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Begriff nicht mehr rein positiv besetzt

Dr. des. Fabian Deus im Forum Siegen: Der Glaube an ein besseres Leben durch „Fortschritt“ ist ins Wanken geraten

Von der „Großen Transformation“ im Wintersemester zum Begriff des „Fortschritts“ im aktuellen Sommersemester führt bei Forum Siegen – der öffentlichen Vortragsreihe der Universität Siegen – ein logischer Weg. Im Rahmen der Vorträge zur „Großen Transformation“ stand die Frage nach dem künftigen sozialen, politischen und ökonomischen Zusammenleben im Fokus. Im Zuge der „Großen Transformation“ werde heute eine Nachhaltigkeitsrevolution beschrieben, die mittels des „Fortschritts“ in verschiedenen Sektoren erreicht werden solle, so Jun.-Prof. Dr. Alexander Wohnig, der gemeinsam mit Steffen Pelzel in die Thematik einführte. Insofern ist in diesem Zusammenhang der Begriff „Fortschritt“ positiv belegt. Doch ist „Fortschritt“ nicht auch als Grund zu sehen für die heutige Notwendigkeit zur Nachhaltigkeitsrevolution? In diesem Falle wäre der Begriff durchaus negativ konnotiert.

Der Begriff des „Fortschritts“ stamme aus Westeuropa, erläuterte Wohnig, und sei durch drei Revolutionen geprägt: der Wissenschaftlichen, der Französischen und der Industriellen. Seit den 1970er Jahren gibt es Fortschrittsskepsis, artikuliert unter anderem vom Club of Rome. In Anbetracht all dieser Facetten erscheint es opportun, den Begriff eingehender zu betrachten.

Den Auftakt zum digitalen Forum Siegen im Sommersemester machte Dr. des. Fabian Deus (Uni Siegen). Sein Thema lautete „Fortschritt. Eine kleine Begriffsgeschichte.“ Deus absolvierte einen Lehramtsstudiengang in den Fächern Deutsch und Philosophie und promovierte im Bereich der Sozio- und Diskursionslinguistik bei Prof. Dr. Friedemann Vogel. Ihn interessieren Fragestellungen dergestalt, wie sich politische Überzeugungen ändern. Bei der Begriffsgeschichte des Fortschritts fokussiert er weniger theoretische Begründungen als vielmehr historische, politische und lebensweltliche Rahmenbedingungen. Sein Vortrag im Forum Siegen hatte primär den Fortschrittsbegriff als politische Begrifflichkeit der SPD im Blick.

Die Sozialdemokraten nutzten den Begriff vor allem nach dem 2. Weltkrieg in dem agitierenden Sinne, dass mit der Sozialdemokratie eine bessere Zukunft zu gestalten sei. „Zukunft kommt von selbst – Fortschritt nur mir uns!“ lautete ein Slogan. Bezugnehmend auf den Historiker Reinhart Koselleck skizzierte Deus die wechselhafte Geschichte des Fortschrittsbegriffs auch als Wandel in der Lebenswelt von Menschen, der keinen Selbstzweck besitzt, sondern einfach passiert und zu Traditionsbrüchen führt. Diese Brüche werden von den Menschen nicht als bedrohlich empfunden, weil sie mit dem Entstehen einer besseren Gesellschaft assoziiert sind und als kollektive Prozesse wahrgenommen werden. Über Generationen weitergereichtes Wissen verliert an Bedeutung und Sinnhaftigkeit in Anbetracht fortschreitender Industrialisierung und Technisierung. Neue Kontinente wurden seinerzeit entdeckt und erforscht; die Kenntnis über bislang fremde Kulturen kam nach Europa: „Neuartige Erfahrungen zerreißen feste Vorstellungen von Erfahrung und Zukunft.“ Die Gewissheit hielt Einzug, dass die Zukunft anders – und vor allem besser - sein wird als die Vergangenheit.

Diese „bessere“ Zukunft ist seit geraumer Zeit nicht mehr gewiss. Fortschritt kann je nach den Umständen ein menschenwürdiges Leben gefährden. Deus: „Daraus resultiert auch die Krise der SPD“.

Diskutiert wurde im Nachgang nicht zuletzt die These, ob der Begriff der Nachhaltigkeit den des Fortschritts ersetzen könne/solle.