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Neelakshi C. Premawardhena

Neelakshi C. Premawardhena

Dr. Neelakshi C. Premawardhena ist gebürtige Singhalesin, heute lebt und arbeitet sie in ihrem Heimatland als Leiterin des Germanistik Instituts in Colombo. Neelakshi schrieb ihre Dissertation über das Thema: „Die Referenz-Indizes im Deutschen und Singhalesischen“. Die Faszination der Besonderheiten der deutschen und der singhalesischen Sprache im Vergleich halfen ihr dabei in die deutsche Kultur einzutauchen. Zudem hat Neelakshi in mehreren deutschen Städten gelebt, da sie an mehreren Universitäten als Gastdozentin oder Gasthörerin tätig war.
Das Studium in Deutschland hat ausschlaggebend dazu beigetragen, dass sie als Leiterin des Germanistik Instituts tätig sein kann. Mit ihrem Erfahrungsreichtum, dem Eintauchen in eine fremde, spannende und interessante Kultur hat sich ihr kultureller und geistiger Horizont erheblich erweitert. Neelakshi kommt immer wieder gerne nach Deutschland, um sich in verschiedenen Bereichen weiterzubilden oder selber zu dozieren.

Was hat Sie zu dem Entschluss bewogen, ausgerechnet in Siegen zu promovieren? Können Sie uns in kurzen Worten Ihr Thema vorstellen. (Bei wem promoviert?)

Ich habe ein Promotionsstipendium vom DAAD erhalten. Mein betreuender Professor war Prof. Dr. Burkhard Schäder und mein Zweitbetreuer war Prof. Dr. Clemens Knobloch. Ich hatte großes Glück bei Ihnen promovieren zu dürfen. Ich bin Ihnen heute noch für Ihre tolle Unterstützung dankbar.

Mein Promotionsthema war: „Referenz-Indizes vom Deutschen und Singhalesischen“. Hierbei geht es vor allem um die Bezugselemente in der Sprache, die sich auf Personen, Gegenstände oder aber etwas das gerade erwähnt wurde verweisen und uns (den Hörern und Lesern) Indizien zur Identifizierung der Referenten geben. Eine zentrale Frage meiner Arbeit war: Woher weiß man, auf was gerade verwiesen wird? – Während eines Gespräches oder in einem geschriebenen Text gebrauchen wir nicht zum wiederholten Mal den Eigennamen oder Nomen. Beispiel: Peter ist krank. Er kommt nicht zum Unterricht.
Der Name Peter wird nicht wiederholt, sondern durch ein Pronomen ersetzt. Diese Bezugselemente indizieren z.B. Numerus, Genus, Kasus usw. Durch er wissen wir das folgendes signalisiert wird: Singular, männlich, Subjekt.

Sie haben Ihre Dissertation über die Referenz-Indizes im Deutschen und Singhalesischen geschrieben. Warum hat Sie dieses Thema so fasziniert? Welche Ähnlichkeiten bestehen zwischen Sprache und Kultur-spezifischen Verhalten?

Mich hat das Thema fasziniert, weil es im Singhalesischen zahlreiche Indizien gibt, die den Referenten im Diskurs (Gespräch) verweisen. Wichtig hierbei ist, dass man nicht nur mit den syntaktischen Strukturen der Sprache, sondern auch mit den soziolinguistischen Merkmalen vertraut sein muss, um im Diskurs erfolgreich teilzunehmen. Insbesondere hat mich die gesprochene Sprache interessiert, denn während eines Gesprächs müssen sich die Teilnehmer gleichzeitig auf den Inhalt, Gestik und Mimik und auf die Bezugselemente konzentrieren, um zum weiteren Verlauf des Gespräches beitragen zu können. Für Muttersprachler ist dieser Prozess ganz normal, nicht aber für Nicht-Muttersprachler. Deshalb bin ich auch dafür, dass dieses Thema intensiver behandelt wird. Es gibt große kulturelle Unterschiede zwischen den Verhaltensweisen/regeln in Gesprächen von Deutschen und Singhalesen. Es lassen sich also Kulturspezifische konsolidierte Sprachmerkmale verbunden mit Gestik, Mimik festmachen, die sich von Land zu Land unterscheiden können.

Nun einige Fragen zu Ihren Stationen in Stuttgart und München. Wie ist Ihre Wahrnehmung der südlicheren Bundesländer im Vergleich zu NRW? Was waren dort Ihre Forschungsschwerpunkte?

