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Prof. Dr. Tsutomu Haga – Georg Bollenbeck Fellow 2018

Rektor der Theologischen Hochschulen Tokio (Tokyo Union Theological Seminary)


Mein Aufenthalt in Siegen

Ich habe das halbjährige Forschungsfreisemester von Anfang April bis zum Ende August 2018 an der Universität Siegen verbracht. Während meines Aufenthalts in Siegen habe ich mich auf das Schreiben des Buches über die christliche Soteriologie in narrativer Weise vorbereitet. Das Buch wurde inzwischen in Japan veröffentlicht. Weiterhin habe ich an zwei Seminaren über die Theologie Calvins und die Barmer Theologische Erklärung, die von Prof. Georg Plasger geleitet wurden, teilgenommen. In diesen habe ich sehr aufschlussreiche Interpretationen gelernt und viele Anregungen im Hinblick auf die interaktive Unterrichtsmethode bekommen.

Meine Gastvorlesung über „Die erzählende Tradition in der pluralistischen Welt“ habe ich am 26.06.2018 an der Universität Siegen gehalten. Nach einigen Vorbemerkungen über die Veränderung des missionarischen Paradigmas und die Situation der Christen in Japan als Minderheit, habe ich das Wesentliche des Christentums als die zur Universalität geöffnete Partikularität als ganz eigener Charakter der Christengemeinden charakterisiert. In der Problematik des utilitaristischen Individualismus und der Zwecklosigkeit und Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens mitten in der profitorientierten Gesellschaft sollte man wieder die universale und endzweckhafte "Grandstory", die die moderne Gesellschaft verloren und die die religiöse Gemeinschaft bisher getragen hat, entdecken. Dazu trägt die Behauptung der Rehabilitierung der Tradition bei Hans-Georg Gadamer ganz sicher bei. Die Zugehörigkeit zur Tradition ist die Bedingung des Verstehens. Wichtig ist das angemessene Urteil darüber, welches Vor-Urteil sachgemäßer ist, um die Wirklichkeit zu erklären. Die Tradition als Gestaltungsvorgang ist im Werden. Amerikanische Kommunitaristen (Alasdair MacIntyre, Robert Bellah, Michael Walzer, Michael Sandel, Charles Taylor) behaupten, dass es eine Mittel-Gruppe als freiwillige
Gemeinde (community) zwischen Staat und Individuum geben sollte, um das Konzept des guten Lebens auf narrative Weise anzubieten und auszubilden. Und ich machte auf die vom Heil erzählende Tradition der christlichen Gemeinden aufmerksam, weil die Erzählung des Heilsereignisses geradezu die lebendige Tradition im eigentlichen Sinne ist. Mir schweben vier „Stammbäume“ der Stories vom Heil vor, und zwar Opfer-Story, Erlösungs-Story, Genugtuungs-Story, Gerichts-Story. Diese Begriffe scheinen in den tradierten Erlösungslehren der Theologie ganz altmodisch zu sein. Aber sie sind doch auch in der Gegenwart lebendig, indem sie gemeinsame und analoge Charaktere als "Pre-stories" in der modernen Gesellschaft haben. Meine These lautet, dass die christlichen Gemeinden und die Kirche insgesamt den Mut zum Nacherzählen der Erzählgemeinschaft als ekklesia narrans haben.

Während meiner Zeit in Siegen habe ich noch einen Aufsatz "Christologien in Japan" für die Zeitschrift "Verkündigung & Forschung" und auch einen Essay: "Wer ist Karl Barth für japanische Christen?" für das „Karl-Barth-Magazin" geschrieben. Anschließend, nach meiner Rückkehr nach Japan habe ich das Buch von Prof. Georg Plasger: “Glauben heute mit dem Heidelberger Katechismus” ins Japanische übersetzt.

Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Gelegenheit für eine hoch intensive Forschungszeit angeboten wurde. Mir bleiben gute und schöne Erinnerungen an die Universität Siegen auf dem Hügel.