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Virtual Retail

„Man muss flexibel bleiben und sich auf veränderte Rahmenbedingungen einlassen.“
Virtual Retail
Gründer: Benedikt Ley und Lin Wan
Studium an der Uni Siegen: Wirtschaftsinformatik (Ley) und Informatik (Wan)

Benedikt Ley, Lin Wan, Martin Hill und Bernd Buxbaum bilden das Gründerteam des Unternehmens Virtual Retail. Virtual Retail ist ein Softwareentwicklungsunternehmen, das mit seiner Technologie neueste Lösungen im Bereich des Körperscannings bietet. Mit ihren Algorithmen können die Gründer aus nur zwei Bildern die Körpermaße einer Person berechnen. Diese Technologie findet vor allem im B2B Bereich Anwendung. Überall, wo Passformen gefragt oder die Körpermaße relevant für die Auswahl des Produktes sind, kommt ihre Entwicklung zum Einsatz. Händler können ihre Technologie lizensieren und als Plug-in in ihren Webshop einbauen.

Durch ihre damaligen Jobs als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni Siegen wussten Benedikt und Lin schon vor der Gründung, dass sie gut zusammenarbeiten können. Mit ihrem Studium der Wirtschaftsinformatik (Ben) und Informatik (Lin) lassen sie die nötige Fachexpertise in die Gründung fließen. Diese wird von der Erfahrung und dem Netzwerk des Mitgründers Martin Hill ergänzt, der eine Professur im Bereich BWL innehat und schon mehrfach Unternehmen gründete. Zum Schluss bildet Bernd Buxbaum als Vorstandsvorsitzender der pmd, welche 3D Sensoren herstellt, die technische Brücke zur Gründungsidee und komplettiert damit die erfolgreiche Symbiose der vier Gründer.

Das 2016 gegründete Unternehmen ist heute im Siegener Summit, dem neuen Hightechzentrum der Region, ansässig.

Für die Gründung war ein hoher Kapitalaufwand notwendig. Daher wurde Virtual Retail unter anderem über die Unternehmensbeteiligung des Siegerlandfonds finanziert. Dies sicherte von Beginn an die Gehälter der Gründer und sechs weiterer Mitarbeiter. Mittlerweile haben die Gründer das Unternehmen an die ifm Unternehmensgruppe in Essen verkauft, Lin Und Ben sind jedoch weiterhin als Geschäftsführer bei Virtual Retail tätig. Neben der Bearbeitung von administrativen Aufgaben, beschäftigen sich dennoch beide mit der Entwicklung neuer Anwendungen.

Wie seid ihr auf die Idee zu Virtual Retail und damit verbunden auf die Idee des Personen und Objekt Scannings gekommen?

Zur Zeit der Gründung kam das Konzept der Augmented Reality mehr und mehr in den Trend. Damals hatte Google eine Technologie-Plattform namens Project Tango entwickelt, welche mit Hilfe von Sensoren in der Lage war, die räumliche Umgebung zu erfassen. Wie nah oder wie fern sind die Wände? Wie weit ist ein Objekt von der Kamera entfernt? Die Anwendung konnte all dies erkennen und ermöglichte es dadurch virtuelle Objekte in einem Raum zu platzieren oder Räume und Objekte zu vermessen. Hierfür wurden 3-D Sensoren der pmd in mobilen Endgeräten verbaut.

Angestoßen durch eine Idee von Benjamin Hill, dem Sohn von Martin, haben wir uns gefragt: „Kann man diese Technologie nicht auch verwenden, um etwa Personen einzuscannen und mit diesen Daten dann ihre Körpermaße extrahieren?“ So könnte man zum Beispiel beim online Kauf virtuelle Kleideranproben machen. Diese Idee wurde im Sommer 2016 dann immer konkreter und führte schließlich zur Gründung.

Was hat euch daran gereizt, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Mich hat das unternehmerische Handeln an sich gereizt. Man kann grundlegend mitentscheiden, was passiert und wie es passiert. So hat man die Möglichkeit selbstbestimmend zu arbeiten. Durch meinen Vater konnte ich schon früh das Unternehmertum und Arbeiten in der Selbstständigkeit kennenlernen und dies war immer auch eine Option für mich.

