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Mara Mendes

Korruption – warum ist es wichtig, dem Rad in die Speichen zu fallen?

Mara Mendes ist seit 2011 Communication Officer bei Transparency International (TI) in Berlin und engagiert sich für Korruptionsbekämpfung, Aufklärung und Korruptionsprävention. Die Projektmanagerin studierte Social Science mit dem Schwerpunkt Media Studies und bringt nun ihr Wissen ein, um TI bei ihrem allumfassenden Mammut-Vorhaben zu unterstützen : der strukturellen Veränderung.

Auf dem Weg zur Nichtregierungsorganisation

Wie kommt eine junge Frau dazu, sich mit unangenehmen Themen, wie Korruption und Missständen auf betriebs- und volkswirtschaftlicher Ebene in Ländern aus aller Welt zu beschäftigen? Die Antwort kommt prompt! Mara Mendes studierte an der Universität Siegen den Bachelorstudiengang Social Science mit dem Schwerpunkt Media Studies und beschäftigte sich in diesem Rahmen mit politischen und sozialen Fragen. Mendes wusste bereits während des Studiums, dass sie Öffentlichkeits- und Kommunikationsarbeit interessiert. Für die Alumna war klar, dass sie in Zukunft für eine Organisation bzw. für ein Konzept arbeiten möchte, hinter dem sie steht. Ab dem vierten Semester brachte sich Mara Mendes als studentische Hilfskraft beim Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik und Neue Medien ein und konnte an einem RWE-Projekt mitwirken, das Krisenkommunikation behandelte. Dieses Projekt ermöglichte ihr einen Blick auf ein zukünftiges Arbeitsfeld und verknüpfte Perspektive und die Studieninhalte. Im Studium Erlerntes konnte sie im Projektverlauf anwenden. Durch andere Projekte lernte sie die Nutzung von Technologien in der Entwicklungszusammenarbeit kennen. Projekte, die informieren und gleichzeitig aufklären, wie beispielsweise die Satellitennutzung mit dem Ziel der Geodatenanalyse, um festzustellen, ob Wälder illegal abgeholzt werden, fand sie sehr spannend. Die Hilfskraftstelle wurde zur Basis für den späteren Berufseinstieg bei der Nichtregierungsorganisation Transparency International.

Multikulturell spannend

Nach dem Bachelorabschluss konnte Mendes für ein Jahr in die Nichtregierungsorganisation TI hineinschnuppern. Das Arbeiten, die Atmosphäre waren und sind für Mendes auch heute noch etwas Besonderes, da sich verschiedene Kulturen und Sprachen am Arbeitsplatz zusammenfinden und gemeinsam agieren. „Ein multikulturelles Arbeitsumfeld ist eine Herausforderung“, stellt Mendes fest. „Es arbeitet nicht jeder, wie man das von einem deutschen Kollegen erwarten würde. Das Verständnis dafür und die Sensitivität lernt man am Arbeitsplatz“, erklärt die heutige Projektmanagerin. Nun erhielt Mendes über den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) ein Auslandsstipendium an der „London School of Economics and Political Studies (LSE)” in Großbritannien. In ihrem Studiengang traf sie zu 90% ausländische Studenten an und umgab sich weiter im multikulturellen Ambiente, genoß die Internationalität. Sie selbst ist Halbportugiesin und hat das multikulturelle Leben bereits in die Wiege gelegt bekommen.

Kampagnen, die jeden ansprechen

Seit März 2013 kreiert Mara Mendes in einem anderen Team globale Kampagnen die dann weltweit Menschen erreichen sollen. Advocacy, Pflege der Policy von TI, Lobbyarbeit, und die Erstellung von Statements, die von TI herausgeben werden, gehören auch zu Mendes Arbeitsalltag.

Mendes

Wie gestaltet sich nun die Entwicklung globaler Kampagnen? Jede Kampagne ist im Prinzip ein Projekt, an dem Mendes, zusammen mit vielen Kollegen, arbeitet. Von der Kernaussage der Kampagne bis hin zur Hintergrundarbeit wie Finanzverwaltung, Beratung von Partnern in anderen Ländern und Projektreporten will alles gemanaged werden. Da die Kampagnen global ausgerichtet sind, sind die Inhalte oder Kernaussagen allerdings nicht in allen Ländern gleichwertig angemessen oder relevant. Die Kampagnen werden also national und regional implementiert. Experten der entsprechenden Partner vor Ort richten die Kampagne aus und passen sie an die national herrschenden Medien und Zielgruppen an. Mendes kommentiert dazu: „In Kambodscha ist das Radio ein besseres Medium als das Fernsehen. Solche Feinheiten prägen die Arbeit von TI, die internationale Zusammenarbeit, die „immer wieder überraschend ist, Man muss sich immer wieder anpassen, deswegen hat jeder Verständnis dafür, dass jeder ein bisschen anders tickt.“ Bei TI ist die Geschäftssprache vor diesem Hintergrund Englisch, die über hundert Partner sind auf der ganzen Welt verteilt. Natürlich hat Mara Mendes auch mit Partnern zu tun, die sich in der globalen Geschäftssprache nicht gut verständigen können, sodass man dann einen Weg finden muss, um die Kommunikation erfolgreich zu gestalten. „Es fühlen sich alle besser, wenn sie in einer Sprache kommunizieren, in der sie sich sicher fühlen“, merkt Mendes an. Die junge Alumna ist nicht nur bilingual, sondern multilingual - spricht Spanisch, Französisch, Deutsch, Englisch und Portugiesisch. Ihre Mehrsprachigkeit hilft ihr im Büro, auf Konferenzen und Geschäftsreisen. Im Beruf hat sie festgestellt, dass viele Sprachen zu sprechen zwar hilfreich aber nicht unbedingt essentiell sein muss. „Inhaltlich gut sein ist immer noch mehr wert, als möglichst viele Sprachen zu sprechen. Experte sein auf einem Gebiet gleicht dann die fehlenden Sprachkenntnisse wieder aus. Man braucht gewisse Ansatzpunkte, die einen roten Faden darstellen“ so Mendes.

