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Meike Vedder

Im Auftrag der Gesundheit: Meike Vedder, eine Physikerin in der Medizintechnik

Schon während ihres Diplomstudiums der Physik mit Elektrotechnik im Nebenfach entdeckte Meike Vedder ihr Interesse für Medizintechnik. Über verschiedene Jobs und Zufälle führte es die Siegener Alumna im Oktober 2016 schließlich zu ihrer heutigen Position als Vice President Quality bei den „Siemens Healthineers“ in Erlangen. Bei der Medizintechnik-Tochter der Siemens AG ist sie für das Qualitätsmanagement System des Customer Service verantwortlich.

„Für mich war schon früh klar, dass ich auf jeden Fall irgendwas in die naturwissenschaftliche Richtung machen wollte“, erzählt Meike Vedder, die schon in der Schule Spaß am Experimentieren hatte – besonders in Physik. „Ich war gut darin, ich habe sie gemocht, ich hatte Spaß daran“, so die simple, aber logische Folgerung der Alumna. Hinzu kam, dass sie im Abitur die Fächer Mathematik und Physik mit zusätzlich Englisch gewählt hatte – eine Kombination, die wohl den meisten Menschen Schweißperlen auf die Stirn treibt. Einer naturwissenschaftlichen Karriere stand damit quasi nichts mehr im Wege.

Die richtige Entscheidung

Heute, 18 Jahre nach ihrem Diplomabschluss an der Uni Siegen, ist Meike Vedder immer noch zufrieden mit ihrer Studienwahl, zumal jetzt ihr damaliger Plan aufgegangen sei: „Mit der Physik hat man ein gutes Grundlagenstudium, mit dem man sich in ganz verschiedenen Bereichen entwickeln kann“, sagt die Alumna. Mit dem Studium standen ihr also alle Türen offen. Diese Flexibilität und die Praxisorientierung des Diplom-Physik-Ingenieursstudium, wie es an der Universität Siegen angeboten wurde, war einer der ausschlaggebenden Gründe, warum sich Meike für das Studium in Siegen entschied. Ihre Studienzeit hat sie als sehr positiv empfunden – insbesondere, weil der damalige Fachbereich der Physik sehr klein war: „Dadurch war alles sehr persönlich. Das fand ich sehr positiv. Ich fühlte mich sehr gut aufgehoben und betreut“, erinnert sie sich. Ihre Dozenten hat Meike Vedder nach wie vor in sehr guter Erinnerung.

Alltägliche Herausforderungen als VP Quality

Als Vice President Quality im Customer Service (CS) bei „Siemens Healthineers" trägt Meike Vedder eine enorme Verantwortung gegenüber dem Unternehmen und dessen Kunden, zumal sie weltweit das Qualitätsmanagementsystem des CS betreut. Sie trägt zu einer „kontinuierlichen Verbesserung“ der Medizinprodukte, Dienstleistungen und Prozesse bei. Da der Bereich sehr streng reguliert ist, muss Siemens Healthineers sehr hohe Anforderungen bei der Entwicklung und Produktion von Geräten der Bildgebung für Diagnostik und Therapie wie Röntgengeräte, Computer-und Magnetresonanz-Tomographen sowie für die Labordiagnostik und die molekulare Medizin erfüllen. Dabei gilt es für sie, ihre Mitarbeiter und Kollegen in den Auslandsniederlassungen, stets die Änderungen der Gesetze im Blick zu haben, da die Produkte die aktuellen und landespezifischen Anforderungen aller Länder gleichermaßen erfüllen müssen, um vertrieben werden zu dürfen. „Die Herausforderungen, mit denen wir kämpfen, sind, dass die Länder ihre Anforderungen ständig erweitern, ergänzen und ändern“, erklärt die Alumna. Dadurch seien kontinuierliche Anpassungen bzw. Änderungen notwendig, die manchmal zusätzliches und gleichzeitig zeitaufwändiges Dokumentieren erforderten. Wo bleibt eigentlich die Physik? Tatsächlich habe der Bezug zu ihrem Fach in ihrem Arbeitsalltag abgenommen und gehe gegen Null. „Allerdings hilft mir mein Technik-Verständnis an ganz vielen Stellen“, betont die Diplom-Physikerin – sei es um Software-Tools zu verstehen und anzuwenden oder bei Fragen, wo dann auch technisches Hintergrundwissen gefragt ist. Auch ihr Wissen aus dem Studium, wie strukturiert und analytisch an Dinge heranzugehen und die Grundlagen zu verstehen, sei ihr nach wie vor beinahe täglich eine große Hilfe.

