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Annkathrin Jüngel

Wirtschaftsrecht in der Tourismusbranche – eine juristische Referentin vereint ihre beiden größten Leidenschaften

Aufgewachsen ist Annkathrin Jüngel zwar auf dem Land, doch es zog sie, nachdem sie 2013 ihren Master im Studiengang „Deutsches und Europäisches Wirtschaftsrecht“ in der Tasche hatte, bereits direkt in die größte Stadt Deutschlands. Auf der Zielgeraden ihres Masters arbeitete sie nach einem Auslandssemester in Südafrika in Berlin als Wirtschaftsjuristin und ist heute für die Berlin Tourismus & Kongress GmbH (visitBerlin) tätig.

Vertragsklauseln, Paragraphen und Rechtsfragen – es mag Menschen geben, die einen großen Bogen um den Bereich Recht mit all seinen Facetten machen. Annkathrin Jüngel gehörte noch nie zu ihnen. „Ich habe mich schon während der Schulzeit sehr für Jura interessiert und auch die Schulpraktika in diesem Bereich gemacht. Als es dann an die Studienwahl ging, entschied ich mich dann für Wirtschaftsrecht, weil mich hier der auf den Unternehmen liegende Schwerpunkt sehr reizte.“
Im Jahr 2008 schrieb sich die aus dem kleinen Ort Beltershain bei Gießen stammende Alumna für den Bachelorstudiengang „Deutsches und Europäisches Wirtschaftsrecht“ an der Uni Siegen ein.

Ein Auslandssemester mit Folgen

Nachdem sie während des Bachelors sowie vor allem während des Masters Erfahrungen im Personalbereich bei der Stadwerke Gießen AG sammeln konnte, arbeitet Annkathrin Jüngel heute für die Berlin Tourismus & Kongress GmbH (visitBerlin). „Man könnte sagen, dass wir ein Fremdenverkehrsamt ohne Amt sind“, erklärt sie. „Wir kümmern uns um den Tourismus für die Stadt und haben das Ziel, weltweit möglichst viele Besucher für Berlin zu begeistern.“ So hat sie unter anderem viel mit Reiserecht aber auch mit Miet-, Urheber- sowie Wettbewerbsrecht zu tun und spürt in allen Feldern immer wieder die starken Berührungspunkte zum Thema Reisen. Damit verbunden ist bei ihr auch das Gefühl von Fernweh und einer ganz besonderen Sehnsucht nach Südafrika, wo sie von Februar bis Juli 2013 ein Auslandspraktikum absolvierte. „Ich wollte einfach mal raus und die letzte Chance vor dem Abschluss genau dafür nutzen. In Kapstadt habe ich ein Praktikum in einer deutschen Anwaltskanzlei absolviert.“ Als sie ein halbes Jahr später nach Deutschland zurückkehrte, wusste sie, dass sie ihr Herz an Südafrika verloren hatte. „Seitdem verspüre ich eine starke Sehnsucht, mehr von der Welt zu sehen. Diese Sehnsucht hat mich nie losgelassen.“ Angesichts der unvergesslichen Erfahrungen, die sie gemacht habe, bereue sie, nicht schon früher mal für längere Zeit weggegangen zu sein. Doch sie brachte nicht nur eine Menge Erinnerungen mit nach Hause - unter anderem wagte sie ihren ersten Bungeejump - sondern sogar ihren ersten „richtigen“ Job.
So zog sie im September 2013 nach Berlin und nahm noch während der Anfertigung ihrer Masterthesis eine feste Stelle in dem deutschen Gegenstück der südafrikanischen Kanzlei an.

Neue Stadt und neue Aufgaben

Der Schritt, ins 500km entfernte Berlin zu ziehen, fiel Annkathrin Jüngel zunächst nicht schwer. Sie freute sich viel mehr auf die neue Umgebung und die Sicherheit durch den Job. Nach einer Weile legte sich jedoch die erste große Begeisterung und ihr wurde bewusst, was für eine Umstellung der Umzug war. Mit der Zeit lebte sie sich jedoch ein und als sie das Stellenangebot bei visitBerlin entdeckte, bewarb sie sich ohne lange zu überlegen. „Ich hatte ein gutes Gefühl, weil ich bei dem Job direkt sicher war: Das bin ich. Ich hatte einen Draht zu der Stelle und das Thema Reisen begeistert mich einfach.“ Seit August 2014 ist sie dort nun für alle internen rechtlichen Fragen zuständig und fühlt sich in Berlin heimisch. „Wir verstehen uns als internen Dienstleister. Das heißt, wir reagieren auf sämtliche rechtliche Anfragen unserer Kollegen und erstellen und bearbeiten Verträge für die jeweiligen Projekte oder beantworten Fragen, falls Unklarheiten auftreten“, beschreibt Jüngel ihre Aufgaben. „Wenn man an eine Rechtsabteilung denkt, verbindet man damit möglicherweise sehr schnell rechtliche Streitigkeiten, aber wir sind kein Großkonzern mit einer Unmenge an regelmäßig eintrudelnden Klagen. Solche Sachen kommen eher selten vor und für diesen Fall haben wir dann unsere Fachanwälte.“ Annkathrin Jüngel hat die Aufgabe, einen Rechtsstreit durch einen passenden und ausgereiften Vertrag von vornherein zu vermeiden. „Das Interessante an meinem Beruf ist, dass ich in eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Projekte involviert bin. Das ist sehr abwechslungsreich und macht mir viel Spaß. Außerdem ist es wichtig, dass mich die Kollegen immer anrufen können, um ihre Fragen sofort loszuwerden. Jeder bei uns hat mal eine rechtliche Frage – da bleibt man mit den Kollegen in regelmäßigem Kontakt.“

Erst Promotion, dann Weltreise!

Schon während des Masterstudiums spielte die Alumna mit dem Gedanken zu promovieren. „Zwei Jahre habe ich versucht, es mir auszureden, aber so richtig losgelassen hat mich die Idee nie. Ich habe mich einfach nicht komplett gefühlt.“ Ihre beiden größten Pläne - Promotion und Weltreise – verlangten nach einem ersten Schritt und so entschied sie sich, erst einmal extern in Siegen zu promovieren. „Ich mache das für mich, um alles abzurunden.“ Um die Doppelbelastung zu schaffen, reduzierte sie ihre wöchentliche Arbeitszeit auf 30 Stunden und arbeitet nun jede freie Minute an der Doktorarbeit, welche sie im Bereich des Vertragsrechts anfertigt. „Eine wirkliche Work-Life-Balance ist deswegen im Moment leider nicht vorhanden“, sagt sie. Aber es wird sich lohnen, denn mit der Aussicht auf eine Weltreise schreibt es sich doch schon viel leichter.

Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Annkathrin Jüngel und wurde von Franziska Elsner verfasst.