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Olaf Arns

Lebens- Mittel-Punkt

Die Genossenschaft ist die älteste Form eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses. Mit Hilfe eines solchen Modells hat Olaf Arns als treibende Kraft die Zukunft seiner Dorfgemeinschaft nachhaltig und demokratisch mitgestaltet. Das Konzept des Dorfladens überzeugt nicht nur in Ottfingen. Was es wohl mit Olaf Arns Lebens-Mittel-Punkt auf sich hat?

Wie wollen wir in Zukunft Leben?

Diese Frage hat sich wohl auch Olaf Arns damals gestellt, als er sich dazu entschied wieder in das Dorf, in dem er aufgewachsen ist, zu ziehen. Ausschlaggebender Grund für den Umzug nach Ottfingen war ein ganz persönlicher, sein geistig behinderter inzwischen erwachsener Sohn Tobias, der sozialemotional vergleichbar mit einem Kleinkind ist und an einer sogenannten Cluster-Epilepsie leidet. „In Phasen mit großen Anfällen wird Tobias mehrere Tage zu einem 100% Pflegefall“, erklärt Olaf Arns. Der Vorteil an so einem Ort wie Ottfingen sei, dass Jeder Jeden kennt. Für Olaf und seine Familie bedeutet dies eine wahnsinnige Erleichterung, da alle Dorfbewohner Rücksicht auf Tobias nehmen, sich melden, wenn etwas sein sollte und ihm somit ein weitgehend freies und unabhängiges Leben ermöglichen. Man kann sagen, diese Dorfgemeinschaft ist ein großer Treiber für Olaf Arns, seinen Heimatort und den besonderen Zusammenhalt dort zu erhalten. Aus dieser Motivation heraus gestalteten sich mit vielen Gleichgesinnten spannende Projekte, zu dessen Verwirklichung Olaf Arns große Teile beigetragen hat und weiter beiträgt. Somit entstand eine Entwicklung in einem „kleinen Ort auf dem Lande“, die nicht nur die Infrastruktur verbessert, sondern auch das Zusammenleben fördert und den Ort attraktiver macht.

Ehrenamtliches Engagement für die Dorfgemeinschaft

Der Ottfinger Ortsverein „Zukunfts-Werkstatt Ottfingen e.V.“ (ZWO) wurde im März 2017 gegründet. Als Mitglied von Geburtsstunde an und Vorstandsvorsitzender, engagiert sich Olaf Arns im Verein für die Verbesserung der Infrastruktur sowie den Austausch und die Zusammenarbeit über alle ortsansässigen Vereine und Gruppierungen hinweg und setzt sich für Projekte zum Wohle der Ortschaft ein. Aber auch Themen wie die Erhaltung der Dorfgeschichte in einem Dorfarchiv sind Ziele der Vereinsarbeit. Das bisher wohl größte Projekt der Zukunfts-Werkstatt war die Verwirklichung eines Dorfladens, der heute einen pulsierenden Lebens-Mittel-Punkt darstellt. Eine Gründungsgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen, dessen heutiger Erfolg zeigt, was alles möglich ist, wenn Menschen für den Ort, wo sie Leben die Initiative ergreifen und eine gemeinsame Vision verfolgen.

Der Dorfladen – ein Lebens-Mittel-Punkt

Früher gab es mehrere von ihnen in jedem Dorf, doch heute werden Dorfläden eine echte Seltenheit. Solche „Tante-Emma-Läden“ wurden nach und nach von großen Supermarktketten und Discountern abgelöst, dessen Betreiber oft kein Interesse an Lebensmittelgeschäften in dieser Größe haben. Dieses Schicksal traf auch das Ottfinger Dorf, als 2019 das letzte von einst 3 Lebensmittelgeschäften seine Türen schloss. Doch diese Schließung sollte nicht für immer sein. Um das Lebensmittelgeschäft neu eröffnen und fortführen zu können, kam Olaf Arns die Idee eines genossenschaftlich organisierten Dorfladens. Durch das Genossenschaftsmodell wird das Eigenkapital des Dorfladens durch die Einlagen der Mitglieder gebildet, ohne die Unterstützung Dritter. Über den Kauf dieser Genossenschaftsanteile werden die Mitglieder der Genossenschaft zugleich Eigentümer des Dorfladens. Jedes Mitglied wird also durch die Teilhabe ein Stückweit in die Verantwortung genommen, so dass der Laden langfristig und nachhaltig bestehen kann. „Uns war wichtig, dass die Person, die sich dort mit Geld beteiligen, nicht nur ein Mitspracherecht bekommen, sondern auch in die Verantwortung genommen werden,“ erklärt Olaf Arns.

Persönlich freut sich Olaf Arns darüber, mit dem Dorfladen einen Anlaufpunkt in der Ortschaft geschaffen zu haben, an dem Menschen zusammentreffen. „Ich bin die letzten 3 Jahre beruflich in Regensburg und nur am Wochenende zu Hause gewesen. Samstags bin ich dann sehr gerne in den Dorfladen gegangen, weil man dort immer Leute treffen konnte, mit denen man ein Schwätzchen halten konnte.“ Darüber hinaus wartet der Laden regelmäßig mit Verkostungen, Lesungen oder anderen Veranstaltungen vor Ort auf. „Wir wollen Lebensmittelkaufen auch ein Stück weit zum Erlebnis machen“, so Olaf Arns Antwort dazu, inwiefern sich der Dorfladen vom Discounter unterscheidet.

