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Zerbricht die Eurozone?

Experten-Runde diskutierte zum Auftakt der Reihe „Wirtschaftspolitische Gespräche am Dicken Turm“ über die Zukunft des Euro.

Unter dem Motto „Krise ohne Ende!?“ diskutierte eine hochkarätig besetzte Runde am 29. November .2013 im Museum für Gegenwartskunst die wirtschaftliche Zukunft des Euro: der bekannte Euro-Skeptiker Prof. Dr. Joachim Starbatty von Universität Tübingen, der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Werner Plumpe, Prof. Dr. Heiner Flassbeck, der unter Oskar Lafontaine Staatssekretär im Finanzministerium war, und der Ökonom Prof. Dr. Günter Beck von der Universität Siegen. Bei einer solch illustren Runde brauchte es im vollbesetzten Vortragssaal eine Moderation mit Durchsetzungskraft. Die Journalistin Dr. Ursula Weidenfeld hielt die Diskutanten im Zaum und unterbrach, wenn es nötig war.

Denn die Diskussion wurde schon nach wenigen Minuten sehr lebhaft, als es um die Gründe für die derzeitige Krise in der Eurozone ging. Heiner Flassbeck forderte, das Lohnniveau in Deutschland kräftig zu steigern, damit die Lohnstückkosten mit anderen Ländern der Eurozone gleich ziehen. Deutschland habe sich mit seinen moderaten Lohnabschlüssen einen Vorteil gegenüber den Euroländern erkauft und mit seinen daraus resultierenden Exportüberschüssen die Ungleichgewichte in der Eurozone verursacht. Starbatty und Beck widersprachen: Die Länder der Peripherie müssten an Wettbewerbsfähigkeit zulegen, statt Deutschland als stärkster Volkswirtschaft Fesseln in Form höherer Löhne ans Bein zu binden. Bei der Diskussion konnte Flassbeck auf seine Erfahrung als Staatssekretär im Finanzministerium und seine Rolle als Chefvolkswirt der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung verweisen. Günter Beck stellte in der hitzigen Debatte den ruhenden Pol dar und versuchte Sachlichkeit einzubringen; er wies unter anderem auf die Gründe für die Exportstärke Deutschlands hin: hohe Qualität und die starke Nachfrage nach deutschen Maschinen aus Fernost.

Wie geht es mit dem Euro weiter? Joachim Starbatty und Werner Plumpe waren sich einig, dass es nicht wie bisher weitergehen wird. Plumpe verwies darauf, dass noch keine Währungsunion in der Geschichte langfristig gehalten habe. Starbatty sprach sich einmal mehr für ein Aufbrechen der Eurozone aus, um das Projekt Europa zu retten. Heiner Flassbeck sah keine Alternative zu höheren Löhnen in Deutschland, um die Lohnstückkosten in der Eurozone anzugleichen und so die Exportüberschüsse Deutschlands zurückzufahren. Ansonsten werde die Eurozone zerbrechen.

Die Diskussionsrunde fand im Rahmen der Reihe „Wirtschaftspolitische Gespräche am Dicken Turm“ statt. Organisatoren waren das Forschungskolleg Zukunft menschlich gestalten (FoKoS) und das Zentrum für ökonomische Bildung in Siegen (ZöBiS). Die Reihe wird mit zwei bis drei Diskussionen pro Jahr fortgesetzt. „Das ist genau das, was wir haben wollten“, resümierten Hans Jürgen Schlösser und Nils Goldschmidt vom Zentrum für ökonomische Bildung in Siegen die Gesprächsrunde. „Eine lebhafte Diskussion über ein relevantes Thema mit ausgewiesenen Experten - und das mitten in der Stadt.“ Auch Carsten Hefeker, Direktor des Forschungskollegs „Zukunft menschlich gestalten“, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Auftakt der Veranstaltungsreihe: „Wir freuen uns über den Zuspruch den die Diskussion bei den Siegenern gefunden hat. Der Raum im Museum für Gegenwartskunst war bis auf den letzten Platz besetzt!“ Am 9. Mai 2014 gehen die Wirtschaftspolitischen Gespräche in die nächste Runde: Thema wird die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme sein.

Marco Rehm

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