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„Karl Marx ist kein Ökonom, sondern ein Philosoph“

Der ausgewiesene Marx-Experte Prof. Michael Quante von der Universität Münster ist zu Gast bei Forum Siegen

„Zwischen Revolution und Reform – 200 Jahre Marx und Raiffeisen“ lautet im Sommersemester das Thema bei Forum Siegen, der öffentlichen Vortragsreihe der Universität Siegen. Mit Prof. Dr. Dres. h.c. Michael Quante war nun ein ausgewiesener Marx-Experte zu Gast. Prof. Quante hat die Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster inne. Bei Forum Siegen lautete sein Thema „Die Aktualität der Philosophie von Karl Marx“.

Es sei ihm ein "Herzensanliegen", so Quante, bis zu seiner Pensionierung Marx als erforschbaren Philosophen in Deutschland zu etablieren. Marx' Modell sei philosophisch, "sonst kann man ihn nicht verstehen". Die Geschichte des Marxismus sei auch eine Geschichte der Editionsfälschung.Quante: "Es gibt mehr Menschen, die eine Meinung zu Marx haben, als solche, die ihn gelesen haben." Dabei sei Marx auch heute aus unser aller Leben nicht wegzudenken. Als problemtisch erachtete es Quante, Marx nur unter dem Gesichtspunkt der Gegewartsaktualität (200. Geburtstag) zu sehen: "Oberflächliche Aktualisierungen sind gefährlich." Man könne entweder Marx- oder Marxismusforschung betreiben. Als philosophischer Klassiker indes besitze Marx "heute noch problemauflösenden Charakter". Quante selbst beschäftigt sich überwiegend mit Marx' Theorietexten: "Die eignen sich nicht für Parolen". Marx, so Quante habe ein "Problem mit Menschenrechten und Rechtstaatlichkeit" gehabt. Teile der Linken dächten bis heute, dass Rechte nur Ausdruck der Entfremdung seien. Die Faszination des Klassikers beruhe nicht zuletzt auf seiner "unglaublichen Energie" beim Schreiben: "Man muss ihn vorsichtig lesen, sonst hört man auf zu denken. Der Begriff der Entfremdung sei im "Kapital" spürbar. "Entfremdungsphänome" machte der Experte als Aspekt der Modern auch in Gestalt von Burnout in der aktuellen Gesellschaft aus.

Quante gab der Stabsstelle „Wissenschaft in der Stadt“ der Universität Siegen ein Interview zu vier ausgewählten Fragen.

1) Frage: In diesem Jahr vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren. Was hat Sie bewogen, 2015 ein Marx-Handbuch herauszugeben?

Quante: Das Hauptmotiv für dieses Handbuch war, Karl Marx als einen bedeutenden Philosophen zu-gänglich zu machen. Das Handbuch ist bewusst undogmatisch angelegt und bringt Forscherin-nen und Forscher aus verschiedenen Richtungen sowie aus unterschiedlichen Generationen zusammen. Meine Hoffnung ist, auf dieser Grundlage in den nächsten Jahren eine Forschung zu Karl Marx in der Philosophie aufbauen zu können.

2) Frage: Marx, der Philosoph und Marx, der Ökonom, wie geht das zusammen und wo liegen die Unterschiede?

Quante: Karl Marx ist kein Ökonom, sondern ein Philosoph, der sich mit der Ökonomie und der For-schung der Ökonomen seiner Zeit auseinandergesetzt hat. Sein Ziel, welches er im „Kapital“ nur zu einem kleinen Teil selbst veröffentlich hat, war es, eine kritische Sozialphilosophie zu entwi-ckeln. Dafür stand bei ihm das Programm einer „Kritik der Politischen Ökonomie“. In der Kriti-schen Gesamtausgabe MEGA ist dies mittlerweile in der Abteilung II editorisch angemessen publiziert worden. Ich hoffe, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit Karl Marx in der Zu-kunft auf die Basis dieser editionsphilologisch soliden Ausgabe umgestellt wird.

3) Frage: Was hat uns Marx heute noch zu sagen?

Quante: Karl Marx ist, das habe ich in meinem neuesten Buch „Der unversöhnte Marx“ zum Ausdruck zu bringen versucht, für uns heute noch aktuell, weil er eine philosophische Anthropologie entwickelt hat, in der er Vorstellungen eines gelingenden Lebens für Menschen artikuliert. Zugleich hat er in seiner kritischen Sozialphilosophie gezeigt, dass und weshalb der Kapitalismus aus systematischen Gründen zu einem Scheitern dieser menschlichen Lebensform führt. Marx ist aktuell, weil einige seiner normativen Vorstellungen und Kritiken bis heute nicht eingelöst sind. Er ist als Philosoph ungebrochen aktuell, weil er auch für unsere eigene Lebensführung und unser eigenes Nachdenken über die Wirklichkeit unbequem bleibt.

4) Frage: Wir leben heute in einer sehr individualisierten Gesellschaft. Wie hätte Marx diese gese-hen und wie hätte er sie gegebenenfalls verändern wollen?

Quante: Marx war auf der einen Seite ein großer Befürworter individueller Freiheit und wollte eine Ge-sellschaftsform finden, in der jeder nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen sich selbst frei entfalten kann. Zugleich war er der Ansicht, dass wir dieses Ziel nur erreichen können, wenn wir Solidarität und Kooperation zur Grundlage unseres Zusammenlebens machen, nicht Konkur-renzdenken und individualistischen Egoismus.