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Mittendrin im OP-Saal

Neue Lehrveranstaltung der Universität Siegen lässt Studierende durch eine Live-Übertragung an Operationen im Kreisklinikum Siegen teilhaben.

In den OP-Saal einer Klinik blicken die meisten Menschen nur kurz, dann setzt die Narkose ein und die Operation beginnt. Studentinnen und Studenten der Universität Siegen erlebten jetzt in einer neuen Lehrveranstaltung Operationen an Fuß und Kniegelenk im Kreisklinikum Siegen live mit. Wie bei einer TV-Übertragung wurden Bild und Ton direkt aus dem OP-Saal in den Seminarraum an der Uni übertragen. „Wir probieren eine neue Art der Lehrveranstaltung aus, um unseren Studierenden die Möglichkeit zu geben, medizinische Vorgänge während einer Operation nachvollziehen zu können. Dabei geht darum, bei den Studierenden Kompetenzen in der Biologie nicht nur durch Vermittlung von Lehrbuchwissen, sondern als Erkenntnisprozesses begreifbarer zu machen“, sagt Dr. Christoph Forreiter, Akademischer Oberrat am Institut für Biologie der Universität Siegen. Die Lehrveranstaltung richtet sich zunächst ausschließlich an Lehramtsstudierende im Bereich Biologie, welche der ärztlichen Schweigepflicht unterlagen.

Am 1. Juni waren die Studierenden bei zwei Operationen dabei. Dr. med. René Burchard (Leitender Arzt der Sektion Sportklinik) versteifte ein durch Arthrose beschädigtes Zehengrundgelenk und behandelte einen Kreuzbandabriss im Kniegelenk. „Die Studierenden nehmen hier das Gelenk ganz konkret als bewegliches System war, welches durch Fehlbelastung seine Funktionalität verliert. Dabei kann, das konnten die Studierenden mit dieser Veranstaltung unmittelbar erfahren, durch chirurgische Maßnahmen das Gelenk entweder in seiner Funktionalität wiederhergestellt, oder aber, bei vorschreitender Störung, nur noch entlastend korrigiert werden“, erklärt Dr. Forreiter.

Eine Helm-Kamera zeigte die Sicht des Operateurs, eine zweite Kamera die Situation im OP-Saal. Dr. Burchard erklärte während der Operationen jeden Handgriff, die Studierenden stellten im Anschluss Fragen direkt an den Arzt. „Das ist ein einmaliges Erlebnis, für Laien ist sowas ja sonst nicht mitzuerleben. Für uns als Biologie-Studierende war interessant, den Aufbau des Gelenks zu sehen“, sagte Beverly Sohler, Lehramts-Studentin im 6. Semester. Ihre Kommilitonin Anika Karaszewski interessierte sich dafür, "die Strukturen der Gelenke und des Körpers zu sehen“.

Zu den Werkzeugen von Dr. Burchard zählten nicht nur Augen, Hände und sein Fachwissen, sondern auch Schrauben, Drähte und Fräsen. Der Chirurg arbeitete mit minimal-invasiver Technik. Diese moderne Operations-Methode wird beispielsweise zur Behandlung von Arthrose in Knie- und Schultergelenken oder beispielsweise bei Kreuzbandoperationen eingesetzt. Bei der Versteifung des Zehengrundgelenks bearbeitete Dr. Burchard zwei Knochen, fixierte und verschraubte beide schließlich, sodass eine schmerzfreie Bewegung möglich ist. „Ein bisschen ist es wie beim Schreinern. Die Knochen müssen perfekt aufeinander passen“, sagt Dr. Burchard. Durch ein mobiles Röntgen-System kontrollierte der Arzt seine Arbeit.

„Das Konzept von Live-OPs ist bei medizinischen Kongressen mittlerweile weit verbreitet, dass Lehramtsstudierenden an solch einer Veranstaltung teilhaben dürfen, ist dagegen außergewöhnlich. Ein Meilenstein in der Lehre und ein weiterer Beweis der hervorragenden Zusammenarbeit von Universität und Kreisklinikum in Siegen“, sagt Dr. Burchard. Die technischen Voraussetzungen für die Übertragung hat das Zentrum für Informations- und Medientechnologie (ZIMT) der Universität Siegen gelegt.

Die zwei weiteren Übertragungs-Termine sind der 8. Juni sowie der 2. Juli 2015.