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Ergebnisbericht der Fußgängerexperimente in Düsseldorf, Tag 2

 

Forschungszentrum Jülich und Institut für Medienforschung, Universität Siegen - aktuelle Pressemeldung zu den Fußgängerexperimenten der Messe Düsseldorf

 

 

Ergebnisbericht Tag 2


Auch der zweite Tag der Experimente brachte neue Erkenntnisse mit Blick auf Personenströme. Die Experimente umfassten heute ein sogenanntes Barrier-Experiment – ein ca. 10x10m großes Quadrat aus Gitterelementen – sowie weitere Versuche mit Kreuzungen. Bei diesen Experimenten wurden erneut unterschiedliche Personendichten und verschiedene Beschilderungen eingesetzt sowie bauliche Elemente variiert. Das Barrierexperiment stellte zum Vortag eine besondere Herausforderung dar. Hier galt es bei Personendichten von bis zu sechs Personen pro Quadratmeter eine sichere und schnelle Entleerung des 100 m2 Raumes zu erreichen. Hierzu wurden auf Monitoren Farbcodes (rot/gelb, entsprechend den Farben der Armbänder der Probanden) und eine Unterscheidung in gerade und ungerade Zahlen (entsprechend den Teilnehmernummern der Probanden) eingeblendet, die den Versuchsteilnehmern den für sie bestimmten Ausgang aufzeigten. Den Probandengruppen konnten so jeweils verschiedene Ausgänge zugewiesen werden, so dass im Barrier ein Gedränge aus unterschiedlichen Richtungen auf die Ausgänge zu erzeugt werden konnte.

In einem weiteren Barrierexperiment wurde eine animierte Beschilderung eingesetzt, die denjenigen Besuchern, die sich schon nahe am Ausgang befanden zwar eine kontraintuitive Bewegungsrichtung (nämlich zunächst erst einmal vom Ausgang weg) vorgab, aber nach ersten Einschätzungen dennoch geeignet erscheint, eine schnellere Entfluchtung zu ermöglichen. Für für eine abschließende Beurteilung ist es noch zu früh, da die Daten erst noch ausgewertet werden müssen. Beachtenswert ist dieses vorläufige Ergebnis v.a. aber deshalb, weil es sich hierbei um eine neue und recht komplexe Beschilderung handelt, die den Probanden ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, Verständnis und kooperativem Umsetzungsvermögen abverlangt. Das zweite Experiment – Kreuzungen mit unidirektionalen Personenströmen – schloss an die Kreuzungsversuche des Vortags an. Der erste Durchlauf verlief ohne kommunikative Maßnahmen oder bauliche Veränderungen. Im zweiten Durchlauf wurden wieder Kreisverkehrssymbole gezeigt, auf deren Beachtung aber, im Unterschied zum Vortag, von Beginn hingewiesen wurde. Durch diese Maßnahme zeigten die Probanden erste Ansätzen eines Kreisverkehrsverhaltens, dass aber aufgrund der unidirektionalen Ströme nicht voll zum Tragen kam. Der dritte Durchgang schloss neben dem Kreisverkehrssymbol auch wieder das Aufstellen einer Säule ein. Das Ergebnis unterschied sich nur marginal von dem vorhergehenden Versuch.

Abschließend wurden Kreuzungsexperimente mit bidirektionalen Personenströmen durchgeführt. Zunächst unter Einsatz der Säule und des Kreisverkehrssymbols sowie durch die explizite Anweisung, auf die Schilder zu achten, zeichnete sich hier deutlich ein Kreisverkehrsverhalten ab. Dieses Verhalten setzte sich interessanter Weise auch unter Wegnahme der Säule fort und führte auch bei sehr hohen Personendichten dazu, dass der Verkehr im Kreuzungsraum nicht zum Erliegen kam.

Damit zeigen die Ergebnisse im Vergleich zum Vortag ein aufschlussreicheres, weil differenzierteres Bild von Personenströmen in Kreuzungssituationen. Für den zweiten Tag der Experimente kann daher aus Sicht des IfM festgehalten werden:

  1. Während am Vortag Straßenverkehrssymbole zunächst nicht selbstständig von den Probanden genutzt wurden, zeigte sich heute, dass Beschilderung in Normalsituationen durchaus neu sein, komplexe Inhalte transportieren und damit zu sogar zu kontraintuitivem und altruistischen Verhalten führen kann.
  2. Wiederum im Anschluss an den Vortag und analog zur Straßenverkehrsordnung zeigte sich, dass die eingesetzten Verkehrsschilder eher dann befolgt werden wenn a) die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt und b) zu ihrer Berücksichtigung explizit aufgefordert wird.
  3. In den Experimenten traten deutliche Lerneffekte von Durchgang zu Durchgang auf. So zeigten die Probanden mit Blick auf den Einsatz von Beschilderung eine nach und nach vollkommen selbstständige Orientierung entsprechend der Anforderungen.

Entsprechend scheint der zweite Tag einerseits die Annahmen des Vortags zu bestätigen, dass Kreisverkehre, unter der Bedingung einer verstärkenden Begleitkommunikation zur Erhaltung der Fluidität von Personenströmen beitragen. Andererseits zeigte sich auch, dass sowohl Verkehrspädagogik als auch Beschilderung für Personenströme neu überdacht werden sollten. Letztere v.a. mit Blick auf digitale und interaktive Beschilderungskonzepte, die ein breites Feld neuer kommunikativer Steuerungs- und Interventionsmöglichkeiten für Personenströme nicht nur im Veranstaltungskontext eröffnen.

 

Christoph Groneberg (Universität Siegen)