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Dr. Ingeborg Längsfeld

Das Leben ist ein Theater, in dem wir alle unsere Rollen spielen

Mit großer Hingabe widmet Ingeborg Längsfelds ihre Zeit und Aufmerksamkeit zwei Schwestern, den Schriftstellerinnen Katharina Diez und Elisabeth Grube. Ihre im 19. Jhd. entstandenen Märchen und Romane werden durch Ingeborg Längsfeld neueditiert und in Form von Lesungen und Theaterstücken in die heutige Zeit getragen. Kennengelernt hat sie die Schwerstern durch ihr Promotionsstudium an der Universität Siegen. Ihren (beruflichen) Lebensweg prägen zwei verschiedene Richtungen, zum einen das „verkopfte“ Studium und die Lehrtätigkeit, zum anderen das Künstlerische und Freie. Welcher Perspektive Dr. Ingeborg Längsfeld wohl eher entsprechen mag?

Szene 1: Eine Lehramtsstudentin, die keine Lehrerin sein wollte

Es ist das Jahr 1978. Ingeborg Längsfeld, eine junge Lehramtsstudentin studiert Philosophie, Germanistik und Geschichte an der Uni Tübingen. Schon während des Studiums wird ihr allerdings klar, dass ihr Weg sie nicht sofort in die Klassenzimmer öffentlicher Schulen führen würde. So begann Ingeborg Längsfeld nach ihrem zweiten Staatsexamen ein Eurythmie-Studium in Nürnberg. Auch wenn sie bereits nach einem halben Jahr durch fehlende finanzielle Mittel gezwungen war, das Studium zu beenden, so hielt Ingeborg Längsfeld doch an der neu entdeckten Leidenschaft für das Tanzen fest. „Für mich war das eine völlig neue Lebenserfahrung, die mich erst einmal zu mir selbst brachte und mir eine ganz andere Denk- und Erlebnisweise eröffnete, als ich sie vom Studium her kannte. Eine Erlebnisweise, die die Sinnlichkeit sowie die Wahrnehmung von Umwelt, Natur und Mitmenschen sehr stark ins Leben aufnimmt.“

Szene 2: Von der Eurythmie zur Waldorfpädagogin

Nach dem Abbruch des Eurythmie-Studiums, zog Ingeborg Längsfeld nach Stuttgart, wo sie eine Ausbildung zur Waldorflehrerin machte. Was sie hieran besonders begeisterte, waren die vielen praktischen Lehrfächer wie Töpfern und Handwerken, aber natürlich auch die Bewegungskunst, die sie so liebte: Die Eurythmie. In Siegen wurde gerade erst eine Waldorfschule gegründet, in der Ingeborg Längsfeld just anfing, zu unterrichten. Zur gleichen Zeit begann Ingeborg Längsfeld eine journalistische Tätigkeit bei der Siegener Zeitung.

Szene 3: Wissenschaft und Märchen mit Detektivarbeit

Durch ihre journalistische Arbeit entdeckte Ingeborg Längsfeld ihr Interesse an vertiefter Recherche und Detektivarbeit. Dies führte sie schließlich an die Uni Siegen, um sich mit wissenschaftlichen Studien zu beschäftigen, die sie das erste Mal mit den berühmten Schwestern Elisabeth Grube und Katharina Diez in Kontakt brachten. [Berühmt? Kenn ich die beiden? Fragt sich der Leser jetzt]. Tatsächlich waren die beiden Dichterinnen aus Netphen, einem kleinen Ort nahe der Unistadt, zu ihrer Zeit sehr berühmte Frauen, die sogar mit der Fürstin Stefanie von Hohenzollern und dem Preußischen Königshaus eng befreundet waren. Um an die – teilweise in Tresoren aufbewahrten - literarischen Werke der Schwestern zu kommen, musste man damals zu Zeiten ihrer Recherche - je nach Aufbewahrungsort - eine Versicherung von 100.000 D-Mark abschließen, so z.B. für die in der Staatsbibliothek preußischer Kulturbesitz in Berlin aufbewahrten „Frühlingsmärchen“. Von da an beschäftigte Ingeborg Längsfeld die Frage, wieso ihre märchenhaften und romantischen Werke so wertvoll und dennoch so unbekannt sind. In ihrer Dissertation, betreut von Prof. Dr. Peter Seibert an der Universität Siegen, begründet sie den Ruhm der Siegerländer Schriftstellerin Katharina Diez als „Pionierin der Kinder- und Jugendliteratur“ im 19. Jh. Ihre Recherche und Grundlagenarbeit glich einer wahren Detektivarbeit. Ingeborg Längsfeld studierte originale Handschriften, Briefe und Bilder der Schwestern, die sie zunächst aus den Archiven anderer Bibliotheken bestellen musste. „Diese Zeit war unglaublich spannend und toll. Immer, wenn ich an meinen Uni-Briefkasten ging und Post (Antwort) im Fach lag, war das für mich wie eine Weihnachtsbescherung.“

