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HIST.NET.REGIO - Forschungsstelle regionale Kulturgeschichte

Konjunktur von Raum und Region

Die Kategorie Region prägt kulturelle Sinnbildungsangebote aus, beeinflusst individuelle Identitätsstiftung und bestimmt gesellschaftspolitische Diskurse. Das Bewusstsein für das Gewordene und die Konstruktion räumlicher Gegenwart aus der Vergangenheit hat kulturgeschichtliche Herangehensweisen und neue Bildungskonzepte auf den Plan gerufen. Die kulturgeschichtlichen Forschungen zu Mental Maps, ihren Strukturen, zu Veränderbarkeit und Formbarkeit sowie zu Akteuren des Konstruktionsprozesses gewinnen am regionalen Kontext an hermeneutischer Schärfe. Sich der Relationalität und der Konstruktion von Raum bewusst zu werden, schafft Grundvoraussetzungen für verantwortungsbewusstes Handeln in einer demokratischen Gesellschaft – auch über den akademischen Bereich hinaus.

Seit einigen Jahren haben Begriffskonzepte wie regionale Kultur, regionale Bildung, regionale Identität und Kulturregion zusehends an Bedeutung gewonnen. Eine Vielzahl von Aktivitäten und Initiativen haben Räume wie das Siegerland oder Südwestfalen mehr in das Bewusstsein der Menschen gerückt.

Durch vielfach als entwurzelnd erlebte Prozesse der Globalisierung und Internationalisierung (Ulrich Beck) wird der lokale Raum als individueller, alltäglicher Erfahrungsraum mehr wahrgenommen. Zugleich scheinen Marketingexperten und politische Gremien die Prägung und Verbreitung regionaler Identitätsbilder zu bestimmen: Mit einem auf die Region bezogenen Identitätsgewinn scheint die Erwartung verbunden zu sein, gesellschaftliche Energien freizusetzen, Zustimmung zugunsten einer gemeinsamen Sache zu fördern und die Ausgangslage der jeweiligen Region im Standortwettbewerb verbessern zu können. Die Zielsetzung ist dabei fast immer dieselbe: Das Engagement der Bürger für und die Bindung an ihre Region solle gestärkt, Gestaltungsspielräume für die regionalen Kräfte der Verwaltung, Wirtschaft und Kultur sollen erweitert werden, damit sie im Rahmen europäischer und nationaler Strukturpolitik handlungsfähig bleiben oder werden („Kommunale Intelligenz“, G. Hüther, 2013). Dem Gedanken kommt bei den Versuchen einer regionalen Identifizierbarkeit über kulturelle Erkennungsmerkmale eine zentrale Bedeutung zu. Diese Legitimations- und Verkaufsstrategien kritisch zu begleiten, ist Aufgabe der (Fach-)Wissenschaft und insbesondere der Geschichtsdidaktik.

Ziel der Forschungsstelle regionale Kulturgeschichte

Die Forschungsstelle HIST.NET.REGIO versteht sich als Impulsgeber für Historisches Lernen und kulturelle Bildung im regionalen Erfahrungsraum. Sie beschäftigt sich mit neuen Formen der Wahrnehmung von und öffentlichen Auseinandersetzungen (Public History) mit regionaler Geschichte sowie den Konstruktionsprozessen regionaler Identität(-sangebote). Mit kulturwissenschaftlichen Methoden und in interdisziplinären Bezügen sollen innovative Konzepte für informelles Lernen entwickelt und die (regionale) Vermittlungsarbeit von Bildungsinstitutionen wissenschaftlich begleitet werden.

Zwei Perspektiven leiten die Aktivitäten: Zum einen ist der Blick dabei nicht ausschließlich auf die hiesige Region gerichtet, vielmehr dient sie als Folie zur Entwicklung übertragbarer und nachhaltiger Konzepte. Zum anderen sollen dabei die Theorien und Thesen vom Mehrwert der Regionalgeschichte empirisch fundiert werden.

Die Forschungsstelle regionale Kulturgeschichte will zum einen bestehende Forschungsaktivitäten und Kooperationen mit regionalen Institutionen bündeln und vernetzen, zum anderen ein gemeinsames Dach für zukünftige Entwicklungen und gemeinsame Forschung schaffen. Sie soll die regionalen Forschungsprojekte in Hochschule und Öffentlichkeit sichtbar machen.

Ein Ziel der Forschungsstelle besteht darin, kulturwissenschaftliche Konzepte für historisches Lernen am regionalen Beispiel zu entwickeln, zu erproben und zugleich zu erforschen, ob dieses „regionale“ Lernen den häufig unterstellten und erhofften Mehrwert für historisches Lernen hat: Setzen historisches Wissen um die Region und die daran gelernten Kompetenzen Anreize zu Fortschritten im historischen Denken, zu gesellschaftlichem Engagement und lebenslangem Lernen?

Zudem soll Wissen über die Region gesammelt und generiert werden.

Struktur

Die Forschungsstelle regionale Kulturgeschichte besteht aus einem interdisziplinär zusammengesetzten Beirat aus Vertretern der Disziplinen Geschichte und ihrer Didaktik, Sozial- und Medienwissenschaften, Architektur / Städteplanung, Kunst, Geographie und ihrer Didaktik. Die Koordinationsstelle ist am Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte angebunden.

Sprecherin

Dr. Katrin Minner, Universität Siegen, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte

Mitglieder

Prof.‘in Dr. Bärbel Kuhn, Universität Siegen, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte

Prof.‘in Dr. Angela Schwarz, Universität Siegen, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte

Dr. Jens Aspelmeier, Schulamt für den Kreis Siegen-Wittgenstein

Dr. Thomas A. Bartolosch, Universität Siegen, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte

Daniel Groth, Universität Siegen, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte

Dr. Katrin Minner, Universität Siegen, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte

Dr. des. Daniela Mysliwietz-Fleiß, Universität Siegen, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte

Dr. Cornelius Neutsch, Universität Siegen, Wirtschafts- und Sozialgeschichte / SFB Medien der Kooperation

Matthias Opitz, Universität Siegen, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte

Tobias Scheidt, M.A., Universität Siegen, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte

Dr. Matthias Weipert, Universität Siegen, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte