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Christopher Paschmanns

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Auf Karpfen angelt Christopher Paschmanns das ganze Jahr durch

Selbst Menschen, die noch nie einen Angler zu Gesicht bekommen haben, haben ein klare Vorstellung von ihm: Der typische Angler ist ein alter, bärtiger, wortkarger Mann, der bei jedem Wetter mit Angelrute und Pfeife stundenlang allein am Wasser sitzt, auf den Schwimmer starrt, den Kescher immer griffbereit hat und am Ende des Tages alles fein säuberlich wieder zusammenpackt - nur eben keinen Fang. Wie weit dieses vorherrschende Klischee von der Realität entfernt ist, erklärt mir Christopher Paschmanns. Als spezialisierter Angelprofi und Journalist zeigt mir der Siegener Alumnus des Studiengangs „Literary, Culture and Media Studies“, wie stark sich der Lifestyle des Anglers und vor allem die traditionsreiche "Szene" um den Cyprinus carpio in den vergangenen Jahren verändert hat. Denn der bei (Sport-)Anglern als Kämpfer geschätzte Süßwasserfisch, der wegen der Zuchterfolge, der Tradition und seiner Vielfalt selbst in der einfachen Variante "Karpfen blau" und nicht nur an Silvester immer mehr Liebhaber findet, hat im 21. Jahrhundert die "Brave New World" des Angelsports entscheidend geprägt. Großen Anteil daran hat Paschmanns. Er ist „Marketing & Media Editor“ bei der britischen Firma Korda und erfolgreicher Mitbegründer von „Carpzilla“, der Internet-Plattform für Karpfenfans.

Ein Fisch, ein Job, ein Faszinosum

Das Nachtlager ist aufgeschlagen, auf der Gasflamme kocht das Kaffeewasser, die Angelruten liegen aus. In seinem Camp ist es gemütlich, Kescher, Abhakmatte, ein Faltboot und weiteres Equipment liegen bereit. Christopher Paschmanns hat eine lange Reise auf sich genommen, um an seinen heutigen Arbeitsplatz zu gelangen. Mit modernster Technik und jahrzehntelang erworbenem Know-how befischt er heute einen südfranzösischen Stausee. Er liegt auf der Lauer, er will einen Karpfen fangen. Doch nicht irgendein Fisch soll heute "beißen". Für einen solchen Aufwand darf es schon ein ganz besonderer, ein ganz bestimmter Vertreter aus der Familie der Cyprininae (Karpfenfische) sein, über den er später in einem renommierten Angelmagazin eine Reportage verfassen wird. Zwei Dinge sind es, die ihn antreiben. Zum einen: „Jedes Tier hat einen ganz bestimmten Charakter“, führt mich der Journalist in die Welt der Karpfen ein. Zum anderen: „Angeln hat nichts mit Glück zu tun." Für ihn ist erfolgreiches Angeln die logische Folge aus Erfahrung, Taktik, Equipment und dem "richtigen Riecher".

Sein Charakter macht den Karpfen zum Hecht im Lifestyle-Teich

Christopher Paschmanns ist "Marketing & Media Editor" bei Korda, einem renommierten Hersteller für „Karpfentechnik“, Autor des Buches “Karpfenzeit“ und Mitbegründer der Internetplattform „Carpzilla“. Er betreibt seinen Beruf aus Berufung und brachte sein Faible für das professionelle Schreiben mit seiner Leidenschaft für das Karpfenangeln zusammen. Heute dreht sich der Großteil seines Lebens um die Welt dieses besonderen Fisches. „Ich verbringe rund 75 Nächte pro Jahr am Wasser und fische auf Karpfen“, erklärt mir der Spezialist eher nüchtern, was den größten Teil seines Berufsalltags so besonders und einmalig macht. Neben dem Angeln für das professionelle Team seines Arbeitgebers gehört es zu seiner Arbeit "am Wasser", Reportagen, Video-Features, Fotostorys oder Tests über Produktneuheiten aus der Szene für die Szene zu produzieren. Dabei geht ihm der Stoff nie aus: „Je professioneller der Angler wird, desto mehr Informationen gilt es zu liefern“, so der Siegener Alumnus. Über das heutige Ziel seiner Begierde weiß er bestens Bescheid. Er weiß, zu welcher Jahres- und Tageszeit sich der Kämpfer wo im Gewässer aufhält. Er kennt dessen Vorlieben, er kennt dessen Reaktionen auf verschiedene Köder. Und: Wasserstand und Temperatur sind heute auf der Seite des Jägers.

