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Call for Papers

„Staatsbürgerschaft im Spannungsfeld von Inklusion und Exklusion. Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen und nordamerikanischen Einwanderungsgesellschaften“

Universität Siegen, 15-16. Oktober 2015

Im Zuge von so unterschiedlichen Prozessen wie Globalisierung und zunehmenden Migrationsbewegungen gewinnt das Thema der Staatsbürgerschaft wieder an wissenschaftlicher Bedeutung. In den vergangenen Jahren wurden wiederholt unterschiedliche Begriffe von Staatsbürgerschaft/Citizenship diskutiert, um das Spektrum der Exklusionsprozesse zu verdeutlichen und auf verschiedenen Ebenen Inklusion anzuregen. Auch wenn Staatsbürgerschaft in einem Nationalstaat formal Inklusion und gleiche Rechte bewirken soll, sehen sich Bürgerinnen und Bürger Ungleichheit erzeugenden Alltagspraxen ausgesetzt, wodurch Inklusionsversprechen schnell wieder in Exklusionsprozessen münden können.

So sind manche Bevölkerungsgruppen auf Grund ihres Alters, Geschlechts, ihrer Herkunft, Konfession, sozioökonomischen Situation, etc. an der uneingeschränkten Ausübung ihrer Staatsbürgerschaft gehindert. Ungeachtet der rechtlichen Gleichstellung schließt der Besitz der Staatsbürgerschaft also eine faktische Diskriminierung nicht aus. Die Exklusion findet sowohl beim Zugang zum Status der Staatsbürgerschaft (Exklusion von Nicht-Staatsbürgerinnen und Nicht-Staatsbürgern) als auch bei der gesellschaftlichen Teilhabe der Staatsbürgerinnen und Staatsbürger statt. Die Exklusion auf den beiden Ebenen ist, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und in je anderen Formen, mit verringerter gesellschaftlicher Partizipation und mit eingeschränktem Zugang zu Rechten und sozialstaatlichen Leistungen verbunden.

Insofern wird für die Tagung das Ziel gesetzt, „Lücken“ und Diskrepanzen zu suchen, die zwischen einer formalen Staatsbürgerschaft und einer substanziellen Ausbuchstabierung derselben liegen, um hier ein Gegensatzpaar von James Holston und Arjun Appardurai (1999) zu bemühen. Diese Suche nach den Lücken kann beispielsweise geschehen, indem die verschiedenen Maßstabsebenen (scales) von Staatsbürgerschaft(en) betrachtet werden und dabei Rechtegewährungen von der lokalen Ebene bis hin zur post-nationalen Konstellation in den Blick geraten. Ein Weg, sich dem Ziel zu nähern, könnte darin bestehen, makrosoziale Beobachtungen anzustellen und dabei beispielsweise das Verhältnis von Markt, Staat und Zivilgesellschaft zu befragen. Diskrepanzen könnten sichtbar werden, wenn die Rolle von Institutionen fokussiert wird, insbesondere aus dem Bereich der Judikative. Lücken und Diskrepanzen könnten auch da gesucht werden, wo formale Staatsbürgerschaft noch unzureichend mit Rechten ausgestattet ist. Diese Diagnose wäre denkbar, wenn der Fokus auf einer digital citizenship läge, die zusätzlich zu den klassischen bürgerlichen, politischen und sozialen Rechten noch Neuformulierungen bedarf, weil insbesondere das Kommunizieren im digitalen Zeitalter Staatsgrenzen überschreitet und längerfristig für Staatsorgane beobachtbar bleibt. Die Suche nach „Lücken“ kann aber auch den Blick auf individuelle Akteure richten, welche sich in Acts of Citizenship (Isin 2008) selbst ihre Bürgerschaft erkämpfen und damit einen performativen Begriff von Staatsbürgerschaft anwenden.

Die Tagung „Staatsbürgerschaft im Spannungsfeld von Inklusion und Exklusion“ befasst sich mit den Themen der Inklusion bzw. Exklusion mit Blick auf Staatsbürgerschaft in Deutschland und in vergleichender Perspektive innerhalb europäischer und nordamerikanischer Gesellschaften. Dabei sollen insbesondere folgenden Fragen betrachtet werden:

  • Welche Exklusions- oder Diskriminierungsformen treten mit Blick auf die (Ausübung von) Staatsbürgerschaft in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen und nordamerikanischen Einwanderungsgesellschaften auf?
  • Welche Auswirkungen haben diese Exklusions- und Diskriminierungsformen auf die gesellschaftliche Partizipation sowie auf den Zugang zu wohlfahrtsstaatlichen und sozialrechtlichen Leistungen?
  • Welche Rahmenbedingungen begünstigen eine Teilhabe und ein Gefühl der Zugehörigkeit?
  • Mit welchen Maßnahmen wird Exklusionsformen erfolgreich begegnet? Welche Best Practice-Beispiele gibt es?

