
Lili - Heft 107
»Vor dem Gerichtshof über Weltliteratur«
Zu Versuchen, deutschen Dichtern den Nobelpreis zu verschaffen
Zusammenfassung/Summary
Interessen
Einfach schlau wollte der Düsseldorfer Oberbürgermeister
a.D. Oehler sein, als er einige Professoren, vorwiegend aus
Jena, dazu brachte, Elisabeth Förster-Nietzsche für den
Nobelpreis des Jahres 1923 (nach 1908 und 1915 der dritte
Versuch) vorzuschlagen, erhoffte er sich doch davon die
Finanzierung seiner »Stiftung Nietzsche-Archiv« und die
Nobilitierung eines »menschlichen« Nietzsche, wie er durch die
kleingläubigen Biographien der Schwester geistert.4 Ein
Gutachten schrieb er gleich selbst, das andere bestellte er
beim radikalen Provinzbarden Friedrich Lienhard, die
Philosophen Alois Riehl und Hans Vaihinger befürworteten
gerne;5 Oehler hielt sich nicht lange beim literarischen Rang
auf: die Schwester habe »die vollkommenste Form für den Inhalt«
gefunden; sondern hob dann auf vielen Seiten ihre editorischen
und archivischen Leistungen hervor. Das Nobelpreiskomitee mußte
dann etwa lesen: »Diese Schaetze an Handschriften werden
sorgfältig, feuer- und diebessicher aufbewahrt, sie sind genau
katalogisiert, auch sind von ihnen genaue Abschriften
angefertigt, die gleichfalls im Archiv verwahrt werden.« Aus
solchem ergäben sich noch größere, eben aus Stockholm in
europäischem Interesse zu bezahlende Aufgaben.6
Nicht nur in Weimar, sondern auch in der Steiermark dachte man, es ginge in Schweden so zu wie daheim. Weil man literarisch-ästhetische Urteile nicht anerkannte, legte man sich die fernen Entscheidungen im Spiegel des eigenen kleinen Eifers zurecht, der in der Heimatdichtung seine magna charta hatte. Peter Rosegger erhielt zu seinem siebzigsten Geburtstag den Nobelpreis 1913 nicht, obgleich das nicht nur der Grazer »Tagespost« so gut wie sicher schien.7 Der Dichter des deutsch-national-religiös vibrierenden Bekenntnisbuches Mein Himmelreich (1901) konnte, so seine Freunde, nur dem nach Stockholm getragenen und dort wirksamen Kleinkrieg zwischen den Nationen und Sprachgruppen zum Opfer gefallen sein. Die Parteigänger starrten auf das Protesttelegramm des tschechischen Kulturverbandes (»Herr Rosegger würde ohne Zweifel das Geld der Nobelstiftung zur weiteren Germanisierung slavischer Kinder benützen«8, sie sahen die negativen Gutachten der (tschechischen) Gelehrten Josef Janko und Arno Novak, und desgleichen die wirkungslose, von August Sauer, dem Germanisten an der deutschen Prager Universität, initiierte Resolution (der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen) dagegen.9 Das von solchen Verschwörungsängsten provozierte peinliche Dementi aus Schweden mußte dann Rosegger ganz offiziell den literarischen Rang absprechen: Eine Jury hat doch, [beklagte der sich bei einem Freund,] nur die Würdigen zu nennen, die ausgezeichnet werden sollen, nicht aber auch die Namen Solcher in die Welt zu rufen, die sie der Auszeichnung für unwürdig hält! [...] Empfand sie aber die Notwendigkeit, ihren Beschluß besonders zu begründen, so hätte sie es in einer nicht verletzenden Form tun müssen. So dass ich jetzt nicht vor aller Welt dastünde als einer dessen literarische Werke des Nobelpreises nicht wert sind.10
Die heimatlichen Hintergedanken der
Dichter kreisten meist um die Rangordnung, die sie sich gerne
von außen beglaubigen ließen: Man erzählt sich, daß die Sorge
von Frisch und Dürrenmatt, der andere könnte den Preis
erhalten, jedes Jahr größer war als die Hoffnung, die Wahl
könne einen selbst treffen. Arno Holz wurde 1929 schon zum
fünften Mal vorgeschlagen; Loerke hatte 1926 ins Tagebuch
notiert: »Empörung in mir. Diese schwachsinnigen Elaborate.«11
Doch war die breite Unterstützung für die Kandidatur nicht
ästhetisch motiviert (in Universitätskreisen sollten insgesamt
