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Seminar Ehrenamt für alle! Wie kann es gehen?

Inklusion bedeutet: Alle Menschen gehören dazu. Für die Freiwilligenarbeit heißt das: Alle Menschen sollten die Möglichkeit haben, durch ehrenamtliche Arbeit aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Dazu beitragen, dass dies Stück für Stück Realität wird, möchte die inklusive Freiwilligenagentur im Landkreis Altenkirchen, welche im Februar 2016 von der Diakonie mit Mitteln der Aktion Mensch und der HeidehofStiftung gegründet wurde.

Die Ehrenamtsagentur wurde durch Studierende im Masterstudiengang der Sozialen Arbeit an der Universität Siegen im Rahmen des drei-semestrigen wissenschaftlich begleitet. Sie entwickelten eigene Forschungsfragen zu unterschiedlichen Themen. Bei allen Forschungsprojekten ging es darum, konkrete Hinweise für die Praxis zu entwickeln.

Als Abschluss des Forschungspraxisseminars wurde am 22.3.2018 gemeinsam mit dem Diakonischen Werk in Altenkirchen der öffentliche Fachtag „Ehrenamt für alle! Wie kann es gehen?“ veranstaltet. Es nahmen ungefähr 100 Personen teil. Im Vordergrund stand die Diskussion um die Weiterentwicklung des Projektes.

Ablauf des Tages
13:45 Uhr: Stehkaffee
14:00 Uhr: Begrüßung
14:20 Uhr: Vorstellung der inklusiven Freiwilligenagentur Altenkirchen (Silke Seyler)
14:40 Uhr: Chancen und Herausforderungen von Inklusion im Ehrenamt (Prof. Dr. Albrecht Rohrmann, Miriam Düber)
15:00 Uhr: Kaffeepause
15:20 Uhr: Diskussion in kleinen Arbeitsgruppen
16:50 Uhr: Gemeinsamer Abschluss

Zunächst stellte Frau Silke Seyler vom Diakonischen Werk in Altenkirchen das Projekt vor.

Freiwillige vor!


Im Anschluss daran diskutierten Prof. Dr. Albrecht Rohrmann und Miriam Düber von der Uni Siegen unterschiedliche Chancen und Herausforderungen von Inklusion im Ehrenamt.

Chancen und Herausforderungen


World-Café

Im Rahmen eines World Cafés tauschten sich die Teilnehmenden während des Nachmittags in lockerer Atmosphäre über die Ergebnisse der Studierenden aus und verknüpften die unterschiedlichen Ideen miteinander. Dabei hatten alle die Gelegenheit, ihre Gedanken in Worten und Bildern direkt auf der Tischdecke festzuhalten.

Auf der Grundlage ihrer Forschungsergebnisse und der Diskussionen am Fachtag, entwickelten die Studierenden konkrete Hinweise für die Praxis.


Ergebnisse

Tisch 1: Motivation im Ehrenamt

Diskussion am Tisch:

Es wurde deutlich, dass viele Menschen ein Ehrenamt vor allem aus Gemeinschaftszwecken ausüben. Jedoch stellte sich heraus, dass für die meisten Menschen durch das Ausüben einer ehrenamtlichen Tätigkeit eine „Win-Win“-Situation entstehen muss, sodass eine Anerkennung für die Tätigkeit entscheidend ist. So sollten zumindest entstehende Kosten (wie Bus- oder Bahnfahrten) erstattet werden, um den Ehrenamtlichen ihre Tätigkeit überhaupt ermöglichen zu können. Darüber hinaus wurde deutlich, dass viele Menschen neben der beruflichen Tätigkeit nicht die Zeit und die Energie für eine ehrenamtliche Tätigkeit aufbringen können. Hier sollten Anreize geschaffen werden, welche das Ehrenamt attraktiver machen. Die Diskussion zeigte ebenso, dass vor allem die „Mundpropaganda“ wichtig ist, um neue Leute für ein Ehrenamt zu gewinnen. Auch hier war man sich einig, dass Freunde oder Bekannte zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit motiviert werden können, wenn sie darüber besser informiert werden und sich gegebenenfalls bestimmte Tätigkeiten anschauen können.

Rückmeldung an die Praxis:

Rückmeldung an die Praxis Motivation


Tisch 2: Die Gestaltung von Weiterbildung im inklusiven Ehrenamt

Diskussion am Tisch:

Angelehnt an die vorgestellte Forschungsergebnisse und Diskussionsimpulse entstanden Gespräche zu den Fragestellungen, wie Weiterbildung für alle attraktiv gestaltet werden kann. Anlass war u.a. das Thema „Leichte Sprache“, was als Konzept eine Idee zur Teilhabe darstellt. Die Frage war ob „Leichte Sprache“ damit nicht zeitgleich nur eine bestimmte Zielgruppe anspricht und andere Zielgruppen ausschließt. Weiter wurde die Möglichkeit diskutiert, wie ggf. unbewusst entstehende Machtgefälle zwischen den Teilnehmenden und Leitenden einer Fortbildung verringert werden können. Ein konkreter Vorschlag war bspw. die Leitung einer Fortbildung, auch nach dem Tandemsystem zu gestalten. Weiterhin wurde immer wieder festgestellt wie wichtig das Aufklären zu Rechten und Pflichten im Ehrenamt ist. Auch gab es eine rege Beteiligung zur Sammlung möglicher neuer Einsatzfelder und Projekte für Ehrenamtliche.

