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Sabrina Müsse

Wenn Autobahnen und Großprojekte zur Faszination werden!

Diplom-Ingenieurin Sabrina Müsse als Projektmanagerin Betrieb und Erhaltung bei Eiffage Infra-Bau

Sabrina Müsse ist seit 2016 im Bereich Großprojekte PPP „Public-Private-Partnership“ als Projektmanagerin für Betrieb und Erhaltung bei der Eiffage Infra-Bau SE beschäftigt. Im Jahr 2005 hat sie ihr Studium zur Diplom-Bauingenieurin an der Universität Siegen mit der Vertiefung Verkehrswegebau beendet. Im Anschluss hat sie im Jahr 2007 den Master of Science ebenfalls an der Universität Siegen und 2017 den MBA „Unternehmensführung Bau“ an der Hochschulde Biberach erfolgreich abgeschlossen.

Eiffage Infra-Bau

Eiffage Infra-Bau vertritt das Infrastrukturgeschäft des französischen Eiffage-Konzerns in Deutschland. Dabei führt das Unternehmen den Geschäftsbereich Eiffage Infra-Rail sowie die Tochtergesellschaften Brochier Infra-Vortriebstechnik, Eiffage Infra-OWL, Faber Bau, Heinrich Walter Bau, MDM Infra-Lärmschutz und Wittfeld mit Projekten im Kernmarkt Deutschland und im europäischen und asiatischen Ausland. Im Jahr 2016 erwirtschafteten über 2.200 Mitarbeiter eine Gesamtleistung von 563 Millionen Euro.

Von der Bauausführung zur Public-Private-Partnership Infrastruktur

Bei PPP-Projekten handelt es sich um ein Vertragsverhältnis zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen aus der Privatwirtschaft, z. B. für Infrastrukturprojekte. Die umfangreichen Projekte werden über Ausschreibungen vergeben und laufen in der Regel über 30 Jahre, da sie zusätzlich zum Ausbau den Betrieb und die Erhaltung der Infrastruktur beinhalten. Bei den derzeitigen PPP-Projekten handelt es sich um Verfügbarkeitsmodelle, diese beinhalten zusätzlich eine Ermittlung der Verfügbarkeitseinschränkung der Vertragsstrecke über die gesamte Vertragslaufzeit.

Vergabeverfahren und Projektinhalte. In ihrer Tätigkeit ist Sabrina Müsse hauptsächlich für die Kalkulation während der Angebotsphase zuständig, bei Ausschreibungen welche von den öffentlichen Organen ausgeschrieben werden. Dabei gilt es, die verschiedenen Stufen innerhalb der 1,5 bis 2 Jahre dauernden Vergabephase erfolgreich zu durchlaufen, um das Projekt zu gewinnen. Der Prozess startet mit der Präqualifikationsphase gefolgt von der ersten Angebotsphase. Die öffentliche Hand entscheidet sich daraufhin für zwei ausgewählte Unternehmen, die in der zweiten Angebotsphase ihr eingereichtes Angebot verhandeln. Danach folgt die finale Entscheidung für den Projektpartner. Doch ein erfolgreich gewonnenes Angebot ist nur der erste Schritt. Danach beginnt der Aus- oder Neubau der Infrastruktur und darauf folgend Betrieb und Erhaltung – also die Instandhaltung. Meist handelt es sich um Autobahnen, bei denen im Winter Schnee- und Räumdienste organisiert sowie Grünarbeiten im Sommer verrichtet werden müssen. All dies für die höchstmögliche Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Im Bereich Erhaltung liegt der Fokus auf dem Autobahnabschnitt selbst. Hier geht es darum, wie die Strecke und der Untergrund sowie z. B. die Leitplanken und Straßenmarkierungen gewartet werden müssen. Auch hier steht die Verkehrssicherheit im Mittelpunkt. Der Kunde legt bereits im Vertrag genau fest, in welchen Zustand die Autobahn erhalten werden muss.

Die Projektmanagerin

Als Projektmanagerin ist Sabrina Müsse für die Erstellung der Angebote in Bezug auf Betrieb und Erhaltung zuständig. Die ingenieurtechnische Aufgabe von Sabrina Müsse besteht darin, den Bestand zu analysieren und anschließend den Lebenszyklus aller Bauteile bestehend aus Oberbau, Markierung, Entwässerung, Schutzeinrichtungen, Beschilderung, Erdbau usw. zu bestimmen. Welcher Oberbau eignet sich am besten? Beton oder Asphalt? Auch zu diesen Ausbauthemen gibt die Alumna Empfehlungen ab.

Nach der Festlegung der Oberbauvariante für den Neubau- oder Ausbauabschnitt und der Bestandsanalyse der vorhandenen Strecke, in Kombination mit den abgestimmten Lebenszyklusannahmen, sind die Grundinformationen vorhanden, um mit der Erhaltungskalkulation starten zu können. Da die Kalkulation der Erhaltung bezüglich der Berechnung und Optimierung einen hohen Komplexitätsgrad aufweist und derzeit auf dem Markt keine verfügbare Software zur Verfügung steht, hatte Frau Müsse die Idee ein eigenes Erhaltungskalkulationsstool zu entwickeln. Dabei lag der Fokus auf der Kalkulation der enormen Positionsmenge zu beschleunigen und alle relevanten Informationen in einem System zu hinterlegen um anschließend strategisch die Erhaltungsmaßnahmen (inklusive ihrer Kosten) in den Jahren verschieben zu können. Des Weiteren lag er auf der Verfügbarkeitsentgeltreduzierung basierend auf der Erhaltungsmaßnahme (in Kombination mit dem zugeteilten Verkehrssicherungstypen) automatisch berechnen zu lassen und grafische Auswertungen wie z.B. die Kostenverteilung pro Gewerk innerhalb des 30-jährigen Vertragszeitraumes, oder die Kostenzusammensetzung der Maßnahmen-, Verkehrssicherungs- und Verfügbarkeitskosten pro Jahr automatisch zu generieren. Außerdem das wirtschaftlichste Angebot vorlegen zu können und Personalkosten zu sparen.