Pendeln vom Dorf in die Stadt

Seit Juli 2021 ist Olaf Arns Geschäftsführer bei der Sprint Sanierungen in Köln. Das Unternehmen ist als Sanierer von Wasser- und Brandschäden tätig. Olaf Arns pendelt von Ottfingen nach Köln und zu den deutschlandweit verteilten Profitcentern, für die er verantwortlich ist. „Ich kümmere mich um das operative Geschäft von insgesamt 47 Profitcentern, das heißt alles, was mit der Projektbearbeitung, der Schadenbearbeitung und den wirtschaftlichen Faktoren der Proficenter zu tun hat“, beschreibt Olaf Arns seine Aufgaben.

Auch bei den Aufräumarbeiten der Flutkatastrophe, die das Land im letzten Jahr getroffen hat, ist Olaf Arns mit Sprint Sanierungen stark involviert. „Wir bündeln Kräfte in den überschwemmten Regionen, organisieren Arbeiter und sogenannte Experts, die bei der Wiederherstellung helfen.“

Von einem wirklichen Arbeitsalltag kann nicht die Rede sein, kein Tag sei wie der andere, laut Olaf Arns. Aber genau diese wechselnden Herausforderungen begeistern ihn an seiner aktuellen Tätigkeit.

Der Maschinenbauer als Treiber

Als gelernter Maschinenbauer, denke ich, hat Olaf Arns sich ein wenig von seinem Fach entfernt. Ja und nein, antwortet er daraufhin. Vor allem das aus dem Studium erlernte prozessuale Handeln könne er heute noch sehr gut anwenden. Jedoch gibt Olaf Arns zu, sei sein aktueller Beruf auch stark wirtschaftlich geprägt. Durch ein Zusatzstudium an der Business School der Uni Siegen hat Olaf Arns sich in diese Richtung weitergebildet. Das Studium sei für ihn sehr prägend gewesen. Gerade die Aspekte Menschen, Kultur und Veränderungen nimmt er für sich aus dem Studium mit und setzt dies heute in seinem Denken und Handeln um. „Veränderungen sind wie ein großes Schwungrad, das man zunächst mit viel Kraft in Bewegung bringen muss. Wenn man dies schafft, läuft es dann irgendwann mehr oder weniger von allein. Diese Eigendynamik findet sich Beispielsweise auch im Dorfladenprojekt wieder.“

Im Gegensatz zu dieser treibenden Eigenschaft steht eine Anekdote aus seiner Studienzeit, von der Olaf Arns schmunzelnd erzählt. Er erinnert sich an eine Situation aus dem Grundstudium als er eine Präsentation halten sollte…

Der wohl langsamste Folien Aufleger der Welt

„Ende der 90er Jahre gab es noch keine PowerPoint, sondern man hat seine Folien ausgedruckt und auf einen Overhead Projektor gelegt. Dafür gab es Einsteckhüllen, deren Ränder man aufschlagen konnte, wodurch das Licht des Projektors im Randbereich der Folie abgedunkelt wurde. Auf diese Ränder hatte ich mir mit Bleistift ein paar Stichpunkte aufgeschrieben, damit ich ein paar Anhaltspunkte hatte, was ich zu der Folie sagen wollte. Am Tag der Präsentation habe ich jeweils eine Folie aus meinem Ordner geholt, habe die Ränder aufgeschlagen und bin gaaanz langsam zum Overheadprojektor gegangen, um auf dem Weg dorthin, meine Stichpunkte zu lesen. Ein paar Tage später habe ich meinen damaligen Professor Dr. Scharf im ZESS getroffen und bat ihn um ein Feedback zu meiner Präsentation. Da fing er laut an zu lachen und meinte, er hätte noch nie jemanden erlebt, der in einer Präsentation mit solch einer Ruhe die Folien gewechselt hat.“

Menschen zu Tatmenschen machen

„Das Glück ergibt sich aus der Beziehung zwischen dir und der Gesellschaft“, dieser Satz begleitet Olaf Arns schon länger in seinem Leben. Der Satz habe sein Handeln sehr stark beeinflusst. An erster Stelle stehe für ihn seine Familie. Darüber hinaus sei ihm das gesellschaftliche Miteinander überaus wichtig. „Mich treibt es an, Menschen zu motivieren und etwas zu verändern, sozusagen Menschen zu Tatmenschen zu machen.“ Besonders freut Olaf sich, dass er die vielen ehrenamtlichen Projekte mit seiner Frau gemeinsam angehen kann. Ausgleich findet er weiterhin beim Singen im Ottfinger Chor sowie beim Radfahren und Wandern in der Natur.


Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Olaf Arns und wurde von Janice Gust verfasst.