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Katalog der UB Siegen

Projekte - Forschungsstelle für Reformierte Theologie und Pietismusforschung

 

Bible Belts im geteilten Deutschland. Die Rolle von Wissenstransfers im Milieu religiöser Jugendkulturen  

Projektleiter_innen: Prof. Dr. Veronika Albrecht-BirknerProf. Dr. Raphaela AverkornProf. Dr. Florian Heesch      

Das zweitmittelfinanzierte Vorhaben umfasst Vorarbeiten für die Erstellung eines Drittmittelantrags unter Beteiligung der Fächer Evangelische Theologie, Geschichte und Musikwissenschaft einschließlich der Erstellung einer Pilotstudie. Im Fokus des Projekts stehen religiöse Jugendkulturen der 1960er bis 1980er Jahre in Ost- und Westdeutschland, die ein spezifisches, in den je eigenen Kontexten nonkonformes Frömmigkeitsprofil auch über die deutsch-deutsche Grenze hinweg verband. Die Brisanz dieses Wissenstransfers lag in seinen zunehmend politischen Implikationen, die sich insbesondere auch in einer spezifischen religiösen Popmusikszene spiegelten.

 Ruthild Stöhr

Bearbeiterin: Ruthild Stöhr, M.A.

Raum: AR C-3013
Telefon: 0271/740 2007
Mail: ruthild.stoehr@evantheo.uni-siegen.de

Es kann eine dreifache These aufgestellt werden: (1) Religiöse Jugendkulturen in der BRD transformierten Impulse aus den USA (z.B. Jesus People); (2) sie standen in enger Wechselbeziehung mit säkularer Jugend- und Populärkultur; (3) zwischen deutsch-deutschem Wissenstransfer im Milieu religiöser Jugendkulturen und den politischen Entwicklungen der 80er Jahre in der DDR bestanden unmittelbare Zusammenhänge.

Mit dem Label „Bible belts im geteilten Deutschland“ sind einerseits konkrete Untersuchungsgebiete (v.a. das Siegerland und Württemberg in der Bundesrepublik und das Erzgebirge, das Vogtland und Thüringen in der DDR) angesprochen (mit einer Pilotstudie zum Siegerland). Andererseits zielt es auf vergleichende Studien im europäischen Rahmen und entsprechende Forschungskooperationen.

 

 

 

 

 

 

 

 


  

 
 
Die Entwicklung der Siegerländer Gemeinschaftsbewegung von der Gründung des Vereins für Reisepredigt (1852) bis zum Ende des 19. Jahrhunderts 

Die religiöse Prägung des Siegerlandes mit religiösen Gemeinschaften verschiedenster Art jenseits kirchlicher Strukturen ist auf die Erweckungs- und Gemeinschaftsbewegung des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. Neben dem kirchlichen Leben wurde dort seit den 1820er Jahren ein intensiviertes Christentum in ortsgebundenen Gemeinschaften praktiziert. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren allein im Siegerland ca. 120 bis 130 Versammlungen und Gemeinschaften entstanden, von denen 43 eigene Vereinshäuser besaßen. Besonders der Schuhmacher Heinrich Weisgerber (1798-1868) und der Gerber Tillmann Siebel (1804-1875) prägten Mitte des 19. Jahrhunderts die sich formenden Gemeinschaften und Vereine. 1853 wurde in Freudenberg der Verein für Reisepredigt gegründet, dessen Präses Tillmann Siebel bis zu seinem Lebensende war. Dieser Verein stellte Reiseprediger für jeweils ca. vier Wochen an, die im Umkreis das Evangelium verkünden sollten. Ab 1859 wurde das Pfarramt in Freudenberg durch Eduard Bernoulli (1830-1906) versehen, der dem Verein für Reisepredigt verbunden war. Er wurde 1863 Schriftleiter des neuen, schon bald sehr verbreiteten Monatsblatts „Der Evangelist für das Siegerland“.
 