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Lifestyle Angeln, unterm Schirm-Camp warten auf den einen Biss
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Christopher Paschmanns ist am Wasser zuhause
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Am Wasser sein bedeutet, sich in die Natur einzufügen und ein Auge fürs Detail zu entwickeln

Die unglaubliche Vielfalt der Karpfen macht den Fisch für Paschmanns schon seit Jahren zu einem Faszinosum. Kein Tier gleicht dem anderen. Körperform, Schuppenformation und die individuellen Verhaltensmuster machen seine Besonderheit aus: „Ein Hecht ist ein Hecht, aber ein Karpfen hat einen richtigen Charakter“, lässt mich Paschmanns an seiner Begeisterung teilhaben, die in all den Jahren nie erlahmt ist, sondern - im Gegenteil - tagtäglich zu wachsen scheint. Und das nicht nur "am Wasser", sondern auch zu Hause, am Schreibtisch oder am PC. Denn auch als Buchautor hat er sich einen Namen gemacht. Paschmanns: „Trotz der Spezialisierung auf einen Fisch ist der Job unglaublich vielseitig." Regelmäßig ist er in der niederländischen Niederlassung des Equipment-Herstellers zu finden. In zahlreichen Meetings werden dort die nächsten Formate und Themen besprochen. Oder es wird mit dem Vertrieb geklärt, welche Produkte mehr Promotion brauchen. „Wir müssen uns immer überlegen, was die Leser und Kunden in den kommenden Monaten interessiert und welche Produkte ihnen nützen könnten“, beschreibt er das redaktionelle Treiben an den richtungweisenden Bürotagen. Die Texte entstehen schließlich im Homeoffice. Homeoffice? Selbst diesem Begriff, der im Online-Zeitalter eng mit dem Eindruck stressgeladener, stupider Bildschirmarbeit am unaufgeräumten Schreibtisch verhaftet scheint, kann der Naturmensch zu einem Hauch (Angler-)Idylle verhelfen. Denn: „Ich habe mein Notebook immer dabei. Und dank Internet kann ich auch am Wasser – in bester Umgebung – an meinen Texten feilen“.

Selbst Wasser schützt nicht vorm Burn-out

Paschmanns Passion war schon in den Kindertagen erkennbar. Während die Altersgenossen mit Spielzeugauto oder Fußball spielten, war Paschmanns von der Natur und der Tierwelt fasziniert. Besonders das Wasser hatte eine magische Anziehung auf ihn: „Selbst die kleinste Pfütze war für mich geheimnisvoller, als im Kindergarten mit Autos zu spielen." So formulierte er sehr früh seinen ersten Berufswunsch: Meeresbiologe. Reptilien, Gewässer, die Natur, die "freie Wildbahn" fesselten ihn. Er liebte Dokumente und Dokumentationen über Pflanzen oder Tiere, hegte und pflegte seine Terrarien und ein Urlaub am schleswig-holsteinischen Plöner See entfachte seine Angel-Leidenschaft: „Ich erinnere mich noch gut an diese Ferien. Ich habe meine Eltern so lange genervt, bis meine erste eigene Angelrute im Wasser baumelte“, entsinnt er sich mit einem verschmitzten Lächeln an dieses Aha-Erlebnis. Der erste Fang war ein Barsch: „Das war damals ein überwältigendes Gefühl." An das genaue Alter erinnert er sich nicht mehr, aber er fühlt die Situation, als habe er sie erst gestern erlebt. Den ersten Angelschein verdiente er sich im Alter von 13, kaum ein Jahr später präsentierte er seinen ersten Karpfen. Heute ist dieses Tier mehr als eine Leidenschaft für den Viersener. Es dominiert sein berufliches wie privates Leben gleichermaßen.

„Genau das kann für manch einen aber auch eine Gefahr sein“, gibt er zu bedenken, „es kann passieren, dass man sich irgendwann nur noch im Tunnel bewegt." Wenn private Interessen und Beruf derart verschmelzen, könne man kaum mehr von einer Work-Life-Balance sprechen. „Selbst wenn ich nur zu meinem Privatvergnügen am Wasser bin, ertappe ich mich häufig, wie meine Gedanken an meinem nächsten Artikel basteln." Will heißen: Was für ihn den Traumjob erst ausmacht, birgt durchaus Burn-out-Risiken. Sein Tipp: „Es muss auch Phasen der Entspannung geben. Daran muss man schon vor der Berufswahl den einen oder anderen Gedanken verschwenden."

