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Der perfekte Mord

Das biologische Kolloquium an der Uni Siegen zeigt einen spannenden Vortrag über Brutparasitismus bei Kuckucken.

Es klingt wie der Titel eines Krimis, ist aber die Überschrift eines Vortrags an der Uni Siegen. „Der perfekte Mord – Wie Kuckucke andere Küken umbringen und ungestraft davonkommen“ – so lautete der Vortrag von Dr. Martina Pauli, den die Wissenschaftlerin vom Lehrstuhl für Verhaltensforschung der Universität Bielefeld im Rahmen des biologischen Kolloquiums hielt. Das Kolloquium wird von Prof. Dr. Klaudia Witte organisiert.

Zum Thema: Vögel bauen mühevoll ein Nest, legen ihre Eier hinein, brüten diese aus und versorgen die geschlüpften Küken, bis sie selbstständig sind. So tun es die meisten Arten. Es gibt allerdings Vogelarten, die sich das Leben scheinbar ein wenig erleichtern wollen: So genannte Brutparasiten. Vögel dieser Art bauen keine Nester, sondern legen ihre Eier in die der Anderen und lassen sie anschließend von einem „Wirtsvogel“ ausbrüten und versorgen.

Der berühmteste dieser Art ist der europäische Kuckuck, der pro Saison bis zu 25 Eier legt. Neben ihm gibt es noch 58 weitere Kuckucksarten, die Brutparasitismus betreiben. Aber auch andere Vögel wie der große Honiganzeiger, der als Küken die restlichen Jungtiere im Nest mithilfe eines Hakens am Schnabel tötet oder die Kuckucksente, die ihre Eier in die Nester von Möwen legt, gehen nach einem immer gleichen Schema vor, um sich die Arbeit des Nestbaus und der Aufzucht zu ersparen.

„Der Kuckuck handelt nach einem bestimmten Muster“, erklärt Dr. Martina Pauli. „Das Weibchen sucht sich das Nest eines anderen Vogels, der als ‚Wirtsvogel‘ bezeichnet wird, aus und beobachtet es. Ist es kurz unbesetzt gleitet der Kuckuck lautlos dorthin, schnappt sich ein Ei des Wirtes, legt ein Eigenes hinein und nimmt das Gestohlene mit. Dieser Vorgang passiert innerhalb von zehn Sekunden. Anschließend frisst es das gestohlene Ei häufig auf, da es eine gute Nährstoffquelle darstellt.“ Die Frage, warum der Vogel nicht nur ein Ei hinzulegt, sondern auch eins entfernt, beantwortet die Forscherin so: „Der Wirtsvogel hat natürlich nur begrenzt Platz zum Brüten, da alle Eier genug Wärme erhalten müssen. Aus diesem Grund schafft er Platz für sein eigenes Ei.“

Der Kuckuck ist somit nicht nur ein Parasit, sondern auch ein Nesträuber. Interessant ist, dass sich die Kuckucksweibchen die Nester mit denjenigen Eiern aussuchen, die am besten zu ihren eigenen passen. „Sie spezialisieren sich auf eine bestimmte ‚Wirtsart‘, nämlich auf die, bei der sie selbst aufgewachsen sind“, erklärt Pauli.

Nach dem Ausbrüten schlüpft das Kuckucksküken häufig eher als die anderen jungen Vögel im Nest und wird meist deutlich größer. Aus diesem Grund benötigt der Kuckuck mehr Nahrung als alle anderen. Um an diese zu gelangen, gibt es für die Vogelart mehrere Lösungen.

„Kuckucke übertreiben es mit den Bettelrufen. Sie klingen alleine so, wie mehrere andere Vögel zusammen. Dadurch bekommen sie große Aufmerksamkeit der fütternden ‚Eltern‘. Es kommt aber auch oft vor, dass das Kuckucksküken seine ‚Mitstreiter‘ einfach aus dem Nest wirft und somit das einzige Küken ist, das gefüttert werden muss. Der Jakobinerkuckuck streckt sich höher als seine ‚Geschwister‘, weshalb er als Erster wahrgenommen wird. Denn bei vielen Vogelarten wird der, der sich am höchsten streckt, auch zuerst gefüttert. Eine andere Taktik dieses Kuckucks ist die des ‚Draufsetzens‘. Hierbei streckt der Kuckuck seine Flügel aus, richtet sich auf, lässt sich nach vorne auf die anderen Küken fallen und drückt sie somit hinunter auf den Nestboden. So bekommt das Kuckucksküken als Einziges Futter oder schafft es zumindest öfter zu betteln“, sagt die Forscherin.

Wenn Vögel wie beispielsweise der Dorfweber Kuckucke bei dem Ausführen ihrer „Tat“ erwischen, greifen sie diese an. Teilweise werfen sie fremd aussehende Eier aus dem Nest hinaus oder picken sie an. Dennoch ziehen die meisten Wirte die Kuckucksküken anstandslos auf, was sich die Forscher nicht erklären können

Auch in einem weiteren Punkt waren sich die Wissenschaftler lange nicht einig: „Das Gehirn des Kuckucks ist ca. 20 Prozent kleiner als das anderer Vögel. Eine These war, dass der Brutparasitismus die Ursache für ein kleineres Gehirn sein könnte“, sagt Dr. Pauli und erläutert: „Allerdings muss sich der Kuckuck viel merken können, auch wenn, oder gerade weil er kein eigenes Nest baut. Er muss Informationen darüber sammeln, wann und wo er sein Ei legen kann, wie viel Zeit er dafür hat und ob der Wirt ein ähnliches Nahrungsverhalten besitzt, was sehr wichtig für das Aufwachsen der Kuckucksküken ist. Diese These kann aber widerlegt werden.“ Mit der Methode der „Evolutionären Pfade“, die den Weg vom Ur-Zustand zum modernen Zustand der Art misst, wurde schließlich festgestellt, dass sich wahrscheinlich erst das Hirn verkleinert hat und dann der Parasitismus eingetreten ist.

Abschließend merkte die Forscherin noch an, dass aus nur ca. einem Drittel der in fremden Nestern abgelegten Jakobinerkuckuckseier tatsächlich ein Kuckuck schlüpfen und das Nest für sich beanspruchen kann. Somit lohnt es sich für manche Wirte nicht, fremde Eier aus dem Nest zu entfernen, da auch dies mit Risiken für das restliche Gelege verbunden ist.

Alessa Risse