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Theologie: eine Wissenschaft?

Es sind vor allem drei Einwände, die immer wieder gegen Theologie als Wissenschaft und damit auch gegen Theologie an der Universität vorgebracht werden:
1. Bei Religion geht es um Glauben, nicht um Wissen. Deshalb hat sie im Kontext der Wissenschaften nichts zu suchen.
2. Gott und andere Glaubensaussagen lassen sich nicht beweisen, Wissenschaft hat es aber mit Beweisen zu tun.
3. Theologie ist nicht vorurteilsfrei, weil sie an bestimmte Glaubenssätze z.B. der katholischen oder evangelischen Kirche von vornherein gebunden ist.

Zum ersten Einwand: Ja, Glauben ist nicht Wissen. Dazu gäbe es noch sehr viel mehr zu sagen. Aber Theologie ist auch nicht Glaube, sondern Reflexion auf Glaube. Das ist wie der Unterschied zwischen erlebter Geschichte und Geschichtswissenschaft, politischem Handeln und Politikwissenschaft: Wissenschaft entsteht als „Reflexion auf“ und hat damit immer einen anderen Status. Auch erlebte Geschichte oder politisches Handeln sind keine Formen von Wissen.

Was ist mit dem Problem der Beweisbarkeit (Einwand 2)? Beweise sind längst nicht für alle Wissenschaften typisch. Es gibt sie nur im Bereich der Mathematik und Naturwissenschaften und auch hier nur begrenzt. Auch hier wird viel z.B. mit Theorien gearbeitet, die zu umfassend sind, als dass man sie einfach so beweisen könnte. In Geistes- und Kulturwissenschaften ist der Beweis in der Regel überhaupt kein mögliches Verfahren. Hier geht es vielmehr um Argumente und bestimmte wissenschaftliche Verfahren, z.B. philologische, empirische, interpretative. Diese selben Verfahren und Rationalitätsstandards, die die anderen Geistes- und Kulturwissenschaften anwenden und die ihre Wissenschaftlichkeit ausmachen, wendet auch die Theologie an: z.B. philosophisch-argumentative in der systematischen Theologie, historisch-kritische, archäologische und philologische in der Exegese und der Kirchengeschichte, soziologische, psychologische, empirische in der Religionspädagogik.

Was ihre kirchliche Bindung angeht (Einwand 3), hat Theologie hier im Feld der Wissenschaften tatsächlich einen Sonderstatus. Denn sie schaut nicht von außen, in bewusster, möglichst neutraler Distanz auf Religionen (z.T. versteht sich Religionswissenschaft in diesem Sinn), sondern katholische, evangelische, jüdische, islamische … Theologie spricht aus dem Innenraum der jeweiligen Religion. Warum lohnt es sich, neben Religionswissenschaft, Religionsphilosophie, Religionssoziologie und Religionspsychologie auch eine theologische Perspektive auf Religion zu haben? Religion scheint ein Feld zu sein, wo eine reine von außen kommende Beobachterperspektive möglicherweise nur eine, aber nicht die alles erfassende Perspektive sein kann. Auch in anderen Bereichen, z.B. der Ethnologie, hat man festgestellt, dass es einen wissenschaftlich relevanten Unterschied machen kann, ob man sich bewusst in der Beoachterperspektive hält oder ebenso bewusst in die Teilnehmerperspektive begibt. Beides ist legitim und es ist gut, beides zu haben. Wenn in der jeweiligen Perspektive methodisch sauber und unter Offenlegung der Prämissen gearbeitet wird, ist beides gleichermaßen Wissenschaft.

Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen