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Agron Kurtishi

Agron Kurtishi

Agron Kurtishi ist in Mazedonien geboren und albanischer Herkunft, heute lebt und arbeitet er in seinem Heimatland als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der South East European University. Sein Studium als Diplom- Medienwirt hat er an der Universität Siegen absolviert. Insgesamt hat er sieben Jahre in Deutschland gelebt, sein Studium und der Aufenthalt in Deutschland haben ihn sehr geprägt. In seinem beruflichen Alltag hat er viele Aufgaben zu bewältigen, die durchaus über den üblichen Aufgabenbereich eines wissenschaftlichen Mitarbeiters hinausgehen. Gerade durch die Verinnerlichung deutscher Tugenden wie z.B. Pünktlichkeit und Genauigkeit, schafft Kurtishi es seinen kompakten Arbeitsplan täglich zu bewältigen. Von einigen Arbeitskollegen und Freunden wird er scherzhaft als „der Deutsche“ bezeichnet. Auch der Erwerb der deutschen Sprache und das Eintauchen in eine neue, fremde und spannende Kultur haben sein Leben bereichert. Die in Deutschland aufgebauten Kontakte haben immer noch Bestand und führen ihn hin und wieder an die Siegener Universität zurück, um dort z.B. an Workshops zu dem Thema „Interkulturelle Kommunikation“ teilzunehmen und von seinen eigenen Erfahrungen mit diesem Thema zu berichten.

Sie haben sieben Jahre lang in Siegen gelebt und an der Universität Siegen Ihr Diplom als Medienwirt absolviert. Wie sind Sie von Mazedonien nach Deutschland gekommen?

Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht in Mazedonien studieren wollte. Es gibt dort viel Korruption, auch an Universitäten. Ich hatte die Möglichkeit, mich zwischen einem Studium in den USA und Deutschland zu entscheiden. Weil ein Studium in den USA sehr teuer ist und meine Eltern auch in Deutschland leben, habe ich mich schließlich entschieden in Deutschland zu studieren.

Heute leben und arbeiten Sie in Ihrem Heimatland als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der South East European University. Skizzieren Sie uns kurz Ihr berufliches Aufgabenfeld.

Obwohl ich eigentlich ´nur´ Wissenschaftlicher Mitarbeiter bin, muss ich wegen meiner Kompetenzen im Medienbereich sehr viele Aufgaben erledigen: Ich schlage dem Dekan Veranstaltungsthemen vor, übersetze Skripte und halte Lehrveranstaltungen in denen ich Klausuren stelle, die korrigiert werden müssen. Alles in allem ist das eine Menge Arbeit, verbunden mit viel Stress.

Was hat Ihnen das Studium in Siegen für Ihre aktuelle berufliche Tätigkeit gebracht?

Die Inhalte meines Studiums sind sehr eng mit den Inhalten meiner jetzigen beruflichen Tätigkeit verbunden. Deshalb würde ich auch sagen, dass mich das Studium in Siegen weitergebracht hat, ich bin froh in Deutschland studiert zu haben. Meinen Entschluss nach dem dritten Semester vom Fach AES (Außerschulisches Erziehungswesen/Sozialpädagogik) zu Medien Planung- Entwicklung und Beratung gewechselt zu haben, bereue ich überhaupt nicht, es war die richtige Entscheidung.

Welche kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Mazedonien haben Sie festgestellt?

Obwohl Mazedonien ein europäisches Land ist, gibt es trotzdem einige kulturelle Unterschiede zu Deutschland. Die Menschen in Mazedonien sind geselliger und hilfsbereiter, immer offen und ansprechbar. Ich denke, dass in Deutschland etwas mehr für das Zusammenleben getan werden sollte. Es gibt sehr viele Menschen, die einsam und zurückhaltend sind. In Mazedonien hat Verwandtschaft einen viel höheren Stellenwert, regelmäßige Besuche, nicht nur an Feiertagen sind üblich. Insgesamt ist das Familienleben intensiver. Kinder wohnen wesentlich länger bei ihren Eltern, nicht nur bis zum 18. Lebensjahr. Das hat natürlich auch finanzielle Gründe. Trotzdem lernen die Menschen dadurch, verständnisvoller und kommunikativer mit Situationen umzugehen.

Haben Sie während Ihres Aufenthaltes in Deutschland etwas vermisst? – Gibt es etwas Deutsches, was Sie übernommen haben und in Ihren heutigen Alltag in Ihrem Heimatland integriert haben?

Ich habe vor allem meine Familie und meine Freunde vermisst. Auch das typisch mazedonische Essen und meine Heimatstadt. Nach all der Zeit habe ich schon einige Verhaltensweisen aus Deutschland übernommenen, ganz spontan fällt mir da vor allem die Pünktlichkeit ein. Man geht in Deutschland auch anders mit Arbeit um, sie wird viel höher geschätzt. In den ehemals kommunistischen Ländern war es üblich nicht übermäßig viel zu arbeiten und oftmals wurde die Arbeit auch nicht sehr ernst genommen. Ich nehme meine Arbeit sehr ernst, dafür habe ich hier in meiner Heimat den Spitznamen ´der Deutsche´.

Haben Sie den Eindruck, sich durch den Aufenthalt in Deutschland verändert zu haben? (Verhalten, Sichtweisen)

Ja, ich denke schon. Während meines Studiums habe ich gelernt, den Sachen auf den Grund zu gehen. Oft werde ich auch wegen meines hohen Anspruchs angesprochen, den ich an mich selber stelle, vor allem bei meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni.

Wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen im Zuge der zunehmenden Globalisierung?

Die Globalisierung an sich ist vielleicht interessant, aber mir gefällt nicht, wie sie gerade in wirtschaftlichen Bereichen manipuliert wird. Eigentlich sollten doch die ärmeren Länder von der Globalisierung profitieren und eine Chance zur wirtschaftlichen Entwicklung und Integration auf dem Weltmarkt bekommen. Momentan sieht es allerdings so aus, dass die reichen Länder durch die Globalisierung noch reicher werden und die armen noch ärmer. Ich persönlich kann das nicht akzeptieren.

Was die Kultur betrifft, bin ich der Meinung, dass jede Kultur, egal wie klein oder groß sie ist, etwas Besonderes ist. Zudem glaube ich, dass es in jeder Kultur etwas Einzigartiges und Interessantes gibt, was vor allem für die Interkulturelle Kommunikation von Bedeutung sein kann. Es kann nicht einfach so eine alte und traditionelle Kultur durch eine neue große Kultur ersetzt werden, nur weil sie Kraft besitzt. Gerade die kulturellen Unterschiede machen interkulturelle Kommunikation interessant und anziehend.

Seit Dezember 2005 hat Mazedonien den offiziellen Status eines EU-Beitrittskandidaten. Wie beurteilen Sie die Chance Ihres Heimatlandes der EU beitreten zu können? – Wie ist Ihre persönliche Meinung zu der Thematik?

Zu diesem Thema habe ich keine optimistische Meinung. Nach meinem Aufenthalt in Deutschland, konnte ich die Unterschiede zu der vorherigen Situation sehr gut sehen. Das größte Problem Mazedoniens ist die ethnische Vielfalt, zwischen Mazedoniern und Albanern gibt es sehr viele Konflikte. Im Jahr 2001 führte das zu einem Krieg, der durch das Ohrider Abkommen beendet wurde. Dieses sprach den Albanern mehr Rechte zu, jedoch werden diese Rechte von der mazedonischen Regierung durch Gesetzesänderungen fortlaufend eingeschränkt, so dass die Albaner heute weniger Rechte haben, als vor dem Zustandekommen des Abkommens. Die Politik führt meines Erachtens nach Mazedonien nicht näher an die EU heran. Die Politiker Mazedoniens verlassen sich zu sehr darauf, dass Mazedonien eines Tages in die EU aufgenommen wird. Es gibt also noch viele Aufgaben zu erfüllen, leider geht dies nur sehr langsam von statten.

Seit langem gibt es einen Namensstreit um den Staatsnamen Ihres Heimatlandes zwischen der griechischen und der mazedonischen Regierung. Wie stehen Sie dazu?

Ich denke dass Mazedonien, so wie es seit den 50-er Jahren existiert, kein Recht dazu hat, den Staatsnamen für sich zu beanspruchen. Ich kann den Einspruch von Seiten der griechischen Regierung nachvollziehen. Ein gleichnamiges Gebiet in Griechenland kann auf eine viel längere Geschichte verweisen als das aktuelle Land Mazedonien und das dort lebende mazedonische Volk. Derzeit ist Mazedonien als F.Y.R.O.M anerkannt, was heißt, dass es eine Teilrepublik Jugoslawiens ist. Da aber Jugoslawien eigentlich gar nicht mehr existiert, bin ich der Meinung, dass Griechenland im Recht ist, wenn es möchte, dass Mazedonien seinen Namen ändert.

Die Geschlechterfrage: Wie beurteilen Sie als Mann die Gleichstellung von Mann und Frau in Deutschland und Mazedonien – im Vergleich?

In dieser Hinsicht ist Mazedonien sehr europäisch. Jedoch gibt es einige Unterschiede im Vergleich zu Deutschland, die man vor allem in ländlichen Regionen beobachten kann. Der Mann gilt sozusagen als der ´Beschützer´ der Familie, er hat die Macht, was er entscheidet gilt, sein Wort ist das letzte Wort. Viele junge Männer haben diese Einstellung von ihren Vätern und Großvätern vermittelt bekommen, in kleinen Dörfern ist das völlig normal.
Allerdings kann man auch ein gegenteiliges Phänomen beobachten, nämlich dann wenn ländliche Familien in Großstädte umsiedeln. Ganz plötzlich ändert sich dann die Rolle des Mannes und er bringt seiner Frau viel mehr Respekt entgegen. Bevor Entscheidungen getroffen werden, berät er sich dann erst einmal mit seiner Frau. Wenn eine Frau aus der Stadt einen Mann aus dem Dorf heiratet, wird sie von der Familie ganz anders behandelt. Von vorneherein bringt man ihr viel mehr Respekt entgegen.

Haben Sie noch Kontakte nach Deutschland?

Ja, ich habe noch sehr viele Freunde in Deutschland und wir telefonieren regelmäßig miteinander und schreiben uns E-mails. Nachdem ich 2003 Deutschland verlassen habe, war ich noch dreimal in Siegen und habe meine alten Freunde besucht. Ich denke, dass Deutschland ein Kapitel meines Lebens ist und ich hoffe, ich werde immer eine Verbindung zu Deutschland haben.