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FORUM SIEGEN
Universität Siegen
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E-Mail: forum-siegen@uni-siegen.de
Tel.: +49 (0)271/740-4508

 

Forum Siegen


Ziele

Die vielfältigen Probleme der Zeit lassen es nicht zu, Wissenschaft nur im akademischen Elfenbeinturm zu betreiben.

Wenn auch wissenschaftliche Forschung und Aufklärung keine Patentrezepte und bündigen Anweisungen hervorzaubern können, so vermögen sie es doch, durch methodische Schulung, kritische Fragen und bedingte Information, viele Einsichten und Entscheidungen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu prägen.

Handeln in schwieriger Zeit bedarf vermehrt der Reflexion. Im FORUM SIEGEN werden deshalb Probleme erörtert und Methoden geprüft, die für die "Praxis" in Politik, Wirtschaft und Kultur von Bedeutung sind. Vertreter aller wissenschaftlichen Disziplinen sollen zu Wort kommen- und zuhören.


FORUM Highlight
26. April 2018 - Prof. Dr. Georg Stanitzek
Ästhetische Formen der Ideologiekritik in den 1960er und 1970er Jahren
17. Mai 2018 - Prof. Dr. Thomas Münch
„Klasse an sich“ und „Klasse für sich“ –
ein taugliches Begriffspaar in verwirrenden Zeiten?
24. Mai 2018 - Ingo Schulz
Peter Holtz - Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst
7. Juni 2018 - Dr. sc. Eckhard Priller
Genossenschaften haben Zukunft – ökonomische und soziale Faktoren
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Ankündigungen:

Das Thema des kommenden Sommersemesters steht fest:

Zwischen Revolution und Reform – 200 Jahre Marx und Raiffeisen

Vor 200 Jahren kamen sowohl Karl Marx (5. Mai in Trier) als auch Friedrich Wilhelm Raiffeisen (30. März in Hamm an der Sieg) zur Welt. Als Sie 20 waren, veränderte die industrielle Revolution das Leben der meisten fundamental und zwar negativ. Als Marx 30 war, formulierte er mit Engels das kommunistische Manifest und kam zu wesentlichen Einsichten. Sein Leben verbrachte er mit dem Abfassen einer Kritik politischer Ökonomie. Er analysierte den Kapitalismus scharfsichtig und prognostizierte zahlreiche Phänomene, die leider heute noch zutreffen: Mehrwertaneignung und Prinzip der Kapitalvermehrung, Entfremdung, Fetischcharakter der Ware, abnehmende Profitrate, einseitige Globalisierung, Ungleichheit, furchtbare Naturzerstörung. Marx Lehre wurde später in feudalen Systemen ausprobiert und hat zum Teil zu grausamen und desaströsen Entwicklungen (Stalinismus) geführt. Es kann als sicher gelten, das sich Marx und Engels etwas ganz anderes vorgestellt haben. Ihre Ideen des wissenschaftlich begründeten Kommunismus war vom Gedanken der Gerechtigkeit und Gleichfreiheit getragen.

Raiffeisen versuchte den offensichtlichen Missständen mit Reformen zu begegnen. Die ironischerweise zu einer Abschwächung der krisenhaften Entwicklung beitrugen. Raiffeisen hat die genossenschaftliche Bewegung begründet, die heute zu einer der wesentlichen Lösungen heranwachsen kann. Elinor Ostrom (die bisher einzige Nobelpreisträgerin für Ökonomie) hat die Bedeutung der Commons durch ihre Forschungen betont und unterstrichen. Raiffeisen hat zudem Formen der gegenseitige Kreditgewährung, den gemeinschaftlichen Erwerb und Besitz von Landmaschinen angeregt. Viele seiner Gedanken leben bis heute in den Raiffeisen Organisationen und Volksbanken fort.

Revolutionäre Kritik und Analyse sowie reformerische Anstrengungen (Genossenschaften, Sozialgesetze, Demokratie) haben in einigen Ländern Ansätze einer gerechten, wohlständigen Gesellschaft ermöglicht. Heute kann man z.B. in den skandinavischen Ländern sehr weit entwickelte Formen des demokratischen Sozialismus beobachten. Auch die bisweilen aufgeweichte Konzeption der „sozialen Marktwirtschaft“ hat in Deutschland zu einem breit verteilten Wohlstand geführt. Dennoch gibt es heutzutage eine Abkehr vom Konsens und verstärkte Probleme sowie irreversible Schäden in ökologischer Hinsicht, (Naturzerstörung, Klimawandel).

