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Mit dem Wald gegen Überflutungen

Der Kreis Siegen-Wittgenstein und das Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) der Universität sind mit dem Modellprojekt "WaldAktiv" Vorreiter bei der Reduzierung von Starkregen-Schäden.

Starkregen richtet verheerende Schäden an. Das muss man in ganz Deutschland immer häufiger erleben z. B. 2002 in Kaan-Marienborn, als nach einem Unwetter der Friedhof abgerutscht ist, im Sommer 2014 als Starkregen in ganz NRW verheerende Schäden anrichteten oder auch im Mai 2018 als Starkregen in Betzdorf Straßen in Flüsse verwandelte und am Ende überschwemmte Keller, Erdrutsche und aufgebrochene Straßen die Folgen waren. Jetzt werden sich der Kreis Siegen-Wittgenstein und die Universität Siegen gemeinsam in dem Modellprojekt „WaldAktiv“ mit der Frage beschäftigen, wie unsere Wälder dazu beitragen können, die Folgen von Starkregenereignissen abzumildern. Das Projekt ist Teil des gemeinsamen Klimaschutzkonzeptes von Kreis und Städten und Gemeinden. Zugleich wird es vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen von „Kommunalen Leuchtturmvorhaben sowie Aufbau von lokalen und regionalen Kooperationen“ gefördert.

„Der Klimawandel und seine Auswirkungen sind inzwischen nicht mehr ‚irgendwo‘ auf der Welt zu spüren, sondern auch ganz konkret bei uns in Siegen-Wittgenstein“, sagt Landrat Andreas Müller: „Starkregenereignisse gehören dazu. Sie treten in immer kürzeren Abständen auf, verursachen Millionenschäden und haben auch bereits Todesopfer gefordert. Deshalb werden wir mit „WaldAktiv“ nicht nur Erkenntnisse für unsere Region gewinnen, sondern wollen auch anderen waldreichen Regionen Impulse für die Anpassung an den Klimawandel geben“, so Müller.

Prof. Dr. Jürgen Jensen setzt mit seinem Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) der Universität das Modellprojekt um. Es soll dazu beitragen, Überflutungen zu vermeiden und Starkregen-Schäden zu reduzieren. „WaldAktiv“ ist die griffige Kurzbezeichnung für das Projekt. Ausgeschrieben heißt es: „Modellgestützte Untersuchungen im Kreis Siegen-Wittgenstein zur Nutzung von Waldflächen als Element der aktiven Starkregenvorsorge in urbanen Gebieten“. Mit dem auf drei Jahre angelegten Projekt wurde bereits im Januar begonnen.

„Bedingt durch die Mittelgebirgstopografie ist der Kreis grundsätzlich deutlich anfälliger gegenüber Starkregen und daraus resultierenden Sturzfluten, als beispielsweise Flachlandgebiete“, erläutert Prof. Dr. Jensen: „An den stark geneigten Hanglagen können sich hohe Fließgeschwindigkeiten der Oberflächenabflüsse ausbilden. Vor allem in bebauten Gebieten bergen diese Abflüsse ein hohes Schadenspotenzial“. Auf der anderen Seite ist Siegen-Wittgenstein der waldreichste Kreis Deutschlands. „An dieser Stelle setzt das Projekt ‚WaldAktiv‘ an“, so Jensen: „Untersuchungen haben gezeigt, dass Böden in bewaldeten Flächen auch während Starkregenereignissen ein wesentliches, bisher ungenutztes Potenzial für den Rückhalt bzw. die Versickerung von Niederschlagswasser aufweisen.“

Ziel von „WaldAktiv“ ist es daher, das Rückhalte- und Versickerungspotenzial von vorhandenen Waldflächen für die kommunale Starkregenvorsorge aktiv zu nutzen. Am Beispiel des Kreises Siegen-Wittgenstein sollen dazu eine Methodik sowie geeignete planerische und technische Werkzeuge entwickelt werden. „Die Grundidee des Projekts ist, die aus Starkregenereignissen resultierenden Fließwege an vorhandene Waldflächen anzuschließen. Hierdurch können Teile des Oberflächenabflusses auf diese Waldflächen geleitet und dort zur Zwischenspeicherung und Versickerung gebracht werden“, erklärt Sebastian Gürke, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Siegen. Der Fokus liege dabei nicht nur auf dem innerstädtischen Bereich, sondern auch auf Randgebieten, um so auch Abflüsse aus Außengebieten von Siedlungsbereichen fern zu halten.

Inzwischen herrscht Konsens darüber, dass der Umgang mit Starkregenereignissen eine kommunale Gemeinschaftsaufgabe ist, die einen intensiven Austausch und eine enge Abstimmung aller beteiligten AkteurInnen erfordert. Diese Thematik wird von „WaldAktiv“ aufgegriffen. Während der Projektlaufzeit werden daher insgesamt sechs Fachworkshops mit den zuständigen Fachämtern und InteressenvertreterInnen (u. a. Untere Naturschutzbehörde, Untere Wasserbehörde, Untere Bodenschutzbehörde, Regionalforstamt) sowie (privaten) Waldbesitzern und der interessierten Öffentlichkeit durchgeführt. Im Rahmen der Workshops werden das Vorhaben und die Fortschritte ausführlich diskutiert, um so insbesondere von der fachlichen Expertise der lokalen Akteure profitieren zu können.

Zur Unterstreichung des Leuchtturmcharakters von WaldAktiv werden die Ergebnisse des Vorhabens daher abschließend in einem Leitfaden zusammengefasst und anderen Städten und Kommunen zur Verfügung gestellt.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt „WaldAktiv“ finden Sie auf der Projektseite.