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„Mobilität wird immer ruinöser gelebt“

„Nachhaltigkeit, Klimaschutz und der neue Ablasshandel“: Postwachstumsökonom Niko Paech zu Gast bei Forum Siegen

Niko Paech ist Begründer der Postwachstumsökonomie. Der 56-Jährige studierte Volkswirt lebt, was er lehrt. Er nutzt kein Flugzeug, besitzt kein Auto, kein Haus, keine eigene Waschmaschine, keinen eigenen Computer und hat einen Halbtagsjob. An der Universität Siegen lehrt er als außerplanmäßiger Professor „Alternatives Wirtschaften und Nachhaltigkeit“, „Gemeinwesenorientiertes Wirtschaften“ und eben „Postwachstumsökonomie“ im noch recht jungen Master-Studiengang „Plurale Ökonomik“. Sein Thema bei „Forum Siegen“ lautete „Nachhaltigkeit, Klimaschutz und der neue Ablasshandel“.

„Alle Anstrengungen, eine nachhaltige Entwicklung zu installieren, sind krachend gescheitert“, konstatieret der Ökonom zu Beginn seiner Ausführungen. Es gebe eine Boom an Nachhaltigkeitspublikation, -anträgen, und -bekenntnissen. Auf der anderen Seite stünden immer neue Rekorde bei der Inanspruchnahme von Ressourcen. Die Verantwortung werde beim „Grünen Wachstum“ an Dinge delegiert. Autos verbrauchten weniger Treibstoff, die Anzahl der Passivhäuser nehme zu, ebenso die der Photovoltaikanlagen. An der Wahrnehmung individueller Verantwortung für den CO2-Ausstoß indes hapere es. Paech: „Wer sich zu viel nimmt, will entweder keine globale Gerechtigkeit oder keinen Klimaschutz.“

Niko Paech ist es wichtig, als Mensch nur in dem Maß ökologische Schäden zu hinterlassen, indem diese global übertragbar sind. Bei rund 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde bedeutet dies, dass der individuell verursachte CO2-Ausstoß einen Umfang von 2,5 kg nicht übersteigen darf – aktuell liegt er in Deutschland pro Kopf bei etwa 11 kg. Dafür ist ein Bewusstsein vonnöten, das in die Reduktion des individuellen Lebensstils mündet. Eine Flugreise ist dabei nicht drin, das Pendeln per Bahn zwischen Siegen und Oldenburg schon.

Niko Paech erachtet es als „dekadent“, die ganze Welt sehen zu wollen. Von „hochdotierter Nachhaltigkeitsschickeria“ hält er nichts. Es sei eine Paradoxie, dass es noch nie in der Geschichte so viel Nachhaltigkeitssymbolik gegeben habe wie heute, konstatiert Paech. Dabei stiegen die Pro-Kopf-Verbräuche an Ressourcen weiter an: „Mobilität wird immer ruinöser gelebt“. Die Widersprüche der „Nachhaltigkeitselite“ erscheinen ihm „eklatant“. Kosmopolitische Menschen beschäftigten sich mit dem Thema Nachhaltigkeit, seien hochgebildet, stünden daher in der Regel nicht am Fließband, sondern stiegen in den Flieger: „Sie wissen, was sie falsch machen. Das weckt ein schlechtes Gewissen.“ Wie bei den christlichen Sündern im Mittelalter kommt nun der Ablasshandel ins Spiel. Das Unvergleichbare werde vergleichbar gemacht. Die ökonomische Grundidee des Geldes werde auf die Moral erweitert nach dem Motto: Ich weiß, dass Dinge, die tue, falsch sind, also leiste ich woanders Buße. Darauf basiere die Grüne Ökonomie. Sie therapiere das schlechte Gewissen.

Die Postwachstumsökonomie geht von einer Gestaltung durch Reduktion aus. Das komme der Umwelt und auch dem Menschen zugute. Denn auch bei Lebensstil und Konsum gebe es eine Sättigungsgrenze, jenseits derer die Zeit fehle, bereits Erschlossenes zu genießen. Paech: „Die Konzentration auf das Wesentliche ist die Logik des gelungenen Konsums.“

Die Möglichkeit, an der Universität Siegen zu lehren, schätzt der Volkswirt ganz besonders. Paech: „Plurale Ökonomik ist eine absolut einzigartige Innovation in der Hochschullandschaft.“ Die Plurale Ökonomik umfasst eine unvoreingenommene Darlegung der unterschiedlichen Theorien in den Wirtschaftswissenschaften und lässt eine Vielfalt der Methodik zu. „Wir arbeiten an den Sollbruchstellen.“ Die Lehman-Brother-Krise habe die Grenzen der traditionellen Ökonomik aufgezeigt: „Heute wird deshalb über die Vielfalt der Methodik nachgedacht.“