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Marcus Schomakers

schomakers_2 Hinter Carrefour verbirgt sich das größte Einzelhandelsunternehmen in Europa und nach Walmart das zweitgrößte weltweit. Das französische Unternehmen mit Sitz in Paris ist in 34 Ländern mit mehr als 15.000 Geschäften in verschiedenen Formaten vertreten und beschäftigt mehr als 475.000 Mitarbeiter. Damit solch eine Vielfalt mit globalem Ausmaß erfolgreich bestehen kann, bedarf es einer aufwändigen und logistisch ausgeklügelten IT oder vielmehr einer intelligenten Balance zwischen zentralistischer und lokaler IT. Das Gestalten, Entwickeln und ständige Verbessern dieser komplexen IT-Systeme im internationalen Kontext hat sich Marcus Schomakers, ein ehemaliger Student der Uni Siegen, in der Rolle als „Global IT-Governance Director“ zur Aufgabe gemacht. Fasziniert vom Retailgeschäft, das ständige Innovationen mit sich bringt, arbeitet er bereits seit 2002 bei Carrefour und bekleidet den wichtigen Posten als Global IT-Governance Director seit nunmehr drei Jahren.

Erfolgsrezept auf Französisch

„Nie ist man Experte von irgendetwas…“ so fand Marcus Schomakers zu Beginn seines Studiums Anfang der 90ger Jahre an derUni Siegen recht schnell Gefallen am Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, denn dieser vereint für ihn sowohl den wirtschaftlichen als auch technischen Fachbereich miteinander. Dank des stetigen Wechsels zwischen beiden Fachrichtungen war Marcus Schomakers mit dem „gesamten Spektrum eines Ingenieurs und dem eines Betriebswirtschaftlers“ vertraut ohne sich letztendlich der einen oder anderen Spezialistenrolle zuordnen zu lassen. Diese „Multikompetenz“ gefiel ihm sehr, sie treibt ihn an und motiviert ihn auch im heutigen Berufsalltag noch aufs Neue.

Sein Tipp: „Der Sprung ins kalte Wasser- jeder, der will, kann einsteigen.“

Nach seinem Studienabschluss im Jahre 1998 begann Marcus Schomakers seine berufliche Karriere zunächst in Deutschland beim IT-Consulting Unternehmen Accenture. Im Rahmen seiner ersten Projekte rutschte er schnell in den für ihn interessanten IT-Architekturbereich. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die symstemtechnische Konzeption, Erstellung und Integration von

carrefour_cash_carry_india IT-Systemen. Zu seinen Kunden in Deutschland zählten mit der Deutschen Bahn und dem TÜV in München national bekannte Großunternehmen. Neben dem Aufbau neuer Internetportale war er u.a. bereits in seinem ersten Kundeneinsatz an einem großen Projekt beteiligt, welches den Cargobetrieb der Deutschen Bahn optimierte und vorhandene Transport- und Organisationsprobleme unter anderem mit einer umfangreichen IT Modernisierung zu überwinden suchte. Aufgrund seiner Kompetenzen war Marcus Schomakers gewissermaßen universell einsetzbar und so wurde ihm bei seinen Projekten schon recht früh ein wachsenderVerantwortungsbereich übertragen. Internationale Projekte ebneten ihm in der Position eines IT-Beraters den Weg nach Frankreich zu Kunden wie der Societe Generale und Peugeot und letztlich Carrefour. Für diesen Kunden arbeitete er als IT Architekt zunächst in einem internationalen Finanzprojekt.

Ursprünglich, so verrät er mir, war Frankreich nicht seine erste Wahl. Praktika in Bogota und eine Diplomarbeit für Siemens in Portugal hatten sein Interesse für Spanisch/Portugiesisch und Lateinamerika geweckt.Aber persönliche Gründe brachten ihn nach Frankreich und da ihm die Sprache vorerst nicht vertraut war, verbrachte er zu Beginn seines Aufenthalts in Paris drei Monate auf der Académie française.

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Getreu dem Motto „Von alleine kommt nichts“

Inzwischen lebt und arbeite Marcus Schomakers seit zehn Jahren in Frankreich. Nach seinem Einstieg bei Carrefour in der Position eines IT-Architekten stellt er sich mittlerweile seit drei Jahren seiner heutigen Herausforderung in der Rolle des Global IT-Governance Directors.
Der Bereich der Global IT Governance beschäftigt sich vor allem mit IT-Innovation, IT-Strategy und IT-Risiko- sowie Ressourcenmanagement auf globaler Ebene im Carrefour-Kontext.

Was kann man sich konkret darunter vorstellen?

