..
Suche
Hinweise zum Einsatz der Google Suche
Personensuchezur unisono Personensuche
Veranstaltungssuchezur unisono Veranstaltungssuche
Katalog plus

Wintersemester 2018/2019

7. Nachwuchsforum Bildungsforschung

zlb-siegen_bifo_flyer-nafo6-sose18

 

Programmablauf

23. Oktober 2018 (18.00 s.t. - 19.30 Uhr, Raum AR-NB 0103)

Ursula Schöllmann, Fakultät I

Titel

TimO - Textrevisionen in der Sekundarstufe I

Abstract

Sowohl in der Schule als auch in der Schreibforschung ist das Revidieren von Texten von zentraler Bedeutung. Unter Textrevisionen sind sprachliche Veränderungen an Texten zu verstehen, die im Fokus des Forschungsprojekts „Textrevisionen in der multilingualen Orientierungsstufe“ (TimO) stehen. Untersucht wird, welche sprachlichen Veränderungen Schülerinnen und Schüler der 6. Jahrgangsstufe beim Überarbeiten defizitärer Ausgangstexte zum Thema „Superhelden und –schurken“ in Bezug auf Revisionshandlungen und Textprozeduren vornehmen. Letztere sind in diesem Kontext von besonderem Interesse, da diese den Schülerinnen und Schülern als sprachliche Hilfen in unterschiedlich konzipierten Schreibarrangements bei der Überarbeitung zur Verfügung standen.

Im Vortrag sollen erste Ergebnisse quantitativer Revisionsanalysen vorgestellt und methodische Überlegungen für weitere qualitative Analysen diskutiert werden.

06. November 2018 (18.00 s.t. - 19.30 Uhr, Raum AR-NB 0103)

Yvette Keipke, Fakultät III

Titel

Zum Lernen befähigen. Präkonzepte und ihre Bedeutung für das Vorwissen im Schwellenkonzeptansatz

Abstract

Die Lerndiagnostik richtet ihr Untersuchungsinteresse auf die kognitiven Konzeptvorstellungen zu ökonomischen Phänomenen und unterteilt sich in einen objektiven und subjektiven konzeptorientierten Diagnostikzweig. Während der objektive Zugang domänenspezifische Fachkonzepte summativ erfasst, erhebt der subjektive Zugang die Alltagsvorstellungen formativ und damit das ökonomische Vorwissen (vgl. Birke,Seeber 2011; Kricks, Mittelstädt, Liening 2013). In der ökonomischen Bildung steht seit zwei Jahrzehnten die leistungsdiagnostische Erfassung - bekannt als Kompetenzforschung - im Zentrum (vgl. Butters, Asarta 2011). Weitaus weniger Beachtung erfährt hingegen die konzeptorientierte Lerndiagnostik, insbesondere die Erfassung von Lernbedingungen. Die Lernbedingungen verweisen auf das Vorwissen bzw. die Präkonzepte von Kindern und jungen Erwachsenen. Die Literatur zeigt an dieser Stelle einen blinden Fleck: Weder die Literatur um das Threshold Concept, noch die der wirtschaftsdidaktischen Lerndiagnostik haben die Struktur des Vorwissens bzw. der Präkonzepte, von dem ein Konzeptwechsel ausgeht und die ausschlaggebend für einen Verstehensprozess ist, näher beforscht. Meine Forschung setzt hier an und verfolgt die These, dass Lernbedingungen die Ausgangslage für Verstehensbedingungen sind, denn abhängig welches Vorverständnis Kinder und junge Erwachsene durch ihre Präkonzepte mitbringen, gelingt ihnen eine semantische Einordnung des Fachkonzepts in das Präkonzept und damit ein Schwellenkonzeptwechsel. Der Beitrag stellt als modelltheoretische Erweiterung einen ersten Ansatz in der konzeptorientierten Lerndiagnostik dar, in dem das Threshold Concept, um den Ansatz der Mentalen Modelle erweitert wird und u.a. aus kognitionspsychologischer und lerntheoretischer Perspektive die Beschaffenheit individueller Vorstellungen und deren Auswirkungen auf das ökonomische Verstehen ergründet werden.