Szene 4: Schwestern im Geiste

Die Dissertation war 2003 abgeschlossen, und seitdem beschäftigte sich Ingeborg Längsfeld weiter mit den Schwestern Katharina Diez und Elisabeth Grube. Damals wurde eine Leidenschaft für ihre Literatur entfesselt, die Ingeborg Längsfeld bis heute mit großer Hingabe dazu bewegt, die Geschichten der Schwestern am Leben zu halten. „Die Schwestern sind wirklich fortschrittliche Frauen in ihrer Zeit gewesen“, erklärt Ingeborg. „Sie waren sehr direkt und unverblümt“. Ihre Werke spiegeln einen Widerstand gegen die alten Rollenvorstellung und damit ein Stück Gesellschaftskritik wider, was Ingeborg Längsfeld besonders gut gefällt. Und auch mit den Figuren, die oft verkappte Künstlerinnen darstellen, kann sich Ingeborg Längsfeld selbst gut identifizieren. Sozusagen Schwestern im Geiste. „Ich finde mich vor allem in den Erzählungen wieder, wo es um die starke Wahrnehmung der Natur geht und das Wahrnehmen der inneren Impulse.“ Ich habe Katharina Diez selbst auch einmal in einem Theaterstück gespielt, woraufhin mir eine gewisse Ähnlichkeit mit ihr nachgesagt wurde.

Szene 5: Vom Kopf zum Herzen - die Künstlerin

Nach ihrem eher „verkopften“ Studium, vor allem im Bereich der Philosophie, verband Ingeborg Längsfeld mit den Diez-Schwestern ihre künstlerisch-kreative Seite. „Ich schmiede sehr gerne Ideen beim Frühstück. Das ist für mich eine heilige Zeit“, erzählt Längsfeld schmunzelnd. Ihre künstlerische Ader geht über die Literatur hinaus und sie beginnt in ihrer Freizeit das Malen.

Szene 6: Gegenwart

Die Bücher der Diez Schwestern befinden sich weiterhin sicher aufbewahrt in Tresoren von Archiven und Bibliotheken. Ohne Genehmigung kann man die wertvollen Bände nicht ausleihen, zu kaufen sind diese erst recht nicht. Zum Glück ist es jedoch Ingeborg Längsfeld, die die Werke neu editiert und zusammen mit dem Kulturforum Netphen, dessen Vorsitz sie innehat, herausgibt. Ihre aktuelle Neuedition ist der 1867 von Katharina Diez geschriebene Roman „Editha“, zwei Bände mit insgesamt 600 Seiten. Auch wenn die Bücher mittlerweile über 100 Jahre alt sind, so fesseln die Geschichten, in denen es um Liebe und Dreiecksbeziehungen geht, auch heute noch.

Mit ihrer Arbeit der Neuveröffentlichung kann Ingeborg Längsfeld „keine Brötchen verdienen“, hiermit folgt sie allein ihrer Leidenschaft. Nebenbei unterrichtet sie, inzwischen mit reduzierter Stundenzahl, Philosophie am Berufskolleg Technik in Siegen. Im Rahmen des Kulturforums finden jedoch immer wieder Lesungen zu den Werken statt Und auch Theaterstücke zu den Märchen der Dichterinnen veranstaltet sie. Hierzu hat Ingeborg Längsfeld eigens initiiert, dass der verwilderte Katharina-Diez-Platz in Netphen - den es tatsächlich gibt und immer schon gab - freigeräumt wird und dort eine Kleinkunstbühne entstehen konnte.

 

The End

Ihr beruflicher Weg war vielleicht nicht immer geradlinig und vorgefertigt, aber am Ende führten die verschiedenen Pfade Ingeborg Längsfeld nach Siegen und damit zu den Diez-Schwestern, wo sie beruflich so wie menschlich angekommen ist. Hier findet sie sich wieder. Eben wie in einem Theaterstück eines Märchens mit Happy End.


Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Ingeborg Längsfeld und wurde von Janice Gust verfasst.