Carrefour als internationaler Konzern vereint mehrere Formate (mehr oder weniger unabhängige Business Units mit eigenen Verkaufsformaten), wächst regelmäßig durch Fusionen und Übernahmen in anderen Ländern und versucht, den Kunden durch ständig neue Innovation zu binden. Da das Kundenverhalten von geographischen und formatspezifischen Einzelheiten geprägt ist, sind die IT-Systeme oft unterschiedlichster Ausprägung. Es gilt nun diese Vielfalt in einem globalen System-Kontext zu integrieren und zu vereinfachen ohne lokale Spezifikationen zu verlieren. Neue Techniken für den Kunden, die ihn z.B. erlauben, beim Einkauf über sein Handy einen Abgleich mit der Kundendatenbank durchzuführen und für ihn bereitgestellte Angebote abzurufen, erfordern Anpassungen in den IT-Systemen die es zu minimieren gilt.

 carrefour_planet_italyHinter all diesen Vorgängen steht eine komplizierte Systemlogistik. Es gilt kreativ zu sein, um stetig neue Systeme zu entwerfen, die neuesten Kundenbedürfnissen entsprechen, mit lokalen Gesetzen und Gewohnheiten kompatibel sind und auf globaler Ebene Synergien erzeugen. Extrem wichtig dabei ist es, die Kosten zu berücksichtigen und Kooperationsmaßnahmen als Governance-Bestandteil aufzuzeigen, um potenzielle interne Partner von einer gewinnbringenden Zusammenarbeit zu überzeugen.

Eben dieser Innovationsbereich motiviert Marcus Schomakers immer aufs Neue. „Man kann sich nie ausruhen und oftmals werden impulsive Entscheidungen getroffen“, die ihn herausfordern und ihm die Chance geben, sich selbst zu verwirklichen. Die Zusammenarbeit mit interessanten IT-Partnern weltweit - auch ehemalige Kollegen, die sich jetzt als Lieferanten und Experten anbieten - um Strategien zu entwickeln oder gemeinsam konstruktive Veränderungen anzustoßen, inspirieren ihn tagtäglich. Er möchte realisieren und erschaffen, damit er sich am Ende eines Tages sagen kann, dass er etwas Neues geschafft hat. In einem großen internationalen Unternehmen wie Carrefour kann dies nur in Zusammenarbeit und im Konsens geschehen. Außerdem legt Marcus Schomakers sehr viel Wert auf erfolgreiche Zusammenarbeit und Zwischenmenschlichkeit innerhalb seines Teams. Seine „deutsche Art und Zuverlässigkeit“, mit der er Tatendrang und aktive Bereitschaft zur Lösungsfindung signalisiert, ist unter seinen französischen Kollegen gerne gesehen. Er wahrt seine deutsche Identität und „ist da, wo er ist, weil er deutschen Hintergrund und in Deutschland studiert hat.

„Schalt mal ab!“

schomakers_1Sagt sich Marcus Schomakers auf seiner Heimfahrt nach einem aufregenden Tag bei Carrefour, im Banlieue von Paris gelegen, zu seinem privaten „Zuhause“ in Paris. Sein privates Umfeld, Familie, Freunde und der Sport im Herzen Frankreichs sorgen für den Ausgleich. Besonders beim Marathonlauf lenkt er sich ab und schätzt auch hier die Herausforderung der Sportart, auf ein fixes Datum hinzuarbeiten und einen Trainingsplan zu erstellen und zu befolgen.

Es ist wichtig für ihn, aktiv Networking zu betreiben, um seinen persönlichen Freundeskreis auszubauen und auch den beständigen Kontakt zu seinen alten Studienkollegen von der Uni Siegen zu pflegen. Nicht zuletzt bietet ihm natürlich Paris, inzwischen zu seiner Heimatstadt geworden, ein kulturelles Angebot, dass man kaum auszuschöpfen kann.

„Man muss wissen, was man gut kann und wer man ist,

um sich nach seinem Studium in der Richtung einer Berufswahl festlegen zu können.“ Neben den Softskills, gibt Marcus Schomakers mir noch als Hinweis mit auf den Weg, dass eine gewisse Bereitschaft, den Arbeitsplatz gegebenenfalls mehrfach zu wechseln unabdingbar ist. In Frankreich gibt es das deutsche Ausbildungsmodell so z.B. nicht. Schulische Herkunft und Universitätserfahrung sind dort zu Anfang extrem wichtig, später in der Karriere zählen dann mehr die Arbeitgeber, bei denen man Erfahrungen gesammelt hat.Darüber hinaus zählen Flexibilität, eine durchweg positive und offene Einstellung sowie der Mut auch Risiken einzugehen. „Man darf nicht gleich betrübt sein, auch wenn es mit dem Job nach dem Studium nicht direkt klappt“, so Marcus Schomakers am Ende unseres interessanten Gespräches in Paris.

 

Dieser Artikel wurde verfasst von Laura Ermert und basiert auf einem Interview mit Marcus Schomakers in Paris im Dezember 2010.