Ihre Liebe zur Medizintechnik motiviert sie jeden Tag aufs Neue

Bei einer so hohen Verantwortung verwundert es nicht, dass sich in Meike Vedders Terminkalender ein Termin an den nächsten reiht, parallel nimmt sie Anfragen entgegen und zwischendurch muss sie Prozesse beschreiben – „mehrere Bälle jonglieren“, wie Meike Vedder es nennt, trifft es sehr gut. „Die Grundherausforderung ist, einmal nicht mehr zu tun, als die Arbeitswoche Stunden hat“, bringt die Alumna es auf den Punkt.

Ihren stressigen Alltag nimmt sie aus Liebe zu ihrem Beruf gerne in Kauf. Sie schätzt neben dem großen Themenspektrum und der Bandbreite im Medizintechnik-Umfeld die Arbeit für den Menschen: „Vieles von dem, was wir bei Siemens Healthineers tun, dient letztendlich dazu, Patienten bei der Diagnose und Therapie zu helfen. Das fand ich grundsätzlich spannend dabei, in die Medizintechnik zu wechseln. Die Art und die Abwechslung an Aufgaben gibt es in vielen Branchen und Unternehmen. Aber Medizintechnik, finde ich persönlich, ist etwas Besonderes“, so Meike Vedder. Was ihre Leidenschaft für ihren Beruf ausmacht, sei die Kombination aus ihrem spezifischen Tätigkeiten und die Arbeit im Zusammenhang im Interesse des Unternehmens. „Das ist das, was ich daran liebe und was ich so mag und mich motiviert, morgens aufzustehen“ bekundet sie glücklich lächelnd.

Von Zufällen und genutzten Chancen

Bevor sie im Oktober 2016 in Ihrer jetzigen Position einstieg, sammelte sie in verschiedenen Jobs Erfahrungen und kletterte dabei Schritt für Schritt die Karriereleiter hoch. Zufälle ziehen sich fast wie ein roter Faden durch Meike Vedders beruflichen Lebenslauf. Der erste ergab sich direkt nach ihrem Diplom-Abschluss im Juni 2000, als ihre Mutter in der Zeitung eine Anzeige von dem amerikanischen Technologieunternehmen Agilent Technologies fand (ein von dem IT-Giganten HP Inc. abgespaltenes Unternehmen), das im damalig boomenden Geschäft von Technologieunternehmen verstärkt neue Arbeitskräfte, insbesondere Naturwissenschaftler, suchte. Sie gehörte zu den rund 70 Auserwählten, die ins Headquarter nach Santa Rosa, Kalifornien, eingeladen wurden und neben den üblichen Bewerbungsgesprächen mit verschiedenen Führungskräften die Berkeley University sowie die berühmte „HP Garage“, die Geburtsstätte der Silicon Valley, besuchten. Nach einem späteren Telefongespräch in Deutschland hatte sie schließlich ihre erste Anstellung als Technical Marketing Engineer bei Agilent in Böblingen in der Tasche. Dass sie ohne zu zögern zusagte, lag an „The HP Way“, der Unternehmensphilosophie von HP und Agilent: „Das hat mich in den vier Tagen so überzeugt, dass ich andere Jobangebote tatsächlich ausgeschlagen habe“, erklärt Meike Vedder ihre damalige Entscheidung.

Der erste Job fiel ausgerechnet in die Zeit des weltweiten Börsencrash von Technologieunternehmen – der „Dotcom-Blase“ im Jahr 2001 -, was zur Folge hatte, dass auch das Geschäft ihres Arbeitgebers Agilent stark zurückging, und die junge Berufsanfängerin leider entlassen werden musste. Den Verlust begriff sie aber als Chance.

Ihre Chance sah sie beim ZVEI, dem Zentralverband Elektrotechnik-und Elektronikindustrie e.V., der jemanden wie sie gesucht hatte und sie kurzum im November 2003 als Technische Referentin in der Medizintechnik einstellte. „Der Verband war ein toller Einstieg in das Thema Medizintechnik und das Qualitätsmanagement“, berichtet sie rückblickend, da sie dort erstmals mit Zulassungen für Medizinprodukte in Berührung kam. Da die Entwicklungsmöglichkeiten im mittelständisch geprägten ZVEI begrenzt waren, war ihr klar: „Früher oder später will ich dann zu einem Mitgliedsunternehmen wechseln". Wie es der Zufall wollte, wurde ihr 2006 eine Stelle in der zentralen Qualitätsabteilung bei Siemens in der Medizintechnik-Sparte angeboten, was sie fortan nach Erlangen verschlug.