Rückmeldung an die Praxis:

Rückmeldung an die Praxis Weiterbildung


Tisch 3: Sichtweisen und Einfluss von Fachkräften auf ein inklusives Ehrenamt

Diskussion am Tisch:

Aufgrund der aktuellen Situation des Fachkräftemangels ist es aus Sicht der Diskussionsteilnehmenden den Fachkräften nicht möglich, inklusive ehrenamtliche Tätigkeiten zu unterstützen und zu begleiten. Es wird eine ein Tandem-Lösung vorgeschlagen. Außerdem wurde angesprochen, dass bei Projekten zu inklusiven ehrenamtlichen Tätigkeiten die Barrierefreiheit eine wichtige Rolle spielt, da aufgrund der Situation des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Land eine Teilnahme ansonsten nicht möglich ist.

Als weitere Schwierigkeit von inklusiven ehrenamtlichen Tätigkeiten sehen die Diskussionsteilnehmenden ein Berührungsängste zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen. An dieser Stelle müsste ein Umdenken stattfinden in Bezug auf die Gleichstellung. Es wurde die Frage in den Raum geworfen, ob es gerechtfertigt ist, dass Menschen mit Behinderungen keine Aufwandsentschädigung für ehrenamtlichen Tätigkeiten bekommen. Fachkräfte hindern Menschen mit Behinderungen an der Ausübung von ehrenamtlichen Tätigkeiten, weil sie den Menschen mit Behinderungen nicht so viel zutrauen und ängstlich sind. Allerdings wurde auch angemerkt, dass sich die Haltung von Fachkräften bereits zum Teil gewandelt hat. Es ist wichtig, sich als Fachkraft immer wieder selbst zu hinterfragen, ob es der Wille der Fachkraft ist oder des Menschen mit Behinderung der begleitet wird. Jeder Mensch ist Experte seiner selbst.

Rückmeldung an die Praxis:

Rückmeldung an die Praxis Fachkräfte


Tisch 4: Der Projektbeirat – Interessen, Netzwerke und mehr

Diskussion am Tisch:

Die Bedeutung des Projektbeirates für die Arbeit der inklusiven Ehrenamtsagentur ist vielseitig. Der Projektbeirat funktioniert als Steuerungsgruppe. Bestehende Bedarfe müssen vom Beirat herausgefunden und ausgewertet werden. Dazu zählt unter anderem der Abbau möglicher Barrieren beim Zugang zum Projekt. Öffentlichkeitsarbeit und gute Vernetzung durch die Beiratsmitglieder sind positive Nebeneffekte, die aus der Zusammenarbeit im Projektbeirat resultieren. Die Vernetzung ist dabei breit gefächert und setzt sich aus der Kooperation mit Vereinen, Betrieben und Werkstätten für Menschen mit Behinderung zusammen. Darüber hinaus geht es auch um das Anwerben potentieller Klientel. Die Schwierigkeit hierbei besteht darin aus der „Wohlfühlzone“ herauszutreten, sodass der Kontakt bzw. die Werbung noch intensiver ausgeübt werden kann. Als weiterer wichtiger Aspekt wurde erwähnt, dass der Projektbeirat auch einen Begegnungsraum für verschiedene Personengruppen, die sich am Projekt beteiligen, darstellt. Insgesamt kam in der Diskussion heraus, dass es sinnvoll ist, mehr Betroffene in den Projektbeirat einzubeziehen und dessen Erlebnisse bzw. Erfahrungen aufzufangen sowie zu verarbeiten.

Zudem wurde angeregt, durch Öffentlichkeitsarbeit den Bekanntheitsgrad der inklusiven Freiwilligenagentur zu steigern, insbesondere bei Vereinen. Des Weiteren sollte es mehr Aufklärungsarbeit darüber geben, was es bedeutet inklusives Ehrenamt im Verein umzusetzen.

Rückmeldung an die Praxis:


Tisch 5: Die freiwillige Feuerwehr und Wohlfahrtsverbände als mögliche Einsatzorte für Ehrenamt?! Perspektiven Möglichkeiten, Grenzen

Diskussion am Tisch:

Für Einrichtungen/ Institutionen ist die Umsetzbarkeit von inklusivem Ehrenamt vor allem eine Frage der Ressourcen. Denn es müssen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um beispielsweise Toiletten behindertengerecht umzubauen. Deswegen ist es für die Einrichtungen wichtig, inklusives Ehrenamt aus längerfristiger Perspektive zu betrachten und nicht nur als ein Projekt. Am Tisch wurde immer wieder geäußert, dass die Einrichtungen wahrscheinlich schon bereit sind inklusive Ehrenamtliche aufzunehmen, aber es an Aufklärung und Begleitung fehlt. Viele Einrichtungen verbinden die Aufnahme von Ehrenamtlichen mit Beeinträchtigung zunächst mit Ängsten und als große Herausforderung. Es sei daher wichtig, Begegnungsräume zu schaffen um gegenseitig in Kontakt zu kommen und Ängste abzubauen.