kaum glaubliche 460 Unterschriften geleistet worden sein,
Walter von Molo wollte die Sektion für Dichtkunst mobilisieren)
und ebensowenig der Widerstand. »So viel wie die langweilige
Limonade Hermann Hesse bin ich schon lange,«12 fiel Döblin ein,
als Ludwig Marcuse an ihn dachte. Und 1957 wußte er: »Thomas
Mann, bürgerlicher Kandidat für alle Preise und Ehren, stellte
sich ans Telefon und protestierte bei Hauptmann (er hatte
zufällig den Nobelpreis noch nicht): Arno Holz den Nobelpreis,
das wäre unerhört; wenn schon ein Deutscher, dann wenigstens
Ricarda Huch. Er meinte sich, und er erhielt den Preis. Marcuse
weiß es.«13 Das war 1929. In ihrer flachen pragmatischen Art
meinte damals die Huch: »schade, daß einer ihn bekommen hat,
der ohnehin reich ist, und obwohl ich ihn vorzüglich
hätte verwenden können.«14 Ernst Bertram, Freund von Thomas
Mann und Professor in Köln, war - »wir sind ja immer danach
verfahren« - um das inzwischen durch den George-Kreis gehörig
ramponierte Bild des Meisters besorgt: »Die Aufforderung nach
Stockholm habe ich ja trotzdem geschickt [...], und auch immer
[...] so gesprochen, daß das Bild gerettet bleibt.«15
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Wege des Geschmacks
Alfred Nobel hatte in seinem Testament von 1895 einen der Preissumme angemessenen Wert genannt: Jene Dichter sollten die Auszeichnung erhalten, die »das vorzüglichste Werk idealistischer Prägung geschaffen« und damit »der Menschheit den größten Nutzen erwiesen« hätten.16 Das schwedische Wort »idealisk« konnte ästhetisch oder, nach der humanisierenden Wirkung des Ästhetischen, ethisch gedeutet werden, und auch darüber, was dem Menschen frommt, gingen die Meinungen auseinander, so daß neben der verbreiteten Deutung des Wörtchens auch plausibel scheint, was Georg Brandes von Nobels Freund Gustaf Mittag-Leffler erfuhr: »Nobel war Anarchist; mit idealistisch meinte er das, was eine polemische oder kritische Haltung gegenüber der Religion, der Monarchie, der Ehe und der Gesellschaftsordnung insgesamt einnimmt.«17 Immerhin war die Schwedische Akademie bis zum Zweiten Weltkrieg gezwungen, ihre Wertmaßstäbe auf den testamentarischen Begriff hin zu deuten: Im ersten Jahrzehnt hielt sie sich an die Ästhetik des deutschen Idealismus. Dann wollte man sich strikt neutral verhalten. Als endlich der schwedische Dichter Per Hallström 1922 den Vorsitz im Nobelkomitee übernahm (er blieb bis 1947), galten eine »weitherzige Humanität« und ein sie prononcierender »großer Stil« (Kjell Espmark) als Ideal, das dann in den dreißiger Jahren zu dem verkam, was dem allgemeinen (Welt)Publikum gefallen könnte: Mit Pearl S. Bucks Wahl im Jahr 1938 erreichte diese Entwicklung ihren Tiefpunkt.
Der Geschmack entsteht im Gespräch
vieler mit vielen, er will verbindlich sein und darum seine
schwankende Herkunft vergessen lassen. Dankbar übernahmen zu
Beginn unseres Jahrhunderts die am Gespräch Beteiligten daher
Normen, die auf das Ganze gerichtet sind. Undenkbar war noch,
daß man auch in der Verneinung konsequent sein kann, mit
anderen Folgen natürlich. In jenem Schweden, das zu
Deutschland eine ungetrübte kulturelle Neigung empfand und das
Deutsche als erste Fremdsprache pflegte, war daher die
spätidealistische Ästhetik Friedrich Theodor Vischers
allgegenwärtig, auf die nun ironischerweise alle jene deutschen
Dichter stießen, die zuhause diese eigene Tradition
artistisch-spekulativ oder lebensphilosophisch modernisiert und
hinter sich gelassen hatten: Karl Kraus, Hugo von Hofmannsthal,
Theodor Däubler, Stefan George, Arno Holz, Thomas Mann ... es
waren so viele vorgeschlagen worden wie vorher und später
nicht, und sie
bekamen es alle mit Hallström zu tun, der ein anderes
Deutschland im Sinn hatte.