Ich war von 2004-2005 als Gast bei Prof. Dr. Frank Thissen an der Universität Stuttgart für Medien zu Besuch. Ich habe mich mit dem Thema E-Learning und Interkulturelle Kommunikation beschäftigt. Zudem habe ich Vorlesungen zu Medienwissenschaft im Masterstudiengang besucht und Vorträge über interkulturelle Aspekte bezüglich Sri Lankas gehalten.
Danach war ich an der LMU in München und habe dort sowohl aktiv, als auch passiv an Veranstaltungen teilgenommen. Auch hier lag mein Schwerpunkt im Bereich der Interkulturellen Kommunikation, E-Learning und dem Thema meiner Diplomarbeit. Es war eine sehr spannende, interessante und auch weiterführende Erfahrung an zwei so großen Universitäten mit langer Tradition als Gast sein zu dürfen. Jedoch habe ich im Vergleich, an allen Universitäten, die ich in Deutschland kennen gelernt habe positive Erfahrungen gemacht. Ich wurde überall als Gast herzlich aufgenommen und hatte tolle Professoren, die sich unglaublich viel Zeit für mich und meine Arbeit genommen haben, deshalb habe ich keine großen Unterschiede feststellen können.

Nach Ihrer Rückkehr nach Colombo haben Sie als Leiterin des Germanistik-Instituts gearbeitet. Stand für Sie fest, dass Sie in Ihr Heimatland zurückkehren? Welche Unterschiede konnten Sie in Bezug auf Verhaltensweisen der singhalesischen und deutschen Studierenden feststellen?

OIch wurde von meiner Heimatuniversität für meine Promotion in Deutschland an der Siegener Universität beurlaubt. Für die Dauer von drei Jahren und drei Monaten hat man Anspruch auf bezahlten Urlaub. Die Voraussetzung für eine Verlängerung ist aber, dass der Betreuer halbjährlich einen Bericht an die Universität schreibt und dabei den bisherigen Verlauf und Stand schildert. Der Urlaub kann nach diesem Zeitraum noch weiter verlängert werden, ist dann aber unbezahlt bis zum Studienabschluss.
Die Mentalität der Studierenden in Deutschland im Vergleich zu den Studierenden in Sri Lanka weisen erhebliche Unterschiede auf. In Sri Lanka ist es üblich passiv an Vorlesungen teilzunehmen und ich charakterisiere Sie daher als schweigsame, eher zurückhaltende passiv-lernende Studierende. Aufgrund dieser Haltung, fällt es vielen schwer selbstständig zu agieren und die Professoren nehmen die Position eines Lehrers ein, der nicht nur Inhalte von Lernstoff vermittelt, sondern auch aktive Unterstützung leistet die darüber hinausgeht.
Ich habe den deutschen Studierenden als aktiven offenen und auch sehr selbstständigen Menschen erlebt. In Deutschland gestalten die Studierenden die Vorlesungen mit aktiver Teilnahme.
Allerdings gibt es in Sri Lanka häufiger Proteste die mit Gewalt ausgetragen werden. Dies betrifft zwar nur eine kleine Minderheit, sie hat aber ziemlich große Macht. Die Demonstrationen in Deutschland habe ich fast überwiegend als friedlich empfunden, was mir sehr entgegen kam.

Haben Sie während Ihres Aufenthaltes in Deutschland etwas vermisst? – Gibt es etwas Deutsches, was Sie übernommen haben und in Ihren heutigen Alltag in Ihrem Heimatland integriert haben?

Ich habe vor allem meine Familie und meine Freunde vermisst. Auch das typisch mazedonische Essen und meine Heimatstadt. Nach all der Zeit habe ich schon einige Verhaltensweisen aus Deutschland übernommenen, ganz spontan fällt mir da vor allem die Pünktlichkeit ein. Man geht in Deutschland auch anders mit Arbeit um, sie wird viel höher geschätzt. In den ehemals kommunistischen Ländern war es üblich nicht übermäßig viel zu arbeiten und oftmals wurde die Arbeit auch nicht sehr ernst genommen. Ich nehme meine Arbeit sehr ernst, dafür habe ich hier in meiner Heimat den Spitznamen ´der Deutsche´.

Was haben Sie am meisten vermisst, nach dem Sie aus Sri Lanka nach Deutschland gekommen sind?