Bisher existieren zur Entstehung des Vereins für Reisepredigt hauptsächlich Texte, die gruppenimmanent entstanden. Daher konzentriert sich die Arbeit auf (v.a. handschriftliche) Quellen, die neu ausgewertet und mit den bestehenden Beschreibungen verkontextet werden. Dabei wird den Einflüssen des Vereins für Reisepredigt auf Nachbarregionen (Wittgenstein, Dillkreis, u.a.), der gegenseitigen Beeinflussung der verschiedenen Versammlungen im Siegerland und dem Verhältnis des Vereins für Reisepredigt zu den sich zur gleichen Zeit regional herausbildenden Freikirchen nachgespürt.
 

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Umschlag des Briefes vom Königlichen Appellationsgericht (Arnsberg) an Heinrich Weisgerber vom 06.09.1860 (Archiv des Ev. Gemeinschafts- verbands Siegerland–Wittgenstein e.V., Akten zum Fall Weisgerber [unpag.])

 

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Umschlag des Briefes von Karl Friedrich Rudolf (Wülfrath) an Tillmann Siebel vom 08.08.1848 (Archiv des Ev. Gemeinschaftsverbands Siegerland–Wittgenstein e.V., Briefe an Tillmann Siebel I [unpag.])

 


  • Bearbeiter: Dipl. theol. Marcus Heydecke
Heydecke 8.6

 Mail:  heydecke@saw-leipzig.de

  • Berufsausbildung zum Elektronikfacharbeiter
  • Studium der Ev. Theologie
  • Lehrbeauftragter an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
  • wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig im Projekt »Edition der Briefe Philipp Jakob Speners«
 

 

 
 
 
 
 
 „Wir haben das Wort zu verkündigen ohne politischen Einschlag“ – Neupietismus im Nationalsozialismus. Eine  Quellenstudie zu neupietistischen Printmedien am Beispiel von Der Evangelist aus dem Siegerland

In seiner viel beachteten Studie über den Gnadauer Verband in der NS-Zeit attestierte Erich Günther Rüppel 1969 der Gemeinschaftsbewegung „politische Naivität“ bei gleichzeitiger „Anfälligkeit gegenüber der NS-Propaganda“. Noch 50 Jahre nach Rüppels Beitrag stellen vor allem Forschungsarbeiten zur Positionierung regionaler Gemeinschaftsverbände im und zum NS-Staat, die dem Gnadauer Verband angegliedert sind, ein Desiderat dar, womit Rüppels These nach wie vor singulär bleibt. Zudem ist festzustellen, dass viele neupietistische Sonntagszeitungen, die als wichtige öffentliche Meinungsträger des Neupietismus fungier(t)en, bis dato kaum einer wissenschaftlichen Analyse unterzogen wurden. Dies gilt insbesondere für die nationalsozialistische Zeit. 
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Tür-Schild des Vereins für Reisepredigt

(Archiv des Ev. Gemeinschaftsverbands

Siegerland–Wittgenstein e.V.)

 

 

 

 
Im Rahmen dieses Dissertationsprojektes soll Rüppels These anhand einer Analyse der Vereinszeitschrift Der Evangelist aus dem Siegerland des Siegener Vereins für Reisepredigt (heute: Ev. Gemeinschaftsverband Siegerland-Wittgenstein e.V.) als Spiegel der Entwicklung dieses regionalen evangelischen Gemeinschaftsverbandes in der NS-Zeit überprüft werden. Die ununterbrochene Quellenüberlieferung bis Mitte 1941 erlaubt es, die prägnantesten Themenfelder – hierzu gehören der Kirchenkampf, die NS-Kirchenpolitik, die Stellung der Christen zum Judentum und zum Rassegedanken, das Verhältnis zur Obrigkeit und zur Demokratie sowie zur Militarisierung der Gesellschaft und zum Krieg (1939-1941) – zu eruieren und die Entwicklung der Positionierungen hierzu bis 1941 lückenlos zu analysieren. Damit wird die Kirchengeschichtsschreibung über die Zeit des Nationalsozialismus um eine wichtige Facette erweitert. 
 
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Plaga_Verse_Matthias
 
 Bearbeiter: Matthias Plaga-Verse, M.A.

 
 Archiv des Ev. Gemeinschaftsverbands Siegerland–Wittgenstein e.V.