Man tut gut daran, in den Werken Hallströms zu lesen, um seine Urteile zu begreifen.18 In der Novelle Die rote Rose zum Beispiel, die dem 1919 im Insel Verlag erschienenen »Novellenbuch« den Titel gab,19 kommt der Erzähler von einer ausgedehnten Gebirgswanderung (»Den einen Alpenpaß hinauf, den anderen hinunter«) in den Kurort, wo eine schwindsüchtige Amerikanerin dem Tod entgegenlebt und zuvor noch in der Stimme eines Mediums ihre Gedanken offenbart, das ein Magnetiseur, natürlich von Paris, hierher gebracht hat. Wie eine Parabel auf die Vischersche Ästhetik wirkt das, fern vom Zauberberg, in der das Schöne, selbst schon Ausdruck des Absoluten, sich selbst überbietet, wenn die Naturschönheit (die zeigte sich hier auf der Gebirgswanderung) und die Phantasie (im Medium) zur Dichtung werden, der Dichtung, der von ihrem sujet nichts mehr anhaften darf. Der Dichter schließt mit einer Moral und meint damit einen Verehrer, der noch ans Überleben der Schönen glaubt: »Ja, ja, dachte ich, alles ist in irgendeiner Weise bestimmt, aber es ist gut, nicht allzuviel davon zu wissen.«20 Was als Ästhetik durchaus die Zeiten überdauern kann, wird im Werturteil kulturell ausgelegt und banal. Dann sind eben Klarheit, Einfachheit, Plastizität, Vollständigkeit und strenge Gestaltung jene Kriterien, die, gerichtet gegen Dunkelheit und Esoterik, Nobelpreisgutachten anleiten. Dreimal hat der Germanist Walther Brecht für Hofmannsthal, dem er als Freund diente und dessen platonisierende (»idealistische«) Interpretationen die Hofmannsthalforschung später entscheidend prägten, den Antrag gestellt (1923, 1924 und 1926); viermal hat Hallström in ausführlichen Berichten abgelehnt, und jedesmal mit den gleichen Gründen:21 Die Dekadenz des Werkes bis zur Elektra, vor allem die Mischung aus Schrecken und Erotik, die »entschlossene Handhabung des Effektes, eine Entschlossenheit, die die Brutalität der populären, bevorzugten dekadent-modernen Art nicht scheut«22, ließen die »Idealität im Inhalt«23 vermissen, und im heterogenen Gesamtwerk werde, dem hätte Hofmannsthal zugestimmt, eine »unruhige Dichterphysiognomie«24 sichtbar - keine geeigneten Remeduren für den »schon vorher so verwirrten und gesunkenen zeitgenössischen Geschmack.«25 Immerhin hatte man die Kandidatur ernsthaft erwogen. Denn Hofmannsthal war in Schweden einigermaßen bekannt, hatte 1916 Stockholm besucht, auch sah man die Schönheit seiner Verse - und fühlte sich deshalb nicht sicher genug.
Wenn aber die kulturelle Verbindung
zu einem anderen Land fürs Urteil nicht mehr ausreicht, dann
schiebt sich der Wunsch dazwischen, zu verstehen, was einem
nicht gefällt - und die Wertung anderen zu überlassen. Man
wußte damals in Stockholm schon, daß man nicht »streng nur
unseren schwedischen Geschmack auf Arbeiten von Schriftstellern
anwenden darf, die einem Volk angehören, das in seiner
Anschauung und Lebensauffassung uns fern steht.«26 Da ist das
neue Allgemeine, das den Wert sichern soll, auch gleich
genannt: nur wer ein Volk repräsentieren kann, ist ein guter
Kandidat. Walther Brecht hat deshalb, aus in Wien geschärftem
Instinkt, richtig gehandelt, als er einen Erzbischof, den
Präsidenten der Wissenschaftsakademie, den Staatsoperndirektor,
und außerdem Richard Strauß und Max Reinhardt als Stützen
gewann: »Die Stimmen dieser fünf Männer repräsentieren
Wissenschaft und kirchliches Leben, Musik und Theater in
Österreich.«27 Idealität war jenes platonisierende ästhetische
Kriterium, das auf die breiteste kulturelle Akzeptanz zählen
konnte. Brechts Argumentation, die
den »idealistischen« Hofmannsthal mit dem öffentlichen Leben
zusammenschloß, wäre es beinahe gelungen, das Vorurteil in
Stockholm gegen den modernen, »dekadenten« Hofmannsthal
auszuräumen.
