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Verena Schneider

In Search of Excellence – Philosophie als Headhunting-Grundausbildung

Verena Schneider hat das geschafft, was viele Studenten als – wenig realistischen – Idealfall betrachten: Den nahtlosen Übergang zwischen Studium und Beruf. Nach ihrem Studium der Philosophie mit Bachelor- und Masterabschluss ist sie seit Oktober 2012 als Headhunter bzw. Consultant für Dr. Krüger Executives in Wenden aktiv. Im Alumni-Interview verrät die 29-jährige, was hinter diesen Begriffen steckt und warum der Weg zu ihrer heutigen Position einem Zufall entsprungen ist.

Bereits zu Schulzeiten haderte Verena Schneider oft mit den Gedanken an das etwaige Morgen. Während sie diejenigen bewunderte, die genaue Vorstellungen von ihrem späteren Leben hatten, stand für sie lediglich schnell fest, dass es wohl nichts mit Mathematik, Physik oder Chemie zu tun haben würde. Stattdessen fand sie ihr Talent im sprachlichen Bereich und fing an, sich für die Philosophie zu interessieren. Dank eines „sehr, sehr guten Philosophielehrers“ fand sie schnell Spaß am Stoff und nahm das Interesse schließlich mit an die Universität. Im Nebenfach belegte sie Philosophie, im Hauptfach LCMS (heute LKM). Doch nur kurze Zeit später kam für sie die Erkenntnis, dass dies nicht der Weg war, den sie weitergehen wollte. „LCMS war absolut nicht mein Ding.“ Das Nebenfach Philosophie auf der anderen Seite warf in der Einführung durchweg Bestnoten ab und lief damit so gut, dass sie – begünstigt durch das Anraten ihres Philosophieprofessors – entschied, das Hauptfach zu wechseln. Als neues Nebenfach entschied sich die gebürtige Siegenerin für Wirtschaftswissenschaften. „Nach dem Dilemma mit LCMS wollte ich etwas, das mir Spaß macht und meinen Interessen entspricht. Nach meinem Bachelor in Philospohie“, fährt sie fort, „hatte ich dann das Gefühl, noch nicht fertig zu sein, noch etwas lernen zu können. Also kam der Master noch obendrauf.“ Nebenher finanzierte sie sich die Semester mit einem Job bei Leder Jäger, um die damals noch anfallenden Gebühren, die sie „alle voll mitgenommen“ hat, stemmen zu können.

Mentoring-Programm „Siegen im Tandem“ als Chance

Noch während ihres Studiums bewarb sich Verena Schneider zusätzlich für das Mentoring-Programm des Alumniverbunds, einer Initiative, bei der berufstätige ehemalige Studierende derzeitigen Studenten helfend und beratend zur Seite stehen, und bekam schließlich einen Mentor zugewiesen, der großen Anteil an ihrem weiteren Werdegang tragen sollte. „Das Mentoring-Programm war eine ganz tolle Angelegenheit für mich.

Ich hatte einen sehr netten Mentor aus der Unternehmensberatung, der mir aufgezeigt hat, dass das so grob die Richtung ist, in die auch ich gehen möchte. Ich habe dann mal mit einem Bekannten darüber gesprochen und bekam den Tipp, dass er ein Unternehmen kenne, das noch Personal suchen würde. Ich solle mal auf der Homepage schauen, ob das etwas für mich wäre. Und was soll ich sagen – ich habe es mir angeschaut und dachte nur: perfekt! Personalbereich und irgendwo auch Vertrieb, das ist genau das, was ich möchte! Ich habe mich daraufhin bei dem Unternehmen beworben und wurde direkt genommen. Ich bin direkt aus meinem Studium in ein einjähriges Traineeprogramm gekommen, wo mir alles gezeigt und beigebracht wurde. In diesem Jahr muss ich meine Sache ganz passabel gemacht haben, denn nach dem Traineeprogramm wurde ich in Festanstellung übernommen“, sagt sie grinsend. Das Unternehmen selbst, Dr. Krüger Executives, besteht heute aus rund 20 Mitarbeitern, die sich auf Teilbereiche wie Headhunting, Projektabwicklung oder Buchhaltung aufteilen. Es gehörte bis vor ein paar Jahren noch einer Unternehmensgruppe an, die sich Personal Total nannte. Etwa 30 Niederlassungen gehörten der Gruppe an, darunter auch der Standort Wenden/Olpe, der seit nunmehr über zehn Jahren existiert. 2014 spaltete man sich von der Gruppe ab, nachdem der Franchisevertrag auslief und man intern der Ansicht war, nach über einem Jahrzehnt selbst genügend Expertise aufgebaut zu haben.

