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Ergebnisbericht Tag 3

Der für das IfM dritte und letzte Tag der Fußgängerexperimente war von zwei Versuchen geprägt: Es galt einerseits die Personenströme durch einen Kreuzungsaufbau, dieses mal mit drei Zuwegungen sowie durch einen Korridor mit bidirektionalem Verkehr zu führen. Auch wurden die Experimente wieder durch unterschiedliche Personendichten variiert.

Forschungszentrum Jülich und Institut für Medienforschung, Universität Siegen - aktuelle Pressemeldung zu den Fußgängerexperimenten der Messe Düsseldorf

 


Ergebnisbericht Tag 3

 

Die Kreuzungsexperimente wurden zunächst ohne Beschilderung und bauliche Maßnahmen durchgeführt. Erst im Anschluss kam in zwei Konfigurationen, mit jeweils niedriger und hoher Personendichte, das Kreisverkehrssymbol zum Einsatz, auf dessen Befolgung der Versuchsleiter hinwies. Im Unterschied zu den Durchläufen ohne Beschilderung schien sich bereits bei niedrigen Personendichten ein Rotationsverhalten im Kreuzungsbereich einzustellen – die Auswertungen der Videodaten werden hier in Kürze weitere Klarheit bringen. In den darauf folgenden Experimenten kam neben dem Schild zusätzlich auch wieder die schon an den Vortagen genutzte Säule zum Einsatz. Diese schien eine weitere Intensivierung des Kreisverkehrs zu bewirken, d.h., dass wohl die Mehrzahl der Versuchsteilnehmer a) den längeren Weg wählte und b) dem weiterhin flüssigen Personenstrom folgte und nur noch ein sehr geringer Teil der Probanden den direkten Weg durch den entgegenkommenden Personenstrom zum Ausgang suchte. Trotz Kreisverkehr kam es zwar bei sehr hohen Personendichten im Kreuzungsbereich zu Stockungen, die aber nie in einem völligen Stillstand des Fußgängerstroms resultierten.

Das Korridor-Experiment, mit bidirektionalem Fußgängerstrom, fand zunächst ohne und später unter Einsatz von Beschilderung statt. Hierbei ist zweierlei anzumerken: Erstens, dass die verwendeten Schilder sowohl über Monitore als auch über gedruckte Abbildungen gezeigt wurden. Zweitens verwendeten die Schilder bekannte bzw. etablierte Straßenverkehrssymbole (Durchfahrt verboten, Kreisverkehr und Notausgang), die in eine Draufsicht des Versuchsaufbaus eingesetzt wurden. Dadurch gaben die Schilder den Probanden einerseits die begehbare Seite des Korridors und andererseits die zu nutzenden Auswege aus dem Korridor vor. Der Ausweg aus dem Korridor sollte wiederum durch einen Kreisverkehr erfolgen.

Nach ersten Beobachtungen scheinen die Experimente ohne Beschilderung darauf zu verweisen, dass die Teilnehmer einerseits die volle Korridorbreite und andererseits die für sie bestimmten Ausgänge nur in sehr geringem Umfang nutzten. In den Versuchen mit Beschilderung konnte zunächst beobachtet werden, dass die Probanden in allen Durchläufen tatsächlich nur den für sie bestimmten Eingangsbereich des Korridors verwendeten. Der Kreisverkehr am Ende des Korridors wurde jedoch von den Probanden, die von der rechten Seite des Korridors zum links liegenden Ausgang gelangen sollten, kaum angewendet, am häufigsten noch bei geringen Personendichten. Höhere Personendichten des entgegenkommenden Stroms führten zumeist dazu, dass die Probanden ihren Weg einfach fortsetzten. Über die Gründe, warum Sie die Anweisung zum Kreisverkehr ignorierten, kann bisher nur spekuliert werden. Vorstellbar wären fehlende Sanktionsmaßnahmen oder Belohnungen, vielleicht auch nicht vorhandene bauliche Veränderungen.

Als Fazit des dritten Tages scheint sich festhalten zu lassen, dass

  1. sich die Ergebnisse der Vortage bestätigen.
  2. sich durch Beschilderung die natürliche Bewegungsrichtung, d.h. die Rechtsausrichtung von Personenströmen in unserem Kulturraum positiv verstärken lässt.
  3. die Probanden vielleicht bei hohen Personendichten, ohne konkrete Sanktionen, Gratifikationen, persönliche Motivationen zum Zielort zu gelangen oder bauliche Maßnahmen keine Notwendigkeit sehen, entweder den Gegenverkehr zu kreuzen oder dem Kreisverkehr zu folgen.
  4. offen gelassen werden muss, wie z.B. eine Kreisverkehrsregel in einer Krisensituation wirksam aufrecht erhalten werden kann.

Blickt man zurück auf die dreitägigen Experimente, an denen das IfM beteiligt war, zeichnen sich also erste deutliche Befunde ab, die aber erst noch im Lichte der Auswertung der Personenstrom- sowie Audio-, Video- und Interviewdaten überprüft werden müssen. Wir erwarten in ca. einem halben Jahr erste profunde Ergebnisse veröffentlichen zu können.

 

Christoph Groneberg (Universität Siegen)