Heute haben wir es anscheinend mit einem einheitlichen System zu tun. Der Kapitalismus hat nicht gesiegt, er ist einfach übrig geblieben. Die Vertreter des libertinären Kapitalismus sehen weder eine Gesellschaft „thereisno such thingas Society“ noch sehen sie Alternativen zu dem vorherrschenden Modell „thereisno alternative“. Solche apodiktischen und einseitigen Vorstellungen müssen bei jedem Denker bedenken und Kritik auslösen. Die vielfältigen sozialen, ökologischen und ökonomischen Krisen zeigen aber auch, dass wir nicht am „Ende der Geschichte“ angekommen sind und der Kapitalismus als der Weisheit letzter Schluss gelten kann. Heute stellt sich vielmehr die Frage, wie der Kapitalismus endet, nicht ob er endet (Wolfgang Streeck). Es wird immer mehr bewusst, wie sehr diese Art von Wirtschaft verzehrend und zerstörerisch wirkt, wie obszöne Ungleichheiten entstehen und die Natur zerstört wird. Das Wohlstandsmodell für eine Minderheit der Weltgesellschaft erscheint nicht zukunftsfähig und nicht nachhaltig (sustainable). Deshalb erscheint es bedeutsam, über Weiterentwicklungen, Alternativen und Eutopien nachzudenkenden.

In diesem Sommersemester werden wir diskutieren, wie wir uns ändern können, durch Revolution oder Reform, durch revolutionäre Reformen, friedliche Revolte oder gemeinsame Entwicklung, also die Eröffnung von Handlungsmöglichkeiten. Eines erscheint klar, es wird sich Grundsätzliches tun. Die Menschheit ist mit dem Raumschiff Erde unterwegs und fährt die Tanks leer. Heute externalisieren die wenigen 10 % der Weltbevölkerung die Probleme an andere oder die zukünftigen Menschen (Schulden, Müll, Naturzerstörung). Konkurrenz, Markt sind nur begrenzte Koordinierungsverfahren. Brauchen wir nicht vielmehr eine kooperative Orientierung. Mehr Demokratie, Gerechtigkeit und einen Friedensschluss mit der Natur? Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist kaum überlebensfähig, eher ein legalisiertes Plünderungsprogrammfür Wenige. So werden wir diskutieren, wie es weitergehen kann und/oder der Frage nachgehen, ob die Menschen einwilligen, in ihr eigenes Überleben (B. Russell). Wir laden ein zum Dialog über die Zukunft. Im Sommersemester holen wir zunächst das Konzert des Bachchores nach. Es wartet dann auf Sie ein sehr vielfältiges und anspruchsvolles Programm: Den Anfang zu den Vorträgen macht Prof. Dr. Georg Stanitzek, Universität Siegen „Ästhetische Formen der Ideologiekritik in den 1960er und 1970er Jahren“ gefolgt von Prof. Dr. Thomas Münch, Hochschule Düsseldorf „Marx - vom Zwang der Verhältnisse“ oder Verhältnisse des Zwangs?“. Der Schriftsteller Ingo Schulze liest aus seinem zeitkritischen Roman Peter Holtz. Prof. Dr. Dres. h.c. Michael Quante, Universität Münster Die Aktualität der Philosophie von Karl Marx“ . Am 14. Juni 2018 führen Dr. sc. Eckhard Priller, WZB Berlin und Prof. Dr. Christoph Strünck, Universität Siegen einen Dialog zur „Transformation der Genossenschaftsidee“.

Am 05. Juli 2018 begrüßen wir Dr. Christina Morina, Deutschlandinstitut Amsterdam mit einer Lesung zu Ihrem Buch „Die Erfindung des Marxismus. Wie eine Idee die Welt eroberte“.

Herzlichst, ihr Gustav Bergmann

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Sie werden sicher weitere Fragen haben und nicht alle können wir beantworten. Aber es wird sich lohnen über solche Fragen zu diskutieren. Wir konnten sehr unterschiedliche und hoch kompetente Referenten und Referentinnen gewinnen, die uns Einblick in ihre Erkenntnisse und Denkweisen geben, mit uns aber auch gerne diskutieren. Bitte kommen Sie mit Ihren Freundinnen und Freunden zum Forum Siegen. Die Veranstaltungsreihe startet am 19. April um 20 Uhr in der Aula des Kulturhaus LYZ. Nähere Informationen sowie das vollständige Programm entnehmen Sie auf folgender Seite. Wir freuen uns auf lebhafte Diskurse mit Ihnen.