Karl Kraus (Kandidat in den Jahren
1926, 1928 und 1930) war weder in Schweden bekannt: Er starb,
ohne daß eines seiner Werke ins Schwedische übersetzt worden
wäre. Noch erklärte sich ein Österreicher dazu bereit, für ihn
nach Stockholm zu schreiben, so daß Charles Andler von der
Sorbonne sich rührte. Für den dritten Anlauf konnte er seine
französischen Kollegen nicht mehr bewegen, weil sie die
Chancen ihres Paul Valéry nicht gefährden wollten. Die Antwort
des germanophilen Hallström hätte man sich ausrechnen können:
Die Unterzeichner stellten keine homogene Gruppe dar, und solch
journalistische Literatur könne nur
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Weltliteratur»Immer für den Augenblick das Unanfechtbarste und den Augenblick später schon komisch,« polemisierte Rudolf Borchardt 1929 gegen den Preis als Plebiszit.29 Von Anfang an begleitete harsche Kritik die Entscheidungen und hatte zum Maßstab die Weltliteratur. Eine paradoxe Situation entsteht: Man weiß um den kommunikativen Charakter der Entscheidungen und nimmt hin, daß Literat ist, wer, im bilateralen kulturellen Bezug Schwedens zur Welt, von anerkannten Literaten und Professoren als Literat anerkannt wird. Gleichzeitig vertraut jede raunzige Bemerkung (»Eigentlich verdiene ich den Nobelpreis...«) auf ein literarisches Universum, und ähnlich suchen Preisträger und Juroren frühere
Entscheidungen zu korrigieren und den Kanon zu bessern.30 Gegen die jährlich wechselnden Blickwinkel, die seit 1901 wahrlich eine seltsame Reihe geschaffen haben, und gegen die Probleme, wie sie die Prozedur schafft. Zu ihren Schwächen gehört, daß Fremdes erst verzögert in Schweden wahrgenommen werden kann (Garcia Márquez hat ausgerechnet, daß die meisten Autoren innerhalb von sieben Jahren nach der Vergabe sterben31), aber auch, daß große Autoren zuhause nicht gewürdigt und daher - wie etwa James Joyce - nie vorgeschlagen wurden. Es war bereits ein gutes Ritual, als Canetti 1981 den Preis für die ungeehrten Musil, Broch, Kafka und Kraus entgegennahm; Böll hätte, neun Jahre
zuvor, den Preis lieber mit Grass geteilt; Neruda stufte sich gegenüber Garcia Márquez zurück; O'Neill (1936) stand für Strindberg; die literarischen Nachfahren wurden für die Pioniere geehrt, Ivan Bunin für Tolstoi, Saint-John Perse für Claudel und Valéry, oder auch Nelly Sachs (1966) für die zu früh verstorbenen Expressionisten.
Hallström wurde nach 1945 von Anders Österling abgelöst, von jenem Dichter, der 1911 bereits die Elektra übersetzt hatte, und nun öffnete sich der Kriterienkanon erheblich: Man wollte »Bahnbrecher« küren und bezog das auf den eigenen Pantheon. Der Drang zu korrigieren setzte sich in den siebziger Jahren fort. Auf vernachlässigte literarische Gattungen, auf abseits gelegene Sprach- und Kulturgebiete, oder auf originelle aber noch unentdeckte Autoren richtete man die Aufmerksamkeit. Das waren externe Normen, die zur Bestimmung der Qualität nicht ausreichten, man begann sie überdies zu kombinieren und machte damit die Entscheidungen noch unberechenbarer, zumal auch die alten Werte (humanistisch, repräsentativ) eingemischt wurden und man mit Blick auf die Länderstatistik gerecht bleiben wollte: Man denke nur an Canetti und Jaroslav Seifert (1984). Weil inzwischen die ›Moderne‹ klassisch geworden war und kulturell anerkannt, hielt man sich, denn man mußte ja nach all diesen Umwegen wieder zu den Werken kommen und da auswählen, nach wie vor an die »Bahnbrecher«, also an den einigermaßen literarischen Wert der Innovation.
Starke neue Werke entstehen nicht,
weil der Autor neue Werke schaffen will, sondern weil er mit
den alten und ihren Traditionen in Haßliebe ringt. Unzufrieden
ist er aus ihm eigenen Gründen. Diese integrieren seine Welt,
und in dem Maß, in dem das gelingt, verliert der Autor aus dem
Blick, wovon er sich abstößt. »Innovation« reicht damit als
Kriterium für die Charakterisierung eines Werkes nicht aus,
aber sie mag als Indiz für die Fähigkeit des Autors genommen
werden, die Welt zu bemeistern. Das hat auch eine politische
Seite, und die heute im Akademiekomitee arbeitenden
Schriftsteller (wie Östen Sjöstrand, Lars Forssell oder Kjell
Espmark, der auch Literaturwissenschaftler ist)32 verbinden
einen kommunen Modernismus mit der dezidierten Vorstellung, daß
ein Dichter sich mit »der Macht« und politischer Barbarei
auseinandersetzen muß. Das prägt die Auslegung der ästhetischen
Norm und hat nicht zuletzt Frankreich zum Vorbild. Vor kurzem
schickte der japanische Nobelpreisträger 1994 Kenzaburo^ O^e
seinem französischen Vorgänger Claude Simon (1985) über Le
Monde33 einen offenen Brief.
Simon hatte ihm vorgeworfen, daß O^es Kritik an den
französischen Atomtests sich gegen Frankreich insgesamt richte.