Ich bin jemand, der sich überall zu Hause fühlt und daher gab es nichts, was ich wirklich vermisst habe. Nachdem ich in Siegen eine eigene Wohnung gefunden hatte, bin ich aus dem Studentenwohnheim ausgezogen. Da ich vor meiner Zeit in Siegen schon in Deutschland gelebt habe, hatte ich schon viele Kontakte. Außerdem habe ich schnell neue Kontakte bekommen, mit einigen bin ich auch heute noch gut befreundet.
An das deutsche Klima war ich daher auch schon gewöhnt.
Die deutsche Esskultur hat mir keine Probleme bereitet, da ich meistens selbst gekocht habe. Mit meiner Familie stand ich zu dieser Zeit per E-Mail und Telefon in Kontakt.

Sie sind Buddhistin. Welchen Einfluss hat die Religion auf die Gestaltung des Alltags/die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit? Wie ist es, als Buddhistin in Siegen zu leben?

Der Buddhismus ist eher eine Philosophie und es sind keine Vorschriften vorhanden wie z.B. dass man unbedingt beten oder regelmäßig zum Tempel gehen muss. Jeder Vollmondtag ist ein Feiertag und viele Buddhisten gehen dann mit ihren Familien zum Tempel. Da es keine festen Zeiten oder Tage gibt die vorgeschrieben sind, findet man an jedem Tag Besucher in Tempeln.
Auch in der singhalesischen Sprache spiegelt sich die Kultur und Einstellung zum Buddhismus wieder. Einige Ausdrücke, Gestiken und Mimiken kann man daher nur mit Hintergrund Wissen verstehen. Z.B. wird die emotionale Distanz zwischen Mönchen und Laien über die Sprache klar ausgedrückt. In der Hierarchie stehen die Mönche nach Buddha, danach folgen Eltern und Lehrern, die die gleichgestellt sind. Die buddhistischen Mönche und alles, was mit Buddhismus zu tun hat, werden sehr verehrt.

Denken Sie, dass Sie sich selbst durch Ihren Aufenthalt in Deutschland verändert haben (Verhalten, Ansichten, etc.)?

Durch die längeren Aufenthalte in Deutschland, habe ich gelernt mein Land und die Menschen besser zu verstehen. Denn durch den Abstand habe ich die Stärken und Schwächen meines Landes besser können, diese Erfahrung fand ich sehr spannend. Ich habe dadurch meine eigene Kultur noch mal neu kennen gelernt.
Seit meiner Rückkehr beschäftige ich mich daher mit den Themen der interkulturellen Kommunikation, Diskurs Analyse und Dialog und auch Kultur.

Die Gender-Frage ist in jedem Land aktuell. Wie bewerten die Stellung von Mann und Frau in Deutschland und in Sri Lanka (im Vergleich?)?

Die Stellung von Mann und Frau in Sri Lanka ist nicht viel anders als in Deutschland. Ein Unterschied ist allerdings, dass die Frauen das gleiche Gehalt bekommen wie die Männer im Gegensatz zu Deutschland.
In der singhalesischen Kultur wird die Frau und vor allem die wichtige Rolle der Mutter als „Buddha zu Hause“ bezeichnet. Frauen in führenden Positionen anzutreffen ist keine seltenheit, dies gilt für alle Branchen. Viele Frauen integrieren Kinder, Haushalt und Beruf sehr erfolgreich und bekommen von der Gesellschaft auch die dementsprechende Achtung.
Aus Sri Lanka kommt die erste weibliche Premierministerin der Welt. Frauen genießen schon in der singhalesischen Geschichte hohes Ansehen und bedeutende Positionen.
Nur abends allein durch die Straßen zu gehen könnte für die Frauen gefährlich sein.

Haben Sie noch Kontakte nach Deutschland?

Seit meiner Rückkehr nach Sri Lanka stehe ich mit vielen Menschen in Kontakt. Darunter befinden sich vor allem Professoren und Mitarbeiter der Universitäten. Auch bei Forschungsfragen bekomme ich gute Unterstützung. Ich besuche Deutschland regelmäßig, zum einen für meine Forschungszwecke, zum anderen aber vor allem um viele Menschen wieder zutreffen die mir ans Herz gewachsen sind. Meine Kontakte reichen von Berlin, Mainz, Siegen, Münster bis nach Stuttgart und München.