst zu gründen?

Im Jahr 2011 kam der entscheidende Kontakt zur Sparkassen Finanzgruppe. Ich erinnere mich genau an den Tag, an dem wir unsere Ideen für unsere Software der Finanzgruppe vorgestellt haben und diese beschlossen hat unser Tool breitflächig zu nutzen. Da ist uns auf gut Deutsch gesagt erst einmal das Herz in die Hose gerutscht. Bis dato waren wir doch lediglich ein zwei-Mann-Betrieb. Wir dachten uns: wie sollen wir das bloß hinkriegen für 75 Sparkassen ein Software-Tool zu entwickeln?

Als wir uns dann in dem Fahrstuhl auf dem Weg von dem Meeting wieder nach Hause befanden, standen wir vor unserem großen Schlüsselmoment. An dieser Stelle galt es entweder Gas zu geben und das Unternehmen jetzt richtig groß aufziehen oder die Bremse zu drücken und das Ganze sein zu lassen. Wir haben uns für Vollgas entschieden. An dieser Stelle waren wir dann auch auf Kapital von außen angewiesen. Durch einen Finanzierungskredit konnten wir an die Vorinvestition der Softwareentwicklung gehen.

Welchen Herausforderungen standet ihr bei der Gründung von statmath gegenüber?

Ein heikler Moment entstand, als wir von unserem Finanzierungskredit bis auf 300 Euro alles aufgebraucht hatten und nicht sicher war, ob wir es schaffen, das Ruder wieder rum zu reißen. Zum Glück haben wir es aber aus dieser finanziellen Bedrängung hinausgeschafft.

Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?

Wir mussten zu Beginn sehr viel Erklärungsarbeit leisten, da viele mit der Idee nichts anfangen konnten. Das hat sich dann mit der Zeit gelegt. Mittlerweile gibt es relativ viele Unternehmen, die mit ähnlichen Kompetenzen nach außen werben. Das Geschäft hat sich innerhalb der letzten 10 Jahren fundamental geändert. Heute müssen wir die Ellbogen ausfahren, um in dem Gedränge der Mitbewerber nicht unterzugehen. Da wir aber schon 2009 mit dem Gedanken der Data Science gestartet sind, sagen wir mit Recht, dass wir eine Data Science Firma der ersten Stunde sind. Wir haben langjährige Erfahrung auf dem Gebiet und sind auf diesen technologischen Zug aufgesprungen bevor der Hype überhaupt kam.

Inwieweit hat euch das Gründerbüro der Uni Siegen unterstützt?

Das Gründerbüro hat in den ersten zwei Jahren ganz stark unterstützt, indem uns dort erst einmal erklärt wurde, wie man überhaupt ein Unternehmen aufbaut, auf welche Aspekte es bei einer Gründung ankommt und wie man zum Beispiel ein Gründerstipendium beantragt. Dank ihrer Unterstützung haben wir das Exist-Gründerstipendium bekommen. Darüber hinaus gab es persönliche Coachings, die sehr hilfreich waren.

Was rätst du jungen Gründern?

Mut und Durchhaltevermögen sind die zwei wichtigsten Tipps, die ich einem jungen Gründer mitgeben würde. Ich habe viele Menschen gesehen, die tolle Ideen hatten, aber am Ende Angst vor der eigenen Courage bekommen haben. Deswegen rate ich jungen Gründern, den Mut zu haben, ihre eigenen Ideen konsequent zu verfolgen. Und ich wünsche ihnen dann das Durchhaltevermögen gegen die Widerstände, die zwangsläufig auftreten, bestehen zu können.

Würdest du noch mal gründen?

Ich würde sofort noch einmal gründen. Natürlich geht eine Gründung auch immer mit dem ein oder anderen persönlichen Schmerz einher. Wir haben für unsere Erfolgsgeschichte auch den ein oder anderen Preis bezahlt, aber am Ende hat es sich immer gelohnt.


Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Christian Friedrich und wurde von Janice Gust verfasst.

 

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