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Arnd Dickel

Authentisch, kreativ und voller Ideen – Als Marketing Manager von Harley-Davidson zur Kinderklinik

Ein erster Blick auf Arnd Dickels Lebenslauf verrät bereits seine ganz besondere Leidenschaft für Motorräder. Nachdem er 1992 an der Uni Siegen sein BWL-Studium abgeschlossen hatte, schaffte er es bereits acht Jahre später als Brand & Marketing Manager bei Harley-Davidson sein Hobby zum Beruf zu machen. Eine aufregende Zeit, in der er große Events mitorganisierte und viel herumreiste. Nach zehn Jahren kehrt er jedoch in seine Heimat Siegen zurück, wo er bis heute als Marketing Manager an der DRK-Kinderklinik tätig ist.
Marketing für zwei völlig unterschiedliche Unternehmen, Marketing und Krankenhaus – wie passt das zusammen? Arnd Dickel sieht Aufgaben des Marketing sowohl für das renommierte Motorrad-Unternehmen wie auch für eine Kinderklinik und weiß geschickt - ganz im Sinne des Marketing - mit dem Projekt „Spendenaktion Motorrad“ für kranke Kinder Verbindungen für einen guten Zweck mit großer Außenwirkung zu schaffen.



Er war noch ein kleiner Junge, als er zum ersten Mal auf ein Motorrad stieg und es sich ein paar Jahre später schon nicht mehr nehmen ließ, heimlich mit seiner ersten eigenen Maschine zur Schule zu fahren. Für Arnd Dickel ging ein Traum in Erfüllung, als er vier Jahre nach Abschluss seines Studiums den Filialleiterposten bei Detlev Louis, einem renommierten Unternehmen für Motorradkleidung und Zubehör, bekam. „Als Filialleiter war es wichtig, dass ich sowohl das Kaufmännische, als auch das Führen von Mitarbeitern verstand und professionell umsetzen konnte“, erzählt der Alumnus. „Die Zielgruppe war natürlich ein Traum, weil es eine Gruppe war, der ich selbst angehörte.“

Hobby zum Beruf gemacht

Jeder leidenschaftliche Motorradfahrer kennt wohl die Marke Harley-Davidson. Nein, sogar nahezu jeder, der nicht selbst eine Maschine besitzt, hat schon einmal von dem Unternehmen gehört, das seine Motorräder und sein Bikerzubehör in der ganzen Welt verkauft. Als Arnd Dickel, der mittlerweile in der Branche fest verankert war, eine Stellenanzeige der Harley-Davidson GmbH entdeckte, überlegte er nicht lange und bewarb sich sofort. Mit Erfolg. Bereits an seinem zweiten Tag als neuer Brand & Marketing Manager in Mörfelden bei Frankfurt flog er zu einer Convention nach Denver. Der Firmenwechsel bedeutete für Dickel, der zuvor noch nie geflogen war, eine enorme Zäsur. „Das war für mich der Weggang von Siegen in die große Welt. Ich habe vorher nie viel Englisch sprechen müssen, und musste mich plötzlich von 0 auf 100 darauf einstellen, dass Englisch Firmensprache war.“ Einmal die Woche flog er nach Windsor oder Oxford und alle drei Monate startete sein Flugzeug Richtung Amerika. Sein Aufgabenbereich beinhaltete vor allem die Bedienung der deutschsprachigen Märkte und das Abstimmen der europäischen Produktentwicklungelemente mit den USA.

Ein Job voller Leidenschaft und Lifestyle

Die Tätigkeit bei Harley war für Arnd Dickel nicht nur ein alles verändernder Sprung von regionalen Firmen in das internationale Geschäft, sondern auch eine ganz neue Lebenseinstellung. „Die Zeit bei Harley war nicht nur ein Job, der nach Feierabend beendet war. Es war ein Lifestyle, den man lebte.“ Die Menschen, vor allem auch die Angehörigen der Familie Davidson, seien immer locker gewesen. „Hat man sich auf einer Convention getroffen, wurde einfach über Motorräder geplaudert.“ Die Zeit prägte ihn nicht nur menschlich, denn auch seine zahlreichen Harley-Tattoos verraten seine Verbundenheit mit der Branche. „Das war damals kein Muss. Es war meine eigene Entscheidung. Ich wollte diesen Lebensstil leben und zeigen, dass ich das Produkt gut finde.“

„Ein Bruch, der allen gut getan hat.“

Ein Jahrzehnt lang blieb er Harley-Davidson treu, knüpfte in dieser Zeit weitreichende Kontakte und etablierte sich in der Motorrad-Branche. Als ihm angeboten wurde, nach Milwaukee oder Oxford zu gehen, um so seine Karriere auszubauen, lehnte er jedoch ab. „Die Entscheidung, wieder nach Siegen zurückzukehren, habe ich für meine Familie getroffen“, erzählt Dickel. „Zu der Zeit wurde gerade mein Sohn eingeschult und ich hatte mich für eine Familie entschieden, also wollte ich auch dazu stehen.“ Nach langer Suche stieß er schließlich auf ein Jobangebot der Kinderklinik, die einen Marketing- und PR-Mitarbeiter suchte.

