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Innofarming

„Alles hat mit einer WhatsApp-Nachricht angefangen.“
Innofarming
Gründer: Timo Visestamkul, Charleen Ayelou und Christos Iordanidis
Studium an der Uni Siegen: Entrepreneurship and SME Management (Visestamkul) und International Production Engineering and Management (Ayelou)

Die Co-Founder Timo Visestamkul, Charleen Ayelou und Christos Iordanidis gründeten 2021 „Innofarming“. Das Team verfolgt mit seinem Start-up große Visionen dahingehend, wie wir in Zukunft leben/landwirtschaften werden. Das noch in der Entwicklung befindliche Unternehmen birgt großes Potenzial, um zukünftige Probleme wie Ressourcenknappheit zu lösen.

Worum geht es bei eurer Idee?

Die Idee von Innofarming besteht aus der Entwicklung eines Vertikal Indoor Farming Systems. Das System besteht aus einer vollautomatisierten und skalierten Vertikal Farming Plattform, in der Pflanzen kultiviert werden. Zu solch einer Plattform zählt sowohl die verbaute Hardware, sprich Regale und Pflanzen-Patches (das wo die Pflanzen drin wachsen), als auch alles, das zum automatisierten Handling der Pflanzen gehört so wie pflanzengerechte Beleuchtung, eine smarte Relay-Steuerung, Sensoren, Kameras und unsere einzigartige Bewässerung.

Was sind eure Ziele für die Zukunft? Wie stellt ihr euch die Nutzung eures Vertikal Farming Systems zukünftig vor?

Zunächst wollen wir die Entwicklung unserer Plattform optimieren. Derzeit arbeiten wir an einem dritten Prototyp, auf dessen Datengrundlage wir weitere verbesserte Faktoren für das Pflanzenwachstum generieren. Später soll das System vom Einpflanzen des Samens bis hin zur Ernte auf Knopfdruck automatisiert ablaufen.

Dann kann unsere Plattform – möglicherweise lizenziert – an industrielle Nutzer verkauft werden. Wir stellen uns das so vor, dass es dann große Vertikal Farms in der Nähe von Distributionszentren eines Supermarktes geben wird, um kurze Transportwege zu gewährleisten. Mit Innofarming wollen wir dann die erste Marke im Gemüseregal aufbauen, die für gute Qualität und Nachhaltigkeit steht.

Wie bist du auf die Idee zu „Innofarming“ gekommen?

Alles hat mit einer WhatsApp-Nachricht von meinem Vater in unserer Familiengruppe angefangen. Er schickte dort ein Video mit dem Titel: „Die Menschheit im Jahr 2100“. Da waren Roboter, fliegende Autos und ganz kurz das Bild einer Vertikal Farm zu sehen. Das fand ich total interessant und habe mich von da an immer mehr in das Thema Vertikal Farming eingearbeitet. Schnell stellte ich fest, dass diese neue Art des Pflanzenanbaus viel Potenzial für die Gesellschaft und die Lösung ihrer heutigen Probleme birgt. Der Markt für Lebensmittel wird größer werden. Eine wachsende Bevölkerung sowie wirtschaftlicher Wandel sorgen für einen gesteigerten Bedarf an Lebensmittel. Monokultur, Insektensterben durch Pestizide, zu wenig Ackerfläche für eine immer weiterwachsende Bevölkerung. Ich gehe davon aus, dass Vertikal Indoor Farming neben der traditionellen Landwirtschaft zu einem festen Bestandteil unserer Zukunft wird. Und mit der Gründung von Innofarming möchte ich diesen Weg mit gehen.

Wie finanziert ihr die Entwicklung eurer Technologielösung?

Neben Preisgeldern von Gründungswettbewerben haben wir zudem das Gründerstipendium NRW sowie eine weitere staatliche Förderung bekommen. Damit konnten wir bisher unsere Technik in kleiner Skalierung entwickeln und validieren. Fakt ist aber auch, dass wir Gründer uns bis heute kein einziges Gehalt ausgezahlt haben. Wir haben alles in die Entwicklung und in die Hardware gesteckt.

Vor welchen aktuellen Herausforderungen steht ihr mit Innofarming? Worin bestehen aktuelle Risiken?

Vertikal Farming ist sehr kostenintensiv, was den Energieverbrauch und die Initialinvestition angeht. Daher wird es eine der größten Herausforderungen, dass unsere Idee wirtschaftlich wird. Hinzukommt, dass unser Handeln als Start- Up derzeit vor allem durch Lieferengpässe verlangsamt wird. Diese Verlangsamung gibt uns aber die Chance, den Markt zu erschließen und die Menschen darüber aufzuklären, was Vertikal Farming überhaupt ist. So können wir anständige Produkte entwickeln und nachhaltige Strukturen schaffen.

Was hat dich dazu bewogen, den Weg in die Selbstständigkeit zu wählen?

Ich habe zunächst Wirtschaftswissenschaften an der TU Dortmund studiert und da wusste ich nicht so ganz, was ich jetzt machen soll. Daraufhin habe ich angefangen verschiedene Kurse außerhalb meines Modulplans zum Thema Gründen zu belegen. Von der ersten Sekunde an haben mich die Menschen dort so fasziniert und inspiriert, dass ich von dem Zeitpunkt an wusste „Das will ich auch!“

Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?

Das Thema Vertikal Farming ist nicht gänzlich neu, aber noch komplett in den Kinderschuhen. Unseren USP stellt unsere spezielle Art der Pflanzenbewässerung dar, bei der Wasser wird mit einer Nährstofflösung aufvibriert und als Nebel direkt an die Pflanzenwurzel geführt wird. Da der Nebel so feintröpfig ist, können die Nährstoffe die Wurzelmembran leichter durchdringen und auf diese Wiese schnelleres organisches Wachstum vorantreiben. Da man keine Erde benötigt, kann das System komplett auf Pestizide verzichten.

Wie ergänzt ihr euch gegenseitig im Gründerteam?

Christos ist unser Biologe und kümmert sich um alles, was den Pflanzen guttut. Charleen ist unsere Ingenieurin, die für alle Bereiche rund um die Technik zuständig ist. Und ich bin der BWL’er und kümmere mich um das Marketing, Investoren und Finanzen. Mit unseren Schwerpunkten ergänzen wir uns perfekt. Ich bin vor allem sehr froh, Charleen und Christos im Team zu haben. Ich glaube ohne meine Mitgründer wäre ich schon mehr als einmal verzweifelt.

Was treibt dich an?

Für mich ist es extrem befriedigend, wenn ich sehe wie etwas wächst (wortwörtlich). Das ist einfach ein tolles Gefühl. Und als Gründer arbeite ich in einem Feld, das mich super fasziniert. Neben Innofarming arbeite ich auch an der Uni als Gründercoach und als Gründerscout. Außerdem absolviere ich gerade ein Promotionsstudium im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Alle drei Bereiche überschneiden sich thematisch und schaffen Synergien. In diesem Kosmos zu sein habe ich mir genauso erträumt.


Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Timo Visestamkul und wurde von Janice Gust verfasst.