„Musste am Telefon oft erklären, was wir wirklich tun“

Angesprochen auf die assoziative Nähe, die „Personal Total Olpe“, so der Name innerhalb der Unternehmensgruppe, zu einigen Zeitarbeitsfirmen des Landes aufweist, nickt sie mit dem Kopf. „Bei der klassischen Kaltakquise musste ich am Telefon den Leuten oft erklären, was wir wirklich tun: Personalvermittlung von Fach- und Führungspersonal durch Headhunting. Entgegen der Erwartung gibt es keine Parallelen zur Zeitarbeit; es ist ein von Grund auf anderes Geschäftsmodell, wir vermitteln in Festanstellung und sind moralisch nicht fragwürdig. Wir sind das Pendant zur Arbeitsagentur, wenn man möchte. Unternehmen kommen auf uns zu und bitten uns, Person X für sie zu suchen. Wir erstellen daraufhin ein Anforderungsprofil, recherchieren, denken uns in die Position hinein und versuchen, die Leute von ihren Unternehmen abzuwerben.“

Die Erfolgsquote einer solchen Abwerbung ist von mehreren Faktoren abhängig. Während manche Leute das System bereits kennen und lediglich darauf aus sind, ihren Marktwert zu testen, sind andere zufrieden mit ihrem derzeitigen Beruf und Unternehmen oder schlicht örtlich gebunden. Der andere Teil ist unzufrieden oder zumindest offen, sich anzuhören, was Frau Schneider ihnen anschließend in einem Telefon-Interview zu präsentieren hat. „Meist führe die Interviews mit den Kandidaten nach Feierabend, um mich ungestört mit ihnen austauschen zu können. Dort schildere ich ihnen den Sachverhalt und wenn sie interessiert sind, beginnt meine Arbeit erst so richtig. Mein Bereich ist die Projektabwicklung, das bedeutet, dass ich der klassische Vermittler bin zwischen den Unternehmen und den Kandidaten. Neben den Stellenbeschreibungen, die anschließend in Jobbörsen veröffentlicht werden, fertige ich zudem Zielfirmenlisten mit den Namen der Wettbewerbsunternehmen an. Ich mache kein Headhunting im eigentlichen Sinn, neben dem Bewerbermanagement gehört es beispielsweise auch zu meinen Aufgaben, Interessenten zu besuchen – meist mit einem Senior-Berater. Ich stelle unser Unternehmen und unsere Dienstleistung vor, fahre teilweise mit zu Kunden oder Briefings.“

Stiller Beobachter zwischen den Stühlen

Selbst zu Vorstellungsgesprächen reist Verena Schneider bisweilen mit. Sie trifft sich vorab mit den Bewerbern zu einem Gespräch und nimmt als stille Beobachterin, falls gewünscht, auch an den Vorstellungsgesprächen teil. „Ich fungiere da oft als moralische Stütze. Natürlich gibt es Leute, die sagen, dass sie das auch alleine schaffen. Andere wiederum sehen die Sache positiv, ihnen gefällt es, dem Unternehmen präsentiert zu werden.“ Da Dr. Krüger Executives bundesweit operiert und sowohl größere Unternehmen, aber auch kleinere mittelständische Betriebe zu seinen Kunden zählt, kann so ein Einsatz für einen Senior-Berater in Sonderfällen auch mal ein ganzes Wochenende einnehmen.

Wenn nun also Datenbanken und soziale Netzwerke – das zu unseriöse Facebook ist explizit auszuklammern – nach interessanten Bewerbern und Kandidaten ausgespäht wurden, fertigt Verena Schneider im Nachgang Bewerberdossiers und Zusammenfassungen der Interviews für die Unternehmen an, damit diese alles auf einen Blick zur Verfügung haben, und stellt zudem eine Vorauswahl an geeigneten Bewerbern zusammen. Dabei gibt es zwar keine festgeschriebene Mindestanzahl an Kandidaten, die sie präsentieren muss. Sollte einmal der Fall eintreffen, dass trotz mehrmonatiger Suche – eine durchschnittliche Vermittlungszeit von zwei Monaten wird als sehr gut eingestuft – kein passender Bewerber gefunden werden konnte, sendet sie den Unternehmen Statusberichte mit Zielfirmenliste mit möglichen Kandidaten.

