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Das Material ist häufig noch in Bewegung

Monika Rinck begeisterte bei Poetry@Rubens ihr Publikum mit ihren Gedichten und ihrer Performance

Monika Rinck ist eloquent und temperamentvoll. Von der Bühne im Foyer des Apollo-Theaters aus nimmt sie ihr Auditorium mit auf die Reise. Mimik, Gestik, Sprache, Lautstärke harmonieren mit den vorgetragenen Gedichten. Die lyrische Kost ist nicht einfach. Sie lädt zur Deutung ein. Und genau das möchte Monika Rinck. Die Autorin war zu Gast bei Poetry@Rubens, las aus ihren Werken und unterhielt sich mit Prof. Dr. Dieter Schönecker über Literatur und ganz besonders die eigene.

„Monika Rinck ist nicht nur Lyrikerin, sondern schreibt auch Essays“, stellte Schönecker den Gast aus Berlin vor. Zu Gedichten sei die gebürtige Saarbrückerin erst recht spät gekommen. Im Jahr 2004 erschien ihr Band „Verzückte Distanzen“. Rinck studierte Religionswissenschaft, Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft. Ihre Werke glänzen durch Wortwitz, Wortmacht und Wortspiel. Mit Humor betrat sie die Bühne im Apollo. Fast wie vor einer Prüfung fühle sie sich: „Es gibt hier so viele Protokollanten und nur einen Prüfling.“

In Anlehnung an Fernando Pessoas Triumph-Ode trug Rinck als Appetizer die Ode an das Internet vor – „Oh Server…, oh leere Zellen..., oh Onlinehandel…, oh identitätsstiftende Markenprodukte… Der Text handelt von den Auswirkungen der Digitalisierung. Er ist lang und befindet sich im Bearbeitungsstatus. Rinck: „Ich probiere gerne aus, wie er funktioniert.“ Und er wird noch weitergeschrieben.

Schönecker zeigte sich fasziniert von Rincks Gedichten und sprach die Autorin auf die aus seiner Sicht häufig unverständlichen Essays an. Diesen Einwurf mochte die 50-Jährige nicht unkommentiert stehen lassen: „Das kann ich nicht verstehen. Nachfragen zeigen, dass Viel verstanden wird.“ Die Deutung passiere in jedem Moment. Schließlich gehe es auch darum, das Ungesagte zu meinen. Nur dann, wenn Deutung völlig falsche Wege gehe, schreite sie ein. Mit Humor berichtete Rinck über ihren späten Erwerb des Führerscheins und das damit einhergehende sehr spezielle Lernen über Sprache und Deutung. In der Literatur sei falsche Deutung von Daten relativ ungefährlich, im Straßenverkehr könne sie Leben kosten. So beispielsweise wenn das Verhalten von Kindern am Fahrbahnrand falsch oder voreilig gedeutet werde. Rinck: „Ich glaube nicht, dass es möglich ist, gar nichts zu verstehen.“

Der Zyklus „Konkrete Poesie“, ein Auftragstext, wurde zuerst vom Verlag abgelehnt, da es sich nicht um konkrete Poesie handele. Für Rinck geht es dabei auch um die Materialität des Wortes: „Ich habe harte Worte gekostet. Sie schmecken alle nach Kalk.“ „Marb und Frau“ erinnert an die Schöpfungsgeschichte. Auch in „Alles Sinnen und Trachten“ gibt es Anklang an die Bibel. Natürlich in abgewandeltem Sinn. Marb ist zwar mit der Hand gemacht, aber nicht Herr aller Dinge, und am Ende mag ein angedachter Noah die Tiere nicht paarweise auf die Arche bringen, sondern geht lieber unter. Für Monika Rinck gibt es abgeschlossene Werke und solche, mit denen sie sich immer wieder auseinandersetzt: „Das Material ist häufig noch in Bewegung.“ Das kann zu Verhandlungen mit ihrem Verlag führen, bei Neuauflagen in Ungnade gefallene Gedichte wegzulassen. Auf den Einwurf, dass Gedichte doch Kunstwerke seien, die sie dann der Öffentlichkeit entziehe, regiert sie mit Humor: „Dann muss man sich eben eine Erstauflage besorgen.“

Zum Abschluss trug Monika Rinck auf Wunsch von Prof. Dr. Jörg Döring (Mitorganisator von Poetry@Rubens) das Gedicht „Ein müdes Lied“ aus dem Sammelband „Champagner für die Pferde“ vor. Derart mal laut, mal leise, mal schnell, mal langsam, mal emotional, mal eher kalt auf das Ende des Tages eingestimmt, traten die rund 50 Gäste den Heimweg an.