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MYLI

„Beim Gründen habe ich mir so vieles angeeignet und mehr gelernt, als sonst wann in meinem Leben.“
MYLi
Gründer: Sascha Schäfers
Studium an der Uni Siegen: Lehramt Mathematik und Biologie

Man kann sagen, dass Sascha Schäfers eines Tages gründen würde, war vorhersehbar. Schon vor rund 10 Jahren, als die ersten Smartphones auf den Markt kamen, hat er seine zahlreichen Ideen für alle möglichen Apps auf einem Blattpapier gesammelt, der übrigens auch heute existiert und in seinem Elternhaus in Lennestadt wohl aufbewahrt wird.

Entstanden ist aus seinen Ideen heute das Start-up MYLi. Mit MYLi kann man individuell und unkompliziert online Reisen planen, buchen und durchführen.

Seit fast 2 Jahren lebt Sascha Schäfers nun in Frankfurt. An der Universität Siegen hat er Mathematik und Biologie auf Lehramt studiert. Noch im Studium gründete er parallel MYLi. MYLi steht für My Lizard. Die Eidechse hat Sascha während einer Australienreise gesehen und als Firmensymbol übernommen. Ein Jahr später findet sein Gründerpartner durch Zufall heraus, dass die Echse in einer Mythologie als Symbol für die Reisenden steht. Wie passend!

Der Schwenk vom Lehramtsstudium zum Unternehmer scheint zunächst groß. Sascha Schäfers jedoch, dessen Eltern selbst ein mittelständisches Unternehmen haben, hatte schon von Haus aus immer ein wirtschaftliches Interesse. Aber auch sein Studium, sagt er, bringe ihm heute noch viel. Die Mathematik hilft ihm dabei, verschiedene Zahlenzusammenhänge zu erkennen. Aus der Biologie fließen zum Beispiel sein Wissen über Nachhaltigkeit und Umwelt mit in das Unternehmen. Sogar von der pädagogischen Perspektive kann er viele Kompetenzen, wie zum Beispiel Einfühlungsvermögen, mit in die Zusammenarbeit mit seinem Team einbringen.

Aktuell hat MYLi 14 Mitarbeiter, 8 davon arbeiten fest intern, 6 sind externe, projektbezogene Mitarbeiter. Der Geschäftsführer und Gründer bezeichnet sich selbst als Ideengeber und Bindeglied in seinem Start-up. Er vermittelt zwischen Programmierern und Grafikern, sodass alle Ziele umgesetzt werden können. Sein Mitgründer und ebenfalls Geschäftsführer Klaus Henschel ergänzt das Unternehmen mit seinem Wissen über die Touristikbranche, denn er hat viele Jahre als Geschäftsführer bei Lufthansa City Center gearbeitet.

Sascha Schäfers arbeitet derzeit nicht Vollzeit im Start-up, denn neben MYLi geht er noch einigen anderen Tätigkeiten nach. So arbeitet er als Dozent für Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt, ist seit Anfang des Jahres geschäftsführender Gesellschafter eines weiteren Unternehmens namens senseXpense, (eine Firma für Geschäftsreisemanagement & Reisekostenabrechnung) und hat mit seinem Co-Founder Klaus Henschel noch eine Unternehmensberatung gegründet.

Mittlerweile geht MYLi ebenfalls neue Wege. Das Start-up verabschiedet sich nun von dem Konzept direkt an den Endkunden zu gehen. Die Branche sei zu hart umkämpft von anderen Anbietern wie Booking, Tui, Expedia und Co., die allesamt ein riesiges Marketingbudget haben. Die neuste Entwicklung geht dahin, die Software hinter MYLi so aufzubauen, dass man sie den anderen Anbietern verkaufen kann. Die eigene Software enthält nämlich verschiedenste Module, die den anderen Reiseanbietern neue Vorteile bieten.

Wie seid Ihr auf die zu Idee MYLi und damit verbunden die Idee des persönlichen Reisebegleiters gekommen?

Die Idee kam mir, als ich 2017 auf einer längeren Australienreise war. Da habe ich festgestellt, dass es stört, wenn man für alles rund um die Reise gefühlte 15 verschiedene Apps hat. Apps, um sich zu informieren, was vor Ort Sache ist, um seine Reise weiter zu organisieren, das Wetter nachzuschauen, die Route zu checken und so weiter. Da hätte ich mir gerne einen Begleiter gewünscht, der mir hilft und mir alle diese Informationen gebündelt liefert.

