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Auf nach Brasilien

Das Austauschprojekt „UniBral“ gibt Studierenden der Uni Siegen die Chance, Brasilien kennenzulernen. Eine internationale Fachtagung stärkt die Kooperation mit der Partner-Hochschule in Campinas.

Wenn Jan Breuer über Brasilien spricht, dann gerät er regelrecht ins Schwärmen: „Es gibt dort Orte, die ich als ‚vergessene Paradiese‘ bezeichnen würde. Zum Beispiel Chapada da Diamantina, das ist ein großer Nationalpark mit tollen Wasserfällen“, erzählt er. Der 25 Jahre alte Lehramtsstudent für Berufskollegs (Fächer: Informatik und Mathematik) verbrachte ein Auslandssemester an der Universidade Estadual de Campinas (Unicamp) in Brasilien. Möglich gemacht hat dies das Austauschprojekt „UniBral“, das die Universität Siegen in Kooperation mit der brasilianischen Universität durchführt. „Ich konnte dort Veranstaltungen belegen, die in Deutschland nicht angeboten werden, was ich sehr schön fand. Außerdem habe ich Menschen aus den verschiedensten Teilen der Erde getroffen, viele tolle Orte gesehen, meinen Horizont erweitert und vor allem auch viel über mich selbst gelernt“, sagt Breuer.

Auf das Projekt aufmerksam geworden ist der Student durch einen Zufall: „Ich war schon länger als studentische Hilfskraft an der Uni tätig. Als ich die Aufgabe bekam, eine Homepage für das UniBral-Projekt zu entwickeln, habe ich nachgefragt, ob die Teilnahme auch für mich in Frage käme.“ Denn den Studenten hatte schon länger das Fernweh gepackt: „Ich wollte einfach mal etwas anderes sehen und eine kleine Auszeit vom Studium in Deutschland nehmen.“ Dieser Wunsch erfüllte sich. Er erhielt eine Zusage für das Auslandssemester und ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD), das an das Projekt gebunden ist.

„UniBral“ wird von der Arbeitsgemeinschaft Berufs- und Wirtschaftspädagogik von Prof. Dr. Ulrike Buchmann (Universität Siegen) gefördert. Studierende können durch den Auslandsaufenthalt Erfahrungen sammeln, internationale Kontakte knüpfen und ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern. Angesprochen werden Studierende des Bachelor-Studiengangs „Pädagogik: Entwicklung und Inklusion“ und des Bachelor-Studiengangs „Lehramt für Berufskolleg“, bzw. des auslaufenden Studiengangs „Lehramt für Berufskolleg mit dem Abschluss 1. Staatsexamen“.

Wie auch in Deutschland gibt es in Brasilien Diskrepanzen zwischen den politischen Vorgaben der Bildungspolitik und der tatsächlichen Lage des Bildungssystems. Der Studienaustausch innerhalb des UniBral-Projekts soll dieses Problem thematisieren und die Möglichkeit für einen Austausch bieten. Zudem soll die Kooperation der Universitäten einen kulturellen, sozialen und forschungsorientierten Austausch in Feldern wie Inklusion oder Schulentwicklung ermöglichen.

Um optimal an den Austausch herangeführt werden zu können, arbeiten die Studierenden in so genannten Lern- und Forschungstandems. Die Teams können sowohl über Videokonferenzen und eine Web-Plattform (TeleDuc), als auch während des Austauschs vor Ort an Studien oder Referaten zu erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen arbeiten. Die (Zwischen-) Ergebnisse der Projekte werden anschließend in Brasilien beziehungsweise in Deutschland präsentiert und diskutiert.

Im Rahmen der deutsch-brasilianischen Zusammenarbeit der Arbeitsgruppe Berufs- und Wirtschaftspädagogik und der Faculdade de Educação fand Mitte Dezember 2015 die zweite internationale Fachtagung in Campinas, Brasilien, statt, die vom DAAD und von CAPES (Coordenação de Aperfeiçoamento de Pessoal de Nível Superior) finanziert wurde.

Auch Jan Breuer flog für die Tagung nach Brasilien. „Hauptsächlich ging es dabei um die Erfahrungen, die sowohl deutsche, als auch brasilianische Studierende während ihres Austauschs gesammelt haben. Dass ich so nicht nur meine Freunde wiedertreffen, sondern auch erfahren konnte, was andere während ihres Aufenthalts in Deutschland bzw. Brasilien erlebt haben, hat mir besonders gut gefallen“, erklärt der Student.

Zum Einstieg der Tagung wurde von den Teilnehmern kreatives Geschick gefordert. In einem interaktiven Kunst-Workshop erstellten die Studierenden unter der Leitung von Beate Herrmann (Leiterin der Jugendkunstschule Kunsthaus Alte Mühle e.V.) Skulpturen aus Strohhalmen. Anschließend thematisierten Prof. Dr. Ulrike Buchmann und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sonja Köhler und Katharina Gimbel die Fachkräfteproblematik in der Altenhilfe in Deutschland. Unterstützt wurden sie von Ronald Buchmann, dem außeruniversitären Vertreter der Kooperationsinstitutionen Franziskaner Hof Attendorn und dem Seniorenzentrum St. Gerhardus Drolshagen.

Passend zum UniBral-Projekt wurden Erfahrungsberichte ausgewählter Professorinnen und Professoren der brasilianischen Partneruniversität vorgestellt, die thematisch an die aktuellen Diskurse zur Popularität von Auslandssemestern und der Bedeutung des internationalen Austauschs in Forschung und Lehre anknüpften. In den Fokus rückten hierbei die gemeinsamen Forschungsschwerpunkte Subjektentwicklung und Inklusion. Studierende aus Siegen und Campinas stellten interessante Poster vor, die während des Auslandssemesters entstanden.

Jan Breuer war mit einem Vortrag in das Programm der Tagung involviert. Er berichtete über die Chancen, die ein Auslandsaufenthalt bietet und informierte zusätzlich über die aus seiner Zeit in Brasilien hervorgegangene Zusammenarbeit mit dem Institut NIED (Núcleo de Informática Aplicada à Educação), die er auch nach seiner Rückkehr ins Siegerland ehrenamtlich weiterführt.

Hintergrund
Campinas ist eine Stadt im brasilianischen Bundesstaat São Paulo und liegt etwa 100 Kilometer nördlich von São Paulo. Die Universität von Campinas ist eine der angesehensten staatlichen Universitäten. Aktuell studieren an der Universität rund 40.000 Studierende. Sie gilt als eine der besten und produktivsten Forschungs- und Bildungseinrichtungen in Lateinamerika.

Alessa Risse