Rückmeldung an die Praxis:

Rückmeldung an die Praxis Feuerwehr


Tisch 6: Ehrenamt im Altenheim – Möglichkeiten und Hindernisse

Diskussion am Tisch:

Von den Teilnehmenden wurde insbesondere die Situation in Altenpflegeheimen diskutiert. Oftmals würde die mangelnde und unzureichende Pflege der Bewohner angesprochen, die z.B. durch ein Ehrenamt gut abgefedert werden könnte. Kritisiert wurde jedoch, dass viele Altenheime nur ungern auf „Hilfe von außen“ zurückgreifen würden, insbesondere durch Angehörige.

Rückmeldung an die Praxis:

Rückmeldung an die Praxis Altenheime


Tisch 7: Zukunftsperspektiven der inklusiven Freiwilligenagentur

Diskussion am Tisch:

Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Bewerbung und Popularität der Inklusiven Freiwilligenagentur. Hier hatten die Teilnehmenden andere Ideen als die Forschungsgruppe. Laut Teilnehmenden sollte der Fokus auf der Mund-zu-Mundpropaganda und Zeitungen liegen, welche an jeden Haushalt gehen. Die Forschungsgruppe hingegen sah den Bedarf in einer umfangreicheren Werbungsphase, welche über Gespräche mit Interessierten hinausgeht.
Des Weiteren sollte es viel mehr darum gehen, über die Leistungsfähigkeiten und Belastbarkeit von  Menschen mit Beeinträchtigungen in Institutionen aufzuklären. Bisweilen würden Freiwillige hier teilweise eher belächelt werden. Es gehe darum, Berührungsängste abzubauen.

Rückmeldung an die Praxis:

Rückmeldung an die Praxis Zukunftsperspektiven


Tisch 8: Inklusion im Ehrenamt nachhaltig verankern

Diskussion am Tisch:

In der Diskussion zu den Forschungsergebnissen berichteten die Teilnehmenden zunächst von ihren Alltagserfahrungen in Bezug auf Barrieren, Stigmatisierung und Diskriminierung, die eine Teilhabe be- oder auch verhindern können. Daraufhin wurde gemeinsam erarbeitet, welche Veränderungen von Denkweisen und Lösungsansätze zur Umsetzung von inklusivem Freiwilligenengagement hilfreich sein könnten:Dabei kam zunächst die Frage auf, inwieweit diese Tagung mit fast 100 Teilnehmenden auch von Vertreter/innen aus Politik, Vereinen und Verbänden besucht wird.Bürgerschaftliches Engagement sollte nicht als Nischenthema betrachtet, sondern als zentraler Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft anerkannt werden (Anlehnung an die Verankerung als Bürger-/Menschenrecht in der UN-BRK).Deutlich wurde auch, dass der Wunsch zur Umsetzung von inklusivem Freiwilligenengagement alleine nicht ausreicht, sondern eine Basis geschaffen werden sollte zur Klärung offener Fragen wie z. B. „Was ist Inklusion beim Freiwilligenengagement und wie kann diese nachhaltig gesichert werden?“ oder „Wie kann ein Um-denken/neues Denken überhaupt gelingen?“ Im zweiten Schritt sollten Unklarheiten bezüglich der Anschlussfinanzierung über ein Projekt hinaus unbedingt bedacht und diskutiert werden.Inklusives Freiwilligenengagement sollte zielgruppenspezifisches Denken vermeiden und eine Öffnung zur Beteiligung aller Menschen voraussetzen. Als hilfreich wurde hier eine auf Themen ausgerichtete Denkweise angeregt, die freiwillige Entscheidungen berücksichtigt.Folgende Bitte wurde an die Freiwilligenagenturen gerichtet:„Lernt Gemeinwesenarbeit“ (denn Behindertenhilfe ist Gemeinwesenarbeit und bedingt, dass nach außen Netzwerkarbeit einbezogen wird).„Lernt Erwachsenenbildung“ (Sozialarbeiter/innen stehen als Bürgerrechtler: arbeitet gemeinsam mit den Menschen, deren Bürger- und Menschenrechte verletzt werden).

Rückmeldung an die Praxis:

Rückmeldung an die Praxis Nachhaltigkeit


Pressestimmen:

Rückmeldung der Teilnehmenden:

Die Teilnehmenden gaben insgesamt ein sehr positives Feedback zum Fachtag, insbesondere zur lebendigen Diskussion. Vielfach wurde angeregt, die Veranstaltung (z.B. am Ende des Projektes) zu wiederholen.