Was hat dich daran gereizt, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Das war die Entscheidungsfreiheit. Aber auch der Fakt, dass man kein kleines Rädchen in einem riesigen Unternehmen ist, wo man praktisch nur eine Personalnummer auf einem Blatt Papier darstellt. Mich reizt es, dass man seinen eigenen Traum verfolgen kann und dass man für sich selbst verantwortlich ist.

Wann hast du den Entschluss gefasst, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Das war definitiv in den letzten zwei Wochen meiner Australienreise. Davor hatte ich schon immer viele Ideen, aber war irgendwie noch zu sehr in mein Studium vertieft und habe noch nicht wirklich gewagt, meine Ideen in die Tat umzusetzen. Die Australienreise war jedoch mein Schlüsselmoment.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal eures Unternehmens?

Natürlich gibt es für die Reiseplanung auch Reisebüros. Allerdings sind diese auf ihre eigenen Angebote reduziert. Zudem ist die Welt digital geworden. So besteht unser Alleinstellungsmerkmal in dem digitalen Reiseanbieter per App. Sie ermöglicht eine unkomplizierte Reiseplanung online. Den Kundenwünschen entsprechend erstellt sie automatisch ein individuelles, attraktives und vollständiges Angebot zusammen, vom Flug über die Unterkunft bis hin zu Aktivitäten vor Ort und echten Geheimtipps.

Was war die größte Herausforderung, der Ihr bei MYLi gegenüberstanden?

Die größte Herausforderung war die Finanzierung. Mit Geld kann man erst die Geräte, Personal, Räume und so weiter bezahlen. Geld ist von Anfang an sehr wichtig und stellte uns daher vor eine große Herausforderung.

Inwieweit hat euch das Gründerbüro der Uni unterstützt?

Zum einen hat uns das Gründerbüro natürlich mit seinem Netzwerk und seinen Veranstaltungen unterstützt. Hinzu kommt, dass das Gründerbüro eine enge Verbindung zur Projektstelle der Universität Siegen im HOLM (House of Logistics and Mobility) in Frankfurt hat und uns dort für 2 Jahre Büroräume direkt am Flughafen zur Verfügung stellen konnte und wir dort nun unseren Firmensitz haben.

Zum anderen muss man sagen, dass Klaus und ich uns überhaupt erst durch eine Veranstaltung des Gründerbüros kennengelernt haben. Damals war ich auf einer Marketingveranstaltung des Gründerbüros bei der ebenfalls der Sohn von Klaus anwesend war. Als wir beide zu unseren Autos mussten, um die Parkscheibe zu verlängern, kamen wir ins Gespräch. Als ich ihm dann erzählte, dass ich Ideen zum Thema Reisen habe, hat er mich mit seinem Vater in Verbindung gebracht. Nun profitieren wir dank dieser glücklichen Begegnung von Klaus Kooperationsmöglichkeiten und seinem Netzwerk in der Touristik.

Was rätst du jungen Gründern?

Auf jeden Fall rate ich zu netzwerken. Das ist zum einen für das Start-up wichtig, zum anderen aber auch für einen Plan B, falls das Start-up scheitern sollte. Außerdem ein positiver Nebeneffekt beim Netzwerken: man kann viele coole Veranstaltungen in den unterschiedlichsten Städten besuchen. Ich war unter anderem in Wien, Prag, Berlin, konnte dort nützliche Kontakte knüpfen, leckeres Essen genießen und interessante Dinge erleben. Es ist zwar anstrengend bis spät in die Nacht auf Events zu netzwerken, aber es macht auch Spaß!

Würdest du nochmal gründen?

Mit der richtigen Idee würde ich schon noch ein weiteres mal gründen. Wenn man nicht mehr so abhängig von anderen Investoren ist, dann hat man das Geld, um viel einfacher seine Ideen zu verfolgen. Dann braucht man keine Investorensuche mehr und muss andere nicht mehr von seiner Idee überzeugen, so dass sie an einen glauben. Wenn ich MYLI dieses Jahr offiziell gegründet habe, würde ich auf jeden Fall noch einmal gründen. Denn beim Gründen habe ich mir so vieles angeeignet und mehr gelernt als sonst wann in meinem Leben.


Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Sascha Schäfers und wurde von Janice Gust verfasst.

 

Hier zur Homepage des Start-ups.