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Siegener Zentrum für Sozialisations-, Lebenslauf- und Biographieforschung (SiZe)

Zum Selbstverständnis

Das SiZe arbeitet seit seiner Gründung 1981 (zunächst in Marburg) durch Jürgen Zinnecker und Imbke Behnken auf dem Gebiet angewandter Modernisierungsforschung. Das Zentrum konzentriert sich auf die Umbrüche und Transformationsprozesse, die das Aufwachsen der jüngeren Generation, die Beziehungen zwischen den Generationen und der Lebenslauf der Menschen global, regional und in verschiedenen nationalen Kulturen im 20. und 21. Jahrhundert erfahren haben. Das geschieht auf der disziplinären Basis einer Erziehungswissenschaft, die als Sozial- und Kulturwissenschaft verstanden wird. Modernisierung wird als ein vielschichtiger, riskanter und konflikthafter Gesellschaftsprozess verstanden, dessen Folgen die betroffenen Kulturen und Menschengruppen in hohem Maße selbst zu bewältigen und dem sie selbst einen Lebenssinn abzugewinnen haben. Die Forschung des Zentrums sowie die Sammlungen des "Archiv Kindheit-Jugend-Biographie" (AKJB) konzentrieren sich folglich auf die Perspektive der von Modernisierung betroffenen Gruppen und fragten nach deren Bewältigungsstrategien und Sinngebungen, den subjektiven und kulturellen Kosten sowie nach den Risiken eines lebensgeschichtlichen Scheiterns.

 

Das "Archiv Kindheit-Jugend-Biographie" (AKJB) ist integrativer Bestandteil des SiZe und wird ehrenamtlich von PD Dr. Imbke Behnken geleitet. Im AKJB ging es von Anfang an darum, die Kulturen des Aufwachsens in der Moderne, die Kulturen der Moratorien für Kinder und Jugendliche zu dokumentieren und zu analysieren. Im Gründungsdokument heißt es zur Zielsetzung:

"Das Archiv Kindheit-Jugend-Biographie" (AKJB) verfolgt das Ziel, vorhandene Zeugnisse zu sammeln, die die Geschichte und Gegenwart von Kindheit und Jugend im deutschsprachigen Raum seit Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts beschreiben und diese einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (…) Die Einrichtung versteht sich in der Tradition von Kindheits- und Jugendforschung seit Beginn des 20. Jahrhunderts. WissenschaftlerInnen, die sich mit den Besonderheiten dieser Lebensphase beschäftigten, stießen bald (…) auf die Möglichkeiten, die sich aus der kulturellen Eigentätigkeit von Kindern und Jugendlichen ergaben. (…) Sie legten Quellensammlungen von Tagebüchern, freien Aufsätzen, Zeichnungen u.ä. an (…) in dem Bewußtsein, daß es sich hierbei um kulturell bedeutsame Dokumente handelte, die nicht nur für entwicklungspsychologische, sozialpsychologische oder pädagogische Fragestellungen von Wert waren, sondern die auch kulturhistorisches Gewicht besaßen."

Liest man das Gründungsdokument heute, so wird deutlich, dass am Beginn des 20. Jahrhunderts eine Hochachtung vor den kulturellen Leistungen der Kinder, der Jugendlichen und ihrer Szenen stand. Es dominierte eine Welle der euphorischen Heiligung des künftigen kulturellen Moratoriums, das das 20. Jahrhundert und dessen Fortschritte in der zivilisierten Welt bestimmen sollte. Heute, zu Beginn des neuen Jahrtausends zeigt sich uns die andere Seite des extremen 20. Jahrhunderts: Zwei Weltkriege, die in einem zeitlichen Abstand von nur 21 Jahren folgten, prägten nachhaltig kindliches und jugendliches Leben. Wir können diese Weltkriege auch als Zerstörung des kindlichen und jugendlichen Moratoriums verstehen.

 

Zum Arbeitsprogramm des SiZe

Zum Arbeitsprogramm gehören (a) empirische Forschungsprojekte, (b) Dokumentation und Archivierung sowie (c) forschungsorientiertes Lehren, Lernen und Prüfen.

(a) Forschungsprojekte

Das SiZe ist ein Forschungszentrum, in dem diverse Forschungsprojekte des Department Erziehungswissenschaft und Psychologie der Universität Siegen angesiedelt sind.

Die methodischen Designs und Verfahrensweisen sind weit gespannt: Seien es repräsentative Kinder- und Jugendsurveys und Längsschnittstudien, mikrosoziologische ethnografische Feldstudien in Stadtteilen oder Bildungsinstitutionen, Befragungen mit dem Instrumentarium der Oral History bis hin zu biografischen Fallstudien von Kindern, Jugendlichen und Familiengruppen. Neben grundlagenorientierten Studien engagiert sich das Siegener Zentrum auch in der angewandten Forschung in der Region (Fragen zu Kinder- und Jugendwelten, Familie, Bildung, u.a.)

 

(b) "Archiv Kindheit-Jugend-Biographie" (AKJB)

Das Archiv im SiZe diente in den ersten Jahren dazu, die Forschungsaktivitäten und die kulturellen Artefakte von Kindern, Jugendlichen und deren Bezugsinstitutionen (Schulen, Familien, Medien, Peers, Jugendhilfe) sorgfältig zu dokumentieren, die im Kontext dieser Forschungen seit Beginn der 1970er Jahre gesammelt worden waren. In der Folgezeit wurde die Tätigkeit um die Archivierung thematisch und methodisch verwandter Forschungsprojekte von KollegInnen erweitert. Damit werden systematische Reanalysen und Replikationsstudien – auch von qualitativen Studien - zu späteren Zeitpunkten ermöglicht.

Ein Teil der Bestände, insbesondere die Präsenzbibliothek autobiografischer Ganzschriften und Sammelbände sowie die Bildbestände wird fortlaufend mit Hilfe eines Dokumentations- und Retrievalsystems elektronisch erfasst.

 

(c) Forschungsorientiertes Lehren, Lernen und Prüfen

Die Mitarbeiter des SiZe sind darum bemüht, Studierende bereits im Grundstudium mit aktueller Forschung, deren Methodik und Ergebnissen vertraut zu machen. Im Rahmen von Hausarbeiten, Abschlussarbeiten und Seminaren zur Forschungspraxis werden Studierende mit dem Ethos und Habitus von forschendem Lernen als Teil professionellen Handelns vertraut gemacht. Studentische Forschungsarbeiten werden im Archiv des SiZe systematisch gesammelt und den Peers zur Verfügung gestellt.