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Im Tandem nimmt Karriere von Wissenschaftlerinnen Fahrt auf

Seit fünf Jahren gibt es das Frauenspezifische Mentoring-Programm Siegen (FraMeS) an der Unviersität Siegen.

Das erste Treffen von Dr. Ina Biederbeck mit Prof. Dr. Ulrike Weyland hatte fast schon etwas von einem Blind Date: „Ich war sehr aufgeregt, die Wissenschaftlerin zu treffen, die ich sonst nur als tolle Rednerin auf Tagungen oder aus Publikationen kannte“, erinnert sich Biederbeck. Sie, Post-Doc im Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZLB) an der Uni Siegen und Ulrike Weyland, Professorin an der Universität Münster. Man traf sich nicht in erster Linie zum wissenschaftlichen Austausch, sondern um zu schauen „ob die Chemie stimmt“, ob die beiden Frauen miteinander können und als Mentoring-Tandem im Rahmen von FraMeS  zusammen arbeiten wollen. FraMeS ist das frauenspezifische Mentoring-Programm der Universität Siegen. Seit fünf Jahren gibt es FraMeS. Julia Küchel, Koordinatorin des Programms, verzeichnet ein zunehmendes Interesse bei den Wissenschaftlerinnen der Uni Siegen. „Jährlich können bis zu 15 Frauen teilnehmen. Da meist mehr Bewerbungen vorliegen, gibt es ein Auswahlverfahren.“

FraMeS bietet Promovendinnen und Post-Docs aller Fachrichtungen Unterstützung bei der individuellen Karriereplanung. Das Programm basiert auf den drei Elementen Mentoring, Training und Networking. Workshops und Seminare ermöglichen es den Teilnehmerinnen, hilfreiche Schlüsselqualifikationen für die berufliche Laufbahn zu erwerben. Ein Rahmenprogramm zu karriererelevanten Themen bietet wertvolle Vernetzungsmöglichkeiten.

Herzstück ist aber das einjährige Mentoring-Tandem. Die Teilnehmerinnen können bundesweit Mentorinnen und Mentoren suchen. Julia Küchel: „Das müssen nicht zwingend Professorinnen oder Professoren sein. Sie müssen aber den aktuell angestrebten Karriereschritt schon vollzogen haben.“ Die Mentorinnen und Mentoren sind ehrenamtlich tätig. Manche Mentees wählen jemanden von der Uni Siegen, andere suchen bewusst eine Wissenschaftlerin oder einen Wissenschaftler, die oder der an einer anderen Hochschule forscht und lehrt. Bei Ina Biederbeck hat das auf Anhieb funktioniert. „Ulrike Weyland hat sich als meine Mentorin von Anfang an viel Zeit genommen“, erinnert sie sich. „Das erste Treffen dauerte fünf Stunden.“ Dabei mussten die beiden erst einmal klären, wie sie sich die Mentoring-Beziehung vorstellen und was sie voneinander erwarten.

Die freie Wahl einer Mentorin führt bisweilen zu einer etwas zeitaufwändigeren Suche, wenn eine Wunschperson nicht als Partner für ein Tandem zur Verfügung steht. Maschinenbauingenieurin Inka Büthe, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fakultät IV, konnte erst bei der dritten Anfrage „gematched“ werden. Mit ihrer jetzigen Mentorin ist sie sehr zufrieden. „Obwohl sie aus der Informatik kommt und ich aus dem Maschinenbau.“ Sie habe als Frau in einem männerdominierten Fach zwar immer Ansprechpartner und Unterstützung gehabt, aber bestimmte Probleme könne sie mit ihrer Mentorin einfach besser besprechen. „Außerdem habe ich durch FraMeS viele Kolleginnen aus anderen Fachbereichen kennengelernt. Das fördert das interdisziplinäre Arbeiten.“ Oder man holt sich einfach mal einen Tipp. „Es ist gut, wenn man als Ingenieurin die Pädagogin zum Beispiel mal in Sachen Didaktik befragen kann“, erzählt Inka Büthe mit Augenzwinkern in Richtung Ina Biederbeck. Den kurzen Dienstweg nutzen, sich fakultätsübergreifend unterstützen, die Fäden spinnen, die letztlich ein Netzwerk bilden – das gelingt durch FraMeS innerhalb, aber auch außerhalb der Universität.

„Meine Mentorin hat mich auf Tagungen Kolleginnen und Kollegen vorgestellt, und sogar Publikationen angestoßen“, so Ina Biederbeck. Die Mentoring-Beziehung ist aber keine Einbahnstraße. „Inhaltliche Anstöße gibt es in beide Richtungen“, meint Inka Büthe. Und davon hat auch die Uni Siegen etwas. Die Mentees zeigen Präsenz und stoßen über die Kontakte mit den Mentorinnen und Mentoren neue Kooperationen an. Julia Küchel: „Diesen Mehrwert des Mentoring-Programms für die Universität darf man nicht unterschätzen.“ Sie  wünscht sich, das Mentoring-Programm FraMeS in Zukunft stärker ausdifferenzieren und weiteren Zielgruppen Angebote machen zu können. „Immerhin sind rund 50 Prozent der Studierenden an der Universität Siegen weiblich und die Frauenanteile im wissenschaftlichen Mittelbau liegen deutlich unter dieser Prozentmarke. Eine gezielte Nachwuchsförderung bereits  in der Gruppe der Studentinnen ist sehr wichtig.“

Sabine Nitz

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