Mit der Zusage gab es nun kein Zurück mehr und der gebürtige Weidenauer ist froh, diesen Schritt gewagt zu haben. „Natürlich unterscheidet sich das Arbeiten hier von meiner Stelle bei Harley, aber ich genieße es, dass mein Hobby, das jahrelang mein Beruf war, nun wieder mein Hobby sein kann“, betont er. „Es war ein Bruch, der allen gut getan hat und ich habe wieder eine Heimat. Für mich ist Siegen eine tolle Heimat.“ Dennoch brauchte es ein ganzes Jahr bis er wirklich angekommen war. Das Leid, mit dem man in einer Klinik täglich konfrontiert wird, darf man nicht mit nach Hause nehmen. Dies zu lernen stellte eine ganz besondere Herausforderung für Arnd Dickel dar. In der Branche, aus der er ursprünglich kam, ging es schließlich um Lifestyle und Freizeit, während sich die Menschen im Krankenhaus in Ausnahmesituationen befinden.

Passen Motorräder und Kinderklinik zusammen? Oh ja!

Doch der Alumnus sieht keineswegs vor allem die negativen Seiten seines neuen Berufs, ganz im Gegenteil! „Wenn ich jemandem ein Motorrad verkaufe, habe ich ihm ein Motorrad verkauft. Wenn ich aber hier etwas tun kann, das den Kindern und den Familien gut tut, hat das einen ganz anderen positiven Charakter.“

Diesen besonderen Charakter hat auch die „www.Spendenaktion-Motorrad.de“, für die Arnd Dickel 2013 seine alten Kontakte in die Motorrad-Branche noch einmal aufleben ließ, um die Kinderklinik finanziell zu unterstützen. So konnte jeder, der wollte, einen individuellen Betrag spenden, um anschließend in den Verlosungstopf für eine Reihe hochwertiger Preise zu gelangen. Als Hauptpreis winkte ein ganz besonderes Schmuckstück aus dem Hause Harley-Davidson. Wer denkt, dass Motorradfahrer nur skrupellose Raser sind, wird hier eines Besseren belehrt. Biker sind ebenfalls Menschen mit Herz. „Motorrad und Kinder passen durchaus zusammen.“ Im ersten Jahr wurden so über 50.000 € Spenden eingenommen, im Jahr darauf bereits über 125.000 € und auch 2016 geht es mit der Aktion weiter. Als Zeichen der besonderen Ehrung und als Belohnung für die Mühe erhielt die „Spendenaktion Motorrad“ in diesem Jahr sogar den Marketing-Award des Marketingclubs Siegen. „Das Besondere ist, dass wir kein Geld ausgeben. Alle Leistungen rund um die Aktion werden von Sponsoren oder von mir erbracht. Das heißt, die Klinik selbst gibt kein Geld aus.“

Nicht nur bekannte Unternehmen wie Harley-Davidson oder Thunderbike beteiligen sich an der Aktion, sondern eines der Highlights im letzten Jahr war auch ein großes TheBossHoss-Benefizkonzert mit über 3000 Besuchern, darunter viele Biker und Kinder.

Marketing – ein Stück weit Handwerk

Der Kern des Alltags eines Marketing-Managers der Kinderklinik besteht aus der Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen. Dazu gehören die Einweiser, aber auch Multiplikatoren wie Kindergärten und Schulen. So müssen Ärzte, Praxen und andere Kliniken davon überzeugt werden, dass die jungen Patienten in der Kinderklinik gut aufgehoben sind. Allen voran müssen jedoch die Eltern Vertrauen zu der Einrichtung fassen, in deren Hände sie möglicherweise einmal ihre Kinder geben müssen. Dabei spielen die Multiplikatoren eine wichtige Rolle, da hier Flyer und Plakate direkt auf Eltern und ihre Kinder treffen. Zudem prägen Fundraising, das Verfassen von Pressetexten und die Arbeit mit regionalen Fernseh- und Radiosendern sowie Tageszeitungen Arnd Dickels Arbeitsalltag. Wer ins Marketing möchte, sollte auf jeden Fall eine gehörige Portion Kreativität besitzen, aber was gehört noch dazu? „Ich denke, dass es auch wichtig ist, gut mit Sprache umgehen zu können, denn vor allem hier in der Klinik wird sehr auf Ausdruck geachtet“, betont Dickel. „Außerdem sollte man flexibel und offen zu sein, weil man hier mit vielen verschiedenen Kulturen zu tun hat. Ein Stück weit ist es auch Handwerk. Ich muss auch mal selbst ein Foto schießen oder einen Pressetext schreiben können. Zu guter Letzt gehört für mich auch eine gewisse Begeisterung dazu.“

Traumfamilie statt Traumberuf – eindeutig die richtige Wahl!

Neben der Familie als Hauptgrund, zog ihn auch seine Naturverbundenheit zurück nach Siegen. Als Ausgleich zu seinem Beruf freut er sich darauf, nach Feierabend einen ausgiebigen Waldspaziergang mit seinen beiden Hunden zu machen oder mehrere Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren. Dass er hier nur wenige Schritte bis zum Wald laufen muss, genießt er nach jahrelangem Wohnen neben dem Frankfurter Flughafen ganz besonders. Hier kann er Ausflüge mit seiner Familie machen oder mit seinem Sohn im Weiher schwimmen gehen – das lange Sitzen im Flugzeug vermisst er dabei nicht. „Ich habe meinen Traumberuf für meine Traumfamilie aufgegeben. Und das war gut so.“

Das Porträt basiert auf einem Interview mit Arnd Dickel und wurde von Franziska Elsner verfasst.