27. November 2018 (18.00 s.t. - 19.30 Uhr, Raum AR-NB 0103)

Laura Becker, Fakultät II

Titel

Individualisierung von Lernprozessen und Leistungsformaten - Lernen im individualisierten Unterricht

Abstract

In der bildungspolitischen Diskussion suggeriert Individualisierung den Kern einer neuen Lern- kultur.Flexible Unterrichtsmethoden sollen ermöglichen, dass den individuellen Lern- voraussetzungen der Schüler*innen entsprochen wird.Qualitätsanalysen zeigen jedoch ein wackeliges Bild: die Realisierung individueller Lernpraxis ist weniger Teil des Alltagsunterrichts als vielmehr gesonderter Fachangebote. Die Hildegardis-Schule in Hagen versucht diese Erkenntnis in einem in NRW einzigartigen Schulentwicklungsvorhaben umzusetzen und schafft neue erkennbare individualisierte Leistungsformate in der Oberstufe. Wenn individualisierter Unterricht Alltag in der Kultur schulischen Lernens werden soll, verfolgt das Projekt das Ziel, die Konstruktion dieser alltagskulturellen Lernpraxis über das Schulentwicklungsvorhaben sichtbar zu machen. Dabei fokussiert die Arbeit die Praktiken der Schüler*innen als Akteure individualisierten schulischen Lernens.

11. Dezember 2018 (18.00 s.t. - 19.30 Uhr, Raum AR-NB 0103)

Ramona Schneider, Fakultät I

Titel

Virtuelle Aufgabenbearbeitung in mehrsprachigen Gruppen. Eine qualitative Studie in der Französischlehrerbildung

Abstract

Virtuelle Kooperationsprojekte ermöglichen sprachlichen, interkulturellen und fachdidaktischen Austausch und können durch Erfahrungslernen einen entscheidenden Beitrag zur Verknüpfung von theoretischen Ausbildungsinhalten und der Handlungspraxis zukünftiger Fremdsprachenlehrender im Unterricht (vgl. Esteve 2013) sowie zu deren Professionalisierung (vgl. Legutke/Schart 2016) leisten. Forschungsbedarf besteht insbesondere hinsichtlich der Förderung inhaltlich-fachlicher Aushandlungsprozesse, die aus soziokonstruktivistischer Sicht großes Potenzial für Lernprozesse bieten, bei virtueller Kommunikation wegen des erhöhten Koordinationsaufwands jedoch häufig zugunsten effizienzsteigernder Strategien gemieden werden (vgl. Helm 2015, Mangenot/Nissen 2006). Das Dissertationsprojekt untersucht virtuelle Aufgabenbearbeitungsprozesse in mehrsprachigen Gruppen zukünftiger Französischlehrer/innen und geht der Frage nach, inwiefern und unter welchen sprachlichen, sozialen und medialen (Rahmen)Bedingungen inhaltlich-fachliche Aushandlungsprozesse stattfinden und wie sich diese auf gemeinsam erstellte Gruppenprodukte auswirken. Als Gegenstand der Untersuchung dient das binationale Blended Learning-Projekt CONFORME (cognitions, émotions et médiations en formation des enseignants de langues, Siegen – Paris), bei dem 54 Studierende aus Siegen und Paris über ein Semester Aufgaben in Kleingruppen über das Internet bearbeiteten. Als Kommunikations- und Arbeitssprachen standen Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch zur Verfügung. Die Studierenden waren autonom in der Koordination ihrer Kooperationsprozesse (Wahl der Kommunikationsmedien und -sprache(n); Materialien). Durch die Zusammenarbeit Studierender unterschiedlicher Muttersprachen ist die Kommunikationssituation durch sprachliche Heterogenität gekennzeichnet.

Die Daten umfassen einen Fragebogen zu Projektbeginn, die virtuellen Kommunikationsprozesse während des Projektes (Foreneinträge, E-Mails, Chatgespräche, Audiokonferenzen), leitfadengestützte Interviews sowie individuelle Reflexionsberichte der Studierenden zu Projektende.

15. Januar 2019 (18.00 s.t. - 19.30 Uhr, Raum AR-NB 0103)

Tobias Leßner, Fakultät II

Titel

„Doing“ Democratic School - Eine ethnographische Studie über Schulen, die anders sein möchten.

