..
Suche
Hinweise zum Einsatz der Google Suche
Personensuchezur unisono Personensuche
Veranstaltungssuchezur unisono Veranstaltungssuche
Katalog plus

Projektbeschreibung

Projektbeschreibung
 


1. LEWO als Instrument zur Qualitätsentwicklung

 

Das Instrument LEWO (Ralf Oberste-Ufer, Norbert Schwarte: LEWO - Lebensqualität in Wohnstätten für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung. Ein Instrument zur Qualitätsentwicklung, Marburg 1997) wurde im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts an der Universität-GH Siegen entwickelt und kommt mittlerweile in zahlreichen wohnbezogenen Diensten für Menschen mit einer geistigen Behinderung in ganz Deutschland zum Einsatz.
Durch die Anwendung des Instruments eröffnet sich ein systematischer Zugang für eine Bestandsaufnahme und konzeptionelle Weiterentwicklung der Angebote und Leistungen im Kontext von Wohnstätten und Betreutem Wohnen. Darüber hinaus erlaubt das Instrument LEWO eine Einschätzung der Lebens- und Wohnqualität von Menschen mit einer geistigen Behinderung (im Sprachgebrauch von LEWO "Nutzer/innen" genannt), die in einer Wohneinrichtung leben.

Dabei erhält man Antworten auf die Fragen,

 
  • in welchem Maße die durch eine Wohneinrichtung erbrachten Angebote und Dienstleistungen den Möglichkeiten, Kompetenzen, Bedürfnissen, Vorstellungen und Wünschen erwachsener Menschen mit einer geistigen Behinderung entsprechen und
  •  inwieweit die allgemein anerkannten fachlichen Standards und Ziele der Arbeit von Wohneinrichtungen und wie die Qualität der Arbeit weiterentwickelt werden kann.
 

2. Der Aufbau von LEWO

 

Das Instrument "LEWO" sieht eine sehr umfassende Qualitätsbeurteilung wohnbezogener Dienste vor. Zu diesem Zweck werden sieben Aufgabenfelder unterschieden:

 
  • die materiellen Gegebenheiten einer Wohneinrichtung und ihres Umfeldes (Aufgabenfeld "Wohnort, Einrichtung und Gestaltung der Wohnung und des Hauses"),
  • die Alltagsabläufe, Aktivitäten und Förderangebote (Aufgabenfeld "Alltagsstrukturen, Routinen, Angebote und Tätigkeiten"),
  • die sozialen Beziehungen zwischen Nutzer/innen und Mitarbeiter/innen (Aufgabenfeld "Zusammenleben"),
  • die sozialen Netzwerke von Nutzer/innen innerhalb und außerhalb des Wohnbereichs (Aufgabenfeld "Nichtprofessionelle Beziehungen und Netzwerke"),
  • die Durchsetzung von Rechten, Ansprüchen und besonderen Schutzbedürfnissen der Nutzer/innen (Aufgabenfeld "Rechte/Schutz"),
  • die Voraussetzungen und Bedingungen für eine effektive Personalentwicklung zur Sicherung qualifizierter Arbeit (Aufgabenfeld "Mitarbeiter/innenführung") und
  • die organisatorischen Strukturen und Ablaufprozesse (Aufgabenfeld "Organisationsentwicklung").  
 

Um nach Möglichkeit alle Bereiche zu berücksichtigen, die im Zusammenhang mit dem Wohnen behinderter Menschen von Bedeutung sind, sind die sieben Aufgabenfelder in insgesamt 33 sogenannte Gegenstandsbereiche aufgeteilt, die jeweils einen bestimmten Teilbereich aus dem Aufgabenspektrum von Wohneinrichtungen darstellen.
Um beurteilen zu können, ob der oder die einzelne Nutzer/in mit seinen/ihren subjektiven Wünschen, Bedürfnissen und Interessen wirklich im Mittelpunkt der Bemühungen der Einrichtung steht, gibt es für jeden Gegenstandsbereich eine unterschiedliche Zahl konkreter Qualitätsstandards, mit denen die besonderen Bedürfnisse und der Unterstützungsbedarf einzelner Nutzer/innen eingeschätzt werden kann. Diese Qualitätsstandards werden Indikatoren genannt. Anhand einer vierstufigen Skala kann jeder Indikator einzeln beurteilt werden.

