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Peter Kammerer

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Peter Kammerer

Peter Kammerer absolvierte zwischen 2005 und 2008 an der Universität Siegen sein Bachelorstudium in Social Science mit Volkswirtschaftslehre im Nebenfach. Während seiner Studienzeit in Siegen und vor Beginn seines Masterstudiums 2009 an der „London School of Economics“ (LSE) sammelte er vielfältige praktische Erfahrungen, die ihn letztendlich zu einem Berufseinstieg in der Entwicklungszusammenarbeit bei der „Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH“ bewogen, wo er bis heute tätig ist. Aktuell leitet er als Mitarbeiter bei der GIZ das Wasserprogramm in Sambia und ist dort für etwa 45 Mitarbeiter verantwortlich.

Entwicklungszusammenarbeit – leidenschaftlich und verantwortungsvoll – auch in Zeiten von Pandemien

Für Peter Kammerer steht fest: „Unsere Arbeit vor Ort ist aktuell wichtiger, denn je zu vor“. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern unterstützt er die sambische Regierung in der Sicherstellung der Wasser- und Sanitärversorgung in der Hauptstadt Lusaka. Im Auftrag der deutschen Bundesregierung leistet die GIZ so einen Beitrag dazu, die Ausbreitung der Pandemie in Sambia einzudämmen und Basisleistungen des sambischen Staates für seine Bürger aufrecht zu halten.

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Peter Kammerer beim Launch eines neuen GIZ Programms zu Wasserressourcenmanagement

Seit vielen Jahren unterstützt Deutschland mit Mitteln aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) das im Südosten Afrikas gelegene Sambia im Wassersektor. Grundsätzlich ist Sambia ein wasser- und regenreiches Land. Die Verteilung des Wassers sowie die Gesetzeslage und Genehmigungsverfahren der Wasserrechte sind allerdings sehr ungleich und nicht gut geregelt. Dieser Problematik haben sich Peter Kammerer und sein Team aus lokalen und internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, größtenteils aus Deutschland, angenommen. Seit November 2016 setzt sich der Siegener Alumnus der Social Sciences in Sambia als Entsandter der Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH für die Verbesserung des Wasser- und Ressourcenmanagement Sambias ein und leitet das Programm, zusätzlich zur Koordination mehrerer anderer Wasserprojekte der GIZ.

Seine Begeisterung für seine Arbeit spürt man im Gespräch mit ihm deutlich. „Was mich an meiner Arbeit motiviert, ist, dass ich mit einem wahnsinnig coolen Team, das ich selbst aufbauen konnte, sehr sehr großen Gestaltungsspielraum habe – für mich persönlich, aber auch für uns als Team, und diesen nutzen kann, um Lebensbedingungen zu verbessern“, erzählt er. „Es funktioniert nicht immer alles so, wie wir uns das im Vorhinein vorstellen, aber wir schaffen es, die Lebensbedingungen von Kleinbauern zu verbessern; wir schaffen es, Interessen auszugleichen zwischen kleinen Wassernutzern und riesengroßen Unternehmen“, freut sich Peter Kammerer, der bereits seit drei Jahren in Lusaka lebt und arbeitet. Spannend ist für ihn außerdem, dass er und seine GIZ-Kollegen im Auftrag der deutschen Regierung entsandt sind und damit letztlich auch von politischen Entscheidungen in Deutschland, zum Beispiel den Haushaltsentscheidungen im Bundeskabinett abhängig sind. Denn als Bundesunternehmen wird die GIZ zu einem großen Teil aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beauftragt, um die Bundesregierung bei der Erreichung ihrer entwicklungspolitischen Ziele unterstützen.

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Mitarbeiter der Wasserressourcenbehörde bei einem von der GIZ organisierten Training zu Flussmessstationen