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An Stelle 2 auf der Lieblingsfisch-Liste kommt der Hecht
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Heute ist der Buchautor in Europa unterwegs für die Firma Korda
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Als Redakteur für Rute & Rolle in Skandinavien

Gut mit Wörtern, leidenschaftlich an der Rute

Dass Paschmanns zum Journalismus fand, sieht er heute als "glückliche Fügung". Denn: „Eigentlich war die Alternative zur Meeresbiologie die Veterinärmedizin“, denkt Paschmanns zurück. Allein der Numerus clausus habe ihm damals einen Strich durch die(se) Rechnung gemacht. Eine andere Rechnung machte seine Mutter kurz nach dem Abitur auf, als sie die Frage stellte: „Du kannst doch gut mit Wörtern. Wie wäre es denn mit Schreiben?“ Der neue Plan führte ihn ins Siegerland, wo er 2002 das Studium „Literary, Culture and Media Studies“ aufnahm. „Das habe ich bis heute nicht bereut. Kaum einen anderen Beruf hätte ich mit meinem Hobby so gut verschmelzen können. Der Journalismus bietet unglaublich viele Anknüpfungs- und Entfaltungsmöglichkeiten", sagt der Alumnus heute.

Dabei ist das Feld des Angelsports, besonders das Schwerpunktthema „Karpfenfischen“, für den klassischen Magazin- und Special-Interest-Journalismus durchaus recht reizvoll. „Mit zirka 3,5 Millionen Anglern ist diese Menschengruppe deutlich größer als die der Studenten“, gibt Paschmanns einen Einblick in "seine" Community, „viele sind auf Karpfen spezialisiert und es werden mehr." Dass der größte aller Friedfische eine derart große Hoch- und Beachtung genießt, wundert ihn nicht: „Der Karpfen verkörpert einfach den coolsten Angellifestyle“, erklärt der Kenner. Nicht nur viele Kids seien begeistert von der Kampfkraft des Tieres und dem Hightech-Equipment. Selbst langjährige Angler ließen sich leicht vom Abenteuer-Flair packen und von der Survival-Camp-Atmosphäre während der langen Nächte animieren, wenn es heißt: Ich gehe auf Karpfen! Die enorme Nachfrage spiegele sich auch im Medienmarkt, spannt Paschmanns den Bogen zu seinem jüngsten Projekt „Carpzilla“. Allein sechs Magazine hätten sich ausschließlich mit dieser Zielgruppe beschäftigt, dabei aber jahrelang ein Medium vernachlässigt. Die Folge: In Paschmanns reifte über Jahre der Gedanke an ein Internet-Magazin.

Mozilla macht den Karpfen groß

Als im März 2013 das Online-Magazin „Carpzilla“ an den Start ging, hatte Paschmanns schon einige Jahre Erfahrung im professionellen Journalismus. Nachdem er bis 2010 ein Volontariat und einen Master-Studiengang in Journalistik abgeschlossen hatte, verdingte er sich noch weitere drei Jahre bei einem Hamburger Angelsport-Magazin. „Der breite Angelsport bot mir keine Entfaltungsmöglichkeiten mehr. Zudem habe ich meine Zukunft in der Spezialisierung auf den riesigen Süßwasserfisch erkannt“, erklärt er seine Beweggründe für den Wechsel zu Korda und seinem neuen Projekt. Mit zwei Partnern, die er in der Karpfenszene kennengelernt hatte, setzte der Journalist eine Idee um, die schon länger in seinem Kopf kreiste: Er wollte eine zentrale Anlaufstelle für alle Karpfenfreaks im Internet schaffen. „Es gibt eine unglaubliche Flut an Szene-Infos. Wir kanalisieren die News aus der Szene, von Blogs und informieren über coole Produktneuheiten“, fasst er das Kernkonzept zusammen. Dabei war von Anfang an klar, dass man es nicht dabei belassen würde. „Die Karpfenangler haben insgesamt ein cooles Image in der Angelszene“, erklärt der Fachmann, „das sollte die Seite auch zum Ausdruck bringen." So wurden schon der Name und das Label mit Bedacht ausgewählt. „Wir wollten etwas Riesiges schaffen, das den Karpfen im Internet präsent macht. Wir wollten das Portal zu einem wahren Godzilla wachsen lassen“, erklärt er augenzwinkernd.

Das junge Team wusste im Vorfeld, dass ein solches Vorhaben nicht ohne Hürden und Risiken zu stemmen sein werde. „Für ein solches Projekt brauchst du Durchhaltevermögen, ein gutes Standing in der Community, die richtige Einstellung und vor allem ein kompetentes Team“, weiß Paschmanns und verweist anerkennend auf seine beiden Kollegen. Der Erfolg gibt ihm recht: „Wir fungieren wie eine Verteilerstelle und konnten die Clickzahlen der gesamten Branche erhöhen“, erklärt er „Carpzillas“ Marktfunktion, „das ist ein Effekt, von dem auch andere Magazine, Blogger und Produktanbieter und natürlich die ganze Community mittlerweile sehr profitieren."

Selbst in Siegen Kreativität bewahrt

Dabei weiß der Alumnus vom Niederrhein bis heute zu schätzen, welch einen großen Anteil seine Ausbildung im Siegerland an seinem beruflichen Werdegang hatte, auch ohne jemals eine innige Bindung zu der Stadt in Südwestfalen gesucht oder gefunden zu haben. „Da die Stadt wenig auf das Studentenleben ausgerichtet war, hat sich mein Studentenleben in erster Linie in Form lockerer Sit-ins in WGs abgespielt“, erinnert er sich. Am Schlimmsten und damit viel schlimmer als fehlende Plätze für einen leidenschaftlichen Skateboarder wie ihn war indes: Seine geliebten Karpfen waren an der Sieg im besten Fall in der Variante "blau" zu haben!

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Früh an einem Wintermorgen mitten in Deutschland
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Zielfisch Nummer 1: der Karpfen
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Solche Stimmungen machen das Karpfenangeln so faszinierend

Unter dem Strich steht dennoch eine sehr positive Bilanz: „Ich kann wirklich sagen, dass mir die Siegener Inhalte auch heute noch von großem Nutzen sind“, lobt er die Qualität der Lehre. Weniger die Vorlesungen als die vielen kleineren und interaktiven Seminare hätten ihn in seiner Entwicklung stark vorangebracht. Nicht nur auf seine Fertigkeiten im praktischen Umgang mit professioneller Software (z.B. zum Videoschnitt) ist bis heute Verlass. Denn neben dem Handwerklichen hat er sich auch das Kreative aus Siegener Tagen bewahrt. "Die Fähigkeit, immer neue Ideen generieren zu können, sind für meine Arbeit als Journalist, als 'Marketing & Media Editor' und besonders im Internet-Geschäft von unschätzbarem Wert. Denn meine Arbeit bei Korda und für Carpzilla lebt von der schöpferischen Kraft."

An seine Fähigkeiten anzuknüpfen, sich immer weiter zu spezialisieren und optimistisch nach vorn zu blicken, das ist das Rezept, dass er auch gern als Empfehlung an jüngere Kollegen weitergibt. „Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Man muss nur seinen Weg finden“, lässt er den aufstrebenden Nachwuchs wissen. Paschmanns hat sich als Wegbegleiter auf seiner Karriereleiter den Karpfen ausgeguckt. Doch es muss nicht unbedingt ein Fisch sein, der (neue) Perspektiven eröffnet. Letztlich, so Paschmanns, ist die Leidenschaft die Triebfeder, um Außergewöhnliches anzupacken, zu tun oder zu leisten.

Das Piepsen des elektronischen Bissanzeigers reißt ihn aus den philosophischen Gedanken. Das Gespräch ist beendet, der Jagdtrieb lässt die Augen funkeln. Alle Sinne fokussieren sich blitzartig aufs, die Schnur bewegt sich auf und ab, zerschneidet dabei die Oberfläche. Am Haken hat er einen guten Fisch, das spürt Paschmanns. Doch ob es genau der Karpfen ist, den er jagt, das wird er erst nach einem kräfteaufreibenden Kampf sehen. Sicher ist nur: Seine Community wird es erfahren.

Dieser Artikel wurde verfasst von Christian Lenz und basiert auf einem Interview in der Nähe von Mönchengladbach.