 

3. Die Anwendung von LEWO

 

An allen Dienstleistungen und Hilfen, die von Wohneinrichtungen erbracht werden, sind stets verschiedene Personen und Gruppen mit oft sehr unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen beteiligt. Wird der Versuch unternommen, Aussagen über die Qualität der Angebote von Wohneinrichtungen zu treffen, wird das Urteil einer Gruppe allein (etwa der Leitung, der Mitarbeiter/innen im Gruppendienst, der Nutzer/innen oder ihrer Angehörigen) nicht ausreichen, um ein wirklich zuverlässiges Bild zu erhalten. Vielmehr muss jeder beteiligten Personengruppe Gelegenheit gegeben werden, sich an der Untersuchung zu beteiligen und ihre Sichtweise in die Beurteilung einzubringen.
Aus diesem Grund wird LEWO in direkter Zusammenarbeit von Mitarbeiter/innen in Wohneinrichtungen, von Angehörigen behinderter Menschen und nicht zuletzt auch von den Nutzer/innen angewendet. Erst aus dem Austausch der verschiedenen Sichtweisen aller beteiligten Personen ergibt sich eine zuverlässige Beurteilung der Qualität der Angebote und Leistungen. Die Arbeit mit dem Instrument findet zu diesem Zweck in einer speziell dafür zusammengestellten Arbeitsgruppe (einem sogenannten Evaluationsteam) statt und dauert zunächst ca. ein Jahr. In diesem Zeitraum kommen die Mitglieder des Evaluationsteams regelmäßig zu ganztägigen Arbeitstreffen zusammen und nehmen anhand der Gegenstandsbereiche und Indikatoren des Instruments eine gemeinsame Bewertung der Arbeit der betreffenden Wohneinrichtung vor.
Als Ergebnisse der Arbeit mit LEWO wird ein Qualitätsbericht erstellt, der die Stärken und Schwachstellen der Angebote und Leistungen eines Dienstes präzise beschreibt. Der Qualitätsbericht bildet die Grundlage für die Erstellung eines Aktionsplans, um die beschriebenen Entwicklungsaufgaben in die Tat umzusetzen.
Durch eine kontinuierliche und systematische Anwendung des Instruments LEWO können wohnbezogene Dienste für Menschen mit einer geistigen Behinderung auch die Anforderungen der Qualitätssicherung, Dokumentation und verfahrensbezogenen Weiterentwicklung der Hilfen erfüllen, mit denen sie im Zuge der Umsetzung des § 93 BSHG konfrontiert sind.

 

4. Beratung bei der Qualitätssicherung und -entwicklung wohnbezogener Dienste 

 

Das Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPE) an der Universität-GH Siegen berät seit ca. zwei Jahren wohnbezogene Dienste (Wohnheime, Wohnstätten, Betreutes Wohnen) für Menschen mit geistiger Behinderung bei der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung ihrer Arbeit.  Im Mittelpunkt steht dabei die fachliche Qualifizierung und inhaltliche Weiterentwicklung der Angebote und Leistungen. Die Beratung erfolgt auf der Grundlage des Instruments LEWO
Durch die Anwendung des Instruments LEWO sollen die Einrichtungen in den Stand gesetzt werden, ihre Angebote und Leistungen einer Qualitätsprüfung zu unterziehen und durch gezielte Qualifizierung, Strukturoptimierung und einen effizienten Ressourceneinsatz weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang sollen auch Wege einer größeren Partizipation der behinderten Menschen als Nutzer/innen der Angebote und Hilfen erprobt werden, um dem Grundsatz der Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung im Kontext von Leistungen der sozialen Rehabilitation angemessen Rechnung zu tragen. 
Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V., Marburg, und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit in Bonn durchgeführt.