Abstract

Der Beitrag möchte ein Dissertationsprojekt zur Konzeption und Praxis Freier Alternativschulen (FAS) vorstellen. Im Kontext der „zweiten Welle“ eines Gründungsbooms von Schulen in Freier Trägerschaft wird das Forschungsvorhaben am Beispiel der „Demokratischen Schulen“ der Frage nachgehen, welche schulpädagogischen Überlegungen von den Akteuren bearbeitet werden und wie sich diese in der Praxis der Schulen zeigen. Im Vortrag werden erste ethnographische Explorationen und Analysen aus dem Feld präsentiert und diskutiert, die das Forschungsdesign und die Forschungsfrage konkretisieren sollen.

29. Januar 2019 (18.00 s.t. - 19.30 Uhr, Raum AR-NB 0103)

Christine Theillout, Fakultät II

Titel

Non vitae sed scholae discimus? Erste Gedankenen zur Problematisierung der Lehr- und Lernbarkeit von Leben.

Abstract

„Non vitae sed scholae discimus!“ („Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir!“) Dieses heute noch populäre Zitat, das häufig sinnverdreht kolportiert wird, entstammt der Feder des antiken Philosophen Lucius Annaeus Seneca d.J. (4 v.Chr. - 65 n.Chr.). In seinem 106. Brief an Lucilius kritisiert Seneca die philosophische Schule, indem er ihr vorwirft, die Schüler nicht ausreichend auf ihr späteres Leben vorzubereiten. Der Philosoph konstatiert die lediglich kurzfristige Ausrichtung des Wissenserwerbs der Lernenden, fokussiert auf die direkte schulische Anwendung (heute als Bulimielernen bekannt). Nach Senecas Auffassung sollte die Schule vielmehr ihre Schüler zur „gelingenden Lebensführung“ befähigen, um sie auf diese Weise für ihr späteres Leben zu wappnen.

Hierbei wird – mehr oder weniger explizit – immer schon vorausgesetzt, dass „Leben“ als Kompetenz oder Kunst lehr- und lernbar ist. Die Frage nach der Lehr- und Lernbarkeit von Leben im Rahmen von Lebenskunst und Lebenskompetenz gilt jedoch als nicht beantwortet und stellt sich im skizzierten Zusammenhang dieses Forschungsprojektes neu. Hierbei gilt es bildungsphilosophische wie auch bildungstheoretische Diskurse näher zu konkretisieren. Das Interesse gilt in diesem Zusammenhang zum einem dem Kompetenzbegriff und den damit verbundenen Fragestellungen, ob Leben wie eine Kompetenz lehr- und lernbar ist und wie solch ein Unterricht aussehen könnte. Daraus ergeben sich Parallelen zu den Diskursen der Lebenskunst (Wilhelm Schmid, Michel Foucault, Ulrich Baer und den Modellprojekten der BKJ) und der Lebenskompetenz (WHO, Lebenskompetenz-Programme).

Die Problematisierung der Lehr- und Lernbarkeit von Leben soll anhand der empirischen Untersuchung des Lebenskompetenz-Programmes Lions-Quest „Zukunft in Vielfalt“ in die skizzierten Diskursfelder eingeordnet werden (Diskursanalyse), um so eine Erweiterung und Schärfung des Kompetenzbegriffes sowohl im Hinblick auf den erziehungswissenschaftlichen Diskurs generell als auch im Hinblick auf die Lehr- und Lernbarkeit von Leben im schulischen Kontext vornehmen zu können.

Zudem soll geklärt werden, ob das in diesem Forschungsprojekt untersuchte Lebenskompetenz-Programm einen Beitrag zur Eingliederung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund (ggf. mit Fluchterfahrungen) in die bestehende Klassengemeinschaft zu leisten vermag. Hierfür wurden im Lions-Quest „Zukunft in Vielfalt“-Programm geschulte Lehrerinnen der Sekundarstufe I qualitativ interviewt (leitfadengestütztes Experteninterview), die das Programm seit acht Monaten im eigenen Unterricht einsetzen. Die Auswertung der gewonnen Daten soll durch die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring erfolgen.

Im Vortrag sollen sowohl die theoretischen als auch die methodischen Grundüberlegungen des Promotionsvorhabens vorgestellt und diskutiert werden.