Im Gegenteil, meinte O^e: Die Japaner hätten viel von der
Kultur Frankreichs gelernt, vor allem, daß Intellektuelle wie
Yves Berger, Jean-Paul Sartre oder eben Claude Simon in der
Literatur ein politisches Medium sahen, das er nun eben gegen
die Entscheidung Chiracs wendet. So nimmt es
nicht Wunder, daß Erich Kästner 1961 von der schwedischen
Literaturkritik dringend für den Preis empfohlen wurde: »In
Deutschland ist er der bedeutendste Verwalter der Tradition
Heines, und die Zielscheibe für seinen Humor sind dieselben
deutschen Laster, die Heine brandmarkte: die Demut gegenüber
der Obrigkeit, das sentimentale Selbstmitleid, die mechanische
Klassifikationslust und der Trieb zur devoten
Unterwerfung.«34
Deutschsprachige Kandidaten haben
es heute schwer. Man wünscht sich, sie negierten die Kultur,
die man nicht schätzt, und schließt sie so aus dem Kreis jener
aus, die Fremdes immerhin repräsentieren dürfen. Die deutsche
Kultur hat in Schweden vielerorts längst ihre Faszination
verloren, wird nicht einmal richtig abgelehnt, kennt man sie
doch kaum mehr. Seit über zwanzig Jahren können schwedische
Schüler Deutsch nur mehr als zweite Fremdsprache belegen und
ziehen in der Regel das Französische vor, übersetzt wird vor
allem die amerikanische
und englische Literatur, die bescheidene Auswahl deutscher
Dichter im Programm der Verlage ist für uns kurios. Der Ruhm
der Gruppe 47 ist verblaßt, Österreich und die Schweiz waren
ohnehin stets hinter dem Horizont, man liest Wallraff, dann
etwas Enzensberger (der ja oft in Schweden war) und pflegt
immerhin Handke, von dem jedes Buch treulich übertragen wird.
Die Germanistik ist dort keine Literatur-, sondern fast
ausschließlich eine Sprachwissenschaft, die Vorschläge
deutscher Germanisten gehen gerne fremd (Richard Alewyn empfahl
1969 Georges Simenon als »bedeutendsten Schilderer von Menschen
und Milieus«35), und in der Akademie ist gerade noch der
inzwischen dreiundneunzigjährige Lyriker Johannes Edfelt ein
Kenner. Doch bleibt der Geschmack in Stockholm, wenn auch nicht
unerforschlich, so immerhin unberechenbar.
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Literatur
Alfred Döblin. 1878-1978, Ausstellung und Katalog von Jochen Meyer in Zusammenarbeit mit Ute Doster, Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft 1978 (Marbacher Kataloge 30).
Bollack, Jean: »Kulturelle Differenzen im Austausch«, in: Übersetzerpreis zur Förderung der deutsch-französischen Beziehungen. Preisverleihung am 25. April 1995 auf Schloß Ernich, Stuttgart: DVA Stiftung, S. 21-34.
Borchardt, Rudolf: »Zwei Preise« (1929), in: ders.: Prosa IV. Marie Luise Borchardt (Hg.) unter Mitarbeit von Ulrich Ott und Ernst Zinn, Stuttgart: Klett 1973 (Gesammelte Werke in Einzelbänden), S. 248-253.
Burdach, Konrad: »Die deutschen wissenschaftlichen Akademien und der schöpferische nationale Geist«, in: Eranos. Hugo von Hofmannsthal zum 1. Februar 1924, München: Verlag der Bremer Presse 1924, S. 29-60.
Dambacher, Eva: Literatur- und Kulturpreise 1859-1949. Eine Dokumentation, Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft 1996 (Deutsches Literaturarchiv: Verzeichnisse, Berichte, Informationen 19).
Döblin, Alfred: Briefe, Olten und Freiburg im Breisgau: Walter-Verlag 1970 (Ausgewählte Werke in Einzelbänden, in Verbindung mit den Söhnen des Dichters hg. von Walter Muschg, weitergeführt von Heinz Graber).
Espmark, Kjell: Der Nobelpreis für Literatur. Prinzipien und Bewertungen hinter den Entscheidungen. Aus dem Schwedischen von Ruprecht Volz und Fritz Paul, mit einem Nachwort von Fritz Paul, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1988 (Sammlung Vandenhoeck).
Grau, Conrad: Die Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Eine deutsche Gelehrtengesellschaft in drei Jahrhunderten, Heidelberg u.a.: Spektrum Akademischer Verlag 1993.
Hallström, Per: »Gutachten über Hugo von Hofmannsthal«, in: Hofmannsthal-Blätter 28 (1983), S. 49-79.
Hallström, Per: Die rote Rose. Ein Novellenbuch. Berechtigte Übertragung aus dem Schwedischen von Marie Franzos, Leipzig: Insel-Verlag 1919. [Titelnovelle S. 99-120]
Harnack, Adolf: Geschichte der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, im Auftrage der Akademie bearb. von Adolf Harnack, 3 Bde, Berlin: Reimer 1900.
Herder, Johann Gottfried von: »Idee zum ersten patriotischen Institut für den Allgemeingeist Deutschlands«, in: ders.: Sämmtliche Werke. Bernhard Suphan (Hg.), Bd. 16, Berlin: Weidmannsche Buchhandlung 1887, S. 600-616.