„Ich bin jemand, der die Abwechslung liebt“

Seitdem ihrer ersten Position bei der Siemens AG sind mittlerweile zwölf Jahre vergangen, in denen sie immer weiter die Karriereleiter aufstieg: „Ich habe innerhalb des Unternehmens verschiedene Positionen durchlaufen, immer entweder mit dem Thema Regulatory Affairs, d.h. Zulassungsthemen betreffend, oder Qualitätsmanagement. Dadurch, dass es bezüglich der Zulassung von Medizinprodukten strenge Auflagen gibt, gehen diese zwei Themen sehr eng Hand in Hand“, so Meike Vedder. In den einzelnen Positionen, darunter auch eine Delegation nach Malvern, PA in den USA, mit erstmaliger Führungsverantwortung, war sie jeweils nur zwei bis drei Jahre tätig. Ich brauche nicht immer etwas komplett Neues, aber ich brauche einfach Abwechslung im täglichen Verantwortungsbereich“, so die Diplom-Physikerin. Immer wenn es bei ihr „wieder kribbelte“, nutzte sie ihre Chancen, um ihre Wünsche in die Tat umzusetzen.

Selbstbewusst - auch ohne verkrampftes Emanzipationsgehabe

Als Frau in einer vermeintlichen Männerdomäne zu arbeiten, habe Vor- und Nachteile zugleich. Klar ist, dass man als Frau mehr Aufmerksamkeit bekommt. In den E-Technik-Vorlesungen sei sie als einzige Frau in einer Gruppe von bis zu hundert Studierenden natürlich aufgefallen, wenn sie mal zu spät kam. Das Frau-Sein kann aber auch Vorteile mit sich bringen. Nicht nur wegen der Frauenquote, sondern „weil man erkannt hat, dass ein Unternehmen mit dem gesunden Mix, also Diversity, erfolgreicher ist“, weiß die Siegener Alumna. „Deshalb habe ich es im Rahmen meiner Karriere im Großen und Ganzen als positiv empfunden“, da sie eventuell – bei gleichen Qualifikationen wie die ihrer männlichen Konkurrenten – den Vorzug bekommen habe, „weil ich eben eine Frau in einem technischen Beruf bin“, verdeutlicht Meike Vedder, die in ihrer Freizeit Ballett tanzt.

Doch sie kennt auch die Schattenseiten, zumal sie als Berufsanfängerin eine Zeitlang mit Mobbing zu kämpfen hatte, weil jemand in der Nachbarabteilung „nicht so gut mit Frauen konnte, die eine eigene Meinung haben und das auch kundtun. Langfristig habe ihr diese Erfahrung aber etwas gebracht, weil sie gelernt habe, damit umzugehen und dem etwas entgegenzusetzen. „Wofür ich aber schon einstehe, ist, dass Frauen für gleiche Arbeit und unter gleichen Voraussetzungen das gleiche Gehalt bekommen“, so Meike Vedder. Nachdrücklich ergänzt sie: „Es soll einfach nur fair sein. Dafür setze ich mich schon ein. Und dafür kämpfe ich auch.“

Dass das keine leeren Worte sind, zeigt ihr Engagement sowohl für „GLOW“ (Global Leadership Organization of Women), Siemens' internationales Netzwerk zur Unterstützung von Frauen in Führungspositionen als auch das unternehmensinterne Mentoringprogramm mit Namen „YOLANTE“ (Young Ladies' Network of Technology), dessen Idee es ist, technikbegeisterte Studentinnen im Studium zu unterstützen. Meike Vedder, die bereits eine Mentee bis an ihr Studienende begleitet hat und aktuell wieder eine Studierende betreut, freut sich darüber, dass sie ihre Erfahrungen teilen kann: „Es ist schön zu sehen, dass man vielleicht einen klitzekleinen Beitrag geleistet hat, solche Personen auf den richtigen Pfad zu setzten“.

Bis dass es wieder bei ihr kribbelt

In ihrem jetzigen Job ist sie sehr glücklich. Dennoch ist sie irgendwann wieder offen für einen Wechsel in einen anderen Bereich innerhalb des Customer Service. Dieser Zeitpunkt kommt bestimmt – irgendwann, wenn es wieder kribbelt.

Dieses Porträt basiert auf einem Interview mit Meike Vedder und wurde von Bettina Stephan verfasst.

 
 
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