Es ist viel im Argen....

Sie arbeitet „gerne in der Beratung, die am besten systematische Veränderung bringen soll, im politischen Sinne.“ Wenn man im internationalen Sekretariat arbeitet wie Mendes, sieht man die Erfolge der eigenen Arbeit manchmal nur indirekt. Die Partner vor Ort begeben sich in ihren regionalen Bereichen tatsächlich im Namen ihrer Arbeit in Gefahr und nehmen dieses Risiko auch auf sich. Dieser Faktor spornt Mendes an noch härter zu arbeiten, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen, ihnen ihre ‚Arbeit zu erleichtern. „Im Sekretariat versuchen wir den Kollegen beispielsweise durch unsere Recherche oder gute Kommunikation den Rücken frei zu halten, ihnen zu zuarbeiten, weil sie nicht die finanziellen Mittel für mehr Personal haben. Wir gehen jeden Tag in unser Büro in Berlin, das sehr sicher ist und wir werden nicht attackiert oder aus fadenscheinigen Gründen vor ein Gericht geladen um uns bei der Arbeit zu behindern. Man fühlt sich verpflichtet die Partner in anderen Ländern zu unterstützen. Es geht um so viel Geld und um so viel Macht. Auch wenn es uns in Deutschland vielleicht oft so vorkommen mag als sein Korruption ein Problem das uns nicht betrifft, so gibt es doch auch hier viele Baustellen. Zum Beispiel gab es bis Frühjahr 2014 noch keine Regelung die die Abgeordnetenbestechung in Deutschland den internationalen Anforderungen entsprechend regelt. Ab 1. September diesen Jahres erfüllt nun auch Deutschland die Anforderungen der UN Konvention gegen Korruption,“ klärt Mendes auf.

Mit gekonnter Provokation gegen Korruption

Mendes

Aufklärungsarbeit vor Ort findet in advocacy and legal advice centres statt. In diesen Centern kann man Korruption melden und sich legal beraten lassen. Manche Fälle werden an die zuständigen Behörden weitergeleitet, sodass Missstände aufgedeckt werden. In Griechenland hat im September 2013 ein solches Center aufgemacht und die nationale Kampagne direkt mit der Öffnung verknüpft, welche ihre Wirkung dadurch zeigte, dass der Ansturm an Anrufen direkt in der ersten Woche nach Eröffnung des griechischen Centers kaum bewältigt werden konnte. In solchen Momenten lebt Mara Mendes auf, weil sie bestätigt bekommt, dass ihre Arbeit in den Kampagnen, die sie von Deutschland aus macht, auch Menschen in anderen Ländern erreicht und die Bürger gegen Korruption vorgehen wollen und einfach einen Impuls und eine Anlaufstelle brauchen, um sich zu äußern. Solche Erfolgserlebnisse zeigen, dass die Kampagnen vor allem in Eurokrisenländern wie Griechenland oder Portugal wichtig sind, um aufzuklären und auch um Hoffnung in den Bürgern zu regen. Die Verbindung von Kampagnen und Centern erweist sich als eine der wichtigsten Instrumente der Korruptionsbekämpfung. „Ohne die Kampagne wüssten die Leute gar nicht, was sie gegen Korruption überhaupt machen können“ so Mendes. Ziel der Kampagne: „Man soll wach werden, sich aufregen und handeln, damit Druck auf die Regierung ausgeübt wird und was passiert.“ Dieser Ansatz ist provokativ, aber wirksam.

Vor allem hält Mara Mendes immer nach Neuerungen in der Korruptionsbekämpfung Ausschau. Die politische Ebene ist ihr Bereich, sie organisiert die Advocacy und Öffentlichkeitsarbeit, damit Bürger auf der ganzen Welt aufgeklärt werden, sich beraten lassen und sich wehren können. Es lohnt sich, dem Rad in die Speichen zu fallen!

Das Porträt basiert auf einem Interview mit Mara Mendes und wurde von Friederike Breuer verfasst.