Sabrina Müsse gab den notwendigen berechnungstechnischen Input an einen Programmierer weiter, der diesen in eine Programmiersprache umsetzte. Ihre Fachgebiete dabei sind der Oberbau-, die Nebengewerke-, die Verkehrssicherung- und die Verfügbarkeitskalkulation. Bezüglich der Bauwerkskalkulation gibt es einen weiteren Spezialisten. Die Verantwortung für die Umsetzung der Entwicklung des Erhaltungskalkulationsprogramms obliegt dabei Sabrina Müsse. Das Programm wurde bereits erfolgreich zur Berechnung eines Projektes eingesetzt und kalkulierte dabei mehr als 22.000 einzelne Erhaltungsmaßnahmen per Knopfdruck. Da das Programm permanent weiterentwickelt wird stellt dies eine weitere wichtige Tätigkeit der Alumna dar.

Fazination und Herausforderung

Sabrina Müsse sammelte auf ihrem beruflichen Weg zudem zahlreiche Erfahrungen als Bauleiterin von Autobahnbaustellen in Österreich, Kroatien, Deutschland und der Schweiz. Nach Ihrem Abschluss 2007 fing sie zunächst bei der Strabag SE in Österreich als Trainee an und hatte so ihren ersten Kontakt mit einer Großbaustelle beim Bau der Donaubrücke „Traismauer“ bei Krems. Es folgte der Einsatz auf der Neubaustrecke A5 Osijek - Djakovo in Kroatien und diverse Autobahnsanierungen in Österreich. Seitdem ist ihre Faszination für den Autobahnbau und die Großprojekte ungebrochen. Auf die Frage zu ihren vielseitigen Stationen in ihrer beruflichen Laufbahn antwortet die Alumna „Die Herausforderung steht bei mir im Mittelpunkt – und diese Herausforderung bieten mir vor allem große Autobahnprojekte“. Stillstand war und ist bis heute keine Option für Sabrina Müsse. Ihr Wunsch, stets neue Bereiche kennenzulernen, führte sie zu Hochtief, wo sie zum ersten Mal mit dem PPP-Bereich in Berührung kam. Zu dieser Zeit war sie als Abschnittsbauleiterin für einen 11 km Abschnitt auf der A8 Ulm-Augsburg verantwortlich – und somit Teil der damals größten Autobahnbaustelle Deutschlands mit insgesamt 41,8 km Länge. „Noch heute denke ich gerne an diese Zeit zurück“, erklärt Frau Müsse.

2017 hat sie nebenberuflich ihren MBA Fachrichtung „Unternehmensführung Bau“ an der Bauakademie Biberach absolviert. In ihren vorherigen Studiengängen war der kaufmännisch-rechtliche Part eher wenig vertreten, dieser ist aber insbesondere für die Karriere im Bausektor wichtig. Deshalb entschied sich Sabrina Müsse dazu, diesen Studiengang als Ergänzung zu ihren bereits abgeschlossenen Studiengängen zu absolvieren. „Durch das zusätzliche MBA-Studium kann ich den PPP-Bereich in seiner Gesamtheit noch besser überblicken – und Zusammenhänge und Abhängigkeiten einordnen und dementsprechend in der Kalkulation berücksichtigen“, so Sabrina Müsse.

Gut vorbereitet ins Berufsleben starten – Universität Siegen

Ihr Studium an der Universität Siegen betrachtet die Alumna rückblickend als positiv. Durch das Wissen, welches im Studium vermittelt werde, sei man gut vorbereitet für eine Baukarriere. Vor allem ihre Zeit im Labor, in dem sie sich vielfältiges Know-how zu Asphalt- und Betonbau aneignen konnte, war ein großer Gewinn für sie und ihre Karriere in der Baubranche. „Auf der Stelle stehen zu bleiben ist keine Option“, so beschreibt die Alumna ihre Lebensphilosophie. Obwohl sie mit ihrem Diplomstudium beruflich sehr gut vorbereitet war, entschied sich die Alumna für weitere Studiengänge im Baubereich und machte ihren Master of Science in Projektmanagement und Ihren MBA „Unternehmensführung Bau“, da man „nie auslernt“. Außerdem wollte Sabrina Müsse sich die Möglichkeit zur Promotion offenhalten.

Baustellen – ein scheinbar nie endendes Projekt?

Auch privat ist die Alumna oft auf Autobahnen unterwegs. Im Jahr legt sie durchschnittlich 50.000 km zurück, deshalb ist es ihr auch persönlich wichtig auf verkehrssicheren Straßen fahren zu können. Auf die Frage hin, wieso Baustellen oft verlassen aussehen und ein nie endendes Projekt zu sein scheinen, entgegnet die Diplom-Bauingenieuren, dass es lange Vorlaufzeiten gebe, die durchlaufen werden müssen, um mit der eigentlichen Arbeit tatsächlich beginnen zu können z.B. dem Auf- und Abbau der Verkehrssicherung, oder dem Einrichten der Baustelle. Die Alumna ertappe sich auch in ihrer Freizeit stets dabei, wie sie die Arbeit von anderen Bauunternehmen mit der von Eiffage Infra-Bau vergleicht.

Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Sabrina Müsse und wurde von Göksu Cam verfasst.