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GESELLSCHAFTLICHE INNOVATION DURCH
'NICHTHEGEMONIALE' WISSENSPRODUKTION

'Okkulte' Phänomene zwischen Mediengeschichte, Kulturtransfer und Wissenschaft, 1770 bis 1970

 

 

 

Call for Papers zum Workshop 

„Das Geschlecht des Okkulten“ 


Organisation:

Dr. Anna Lux, Prof. Dr. Sylvia Paletschek und Dr. Ina Schmied-Knittel

 

Veranstaltungsort:

Universität Freiburg i. Br.
Datum: 22.–23. Juni 2017


 

Bewerbungsschluss: 31. März 2017 


 

 

Die schillernde Typologie „Okkultismus“ hat in den letzten Jahren verstärktes Forschungsinteresse auf sich gezogen. Dabei ist das Forschungsfeld heterogen und umfasst kultur-, wissenschafts-, religionshistorische, medienkulturwissenschaftliche oder diskurstheoretische Arbeiten. Untersucht wurde die Verschränkung von Okkultismus mit gesellschaftlichen Prozessen wie Säkularisierung, Individualisierung, Medialisierung, Fortschrittsgläubigkeit oder Kulturkritik und es wurde Fragen der Disziplinbildung und Wissensproduktion im okkulten Feld nachgegangen. Der Zeitraum der bisherigen Forschungen reicht vom 18. Jahrhundert und dem Phänomen des Mesmerismus über den Spiritismus bis hin zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit okkulten Phänomenen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Erste systematische Forschungen zur Bedeutung des Okkulten nach 1945 entstanden in den letzten Jahren. 
Im Kontext dieser Forschungen steht auch der geplante Workshop. Aus interdisziplinärer Perspektive soll das Verhältnis von Okkultismus und Geschlecht untersucht werden und insbesondere die soziale, biografische und wissensgeschichtliche Dimension des Themenfelds in den Blick kommen. Zwar wurde die Kategorie Geschlecht in bisherigen Arbeiten mitberücksichtigt, indem auf geschlechtsspezifische Rollen- und Machtverteilung im Okkultismus (weibliche Medien als Untersuchungsobjekt vs. männlicher Promotor und Wissenschaftler), auf die Handlungsspielräume weiblicher Medien, die Verbindung von Theosophie und Frauenbewegung oder Biographien von Parapsychologinnen eingegangen wurde. Auch aus soziologischer Perspektive kann beobachtet werden, dass paranormale Glaubensaussagen, Erfahrungen und Praxisformen in der Moderne häufig weiblich konnotiert wurden, während der wissenschaftliche Okkultismus und die Parapsychologie gemeinhin mit dem Typus des männlichen Gelehrten einhergingen. Zudem zeigt sich, dass gegenwärtige UFO-Gemeinschaften oder Anhänger von Verschwörungstheorien eine überwiegend männliche Sozialstruktur aufweisen und dass gemeinhin immer wieder von der sog. „weiblichen Spiritualität“ die Rede ist. 
Der geplante Workshop setzt an diesen (bislang noch unsystematischen) Forschungen und Beobachtungen an. Er zielt auf historische und empirische Erkundungen sowie auf eine Systematisierung der Interdependenz von Okkultismus und Geschlecht. Dabei soll zum einen an konkreten Beispielen diskutiert werden, wie sich das Verhältnis von Geschlecht und Okkultismus in seiner Wechselseitigkeit und aus intersektionaler Perspektive gestaltet. Zum anderen wirft der Workshop aus einer generelleren Perspektive die Frage auf, welche Aspekte für das Themenfeld 
Okkultismus durch die Perspektivierung auf Geschlecht neu in den Blick kommen, worin also der Erklärungswert und die Reichweite dieser Untersuchungsdimension liegen. 
Mit Hilfe des Workshops möchten wir einen geschlechtergeschichtlichen und -soziologischen Zugang zum Themenkomplex des (modernen) Okkultismus erreichen und zugleich über disziplinäre Grenzen hinweg verschiedene Entwürfe der Kategorien „Geschlecht“ und „Okkultismus“ diskutieren. Die Typologie „Okkultismus“ ist dabei gleichermaßen vielgestaltig wie komplex und in der hier gewählten Bezeichnung eher eine stilistische Verkürzung. In einer weiten Verwendung des Begriffs sind damit „nicht-hegemoniale Wissenskulturen“ in personalisierter, institutionalisierter und weltanschaulich- ausdifferenzierter Form gemeint. Im engeren Sinne meint die Typologie paranormale Phänomene, esoterische Traditionen, magisch-okkulte sowie alternativ-medizinische Praxisformen. 

 

Mögliche Fragestellungen sind: 
Welche empirischen Beispiele gibt es für die Interdependenz von Okkultismus und Geschlecht (bspw. in Bezug auf die männliche Sozialfigur „Verschwörungstheoretiker“)? 

Wie stellt sich der Zusammenhang von Okkultismus und Geschlecht in individuellen Lebensgeschichten dar? Wo zeigen sich Innovationen, Grenzüberschreitungen im Denken und Handeln von Frauen (und Männern), und wo liegen ggf. Barrieren? 

Wie gestaltet sich die Kopplung von Okkultismus und Geschlecht in Diskursen und Praktiken in Wissenschaft, Religion, Populärkultur und Lebenswelt? Mit welchen identitätspolitischen Konstruktionsprozessen, Ein- und Ausschließungs- bzw. Unterdrückungsmechanismen gingen und gehen sie einher? 

Welche Rolle spielt die Kategorie Geschlecht und/oder die Psychodynamik der Geschlechterverhältnisse bei nichthegemonialer Wissensproduktion – und zwar auch im Vergleich bzw. in intersektionaler Verschränkung mit anderen sozialstrukturellen Variablen (etwa Ethnie, Klasse, religiöse Orientierung, regionale Herkunft, Bildung)? 

Welche Verknüpfungen finden sich zwischen der Frauenbewegung bzw. feministischen Akteur_innen und esoterischen Strömungen, okkulten Phänomenen oder parapsychologischen Themen? Gab und gibt es eigene Frauen-/Männer-Netzwerke, welche Teilmilieus finden sich? 
Eingeladen sind wissens-, wissenschafts-, kultur- und sozialgeschichtliche, religionswissenschaftliche und soziologische sowie medienkulturwissenschaftliche und ethnologische Beiträge, die sich auf die Frage nach der Interdependenz von „Okkultismus und Geschlecht“ beziehen. Das Themenspektrum ist bewusst offen gehalten; die zeitliche Perspektive grenzen wir ein auf die historischen Entwicklungen vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart. 

Wir bitten um die Zusendung von Vorschlägen mit einer Länge von 1 bis 2 Seiten bis zum 31. März 2017 an die Emailadressen der Organisatorinnen. 

Dr. Anna Lux (Historisches Seminar, Universität Freiburg/Br.) anna.lux@geschichte.uni-freiburg.de 

Prof. Dr. Sylvia Paletschek (Historisches Seminar, Universität Freiburg/Br.) sylvia.paletschek@geschichte.uni-freiburg.de 
Dr. Ina Schmied-Knittel (IGPP, Freiburg/Br.) schmied@igpp.de