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Stellungnahme des medienwissenschaftlichen Mittelbaus zur Lehrveranstaltung »Denken und Denken lassen. Zur Philosophie und Praxis der Meinungsfreiheit« am Philosophischen Seminar

 

Stellungnahme des medienwissenschaftlichen Mittelbaus zur Lehrveranstaltung »Denken und Denken lassen. Zur Philosophie und Praxis der Meinungsfreiheit«, veranstaltet von Prof. Dr. Schönecker, Philosophisches Seminar der Universität Siegen, Wintersemester 2018/19:


In den letzten Tagen und Wochen ist das von Prof. Dr. Schönecker ausgerichtete Seminar »Denken und Denken lassen. Zur Philosophie und Praxis der Meinungsfreiheit« sowohl universitätsintern als auch in der Presse kontrovers diskutiert worden. Als Mittelbau im medienwissenschaftlichen Seminar befürworten wir die klare Distanzierung des Rektorats und des Dekanats. Die Veranstaltung  widerspricht den Idealen unserer Universität, die sich Internationalisierung und Förderung von  Vielfalt und Chancengleichheit in allen Bereichen auf die Fahne geschrieben hat. In diesem Sinne ist  auch die Entscheidung, die Vortragsreihe rein männlich zu besetzten  bedauerlich.
Der Ankündigungstext des Seminares sowie der dazugehörigen Vortragsreihe bemüht ausdrücklich und einzig politische Kategorien, wohingegen ein Interesse an einer philosophischen Auseinandersetzung  mit dem Thema der »Meinungsfreiheit« allenfalls am Rande ersichtlich  wird. Der Ankündigungstext lässt nur eine Lesart zu und diese besteht in  einer politischen Provokation. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern eine  Selbstinszenierung als Opfer von Teilen der Redner als  Persönlichkeiten, deren Meinungsfreiheit bedroht würde, einen wissenschaftlichen Beitrag darstellt,  der zu einer philosophischen Reflexion im Rahmen einer wissenschaftlichen Lehrveranstaltung  qualifiziert.  Dies unabhängig davon, dass z.B. Marc Jongen und Thilo Sarrazin als Personen des  öffentlichen Lebens, wie für jeden objektiven Beobachter ersichtlich ist, fest in die breite  Medienöffentlichkeit integriert sind.
Die Freiheit der Meinungsäußerung ist für uns ebenso wichtig wie die Freiheit von Forschung und  Lehre. Deshalb erkennen wir das Recht der Lehrfreiheit an, das sich auch in kontroversen Einladungen zur Diskussion in ein Seminar manifestiert. Dementsprechend distanzieren wir uns  explizit von Verbotsforderungen für diese Veranstaltung. Zugleich sind wir zutiefst  besorgt über die mangelnde wissenschaftliche Qualität und einseitige politische Ausrichtung der angekündigten  Lehrveranstaltung, insbesondere da die Veranstaltung im Rahmen der grundständigen Lehre angeboten wird.
Als Mitglieder der Universität Siegen bekennen wir uns zu Pluralität, Vielfalt und Austausch. Kontroversen sind für uns kein Anlass zur etwaigen Unterdrückung oder gar zum Verbot von Meinungsäußerungen. Im Gegenteil, Kontroversen sind der Eckpfeiler gelebter wissenschaftlicher  Praxis, die wir unseren Studierenden in Lehrveranstaltungen vermitteln wollen. Einseitigkeit und  Dogmatismus provozieren Polarisierung, aber keine kritisch-reflexiven Debatten. Diese Einseitigkeit ist allerdings in der Auswahl der Vorträge des Seminars klar erkennbar.
Da das Seminar von Prof. Dr. Schönecker bereits durch seine Außenwirkung die gesamte  Universitätsöffentlichkeit und den Ruf der Universität Siegen betrifft, möchten wir dazu aufrufen, den Asta gegen  öffentliche Angriffe zu schützen.
 
Für den medienwissenschaftlichen Mittelbau Nadine Taha und Lorenz Gilli
(Vertreter *innen der Statusgruppe des akademischen Mittelbaus im  Seminarrat der Medienwissenschaft an der Universität Siegen)