„Ich muss nur einen finden – und zwar den richtigen!“

„Dass eine Vermittlung in der Regel mehrere Monate in Anspruch nimmt, ist ganz normal. Wir suchen schließlich für Positionen, die nach Spezialisten verlangen, und von denen gibt es nicht so viele. Die müssen erst einmal gefunden werden!“, erklärt sie. „Da steckt eine Menge Recherche drin. Trotzdem haben natürlich nicht alle Kunden Verständnis dafür, wenn es etwas länger dauert oder wir keinen passenden Kandidaten finden können. Das ist im Allgemeinen auch das Schwierige an Dienstleistungen: Du hast nur die Sprache und kannst nicht hergehen und zeigen, wie weit das „Produkt“ bereits ist.“ Hat Verena Schneider allerdings eine Vorauswahl zusammenstellen können, ist es ebenso an ihr, den anderen Kandidaten abzusagen – andere administrative Angelegenheiten hingegen kann sie auf ihre in Teilzeit beschäftigte Assistentin übertragen, die sich unter anderem für die Listenpflege und Eingangsbestätigungen verantwortlich zeichnet, um den Fokus mehr auf die zielführende Suche nach geeigneten Bewerbern legen zu können. Zwischen Bewerbern und Kandidaten sieht Verena Schneider übrigens einen eklatanten Unterschied: „Bewerber haben mir bereits Daten zugeschickt, Kandidaten sind diejenigen, die ich noch überzeugen muss.“

Wenn das Studium Früchte trägt

Wie sehr ihr das Philosophiestudium indes heute bei ihrer Arbeit hilft, merkt sie immer wieder. Zwar hatte sie nach ihrem Studium kurz überlegt, eine akademische Laufbahn einzuschlagen und gegebenenfalls zu promovieren. Nachdem sie durch ihre Tätigkeit als studentische Hilfskraft für ein Semester nähere Einblicke in die Materie bekommen hatte, entschied sie dagegen. „Ich bin zu kommunikativ für die akademische Laufbahn. Die Einblicke, die ich in der Zeit als studentische Hilfskraft bekommen habe, haben mich darin bestärkt, nach dem Studium nicht an der Uni zu bleiben. Die Mentalität ist mir zu sehr 'mit Scheuklappen allein im hohen Turm forschen', zudem gibt es an den Universitäten in den wenigsten Fällen Festanstellungen. Außerdem hätte ich mich nach dem Promovieren wieder mit der Frage auseinandergesetzt gesehen, wie es im Anschluss weiter geht.“

Umso mehr freut es sie heute, wenn sie Zusammenhänge zwischen Studium und Beruf herstellen kann. „Ich habe durch die Philosophie gelernt, zu strukturieren, zu analysieren und mit Sprache umzugehen. Das hilft mir heute in meinem Job unheimlich, beispielsweise bei den Telefon-Interviews mit den Bewerbern oder beim Durchsuchen der Datenbanken mit passenden Suchbegriffen. Ebenso habe ich gelernt, mich für längere Zeit auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren. Das hilft mir heute ungemein, wenn es vorkommt, dass ich über Tage dasselbe tue.“

Sonderstellung im Unternehmen

Neben ihrer vielfältigen Tätigkeit im Berufsalltag ist Verena Schneider gleichermaßen für die Trainee-Ausbildung zuständig und besitzt eine Sonderstellung innerhalb des Unternehmens. Meist werden die Projekte zusammen mit ein bis zwei Senior-Beratern betreut, sie hingegen betreut Projekte auch ohne Senior-Berater und hat Kunden, die sich explizit nur an sie wenden. „Eigentlich betreue und berate ich Unternehmen und Kandidaten gleichermaßen. Ich arbeite sehr genau versuche immer zu hinterfragen, um so viele Informationen wie möglich zu bekommen.“ Diese Akribie ist das, was ihre Kunden an ihr schätzen. So kann es durchaus sein, dass Verena Schneider bereits vermittelten Kandidaten zum Geburtstag oder der geschafften Probezeit gratuliert. In einem Fall hat sie sogar heute noch regelmäßig Kontakt zu einem ehemaligen Kandidaten: „Das ist eine lustige Anekdote! Ich habe mal für ein Unternehmen eine Teamleiterin Personal gesucht, sie auch gefunden und installiert. Nun habe ich sie öfter mal am Telefon und sie gibt mir Aufträge. Das ist eine sehr komfortable Lage, weil sie wissen, was Du kannst und dass Du Dich kümmerst.“ Auch morgen wird Verena Schneider wieder pünktlich um 7:30Uhr im Büro sein und telekommunizieren. Diese Uhrzeit sei zwar ungewöhnlich früh. Die Liebe zum Beruf mache diesen Umstand jedoch wett, sagt sie. Mit ihrer Hingabe und Akribie wird sie bis 16Uhr dafür sorgen, in Zukunft weitere Anekdoten wie die hier erzählte preisgeben zu können.

Das Porträt basiert auf einem Interview mit Verena Schneider und wurde von Kevin Wagener verfasst