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Sicherheit ist bei der Verkehrsplanung sehr wichtig

Die Bauingenieurin Prof.in Dr. Kerstin Lemke ist Expertin und gewährte Einblicke in ihr Metier

Mit der fantastischen Verkehrsfibel und Käpt’n Blaubär geleitete Prof.in Dr. Kerstin Lemke die Kinderuni-Kinder sicher durch das Thema „Mobilität im Alltag – Wie frei bewegen wir uns im Straßenverkehr?“ Und: Die Mädchen und Jungen waren gefragt. Mithilfe von Papp-Kreisen in den Ampelfarben Rot (nein), Grün (ja) und Gelb (Enthaltung) konnten sie ihre Einschätzungen kundtun. Die Testfrage funktionierte: „Kennt ihr Käpt’n Blaubär?“ – Fast alle grünen Kreiskarten schnellten in die Höhe.

Danach stellte sich Prof.in Kerstin Lemke vor. Als Bauingenieurin ist sie Expertin für Verkehrsplanung und Mobilität und war bis 2011 im Bundesverkehrsministerium tätig. Lemke: „Bauingenieure planen, konstruieren, berechnen, bauen und betreiben.“ Das Tätigkeitsprofil bezieht sich beispielsweise auf Stadien, Brücken, Talsperren, den Hochwasserschutz, auf Straßen und den Verkehr. Drei Sparten besitzt das Bauingenieurwesen: den Konstruktiven Ingenieurbau, den Beritt Wasser und eben den Verkehr. Lemke: „Mein Schwerpunkt hat sich während des Studiums ergeben.“

Verkehr heißt erst einmal „Ortsveränderung von Personen, Gütern….“. Mobilitätsbedürfnis bedeutet, Personen wollen / müssen von einem Ort zum anderen gelangen, um beispielsweise Aktivitäten nachgehen zu können (Arbeiten, Studieren, Einkaufen). Lemke: „Man kann sich nur entwickeln, wenn man sich bewegt.“ Deshalb ist Mobilität auf einen Zweck hin ausgerichtet. Schaut man auf die Geschichte der Mobilität wird klar: Mobil waren Menschen schon immer – zuerst nur zu Fuß, dann mithilfe von Tieren wie Eseln, Pferden, Kamelen und Fuhrwerken. Im Zuge der Industrialisierung veränderte sich die Mobilität. Die Eisenbahn machte zügiges Reisen auch auf langen Strecken möglich, das Fahrrad wurde für ganz individuelle Mobilität genutzt, schließlich wurde die individuelle Beweglichkeit mithilfe von Motorrädern und Autos schneller und weitreichender. Der erste Omnibus fuhr im Jahr 1895 zwischen Siegen und Netphen - Deuz.

Die Verkehrsmittel haben unterschiedliche Reichweiten und Geschwindigkeiten. Zu Fuß schafft der Mensch pro Stunde im Durchschnitt 4 Kilometer, mit dem Rad 15 Kilometer, mit dem Auto 46 Kilometer, mit dem Öffentlichen Personennahverkehr 22 Kilometer. Im Rahmen von Mobilitätserhebungen werden auch Kinder mittels Fragebögen befragt. Welches Verkehrsmittel für den Schulweg genutzt wird, hängt dabei vor allem von dessen Länge ab.

Das Basis-Verkehrsmittel sind die Füße. Selbst zum Auto oder Bus gehen die Menschen zu Fuß. Lemke: „Als Planer müssen wir das beachten.“ Auch Mobilitätseinschränkungen von Menschen finden Berücksichtigung. Fußgängerüberwege haben deshalb häufig einen ebenerdigen und einen erhöhten Teil. Der ebenerdige Teil kann mit Rollstühlen barrierefrei genutzt werden, aber auch von Menschen mit Kinderwagen und Koffern. Der etwas erhöhte Teil gibt Menschen mit Sehbehinderung und Blindenstock Orientierung. Lemke: „Menschen auch mit Handicap sollten ohne fremde Hilfe zurechtkommen können.“ Und: „Barrierefreiheit ist eine gesetzliche Vorgabe.“

Fußgänger und Radfahrer sind im Straßenverkehr besonders gefährdet, da sie kaum eigenen Schutz haben. Deshalb, so die Bauingenieurin, würden die Verkehrsteilnehmer zunehmend getrennt, um die Schwächeren besser zu schützen. Auf der Autobahn zum Beispiel seien Fußgänger und Radfahrer verboten. Im Stadtverkehr und auch entlang von außerstädtischen Straßen gebe es Geh- und Radwege. Diese seien manchmal mit Bordsteinen und Pollern gesichert. Radfahrerinnen und Radfahrer bis zum 8. Lebensjahr müssten auf Bürgersteigen fahren, bis zum 10. Geburtstag sei das erlaubt. Zu beachten sei, dass Radler an querenden Straßen absteigen und ihr Rad schieben müssten.

E-Bikes führten dazu, dass zunehmend mehr Radfahrer verunglückten. Insgesamt nehmen Unfallfolgen mit der Höhe der Geschwindigkeit im Allgemeinen und zwischen den Unfallbeteiligten im Besonderen zu. Lemke: „Das kann man über Geschwindigkeitsbeschränkungen steuern.“ Die Anordnung von Geschwindigkeitslimits müsse aber von besonderen Umständen erzwungen sein. Deshalb gebe es auf deutschen Autobahnen keine grundsätzliche Geschwindigkeitsbeschränkung: „Der Regierung ist die Freiheit der Autofahrer wichtig.“

Auch Ampeln beschränken die freie Bewegung. 1924 wurde die erste am Potsdamer Platz in Berlin installiert und händisch betrieben. Lemke: „Der Verkehr wird kontrolliert gebündelt.“

Eine Kinderfrage durfte nicht fehlen: „Warum gibt es auf unseren Straßen so viele Schlaglöcher?“ Die Antwort war kurz und bündig: „Es fehlt an Geld, Planern und Ausführenden.“ Die großen und wichtigen Straßen würden frühzeitiger repariert als beispielsweise kleine Nebenstraßen.