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BMBF-Projekt BASIGO: Ergebnisbericht Tag 1

Forschungszentrum Jülich und Institut für Medienforschung, Universität Siegen - aktuelle Pressemeldung zu den Fußgängerexperimenten der Messe Düsseldorf



 

Ergebnisbericht Tag 1



Die Durchführung der Experimente des ersten Versuchstages konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Den Schwerpunkt der Experimente mit den heute anwesenden ca. 350 Probanden stellten Personenströme in Kreuzungsbereichen bei unterschiedlichen Personendichten, mit und ohne Beschilderung sowie mit und ohne zusätzliche bauliche Maßnahmen dar.

Durch die kontrollierte Erhöhung der Personendichten konnten erwartungsgemäß die Personenströme vollkommen zum Erliegen gebracht werden. Die spannende Frage war nun, ob der Eintritt diese Blockaden durch kommunikative Maßnahmen (z.B. Beschilderung mit Gebot Kreisverkehr) oder durch bauliche Veränderungen (z.B. Aufstellen einer Säule in der Kreuzungsmitte) verzögert oder ganz verhindert werden kann.

Die Beschilderung mit dem aus dem Straßenverkehr bekannten Kreisverkehrszeichen war gewählt worden, weil dafür ein sehr hoher Bekanntheitsgrad und konsolidiertes Wissen über die Bedeutung (d.h. das gebotene Verhalten) bei den Probanden (alle aus der Altersgruppe der über 18-Jährigen) unterstellt werden konnte. Zugleich gab es folgende Einschränkung: Da Kreisverkehre im Fußgängerverkehr bislang völlig unüblich sind, wurde mit gewissen Irritationen und zögerlicher Umsetzung gerechnet. Aus technischen Gründen, nämlich um die über eine Lautsprecheranlage von Versuchsleiter gegebenen mündlichen Instruktionen der Teilnehmer nicht zu überlagern, wurde auf zusätzliche akustische Signale wie Durchsagen oder explizite Instruktionen zur Beachtung der Beschilderung zunächst verzichtet. Im Ergebnis führte dies zu einer fast vollständigen Ignoranz der Versuchsteilnehmer gegenüber der gezeigten Beschilderung. Das Ignorieren der Beschilderung war in dieser Ausprägung für die Situation im Experiment nicht erwartet worden, obwohl es der Erfahrung von Veranstaltungsmanagern in der Praxis durchaus entspricht. Für das Experiment war die Annahme, dass die Probanden eine erwartete anfängliche Irritation relativ schnell überwinden und das Gebot in ihrem Bewegungsverhalten selbstständig umsetzen würden. Offenbar war die damit verbundene Anforderung jedoch tatsächlich zu hoch. Wie wir aus den begleitenden Befragungen wissen, waren die Probanden in der gegebenen Situation unsicher, ob und wie die Umsetzung des Zeichens erfolgen solle. Erstaunlich waren auch die minimalen Einflüsse der Säulenkonstruktion in der Kreuzungsmitte, die zusätzlich zur Beschilderung eingebracht wurde.

Die weitere Analyse dieses ersten Befundes erbrachte folgende vorläufige Erklärung für das beobachtete Verhalten:

  1. Die Probanden haben Schwierigkeiten das Gebot initiativ und selbstständig umzusetzen, offenbar weil es im Fußgängerverkehr unbekannt und unüblich ist, also die entsprechende Verhaltenskoordination in der Fußgängermenge nicht vertraut ist.
  2. Der Modus der Zuführung der Probanden in den Kreuzungsbereich beeinflusst maßgeblich deren Möglichkeiten, Entgegenkommenden oder Querenden nach rechts auszuweichen und sich in eine Kreisbewegung einzureihen. Schwierigkeiten entstehen also dann, wenn die Probanden an der linken Seite in den Kreuzungsbereich eintreten.
  3. Das Fehlen einer zusätzlichen Instruktion, die Beschilderung zu beachten und entsprechend aktiv umzusetzen, verstärkt die Neigung, das Gebot zu ignorieren.

Dieser Diagnose entsprechend wurden die Versuchsbedingungen modifiziert mit dem Resultat, dass die Probanden die Bewegung im Kreisverkehr ausführten und bei denjenigen Personendichten, bei denen es ohne Beschilderung zum Stau gekommen war, in Bewegung blieben, die dadurch bedingten hohen Dichten tolerierten und so für einen deutlich verbesserten Personenfluss im Kreuzungsbereich sorgten.

Fazit: Kreisverkehre können offensichtlich auch für den Personenverkehr nützlich sein. Allerdings scheint eine redundante zusätzliche Verstärkung bzw. Aufforderung dem Kreisverkehrsgebot zu folgen nötig. Im Kontext von Fußgängerverkehren kann dieses Zeichen also offenbar nicht für sich selber stehen, sondern bedarf zusätzlicher Ansagen, Durchsagen oder weiteren Trainings. Daraus ergeben sich weitere Aufgaben für die Veranstaltungskommunikation.

 

Gebhard Rusch (Universität Siegen)