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Ohne Kompromisse funktioniert Demokratie nicht

Kinderuni-Kinder warfen einen Blick auf das gesellschaftliche Miteinander

Wie funktioniert das Miteinander in einer Gesellschaft und warum wählen Gesellschaften demokratische Strukturen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich bei der Kinderuni die Sozialwissenschaftler*innen Prof. Dr. Alexander Wohnig, Steffen Pelzel und Hanna Butterer. Die Sozialwissenschaften beschäftigen sich mit den Zusammenhängen und Wechselwirkungen beispielsweise zwischen Einzelpersonen (Individuen), Gesellschaft und Natur/Ressourcen. Besonders das Zusammenleben von Menschen steht im Blickpunkt. Alexander Wohnig dröselte das System vom Kleinen, dem einzelnen Menschen, bis zum Großen, der Gesellschaft, auseinander. Jeder Mensch ist einzigartig. Und er hat unverrückbare Menschenrechte und Rechte in der Gesellschaft, in der er lebt. Er trägt aber auch Verantwortung und hat Verpflichtungen. Diese resultieren aus den Vorgaben der Gesellschaft wie auch aus seinem persönlichen Recht, selbstbestimmt zu leben.

In einer Gesellschaft prallen unter Umständen die Selbstbestimmung des Einzelnen und das Wohl anderer Menschen aufeinander. Wohnig: „Nicht jeder kann manchen, was er will, ohne mit anderen auszuhandeln, was wie gemacht wird.“ Rücksicht aufeinander ist angesagt, soll das Zusammenleben gelingen.

Menschen sind in Gemeinschaft eingebettet wie beispielsweise Vereine oder Schulklassen. Das Zusammensein funktioniert auf der Basis von Regeln und auch Zielen. Alle Gemeinschaften und Gruppen bilden die Gesellschaft. Wohnig: „Es gilt zu teilen, auszuhandeln und über Themen zu streiten, um gemeinsame Lösungen zu finden.“

Die Gemeinschaft, in der Menschen leben, prägt das jeweilige Leben – der Besuch der Schule, das Aufwachsen in einer Familie. Jeder kann auch die Gemeinschaft mitgestalten. Diese Art der Organisation heißt Demokratie. Hanna Butterer machte via Online-Befragung deutlich, wie Mehrheitsentscheidungen getroffen werden. Die Kinder durften zwischen drei Zielen für die Schulabschlussfahrt wählen: Fantasieland, Wandern im Siegerland und Ausflug nach Frankfurt. Deutlich vorne mit 74 Prozent bei der Abstimmung lag das Erlebnis Fantasialand. Deutschland zählt rund 83 Millionen Einwohner. Sollten alle für jede Entscheidung befragt werden, wäre das sehr aufwendig. Deshalb, so Butterer, würden Politiker*innen als Interessenvertreter*innen gewählt und fällen in Parlamenten die Entscheidungen. Machten sie das nicht gut, könnten sie bei der nächsten Wahl abgewählt werden.

In einer Demokratie besteht für jeden Einzelnen die Möglichkeit, sich zu beteiligen: zu wählen, gewählt zu werden, Mitglied einer Partei zu sein, eine Petition zu verfassen oder zu demonstrieren. Butterer: „In einer Demokratie gibt es eine Verfassung (Grundgesetzt) und Gesetze. Das sind die Spielregeln, die die Rechte und Pflichten des Einzelnen vorgeben. Jeder muss sich daran halten.“ Eine Demokratie ist keine einfache Gesellschaftsform mit Blick auf die Vielfalt der Interessen der Einzelnen. Jeder muss bereit sein, Kompromisse einzugehen. Viele Entscheidungen betreffen ganz viele Länder und können nicht allein von einem Land geregelt werden. Darunter fallen Themen wie Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandel.

Wenn viele Menschen zusammenleben, so Steffen Pelzel, veränderten sie die Umgebung: Häuser werden gebaut, Fabriken, Straßen, Nahrung wird produziert und Kleidung. Dafür werden Ressourcen gebraucht. Etliche davon sind nur begrenzt vorhanden, der Verbrauch anderer ist schädlich für das Klima. Klimawandel bedeutet dabei nicht die Veränderung des Wetters vor Ort, sondern die Messung der Veränderung des Wetters weltweit über eine lange Zeit hinweg. Mittlerweile steht die Welt mit Blick auf den Klimawandel vor einem Stresstest. Die Frage, was zu einem guten Leben notwendig ist, wird gestellt. Pelzel: „Das müssen wir gemeinsam besprechen.“ Und: „In einer Demokratie müssen alle die Möglichkeit zu einem umweltfreundlichen Leben haben.“ Womit zum Schluss der Dreh zur Abschlussfahrt-Umfrage geschafft war. Die Mehrheit der Kinderuni-Kinder wählten das Erlebnis Fantasialand. Umweltschonender wäre die Wanderung im Siegerland gewesen.