Jens, Inge: Dichter zwischen rechts und links. Die Geschichte der Sektion für Dichtkunst an der Preußischen Akademie der Künste, dargestellt nach den Dokumenten,(1971), zweite, unter Mitarbeit von Norbert Kampe erweiterte und verbesserte Auflage, Leipzig: Kiepenheuer 1994.
Jessen, Heinrich: »Johannes Edfelt. Träger des Henrik-Steffens-Preises 1967«, in: Ausblick. Mitteilungsblatt der Deutschen Auslandsgesellschaft 18 (Mai 1967), H. 1/2, S. 9-12. (Darin: Edfelt, Johannes: Ein Bildhauer ist der Schmerz und Archaisches Bild, übers. von Nelly Sachs).
Koppen, Erwin: »Weltliteratur zwischen Vulgäridealismus und Repräsentation. Der Nobelpreis für Literatur in der Belle Epoque«, in: Teilnahme und Spiegelung. Festschrift für Horst Rüdiger. Beda Allemann/Erwin Koppen (Hgg.) in Zusammenarbeit mit Dieter Gutzen, Berlin/New York: de Gruyter 1975, S. 415-432.
Korlén Gustav: »Karl Kraus und Hugo von Hofmannsthal - zwei gescheiterte österreichische Nobelpreiskandidaten«, in: Moderna Språk, published by the Modern Language Teachers' Association of Sweden 80 (1986) Nr. 4, S. 297-302.
Leitgeb, Hanna: Der ausgezeichnete Autor. Städtische Literaturpreise und Kulturpolitik in Deutschland 1926-1971, Berlin/New York: de Gruyter 1994 (European Cultures. Studies in Literature and the Arts, edited by Walter Pape, Vol. 4).
Loerke, Oskar: Tagebücher. Hermann Kasack (Hg.), Frankfurt am Main: Suhrkamp 1955.
Mann, Thomas: Thomas Mann an Ernst Bertram. Briefe aus den Jahren 1910-1955, Pfullingen: Neske 1960.
Márquez, Gabriel García: »Unerforschliche Ratschlüsse«, in: Neue Deutsche Literatur 31 (1983) H. 3, S. 163-167.
Meyer, Jochen: Berlin - Provinz. Literarische Kontroversen um 1930, 2., durchges. Aufl., Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft 1988 (Marbacher Magazin 35).
Nielsen, Harald: »Per Hallström. Ein schwedischer Dichter, Deutsch von Richard Guttmann«, in: Xenien 5, 1912, Juliheft, S. 394-402 und Augustheft, S. 483-491.
O^e, Kenzaburo^: Cher Claude Simon, in: Le Monde, 28.9.1995.
Ricarda Huch. 1864-1947, Ausstellung und Katalog von Jutta Bendt und Karin Schmidgall unter Mitarbeit von Ursula Weigl, Marbach am Neckar: Deutsche Schillergesellschaft 1994 (Marbacher Kataloge 47).
Strindberg, August: »Ein Gerichtshof über Weltliteratur«, Emil Schering (Übers.), in: Die Zukunft 45 (1913), S. 103-105.
»The Swedish Writers Behind the Nobel Prize in Literature. A Tribute to a Venerable Institution Upon Turning Eighty«, in: World Literature Today. A Literary Quarterly of The University of Oklahoma 55 (1981) Number 2, S. 197-256.
Wagner, Karl: »Rosegger im Nationalitätenstreit: Zur Nobelpreis-Affäre«, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 41 (1992) H. 6, S. 5-12.
Walser, Martin: »Nobel und die Nobelpreisträger. Vorwort«, in: Rolf Hochhuth/Herbert Reinoß (Hgg.): Ruhm und Ehre. Die Nobelpreisträger für Literatur. Gütersloh: Bertelsmann 1970.
Wérin, Algot: »Hofmannsthal und Schweden«, in: Nerthus. Nordisch-deutsche Beiträge 3 (1972), S. 173-191.
Werner, Gösta: »Karl Kraus et le prix Nobel. Documentation rassemblée et présentée par Gösta Werner (Stockholm)«, in: Austriaca. Cahiers Universitaires d'Information sur l'Autriche 12 (1986) Nr. 22, S. 25-46.
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Anmerkungen
1 Das ist die erweiterte Fassung eines Essays in der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 5.10.1995. Den
Titel hatte auch Strindberg 1913; seine Polemik endete:
»Achtzehn unliterarische Räthe und nicht ein kompetenter
Richter. Das ist kein Gerichtshof! Das ist nichts!« (S. 105).
