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Alt werden im eigenen Viertel

Am Forschungskolleg der Uni Siegen startet das Projekt „Cognitive Village“ und befasst sich mit technischen Begleitern im Alltag.

Wer älter wird, ist häufig auf Hilfe angewiesen. Hilfe bei den Arbeiten im Haushalt, Hilfe bei Fahrten zu Ärzten oder Freunden, Hilfe beim Einkaufen. Gerade, wenn ältere Menschen in ländlichen Regionen zu Hause sind, ist Selbstständigkeit umso wichtiger, schließlich gibt es auf dem Dorf nicht immer alles in direkter Nähe. Wie kann neue Technik im Alltag helfen, dass Menschen möglichst lange selbstständig leben können – und das zu Hause, in ihrem eigenen Viertel? Wie kann garantiert werden, dass die Technik sich an die Menschen anpasst und nicht umgekehrt? Und welche Chancen bieten technischen Alltagsbegleiter für Unternehmen, Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Sozialversicherungen?

Am Forschungskolleg der Universität Siegen (FoKoS) ist dazu das dreijährige Forschungsprojekt „Cognitive Village“ gestartet. Das Konsortium besteht aus Unternehmen, Kommunen, Wohnungsgesellschaften, Universität, Wohlfahrtsverbänden, Fraunhofer Gesellschaft und Stiftungen. Ein FoKoS-Team unter Federführung von Prof. Dr. Marcin Grzegorzek aus der Informatik hat rund 1,2 Mio. Euro aus Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) eingeworben.

„Die bisherigen Lösungen berücksichtigen zu wenig, wie sich ältere Menschen verhalten“, sagt Verbundkoordinator Prof. Grzegorzek. Die Technik sei außerdem meist an die Wohnung gebunden und zu wenig vernetzt. Im Projekt „Cognitive Village“ arbeiten daher die verschiedensten Disziplinen zusammen, um mobile, lernende Alltagsbegleiter zu konstruieren. Informatiker und Ingenieure nutzen im Projekt die Prototypen intelligenter „Wearables“ wie digitale Brillen oder Uhren. Sie können älteren Menschen helfen, sich im Viertel zu orientieren, Hilfe zu mobilisieren und den Alltag zu organisieren. Diese „Wearables“ sind eingebettet in ein digitales Netzwerk, das im Projekt entwickelt wird. Die gewonnenen Daten werden vernetzt und gleichzeitig geschützt.

Die Besonderheit des Projekts ist, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten. Wirtschaftsinformatikerinnen und -informatiker binden von Beginn an ältere Menschen ein. Sie entwickeln gemeinsam mit ihnen die Technologien und passen sie an. Kommunen, Wohnungsgesellschaften und Wohlfahrtsverbände stellen ihre Infrastruktur und Expertise zur Verfügung. Stadtplanerinnen und Stadtplaner erforschen, wie sich die technischen Alltagsbegleiter in Dorf- und Stadtstrukturen einfügen. Expertinnen und Experten aus Stiftungen, Sozialwissenschaften und Philosophie untersuchen, wie sich die neuen Technologien sozialpolitisch nutzen und wie sich ethisch-rechtliche Probleme lösen lassen.