Dieser Call for Papers richtet sich insbesondere an NachwuchswissenschaftlerInnen, aber auch an Personen, die in der Praxis in unterschiedlichen Bereichen wie Politik, Soziales, Kultur, Bildung, Verwaltung, etc. beschäftigt sind. Wir freuen uns über Beiträge, die sich dem Staatsbürgerschaftsbegriff entweder theoretisch nähern oder eigene empirische Arbeiten vorstellen; darunter können ebenfalls konkrete Praxiserfahrungen und Anwendungsbeispiele von PrakterInnen in kommunalen Behörden und bei lokalen Trägern fallen. Eine vergleichende Perspektive ist erwünscht, aber nicht zwingend. Beiträge können entweder in Form eines Vortrags oder Posters erfolgen.

Abstracts von nicht mehr als 500 Wörtern (mit Angabe des gewählten Formats: Vortrag/Poster) sind bis zum 30.08.2015 bei Sarah J. Grünendahl (Email-Adresse: sarah.gruenendahl@student.uni-siegen.de) einzureichen. Eine Auswahl der Beiträge erfolgt anschließend zeitnah. Als Veranstaltungssprache für die Plenen ist deutsch geplant. Gleichwohl können auch Beitragsvorschläge in englischer Sprache eingereicht werden. Für eine Kinderbetreuung während der Veranstaltung ist gesorgt.

 

“Inclusion and Exclusion in the Dialectic of Citizenship. A Comparative View of Germany and other European and North American Immigrant Societies”

University of Siegen, October 15-16, 2015

Globalization and increasing migration flows are rendering citizenship an ever more topical matter in academia. Over the last few years, differing concepts of citizenship have been discussed, both to illustrate the range of exclusion processes and to stimulate inclusion at various levels. Although citizenship in a nation state ought to entail, by definition, inclusion and equal rights, daily practice sees citizens time and again faced with inequalities – the end result being exclusion rather than anticipated inclusion.

Accordingly, some population groups have been, and continue to be, discriminated against based on age, sex, ethnicity, religious affiliation, socioeconomic status, etc., i.e., members of these groups cannot fully exercise the rights their citizenship affords them. Formal citizenship hence does not preclude factual discrimination, legal equality notwithstanding. Exclusion can occur both with regard to access to citizenship (i.e., exclusion of non-citizens) and with regard to the extent to which citizens can partake in society. In either case, exclusion means less societal participation, albeit to varying degrees and in varying forms, as well as limited access to rights and social benefits.

The conference's objective is to identify “gaps” and discrepancies that exist with regard to formal citizenship on the one hand and the exercise thereof on the other, in keeping with James Holston and Arjun Appardurai's pair of opposites (1999). The search for gaps can proceed, for instance, by taking into consideration the various scales of citizenship(s), including the ways in which rights are granted locally as well as in post-national constellations. It may be worthwhile to examine the matter from a macrosocial perspective, i.e., analyze the relations of market, state and civil society. Discrepancies may also become evident in the roles that institutions, the judiciary specifically, play. The search for gaps and discrepancies may be equally in order in circumstances in which formal citizenship lacks factual rights. This diagnosis would be appropriate if the focus was on digital citizenship, which, in addition to traditional civic, political and social rights, is likewise subject to redefinition. This may arguably be all the more true given that the means of communication increasingly cut across national borders in this digital day and age and may thereby be observed by government bodies in the long term. The search for “gaps” may also focus on the individual stakeholders who seek to confirm their national belonging through Acts of Citizenship (Isin 2008) and thus practice a more performative type of citizenship.

The conference “Citizenship in Between Inclusion and Exclusion” is concerned with inclusion and exclusion alike and takes a comparative view at Germany as well as European and North American countries of immigration. The focus is on questions such as the following:

  • Which types of exclusion and discrimination can be observed with regard to how citizenship rights can be exercised in Germany vis-à-vis other European and North American countries of immigration?
  • What are the implications of these types of exclusion and discrimination for participation in society as well as for the procurement of social benefits?
  • Which conditions are conducive to participation and a sense of belonging?
  • Which measures are being taken to offset these instances of exclusion and to what extent are these measures effective? Which approach(es) can be considered best practice?

The target audience for this Call for Papers includes junior scholars as well as practitioners who work in the sectors of politics, social work, culture, education, administration, etc. We look forward to the submission of any presentations in relation to the aforementioned topics, either on a theoretical or empirical level; contributions that are concerned with the daily practice in local state-run or charitable agencies are equally welcome. A comparative approach is an asset but not a prerequisite. Imaginable presentation formats are both lectures and posters.

Abstracts of no more than 500 words (stating the contribution's format: lecture/poster) are to be sent to Sarah J. Grünendahl (email: sarah.gruenendahl@student.uni-siegen.de) by August 30, 2015. The selection will occur promptly after the submission deadline. While the conference language will be German, submissions can also be made in English. Child care will be provided during the conference.