Herausforderungen in Sambia

Neben den in Deutschland getroffenen politischen Entscheidungen spürt Peter Kammerer unmittelbar, was es heißt, vor Ort Entwicklungsarbeit zu leisten: Seit Juni 2019 kommt es täglich zu 16 Stunden Stromausfall – auch im GIZ-Büro in Lusaka. Grund dafür ist die letzte Regenzeit, die für sambische Verhältnisse extrem schlecht war und dazu führte, dass die für den Großteil der Stromversorgung verantwortlichen Wasserkraftwerke 16 Stunden am Tag stillstehen – bis zur nächsten Regenzeit im Winter, wenn es hoffentlich wieder mehr regnet. Peter Kammerer sieht es gelassen. Hohe Stress- und Frustrationstoleranz, Optimismus und eine gewisse Entspanntheit gehören in seinem Beruf einfach dazu. Viel größere Sorgen als die technischen Schwierigkeiten bereiten ihm die Lebensbedingungen für die Kleinbauern, die durch die geringen Regenfälle und die dadurch entstandene Dürre von riesigen Ernteausfällen betroffen sind – gerade weil Klein- bzw. Subsistenzbauern 75 % der Bevölkerung des Staates im südlichen Afrika ausmachen. Darum sind 2019/2020 ca. 2,3 Millionen Menschen von Hunger bedroht oder hungerten gar bereits. Peter Kammerer sieht in der Dürre einen ganz klaren Trend dahingehend, dass das Klima sich wandelt und die Regenfälle auch in Zukunft schwächer werden. „Es ist kein einmaliges Wetter-Phänomen: vor fünf Jahren (2015/16) hatte Sambia dasselbe Problem“, berichtet er. Eine der Hauptwasserquellen des Landes ist der „Kafue“-Fluss, gleichzeitig auch der größte Fluss Sambias, von welchem neben zwei wichtigen Wasserwerken auch der Wasserversorger der Hauptstadt, „Lusaka Water and Sanitation Company“, und damit auch die Wasserversorgung von ca. 4 Millionen Menschen abhängt. Umso wichtiger ist es darum, an einer gerechten Verteilung der Wasserressourcen zu arbeiten. Darum liegt die Hauptaufgabe des Wasserressourcenmanagements darin, die Interessen der unterschiedlichen Akteure auszutarieren. Das bedeutet für Peter Kammerer und sein Team nicht nur eine große Herausforderung, sondern gleichzeitig ein hohes Verantwortungsbewusstsein für die Unterstützung der sambischen Regierung. Neben dem sambischen Wasserministerium und der Wasserressourcenbehörde arbeiten sie insbesondere auch mit Kleinbauern zusammen und unterstützen diese z.B. bei der Wasserspeicherung durch Regenauffangbecken.

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Sambischer Staatssekretär, Deutscher Botschafter und EU Botschafter eröffnen eine von der GIZ unterstützte Demonstrationsanlage für Wasserspeicherung und effiziente Bewässerung

„Ein Gefühl und Gespür für die jeweils andere Seite“

Als Programmleiter ist Peter Kammerer in erster Linie für das Management verantwortlich. Neben dem Organisieren von Prozessen gilt es, das Team zu führen. Für ebenfalls sehr wichtig hält er die Fähigkeit, den gesamten Sektor aus der Vogelperspektive betrachten zu können. All das bringt er durch sein eher generalistisches Bachelorstudium der Sozialwissenschaften mit den Hauptfächern Politikwissenschaften und Soziologie sowie dem Nebenfach Volkswirtschaftslehre mit. „Vor allem die VWL-Anteile und das Politikwissenschaftliche haben mir sehr geholfen“, sagt der Alumnus rückblickend. Bei seiner Tätigkeit kommt es aber nicht nur auf Management-Fähigkeiten an, sondern auch darauf, „ein Gefühl und Gespür für die jeweils andere Seite zu haben“, denn „im sambischen Wasserministerium ist es wichtig, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen“, wie er betont. Peter Kammerer weiß wovon er spricht. Vor seiner aktuellen Tätigkeit in Sambia verbrachte er bereits zwei Jahre in Vietnam als Projektleiter im Bereich Windenergie. „Die Zeit in Vietnam war total spannend und ganz anders als in Sambia“, denn Vietnamesen und Deutsche sind seiner Einschätzung tendenziell kulturell eher weiter voneinander entfernt, als Sambier und Deutsche. Auch „durch die Sprachbarrieren war es schwieriger, die andere Seite gut kennenzulernen“, berichtet er. In Sambia ist die Amtssprache Englisch. Es fiel dem GIZ-Entsandten daher leichter, Kultur und Kontext zu verstehen.

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Peter Kammerer in einem Meeting zum Windenergie-Einspeisetarif in Hanoi, Vietnam

Durch vielfältige Erfahrungen zum Traumberuf

Dass er einmal in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sein würde, war ihm zu Beginn des Bachelorstudiums nicht klar. Vielmehr entwickelte sich sein Wunsch, in diesem Bereich Fuß zu fassen, im Laufe seines Studiums an der Universität Siegen. Um seinem Ziel näher zu kommen und verschiedene Tätigkeitsbereiche kennenzulernen, sammelte Peter Kammerer während und nach seinem Siegener Bachelorstudium vielfältige Erfahrungen durch unterschiedliche Praktika, auch international: bei einem kleinen ThinkTank in Südafrika, bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der unabhängigen Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ und bei der „Internationalen Arbeitsorganisation“ (International Labour Office) der Vereinten Nationen in Genf. Während des Praktikums bei der UN stellte er allerdings schnell fest, dass die Arbeit der UN für ihn persönlich zu politisch ist und „die Mühlen dort sehr langsam mahlen“. „In dem Moment war für mich eigentlich klar, dass ich keine UN-Karriere verfolgen möchte“, wie er sich erinnert.

