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Die gesunde Stadt spricht viele Sprachen

Inklusive Mehrsprachigkeit statt exklusiver Deutschsprachigkeit. Ein Vortrag von Herrn Prof. Dr. Bernd Meyer (JGU Mainz)

Am dritten Vortragsabend von FORUM-Siegen ging es um Mehrsprachigkeit in Deutschland, das mittlerweile ein weit verbreitetes Phänomen ist, vor allem (aber nicht nur!) in Städten. In der neuen Themenreihe der „gesunden Stadt“ referierte der Leiter des Arbeitsbereichs Interkulturelle Kommunikation, Prof. Dr. Bernd Meyer, von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er ist seit 2010 Professor für Interkulturelle Kommunikation und Allgemeine Kulturwissenschaft am Fachbereich 06 Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft in Germersheim. Dr. Bernd Meyer studierte Allgemeine Sprachwissenschaft und Portugiesisch in Hamburg und arbeitete am dortigen Sonderforschungsbereich Mehrsprachigkeit sowie am Hamburger Institut für Germanistik.

Sprachliche Vielfalt sei überall und immer schon präsent gewesen. Aus soziolinguistischer Sicht, erklärte Meyer, sei es eine geläufige Erkenntnis, „dass soziale Identitäten sowie Grenzziehungen mit sprachlichen Mitteln ganz besonders effektiv zum Ausdruck gebracht werden können“. Sprache schafft Identität, Anerkennung und Lokalität“, so Meyer, und je stärker eine Sprache präsent sei, desto höher seien dann auch Identitäts- und Anerkennungsprozesse. Bernd Meyer betont die Möglichkeiten der sprachlichen Vielfalt durch Identität und Kommunikation. „Sprache kann aber nicht nur Identität und Kommunikation schaffen, sondern ist auch ein Mittel zur Abschottung oder Ausgrenzung“, erklärte Meyer.

Sprache führe zur Teilhabe in Einwanderungsgesellschaften und so bezog sich Bernd Meyer in seinem Vortrag auf seine Forschungsprojekte, in denen es u.a. um Mehrsprachigkeit im Gesundheitswesen geht: „Zwar ist Deutsch laut §23 des Verwaltungsverfahrensgesetzes nun mal die Amtssprache, in deutschen Institutionen herrscht allerdings eine mehrsprachige Realität.“ Dieses Bild finde sich auch in vielen europäische Staaten, „sie streben ungeachtet der tatsächlich bestehenden sprachlichen Vielfalt nach einer Vereinheitlichung und Standardisierung der Nationalsprachen und ihrem exklusiven Ausbau für ein breites Spektrum kommunikativer Zwecke“, berichtet Meyer und macht damit auf Spannungen des Alltags und den politischen Konzepten von Nationen aufmerksam.

Der deutsche Gesetzestext spricht nur implizit die Handhabung der mündlichen Kommunikation in Institutionen an. Bernd Meyer fasste zusammen, dass bisher wenig über die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit in Deutschland bekannt sei, denn es fehle eine Erhebung, die den Anteil der Personen mit geringen Deutschkenntnissen an der Gesamtbevölkerung erfasse. Dass jeder Fünfte in Deutschland einen Migrationshintergrund habe, lenke in diesem Kontext den Blick insbesondere auf die gute Verständigung in sozialen und medizinischen Einrichtungen. Denn auch wenn die deutsche Sprachpolitik den Deutscherwerb propagiere, so finde gerade hier eine mehrsprachige Kommunikation vor allem inoffiziell und ungeplant statt, hob Meyer hervor. Bei Sprachbarrieren zwischen Arzt und Patient stehe die Praxis der Patientenaufklärung z.B. in Krankenhäusern vor einem vorherrschenden, von Improvisation geprägten Umgang. „Das ist ein rechtliches und fachliches Problem“, betonte Meyer und diskutierte die Konsequenzen, die sich daraus für Gesundheitseinrichtungen ergeben. Gleichwohl zeigte er auf, welche Verfahren und Techniken beim Umgang mit gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit hilfreich sind, wie man Kommunikationsbrüche vermeidet. Es brauche einen flexiblen Umgang mit vorhandenen Sprach-Ressourcen, die reflektiert eingesetzt werden und dem Bedarf entsprächen. Bernd Meyer betonte, dass Mehrsprachigkeit als Mittel der Kommunikation und nicht als Ausweis der Identität gelte.