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Driewes

Driewes - Herumtreiben im Siegerland
Driewes
Gründerin: Sabine Ullrich
Studium an der Uni Siegen: Sozialpädagogik

Drie | wes

Substantiv, maskulin

Aussprache: [dɹiwəs]

Siegerländer Platt für „Herumtreiber“;
eine Person, die weltoffen und neugierig ist.

Nein, hier handelt es sich nicht um einen Dudeneintrag und dennoch bedarf die Bedeutung und Herkunft des Namens Driewes einer Erläuterung. Nicht nur um den siegerländer Dialekt zu verstehen, sondern auch um die Beweggründe für diese Namensgebung Sabine Ullrichs für ihre Initiative nachvollziehen zu können.

„Ich bin im Osten der Republik aufgewachsen, kurz vor dem Mauerfall dann nach Süddeutschland gezogen, habe dort mein Abitur gemacht und war von da an deutschlandweit unterwegs. Ich bin immer wieder aufgebrochen in andere Städte“, erklärt die Gründerin, „ich bin also ein waschechter Driewes.“ Sabine Ullrich reizt es vor allem anderen Menschen zu begegnen und von ihren Lebenswegen zu hören.

Eines Tages machte Sabine Ullrich sich dann auf in die Universitätsstadt Siegen, wo sie Sozialpädagogik studierte und 2000 ihren Diplomabschluss absolvierte. Nach ihrem Abschluss zog es sie beruflich wieder in die verschiedensten Städte Deutschlands. Erst 2011, als ihr Mann durch Zufall eine Stelle in Siegen bekommen hat, zog Sabine zurück nach Siegen. (und blieb dort sesshaft). Die Initiative „Driewes – Herumtreiben in der Region“ rief Sabine Ullrich 2019 ins Leben.

Wie sind Sie auf die Idee zu „Driewes“ gekommen?

Ich denke mein eigenes Unterwegssein hat mich letztendlich dazu bewegt. Ich war in vielen anderen Regionen und habe mir dort immer angesehen, wie jeweils über die Region berichtet wird. Als mein Mann und ich dann 2011 hier hergezogen sind, wurden wir oft gefragt: „Wie könnt ihr denn nach Siegen ziehen?“ Diese Frage konnte ich überhaupt nicht verstehen. Es gibt viele schöne Ecken in Siegen, man kann hier ein gutes Leben führen, allerdings wird in Siegen wenig über die Region in der Art berichtet. Es gibt viele Stigmatisierungen und Vorurteile über Siegen und auch den Siegerländer. Ich habe einfach einen Bedarf gesehen, an dieser Stelle anzusetzen und über Siegen aus der Perspektive der Menschen, die hier leben zu berichten. Damit ist die Idee entstanden eine Form von Begrüßungskultur zu schaffen, jedoch keinen Tourismus. Mir geht es darum, dass Zugezogene die Möglichkeit bekommen, die vielen schönen Stellen, die Siegen zu bieten hat, kennenzulernen.

Wovon, wodurch wurden Sie inspiriert?

Im Jahr 2012 hatte ich das erste Mal Kontakt zu einer Person, die geründet hat. Die Unternehmerin hieß Franziska von Hardenberg und sie hat das erste Blumenabonnement in Deutschland gegründet. Ich selbst habe einen starken Bezug zum Gärtnern und war davon sehr beeindruckt. Franziska war für mich eine Inspiration dafür, wie man auch als Frau den Weg der Gründung gehen kann. Sie hat mich dazu inspiriert mutig zu sein.

Was steckt hinter der Initiative „Driewes“? (was machen Sie genau?)

Angefangen hat die Initiative Driewes zunächst mit einem Mikroprojekt namens „Driewes – Herumtreiben im Garten“. Inspiriert wurde ich dazu von meinem Besuch auf der Insel Bornholm. Dort gibt es an fast jedem Haus eine kleine Box, wo Einheimische Obst und Gemüse und sogar Kleidung anbieten. Solch eine Box habe auch ich draußen in meinem Vorgarten stehen. Die Driewesbox ist ein Ausklappladen mit Ideen für mehr Genuss und Spaß beim Gärtnern, Blumen, Obst, Gemüse und Kräuter werden zusammen mit einem Rezeptvorschlag angeboten und gegen einen selbstgewählten fairen Betrag verkauft. Die Idee bestand darin, dass Menschen miteinander in Kontakt kommen und sich über Gartenkultur austauschen. Driewes im Garten gibt es auch heute noch und läuft hauptsächlich über Instagram. Über diese Aktion hinaus wollten wir aber auch auf die Region aufmerksam machen.

Mit Driewes in der Region haben wir dann 2019 angefangen. Mit „wir“ meine ich meine zwei freien Mitarbeiter, die für die Online-Redaktion sowie das Programmieren und die grafische Gestaltung zuständig sind. Mit Driewes in der Region besuchen wir besondere Menschen und Orte in und um Siegen, wie zum Beispiel einen Köhlermeister oder einen Backes. Dabei ist es uns wichtig, nicht über diese Menschen und Orte zu berichten, sondern mit diesen Menschen zu gehen und aus ihrer Perspektive zu berichten.

Diese Geschichten findet man online auf unserer Webseite. Wir wollten auch immer ein Magazin rausbringen, aber dafür fehlte das Budget. Stattdessen hat sich jetzt für uns eine neue Chance ergeben. Mit einem Partnerverlag werden wir demnächst den Reiseführer „Glücksorte in und um Siegen“ herausbringen.

Was war die größte Herausforderung bei der Gründung? (und wie haben Sie diese gemeistert?)

Der eigene Mut. Die eigenen Zweifel, gar nicht mal an der Sache selbst, also dass die Idee vielleicht nicht gut ist, sondern dieser Sicherheitsaspekt. Die Idee hat mir eigentlich immer Spaß gemacht und es gab an sich keine Hürde, aber immer der Gedanke „Ist das sicher“? Mir ist aufgefallen, wenn man viel über seine Idee mit anderen spricht, dann geht diese Sorge auch weg. Man bekommt eher Bestätigung und Ermutigung.

Was treibt Sie an? Was ist Ihr Leitspruch?

„Fang an mit…“ Man muss irgendwann mal loslegen und sehen was daraus wird. Ich verfolge auf Instagram gerne die vielen Frauen, die gegründet haben. Sie motivieren und ermutigen mich total.

Gab es finanzielle Unterstützung in Form von Stipendien, Preise oder ähnliches?

Nein wir haben alles von Anfang an selbst finanziert. Wir vermarkten in dem Sinne ja auch kein Produkt und haben als soziale initiative keine wirklichen Einnahmen.

(Wirtschafts-) Unternehmen versus (soziale) Initiative: Welchen Unterschied macht dies für Sie?

Frauen gründen oft aus der sozialen Initiative heraus. Das Gute dabei ist, ich bin frei in meinem Handeln, da ich ja keine Umsatzzahlen beobachten muss oder ständig liefern muss. So Begriffe wie „Businessplan“ würden mich auch ehrlich gesagt abschrecken. Natürlich muss man von einer Sache Leben können, ich bin auch nebenher weiterhin freiberuflich tätig. Allerdings muss man sich auch immer fragen „macht einen das glücklich?“ Wenn man ein Unternehmen gründet, mit dem man nicht glücklich wird, dann macht das krank und dann bringt auch das große Geld nichts. Die Initiative Driewes ist für mich ein Herzensprojekt und deswegen gehe ich darin auf.


Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Sabine Ullrich und wurde von Janice Gust verfasst.

 

Hier zur Homepage des Start-ups.