Vgl. allgemein: Walser 1970; Koppen 1975; Espmark 1988; Leitgeb
1994; Bollack 1995; Dambacher 1996, S. 133-138. Da es nicht zum
Thema gehört, rasch die deutschsprachigen Dichter, Denker und
Wissenschaftler, die den Nobelpreis erhalten haben: Theodor
Mommsen (1902), Rudolf Eucken (1908), Paul Heyse (1910),
Gerhart Hauptmann (1912), Carl Spitteler (1919), Thomas Mann
(1929), Hermann Hesse (1946), Nelly Sachs (1966), Heinrich Böll
(1972), Elias Canetti (1981). Zehn und mehr Preisträger gab es
noch in Frankreich, Skandinavien, den USA und in
England/Irland.
2 Herder 1887, S. 610; vgl. zur Akademiefrage: Harnack 1900; Burdach 1924; Grau 1993.
3 Vgl. Jens 1994; Meyer 1988.
4 Dem Antrag beigelegt wurden Das Leben Friedrich Nietzsches (3 Bde., 1895-1904), Wagner und Nietzsche zur Zeit ihrer Freundschaft (1915) sowie die zwei zusammengehörigen Der junge Nietzsche (1912, neue Aufl. 1922) und Der einsame Nietzsche (1914, neue Aufl. 1922).
5 Den Antrag unterzeichneten die Jenaer Professoren Bruno Bauch, Felix Auerbach, Justus Wilhelm Hedemann, Gottlob Linck, Eduard Rosenthal, Ferdinand Sommer, Friedrich Zucker und Georg Goetz. Außerdem befürworteten noch Hermann Gocht (Halle) und Kurt Breysig (Berlin). Nur Eucken hielt sich zurück, weil er als ehemaliger Preisträger ständig gefragt werde.
6 Vgl. dazu das Konvolut mit Entwürfen, Gutachten, einer (unterschriebenen) Aufforderung zu unterschreiben, Briefen der Befürworter und Gutachter im Bestand Nietzsche-Archiv (GSA 72/1056) des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar (Stiftung Weimarer Klassik).
7 Vgl. Wagner 1992. Was die Tagespost am 10.8.1913 meldete, wurde daraufhin auch in Prager Zeitungen wiederholt: »Eine hervorragende Persönlichkeit, deren Voraussagen für die Zuerkennung des Nobel-Preises sich bisher immer bestätigt haben, erklärte, daß der diesjährige Nobel-Preis für Literatur Peter Rosegger zugesprochen werden wird.«
8 Reichspost vom 11.11.1913.
9 Union vom 14.11.1913.
10 An Emil Ertl am 21.11.1913 (zit. Wagner 1992, S. 9f.).
11 Vgl. Fischer, Hans W.: »Arno Holz - Nobelpreiskandidat«, in: Die Literarische Welt 1929, Nr. 40. - Oskar Loerke (1955, S. 163) notierte am 31.12.1926: »Telephonieren mit Stucken und Fulda (auch von Scholz) wegen des Vorstoßes, den Walter von Molo für Arno Holz macht. Will mit der Akademie den Nobelpreis durchsetzen. Empörung in mir. Diese schwachsinnigen Elaborate: Phantasus - Blechschmiede. Es steht wohl schlimm für die Kunst öffentlich, wenn dergleichen als Kunst ausgegeben werden soll.«
12 Vgl. Alfred Döblin 1978, S. 53-55.
13 Alfred Döblin am 12.4.1957 an Harald Kohtz, in: Döblin 1970, S. 492.
14 Ricarda Huch an Elsbeth Merz am 30.12.1929, in: Ricarda Huch 1994, S. 228.
15 Ernst Bertram an Ernst Glöckner am 12.12.1933, in: Th. Mann 1960, S. 256f.
16 Vgl. Espmark 1988, S. 10. Zum Prozedere: Die Schwedische Akademie bildet ein Nobelkomitee, dem drei bis fünf Miglieder angehören, die der Akademie einGutachten schreiben. Ein Kandidat muß vor dem 1. Februar des jeweiligen Jahresvorgeschlagen werden. Vorschlagsberechtigt sind: Mitglieder der Schwedischen Akademie, der Französischen und Spanischen Akademien, Mitglieder »solcher humanistischen Institute und Gesellschaften, die jenen Akademien gleichgestellt sind«,»Lehrer der Ästhetik, Literatur und Geschichte an akademischen Hochschulen« (1949 wurde das präzisiert: Nun waren es Mitglieder aller Akademien und vergleichbaren Institutionen, ohne Einschränkung auch auf Klassen, und als »Lehrer« galten nun »Universitätsprofessoren der Literaturgeschichte und der Sprachwissenschaften«), frühere Preisträger, Vorsitzende der repräsentativen Schriftstellerorganisationen.
17 Zit. ebd., S. 12.
18 Vgl. Nielsen 1912; Swedish Writers 1981.
19 Hallström 1919.
20 Ebd., S. 120.
21 Vgl. die Dokumentation »Hugo von Hofmannsthal und der Nobelpreis« in: Hofmannsthal-Blätter 1983, H. 28; Korlén 1986. Dazu auch mein Buch Hofmannsthal unter den Philologen, das bald erscheint.