Seinem Wunsch, später in der Entwicklungszusammenarbeit tätig zu sein, tat das jedoch keinen Abbruch. Schon als Studierender beschäftigte er sich mit der Frage nach den Treibern von Entwicklung bzw. eines Landes oder Sektors und der Frage danach, was die Gesellschaft zusammenhält – das heißt: Fragen, die sowohl den wirtschaftlichen, politischen, soziologischen und anthropologischen Aspekt als auch die politischen Rahmenbedingungen, die Gesetzeslage, aber auch die Interessenlage von bestimmten Ländern betreffen. Um diese Themen weiter zu vertiefen, absolvierte er zusätzlich ein Masterstudium der „International Relations“, und zwar an keiner geringeren als der „London School of Economics and Political Science“ (LSE).

Peter Kammerer wusste bereits während des Bachelors, dass er für den Master gerne ins Ausland möchte. Den ,Sprung´ an die Londoner Elite-Universität erklärt er damit, dass alles ganz gut zusammenpasste, das heißt das Studium und seine vor dem Master gesammelten Praxiserfahrungen. Außerdem motivierte er sich bewusst dazu, seine Bachelorarbeit, die er bei Professor Dr. Jürgen Bellers schrieb, auf Englisch zu verfassen, um einerseits die Wissenschaftssprache Englisch besser kennenzulernen und andererseits für das Bewerbungsverfahren an einer ausländischen Universität bessere Chancen zu haben. Damit war er unter seinen Kommilitonen der Einzige.

An die ersten 2-3 Monate seines Masterstudiums in London erinnert er sich noch gut: „Das Studium war relativ krass, ehrlich gesagt“. Ganz zu Anfang hatte er Anpassungsschwierigkeiten, denn: das Niveau an der LSE ist sehr hoch, und da viele seiner Kommilitonen dort Englisch-Muttersprachler waren, wurde zum Beispiel in Seminaren auf einem anderen Level diskutiert. Auch das Arbeitspensum war deutlich höher als in Siegen. Da das Programm nur 14 Monate dauerte, blieb nur wenig Zeit das Gelernte zu ,verdauen´. Dennoch hat er seine damalige Entscheidung bis heute nicht bereut: „Ich würde es auf jeden Fall wieder machen und es jedem empfehlen. Für mich war es eine riesen Erfahrung, und ich würde heute nicht hier stehen, wenn ich die Erfahrung nicht gemacht hätte“.

Insgesamt ist der Alumnus mit seinem beruflichen Werdegang sehr glücklich, zumal er sein persönliches Karriereziel schon erreicht hat. Vielmehr als eine bestimmte Karrierestufe zu erklimmen ist es sein Ziel, dass ihm sein Beruf Spaß macht. Auch wenn er in seiner Managementposition natürlich auch mal harte Entscheidungen treffen muss, blickt er auf seine bisherige berufliche Laufbahn glücklich zurück: „Bisher habe ich das Ziel, dass mir mein Job Spaß macht, voll und ganz erreicht. Und ich hoffe natürlich stark, dass es so weitergeht“.

Globale Herausforderungen: Nachhaltige Entwicklung, Armutsbekämpfung und Klimapolitik

Die Entwicklungszusammenarbeit steht aktuell im Zeichen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Das Abkommen, das 2015 von allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, schafft die Grundlage dafür, weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten. Nachhaltige Entwicklung, Armutsbekämpfung und Klimapolitik sind untrennbar miteinander verwoben. Die globalen Herausforderungen lassen sich jedoch nur gemeinsam lösen, und zwar, wenn Entwicklungsländer, Schwellenländer und Industriestaaten alle ihren Beitrag leisten. Auch Peter Kammerer spielt als Vermittler eine wichtige Rolle zur Erreichung dieser Ziele: Denn auch wenn der Weg hin zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt nur Schritt für Schritt bewältigt werden kann, ist Peter Kammerers leidenschaftliches und verantwortungsvolles Engagement vor Ort in Sambia einfach unerlässlich.


Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Peter Kammerer und wurde von Bettina Stephan verfasst.