Wann habt ihr den Entschluss gefasst, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Grundsätzlich die Idee, mich selbstständig zu machen, hatte ich schon länger gehabt, aber dass es zu dem Zeitpunkt 2016 geschah, war einfach eine Sache der Rahmenbedingungen. Das komplette Zusammenspiel zwischen Team, der Idee und der Finanzierung hat einfach gepasst.

Was ist/war das Innovative an eurem Unternehmen?

Die Lösung für das Body Scanning, also das Produkt an sich, ist sehr innovativ. Mit unserer Technologie bewegen wir uns im Feld moderner Künstlicher Intelligenz (KI), denn normalerweise kann man anhand eines Bildes nicht messen wie groß eine Person ist. Damit bewegen wir uns mit unserer Arbeit auch sehr nah am Stand der Forschung. Unser Ansatz hat großes Wachstumspotenzial.

Mit dem Verkauf des Unternehmens an die ifm werden wir in der Zukunft auch einen besonderen Fokus auf Industrieanwendungen mit Bezug zu KI legen. Wir arbeiten zum Beispiel zurzeit an einem System, das Arbeiter in der Produktion dabei unterstützt, Fehler zu vermeiden. Dafür schaut praktisch eine Kamera über dem Arbeitsplatz beim Arbeiten zu. Wenn dann Fehler passieren, bemerkt dies das System und der Mitarbeiter kann sich korrigieren. In diese Richtung soll es vermehrt gehen. Dabei soll das Thema Body Scanning aber nicht einfrieren.

Was war die größte Herausforderung, der ihr bei Virtual Retail gegenüberstandet?

Im Prinzip hatten wir bei der Gründung kaum Herausforderungen. Die Finanzierung stand und auch sonst hatten wir keine Probleme.

Als dann aber Google das Projekt Tango 2017 ad acta legte, standen wir vor einer immensen Herausforderung. Unsere ganze bisherige Entwicklung basierte auf dieser Technologie, plötzlich mussten wir uns komplett neu orientieren. Das Problem bestand darin, dass die Handyhersteller Project Tango und dafür notwendige Sensoren nicht in ihre Hardware (Smartphones, Tablets etc.) verbauten. Und als Apple mit AR Kit eine rein kamerabasierte Augmented Reality Plattform auf den Markt brachte, hat Google ebenfalls eine solche Lösung entwickelt. Damit war für uns völlig unklar, ob und wann die für unsere Technologie notwendigen 3D-Sensoren in Smartphones vorhanden sein werden. Daher mussten wir reagieren und haben ab diesem Zeitpunkt den Weg über die „normale“ Handy-Kamera genommen und Körpermaße aus Bildern berechnet, so wie wir es auch heute noch machen. Wenn man 1,5 Jahre an etwas arbeitet, was dann gar nicht mehr gebraucht wird, ist dies sehr demotivierend - auch für unsere Mitarbeiter.

Inwieweit hat euch das Gründerbüro der Uni unterstützt?

Zunächst einmal hatten wir ein Büro mit Telefon und Internet und allem, was man so braucht. Das war eine sehr große Hilfe. Außerdem gab es immer sehr konstruktive Gespräche mit den Gründungsberatern. Das bot eine gute Anlaufstelle bei Fragen und so konnte man seine Idee über Personen mit Erfahrung absichern.

Was rätst du jungen Gründern?

Man darf sich nicht zu sehr in die Initialidee verlieben, gerade bei uns lief es ja auch nicht so wie wir es uns vorgestellt haben – Stichwort Google Tango. Man muss flexibel bleiben und sich auch auf veränderte Rahmenbedingungen einlassen. Zum anderen sollte man nie aus dem Wunsch heraus, großes Geld zu verdienen, gründen. Dass man schnell seine Millionen macht, ist eher selten der Fall.

Würdest du nochmal gründen?

Ja, das würde ich. Für mich machen die Herausforderungen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, das ganze Gründungsvorhaben unglaublich spannend. Ich habe eine aufregende Arbeit und kann jeden Tag miterleben wie sich das Ganze weiterentwickelt.


Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Benedikt Ley und wurde von Janice Gust verfasst.

 

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