22 Hallström 1983, S.62.
23 Ebd., S. 70.
24 Ebd., S. 71.
25 Ebd., S. 70.
26 Zit. Espmark 1988, S. 78.
27 Mit brieflichen Eingaben beteiligten sich an der Aktion der Erzbischof von Salzburg, Ignatius Rieder, Oswald Redlich, der Präsident der Akademie der Wissenschaften in Wien, der Direktor der Wiener Staatsoper, Franz Schalk, und eben
Richard Strauß sowie Max Reinhardt. Die Kandidatur Hofmannsthals wurde auch von Adolf von Harnack unterstützt, dem Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Berlin.
28 Vgl. Werner 1986. Vgl. Rudolf Kassner an Eugen Rentsch am 3.10.1951: »Ja, der Nobel-preis. Wissen Sie, dass noch kein Österreicher den für Literatur bekommen hat!? Es ist reines Lotteriespiel. Ich bin schon oft vorgeschlagen worden, diesmal von Zürich. Die Herrschaften sind sehr abhängig von der Meinung mächtigerer Menschen als das kleine, immer mehr übersehene Österreich hat.« Und am 15.2.1952: »Paris Soir brachte am 3. die Nachricht, am 6. falle in Stockholm die Entscheidung zwischen Mauriac, Katzantakis u. mir. Ich zeige Ihnen die Notiz einmal. Am 6. Abend verkündet 8h0 das Radio: Mauriac; in derselben Nacht erwache ich im Bett, in das ich mich mit grösster Ruhe gelegt hatte, mit einem Schmerz im kleinen Finger der linken Hand, daraus dann das andere wurde. [...] Erfahre, dass in der Jury in Stockholm unter 18 Mitgliedern der Akademie 7 Romanschriftsteller sind.« (Nachlaß Kassner im Deutschen Literaturarchiv Marbach)
29 Borchardt (1929) 1973, S. 253.
30 Zynisch Borchardt ebd., S. 252: »Es ist eine charmante Idee sich vorzustellen wie, wenn die Nobel hundert Jahre früher testiert hätten, die Liste rückwärts zu ergänzen wäre. Wir schlagen vor: Spielhagen statt Keller, Zola statt Flaubert, Turgeniew statt Dostojewsky, Charlotte Brontë statt Emily Brontë, Guerrazzi statt Manzoni, Emilio Castelàr statt der Faber, Longfellow statt Poe und Whitman, Bauernfeld statt Grillparzer, George Sand statt Baudelaire, Giusti statt Leopardi, Gutzkow statt Otto Ludwig, Tennyson statt Browning - dazu Mickiewicz als Unglückspole und Mirza Schaffy als damaliger Tagore zur Completierung dieses Literaturmaskenballs der aufgeklärten Provinz.«
31 Vgl. Márquez 1983, S. 166.
32 1995 setzte sich die Schwedische Akademie zusammen aus: Riksmarskalken Herr Rudholm, Professor Torgny Segerstedt, Professor Sture Allén, Lars Forssell, Professor Göran Malmqvist, Birgitta Trotzig, Professor Knut Ahnlund, Östen Sjöstrand, Torgny Lindgren, Professor Erik Lönnroth, Professor Ulf Linde, Fil. dr Werner Aspenström, Professor Gunnel Vallquist, Professor Lars Gyllensten, Kerstin Ekman, Professor Kjell Espmark, Fil. dr Johannes Edfelt, Katarina Frostenson; davon gehörten dem Nobelkomitee für Literatur an: Espmark, Sjöstrand, Allén, Ahnlund und Forssell.
33 O^e 1995.
34 Olof Lagercrantz in: Dagens Nyheter, 16.8.1961 (übersetzt von Thomas Steinfeld).
35 Richard Alewyn an die Schwedische Akademie am 13.4.1969: »Ich begründe meinen Vorschlag nicht damit, dass - wenn ich richtig informiert bin - nach einer Statistik der UNESCO Georges Simenon unter den lebenden Schriftstellern der meistübersetzte ist. Ich berufe mich auch nicht darauf, dass vor kurzem der 200. Roman von Simenon erschienen ist, denn eine so ungewöhnliche Fruchtbarkeit ist eher geeignet, Skepsis zu erwecken. Mein Vorschlag gründet sich vielmehr auf die Überzeugung, dass Georges Simenon der bedeutendste Schilderer von Menschen und Milieus ist, der heute lebt. Ich kenne überhaupt seit Balzac keinen Schriftsteller, dessen Romanlandschaft so reich bevölkert ist.« (Nachlaß Alewyn im Deutschen Literaturarchiv Marbach). Der Amsterdamer Germanist Herman Meyer schlug 1976 den belgischen Schriftsteller Louis-Paul Boon vor (Korrespondenz dazu im Nachlaß Meyer im Deutschen Literaturarchiv).
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